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The Answer Girl

01.06.2001 Solange man online ist, halten sich die Sprachprobleme in Grenzen: Web-Wörterbücher wie dict.leo.org helfen in meistens akzeptabler Geschwindigkeit über die Hürden des fehlenden (Englisch-) Wortschatzes hinweg. Doch wehe, man ist weder mit Standleitung noch Flatrate gesegnet: Schon ärgert man sich, das Regal mit den papiernen Wörterbüchern am anderen Ende des Raums aufgestellt zu haben.

Answer Girl

Dass der Computeralltag auch unter Linux des Öfteren für Überraschungen gut ist, ist eher eine Binsenweisheit: Immer wieder funktionieren Dinge nicht oder nicht so, wie eigentlich angenommen. Das Answer-Girl im LinuxUser zeigt, wie man mit solchen Problemchen elegant fertig wird.

Grafische Helferlein wie das im LinuxUser 03/2001 auf S. 66 f. vorgestellte qtrans oder das K-Tool kdict aus Heft 09/2000, S. 74 f., bieten auch offline Abhilfe, doch leider lassen die dort verwendeten Wörterbuchformate kein einfaches Stöbern mit less & Co. auf der Kommandozeile zu. Für das DICT-Protokoll gibt es zwar auch das Kommandozeilentool dict, allerdings hat DICT trotz seines offenen Formats einen großen Nachteil: Ohne den dictd-Server geht gar nichts.

Alles in allem nicht gerade ideal für Anwender, die ihre Wörterbücher gern auch zum Stöbern verwenden oder im Schweiße des eigenen Angesichts erstellte Vokabellisten auch nach dem Paukstress als Nachschlagewerk weiter nutzen möchten. Solange es bei lateinischen Buchstaben bleibt, sind reine ASCII-Dateien hier ungeschlagen: Mit less durchstöbert, lässt sich mit dem less-Befehl /suchbegriff gezielt nach bestimmten suchbegriffen suchen.

Wanted: ASCII-Wortlisten

Selbst wenn Sie im Netz der Netze mittlerweile nicht mehr so einfach aufzufinden sind: Wer nach gesammelten englisch-deutschen Wortlisten fahndet, wird z. B. unter http://www.wh9.tu-dresden.de/~heinrich/dict/dict_leo_ftp/leo_ftp/ fündig.

Einmal herunter geladen und in ein gemeinsames Verzeichnis kopiert – wer root-Rechte hat, wird z. B. /usr/dict/eng_deu erstellen – kann das Stöbern beginnen (Leserechte vorausgesetzt):

[trish@lillegroenn ~]$ cd /usr/dict/eng_deu
 [trish@lillegroenn eng_deu]$ less *

Irgendwann beim Buchstaben z meldet sich less dann in der letzten Zeile zu Wort:

(END) - Next: EXERCISE.VOK

Wie um alles in der Welt kommen wir jetzt in die nächste Datei EXERCISE.VOK? Ein h zeigt zum Glück eine Hilfeseite an, aus der wir lesen:

CHANGING FILES[…]

 :n   *  Examine the (N-th) next file from the command line.
 :p   *  Examine the (N-th) previous file from the command line.

Das less-Kommando :n bringt uns also zur nächsten Datei, während wir mit :p jeweils eine Datei zurück springen können. Leider beschränken sich die Vorwärtssucherei mit /suchbegriff und die Rückwärtssuche mit ?suchbegriff immer auf das aktuell angezeigte File. Doch auch hier weiß h (oder die Man Page) Abhilfe:

SEARCHING[…]

         Search patterns may be modified by one or more of:[…]

         ^E or *  Search multiple files (pass thru END OF FILE).

Zum Ausprobieren schließen wir den Hilfemodus mit q, gehen mit :x zurück in die erste Datei und darin mit 1G (Goto line 1) in die erste Zeile. Wenn wir jetzt statt /yesterday /*yesterday eingeben und mit n jeweils zur nächsten Fundstelle von yesterday springen, ist am Ende einer Datei nicht mehr Schluss, sondern wir suchen uns durch sämtliche auf der Kommandozeile angegebenen Dateien. (Nach der Eingabe des Sternchens meldet less mit EOF-ignore in der letzten Statuszeile, dass es für diese Suche gedenkt, das Ende einer Datei (End of file") zu ignorieren.)

Nicht stöbern, sondern suchen

Nun war das Stöbern zwar ein wichtiges Argument für die ASCII-Vokabellisten, doch auf die gezielte Suche wollen wir auch nicht verzichten. Zu diesem Zweck ist grep unser Freund:

[trish@lillegroenn eng_deu]$ grep yesterday *
 BOOK.VOK:yesterday gestern
 EXERCISE.VOK:gestern - yesterday[…]

 eng2ger.vok:gestern – yesterday[…]

So sehr wir uns sonst darüber freuen, dass grep uns die Fundstelle nennt – für unsere Nachschlagezwecke interessiert es uns nicht gerade brennend, in welcher Datei grep fündig wurde. Zum Glück erklärt man grep

-h, --no-filename
     Suppress the prefixing of filenames on output
     when multiple files are searched.

…, dass sich das Nennen des Dateinamens z. B. mit dem Flag -h abschalten lässt:

[trish@lillegroenn eng_deu]$ grep -h yesterday *
 yesterday gestern
 gestern - yesterday[…]

 gestern – yesterday[…]

Doch das lässt einen Nachteil des auf mehrere, zum Teil thematische ASCII-Dateien mit den Dateinamenendungen .vok oder .VOK verteilten Vokabulars noch deutlicher hervortreten: Die verschiedenen Dateien benutzen unterschiedliche Konventionen, um Phrase und Übersetzung voneinander zu trennen. Um Dubletten herauszufiltern, bleibt nur eines: Wir müssen die Dateien alle auf eine Konvention trimmen.

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