XPilot

Multiplayer-Spaß

01.06.2001
Wie vieles bei mir begann es damals. Doom konnte man gerade mal innerhalb eines lokalen Netzes und unter Lahmlegung desselben spielen; vorausgesetzt, man hatte die höheren Weihen der IPX-Konfiguration unter DOS bereits empfangen. Und was man dann erlebte, machte Doom eigentlich überflüssig: Durch den vom Spiel ausgelösten IPX-Broadcast-Storm mutierten einige in ihrer Arbeit behinderte Sekretärinnen zu amoklaufenden Monstern. Oft war nicht zwischen Spiel und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Die neue Version von XPilot ließ sich dagegen über das Internet spielen. Und sie lief, wie der Name schon vermuten lässt, unter dem X Window System. Genauer gesagt gibt es einen XPilot-Server und einen Client, wobei nur der Client X11 benötigt. Mittlerweile sind auch Clients für Varianten von Windows verfügbar, die allerdings in manchen Punkten zu wünschen übrig lassen (gemeint sind die XPilot-Clients, nicht die Windows-Varianten, bei denen das sowieso klar ist).

Jedoch störte auch XPilot den Netzwerkbetrieb in so mancher deutschen Universität, weil die Administratoren tagelang nur noch spielten – Denial-of-service mal auf eine andere Art. XPilot war ein Spiel auf dem Stand der Zeit: beeindruckende farbige Vektorgrafik, langwieriges Erlernen der Tastatursteuerung, kaum synchronisierter, krächzender Sound. Welch krasser Gegensatz zu heutigen Ego-Shootern. Die Fakten zu XPilot sind nach heutigen Kriterien als Spiele-Bewertung in Abbildung 1 zusammengefasst. Kaum Punkte und dennoch 90% Spiel-Spaß? Ja, auch heute hat XPilot noch seine Reize, die über pures Retro-Computing oder Nostalgiegefühle hinausgehen.

Abbildung 1: Eine objektive Spielewertung

Installation und Vorbereitung – ziehen Sie sich warm an!

Das Spiel besticht weder durch realistische Grafiken noch durch besondere Brutalität oder eine komplexe Rahmenhandlung. Es sind allein die Geschicklichkeit, die Schnelligkeit und die Strategie anderer menschlicher Mitspieler, die dem Spiel den Reiz geben. Anders ausgedrückt: XPilot ist furchtbar langweilig, wenn Sie es alleine spielen. Andererseits benötigen Sie eine solide Ausbildung, um im Haifischbecken "Internet" eine Chance zu haben. Die Ausbildung beginnen Sie am besten auf einem eigenen lokalen Server, auf dem Sie nicht durch das übermächtig gewordene nordische Imperium (Top-Level-Domains .dk, .se, .no und .fi) gestört werden.

Bevor Sie mit dem Spiel loslegen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie mindestens Version 4.3.0 verwenden. Die Versionsnummer wird beim Programmstart stets ausgegeben. Der CD-ROM dieses Hefts liegt die neuste XPilot-Version als tar-Archiv bei, die Sie bei Bedarf selbst bauen und installieren können. Dieser Vorgang ist angenehm einfach und in Kasten 1 erklärt.

Kasten 1: Installationsanleitung für XPilot

Wechseln Sie als Systemadministrator root in das Verzeichnis /usr/local/src/ und entpacken Sie dort das Archiv von der Heft-CD:

cd /usr/local/src
 tar xzf /mnt/cdrom/LinuxUser/xpilot/xpilot-4.3.1.tar.gz

Wechseln Sie in das Quellverzeichnis und kompilieren Sie die Sourcen wie folgt:

cd xpilot-4.3.1
 xmkmf -a
 make

Ein abschließendes

make install

kopiert alle Dateien an die vorgesehenen Stellen im Dateisystem, d. h. den Server nach /usr/games/xpilots und den Client nach /usr/local/games/bin/xpilot.

Der Server (gestartet wird mit /usr/games/xpilots) kontaktiert beim Start sofort den Meta-Server mit Namen meta.xpilot.org und trägt sich dort in die Liste der aktiven Server ein. So erhalten andere Spieler Kenntnis von Ihrem Server und können sich mit diesem verbinden. Die Optionen +reportToMetaServer und -onePlayerOnly unterbinden dieses Verhalten, falls Sie ungestört sein möchten. Den Client starten Sie jetzt mit /usr/local/games/bin/xpilot &. Der Meta-Server lässt sich direkt mit dem XPilot-Client abfragen, indem Sie beim Start einfach keinen Hostnamen angeben. Klicken Sie auf den Button "Internet", und Sie erhalten eine Liste von weltweiten Servern, die nach Anzahl der Spieler sortiert ist.

Von den vielen Optionen für den Server-Prozess ist -mapFileName eine der wichtigsten, weil Sie damit den Dateinamen der Weltkarte festlegen. Speziell für diesen Artikel wurde die Welt newbie-demo entwickelt, die mit Ausnahme der Bälle alle Bausteine enthält. Kopieren Sie die Datei /mnt/cdrom/LinuxUser/xpilot/newbie-demo.xp in das aktuelle Verzeichnis, und starten Sie dann den XPilot-Server auf der Kommandozeile: xpilots -mapFileName ./newbie-demo.xp. Achtung: Die Kanonen an den Wänden schießen bei Annäherung, und man muss mit der Leertaste rechtzeitig die Schutzschilde aktivieren.

Abbildung 2: Training in der Welt "newbie-demo"

Früher liefen alleine in den ehemaligen XPilot-Hochburgen Köln, Paderborn, Stuttgart, Augsburg und München Dutzende von Servern. Historisch belegt ist das beispielsweise durch Weltkarten wie UniPaderborn.xp oder High noon in Bad Lippspringe (BALI). Wer jetzt lacht, hat dort schon mal Minigolf gespielt. Heute liegt die Zahl deutschlandweit meist im einstelligen Bereich. Ähnlich wie im Fußball rächt es sich bitter, dass der Nachwuchs vernachlässigt wurde und sich deutsche Spieler vergleichsweise im Rentenalter befinden. In diesem Sinne versucht dieser Artikel, die Ära eines deutschen Neubeginns einzuleiten. Na, fühlen Sie sich schon stolz, Deutsche(r) zu sein? ;-)

Flieger, grüß mir die Sonne!

Beim Start des Clients geben Sie auf der Kommandozeile als Parameter localhost an, damit der lokale Server kontaktiert wird. Der vollständige Befehl zum Start des Clients lautet /usr/local/games/bin/xpilot localhost &. Der Client liest seine Einstellungen übrigens aus der Datei ~/.xpilotrc, die Sie entweder manuell mit einem Editor oder aus dem Konfigurationsmenü des Clients heraus bearbeiten können (unter Menu/Config). Zunächst präsentiert der Client Ihnen eine interne Kommandozeile, die Sie mit dem Kommando help selbst erkunden können. Durch Drücken der Eingabetaste starten Sie schließlich das Spiel. Haben Sie beim Start das localhost weggelassen, klicken Sie, um in die Welt newbie-demo zu gelangen, im Client-Fenster nun auf Local, und Sie sollten die Meldung "The following local XPilot servers were found" sehen. Es wird Ihnen Ihr lokaler Server angeboten, und mit einem Klick auf Join starten Sie ins Trainingscamp.

Die Steuerung des Schiffs kann entweder mit der Maus und/oder über die Tastatur erfolgen. Neuere (Windows-) Tastaturen schützen den Benutzer gerne vor sich selbst, indem sie beim Drücken mehrerer Tasten total blockieren. Gleichzeitiges Drehen, Beschleunigen und Schießen ([a]/[i]-[Shift]-[Return]) ist mit solchen Tastaturen nicht möglich, und in diesem Fall empfiehlt sich von vornherein die Maussteuerung, um überhaupt eine Chance zu haben. Und beim nächsten Tastaturkauf achtet man wie von selbst auf solche Eigenschaften…

Die Fortbewegung mit dem Schiff ist im Prinzip simpel: nach links drehen mit [a], nach rechts drehen mit [s], Gas geben mit [Shift] und feuern mit [Return] (nicht zu verwechseln mit [Enter] auf dem Ziffernblock, das zwischen Maus- und Tastatursteuerung hin- und herschaltet). Ach ja, und um den Ball an- und abzukoppeln, drückt man [f]. (Letzteres kann notwendig werden, um den Ball treiben zu lassen und währenddessen einen Gegner zu bekämpfen.) Bremsen gibt es keine, denn sonst wäre das Spiel zu kompliziert. Zum Stoppen machen Sie kurzerhand eine Kehrtwendung. Vermeiden sollten Sie eine Kollision mit Wänden, gegnerischen Spielern sowie deren Schüssen. Schutzschilde helfen nur bis zu einer gewissen Geschwindigkeit, besser ist stets die eigene Geschicklichkeit. Die Schilde, der Einsatz von Gegenständen und die Fortbewegung brauchen außerdem (viel) Treibstoff, den Sie rechtzeitig nachtanken müssen. Finden Sie keine herumliegenden Treibstofftanks, dann können Sie die Welt nach eingebauten Tankstellen absuchen, heranfliegen und mit der Taste [f] wie "schlürf" nachtanken. Gegenstände sammeln Sie auf, indem Sie mit der Leertaste die Schilde abschalten (falls aktiv) und drüberfliegen. Eine Liste aller Gegenstände in den Server-Versionen ab 4.1.0 gibt Tabelle 1 wieder.

Manche Gegenstände brauchen sich mit der Zeit oder bei Verwendung auf, egal ob erfolgreich eingesetzt oder nicht. Je mehr Gegenstände eines Typs am Schiff angebracht sind, desto stärker ist auch deren Wirkung. Bedenken Sie darüber hinaus die Möglichkeiten zur Modifikation der Waffen. Eine intelligente Lenkrakete findet den Gegner selbsttätig, während ein unsichtbarer Gegener evtl. mit einer hitzesuchenden Rakete aufgespürt werden kann. Die Tasten zur Modifikation finden sich in Tabelle 2.

Tabelle 1: Gegenstände

Symbol Beschreibung Taste
Treibstoff (fuel): Wird für den Antrieb und die Waffen benötigt. Kann zur Reperatur der eigenen Basis verwendet werden. Lässt sich auch tanken. keine
Tanks: Zur Aufnahme von zusätzlichem Treibstoff. Beschleunigt außerdem das Tanken. Jeder Tank fasst nur eine begrenzte Menge Treibstoff. Lässt sich auch als Waffe einsetzen, indem Sie ihn abkoppeln. Die Tanks bilden zusammen mit dem fest eingebauten Haupttank eine Einheit, dessen Füllstand rechts im HUD angezeigt wird. [R]
keins Bordkanone: Die fest im Schiff eingebaute Kanone. Kann durch einen Fächer und eine Heckkanone ergänzt werden. [Return]
Fächerkanone (wides): Streut die Schüsse der Bordkanone in einem breiten Winkel. Der Winkel kann vom Spieler mit der Taste [z] in vier Stufen gesetzt werden. [Return]
Heckkanone (rearshots): Eine Kanone am Heck des Schiffs. [Return]
Nachbrenner (afterburner): Bessere Ausnutzung des Treibstoffs. Der Antrieb des Schiffs wird dadurch leistungsfähiger. keine
Zusatzantrieb: Gibt kurzfristig mehr Schub. Braucht sich dabei auf. [J]
Traktorstrahl: Zum verhängnisvollen Ziehen oder Schieben anderer Spieler. [T]
Autopilot: Hält das Schiff in seiner augenblicklichen Position. Für Anfänger nützlich zum Tanken. [H]
Zusatzschilde (extra shields): Extra starke Schutzschilde schützen vor dem Kontakt mit Wänden, feindlichen Schiffen und deren Waffen. Freigabe mit [G], Aktivierung mit der Leertaste. Solange die Schilde aktiv sind, können Sie eigene Waffen nicht abfeuern und keine Gegenstände aufnehmen. Gegen einen Zusammenprall mit einer Kanone oder einer Schatzbox helfen auch die Zusatzschilde nicht. [G]
Laser: Ein mehr oder weniger langer Lichtstrahl. Kann den Gegner atomisieren oder lähmen. [-]
Laserreflektor: Wirft manchmal die Laserstrahlen anderer Spieler zurück. Pro Reflektor verringert sich die Wahrscheinlichkeit fremder Treffer um die Hälfte. [I]
Tarnkappe (cloake): Macht das eigene Schiff mehr oder weniger unsichtbar für andere Spieler. Die Abgase sind allerdings weiterhin sichtbar. Durchfliegen von Wurmlöchern, Beschuss und ECM macht trotz Tarnkappe kurzzeitig sichtbar. [Entf]
Sensor: Macht andere unsichtbare Spieler mehr oder weniger sichtbar, d. h. ist das Gegenstück zur Tarnkappe. keine
Transporterstrahl: Zum Stehlen der Gegenstände anderer Spieler. [T]
Minen: Explodieren bei Annäherung anderer Spieler oder per Fernzündung. In beweglicher oder stationärer Ausführung. Minen lassen sich mit ECM umprogrammieren. [Tab][+]
Raketen (missiles): Lassen sich in drei Ausführungen einsetzen. Ungelenkte Raketen (Torpedos) fliegen einfach nur geradeaus – bis sie auftreffen. Hitzesuchende Rakten ("heat seekers") spüren aktive Antriebe wegen deren Abwärme auf. Auch die eigenen, also Vorsicht. Programmierte Raketen ("smart missiles") spüren den Spieler auf, dessen Namen Sie gerade im Radar haben. Mit ECM lassen sich die intelligenten Raketen anderer Spieler umprogrammieren. Unsichtbare Spieler sind nicht aufspürbar. [Ä][Ö][ß]
Störsender (electronic counter measures, ECM): Wirken auf die Bordelektronik des Gegners, blenden ihn dadurch, verursachen Ballverlust, zerstören einen Teil seiner Laser und programmieren Minen, Raketen und Roboter in der unmittelbaren Umgebung um. Die Stärke der Wirkung hängt von der Entfernung ab. Die maximale Reichweite beträgt elf Blöcke. [Ü]
Deflektor: Hält manchmal Schüsse und andere gefährliche Objekte vom Schiff fern. Weniger wirksam als Schutzschilde. [O]
Hypersprung: Versetzt das Schiff an eine zufällige andere Stelle in der Welt. Braucht sich dabei vollständig auf. [Q]
Phaser: Dematerialisiert das eigene Schiff, so dass Sie unverwundbar werden und andere Dinge durchfliegen können. Andererseits können Sie keine Gegenstände aufnehmen oder Waffen abfeuern. Dauer der Wirkung bis zu vier Sekunden. [P]

Die Tastenbelegung ist eine Wissenschaft für sich, ebenso die Frage, ob Sie mit Maus oder Tastatur spielen möchten. In jedem Fall sollten Sie sich die Tasten für den Anfang so belegen, dass sie mit der englischen Originalbelegung übereinstimmen. Der Heft-CD-ROM ist dazu die Datei xpilotrc-german beigefügt, die Sie als Grundgerüst für Ihre persönliche .xpilotrc verwenden können. Wenn in diesem Artikel von der Tastenbelegung die Rede ist, dann ist stets die Standard-Belegung gemeint.

Sie sollten auf jeden Fall von drei übergeordneten Tastaturfunktionen Gebrauch machen:

  • Alternative Client-Konfiguration, auf die in besonderen Situationen mit der [Esc]-Taste umgeschaltet wird. Beispiel: im Nahkampf näher an das Geschehen heranzoomen.
  • Makro-Tasten für die Waffenkonfiguration. Beispiel: I B3 Z1.
  • Talk-Makros für oft gebrauchte Redewendungen. Für Details siehe die Datei README.talkmacros, die im Unterverzeichnis doc der XPilot-Sourcen zu finden ist.Leider lassen sich diese Funktionen nur durch Bearbeiten der .xpilotrc in einem Text-Editor belegen.

Tabelle 2: Modifikation von Waffen

Taste Wirkung
[i] Implosion: Waffen implodieren und ziehen dadurch umliegende Spieler an sich (ggf. in ihr Verderben). Nochmaliges Drücken schaltet auf den Explosions-Modus zurück.
[z] Streuwinkel: In vier Stufen (Z0-Z3) kann der Abschuss-Winkel gewählt werden. Ist Ihr Schiff mit vielen Fächerkanonen ausgerüstet und verspotten andere Spieler Sie bereits als Sonne, dann macht ein kleinerer Streuwinkel dem Gespött schnell ein Ende.
[b] Big: In vier Stufen (B0-B3) wird den Waffen zusätzlicher Treibstoff hinzugefüllt, so dass die Waffen schwerer werden, deswegen langsamer fliegen und außerdem mehr Schaden anrichten.
[v] Beschleunigung (velocity): Die Waffen und Partikel fliegen schneller, vergehen aber auch schneller. Auch hier sind vier Stufen von V0 bis V3 möglich.
[c] Splitter (cluster): Sehr garstige Modifikation, durch die Minen und Raketen nicht nur Druckwellen erzeugen, sondern auch noch einen Splitterregen hinterlassen.
[n] Nuklear: Mehrere Minen oder Raketen werden zu einer zusammengeschnürt und ergeben insbesondere als "full nuklear weapons" (FN) äußerst zerstörerische Waffen. Machen Sie sich rechtzeitig aus dem Staub, ansonsten bekommen Sie selbst etwas ab.
[x] Multiplikation: Minen und Raketen werden in kleinerer, aber mehrfacher Ausführung abgeschossen. Wählbar von einfach (X0) bis vierfach (X4).
Abbildung 3: Tastenbelegung.

Psychologische Waffen – beschimpfen erlaubt?

Neben der Steuerung des Schiffs und dem Einsatz der Waffen spielt auch die psychologische Strategie eine Rolle. Wobei wir auch bei der ersten Grundregel angelangt wären: Am eigenen Versagen sind Sie nie selbst Schuld, sondern der Client, die Netzwerkverbindung oder das unglaubliche Glück des Gegenspielers. Hier einige englische Ausdrücke, mit denen Sie das signalisieren können: "lucky, pure luck, never!, hacked!, filth!, pathetic, stray, no way!, die!, smash, hands off, damn, forget it, hey, doh, oh my". Als Übung können Sie diese ins Deutsche übersetzen.

Es erübrigt sich fast von selbst, auf die Möglichkeit zur Kommunikation mit anderen Spielern hinzuweisen. Die Chat-Zeile gehört einfach zu einem Netzwerkspiel im Internet dazu und wird mit der Taste [M] ("message") aktiviert. Die Sprache der XPilot-Spieler hat einige Besonderheiten. Sogenannte "item-wussies" sind Spieler mit Sammelleidenschaft für Gegenstände, "suiciders" begehen aus Feigheit Selbstmord und "(base) sitters" sind Teilnehmer, die nicht angreifen. Sie können sogar mit dem Server sprechen, der nämlich die Kommandos /advance, /help, /kick, /lock, /password, /pause, /queue, /reset, /set, /team und /version versteht. Beispiel: m/help set. Auf diese Weise können Sie den Server ohne Neustart konfigurieren; allerdings benötigen Sie für die meisten Operator-Befehle ein in der Weltkarte mit dem Kommando /password definiertes Kennwort.

Nun sind Sie der Weltkarten newbie-demo.xp und der fabriksmäßig voreingestellten default.xp überdrüssig? Dann ist es an der Zeit, sich mit den vielen XPilot-Welten zu beschäftigen. Eine bebilderte Übersicht finden Sie etwa unter der URL http://www.undue.org/homepages/matt/xpilot/maps.html. Es gibt drei Grundtypen von XPilot-Welten: Duelle, Rennen und Balljagd. Mit dem Einzelkampf wie in der Standardkarte sollten Sie beginnen, um sich später an Rennen zu versuchen und schließlich die hohe Kunst des Ballspiels zu erlernen.

Die mit Abstand beliebteste XPilot-Welt nennt sich "Bloods Music 2". Zwei Teams aus je vier Spielern versuchen dabei, den Ball des gegnerischen Teams zu stehlen und in der eigenen Garage zu plazieren. Das ist gar nicht einfach, weil der Ball ein ganz schönes Gewicht hat. Ja, tatsächlich gehorcht in XPilot alles physikalischen Gesetzen und wird auch entsprechend berechnet: Erdanziehung, Massen, Abprallwinkel, usw. Gelingt der Raub, dann gibt es eine Menge Punkte für das Team und entsprechend viele Minuspunkte für das gegenerische Team, weshalb dieses alles versucht, um den eigenen Ball zu beschützen. Dazu gehört auch der Einsatz der Bordkanone, deren Treffer den Gegner eines seiner Leben kostet (pro Runde hat man vier Leben) und ihn zurück an seine Home-Basis bringt. Beachten Sie jedoch: "Bloods Music" ist der Tummelplatz der XPilot-"Götter" und daher nur für geübte Spieler zu empfehlen.

Aber zum Glück gibt es eine ganze Menge anderer interessanter Weltkarten, wie z. B. auf folgender subjektiven Liste: "Tourmination", "New Dark", "Hell", "Hi there", "Teamball", "The caves", "Pizza" und "Mad Cow Disease" (s. Abb. 4). Letztere ist wegen ihrer besonderen Originalität mein persönlicher Favorit, auch wenn man alle Gags nach wenigen Runden gesehen hat.

Abbildung 4: Ausschnitt aus der Welt "Mad Cow Disease"

Falls Sie jemals selbst eine Weltkarte entwerfen, dann berücksichtigen Sie die Schwierigkeiten von nicht-lokalen Spielern, d. h. weiche Wände, an denen man nicht sofort zerschellt und eine niedrige Bildwiederholfrequenz von zwölf Bildern pro Sekunde ("12 frames per second"). Die Konstruktion von Welten geht über den Anspruch dieses Artikels hinaus, ist aber schon mit einem Texteditor und etwas Fleiß möglich.

XPilot-Client und -Server kommunizieren auf der Grundlage des UDP/IP-Protokolls miteinander, was gegenüber TCP/IP den Vorteil der Fehlertoleranz hat. Kommt ein UDP-Paket mal nicht an, dann versucht der Linux-Kernel keine erneute Übertragung, denn die Übertragung dauert gemessen an der menschlichen Reaktionszeit lange, und in der Zwischenzeit würde der Spieler das weitere Spielgeschehen verpassen, welches in Form neuer UDP-Pakete längst vorliegt. Man lernt bei XPilot sehr schnell, wie hoch die menschliche Reaktionszeit ist – ungefähr 20 ms. Im lokalen Ethernet (10 Mbit/s) liegen die Laufzeiten für Datenpakete mit 2 ms meist darunter, während man im Internet oft jenseits der 20-ms-Grenze spielt. Lag (sprich gedehntes L-A-G) nennt man die Verzögerung im XPilot-Jargon. Und wenn der Lag daran Schuld ist, dass man in der entscheidenden Situation die Kontrolle über das Schiff verliert, dann sind in der Chat-Zeile des Clients auch Zusammensetzungsformen mit Vulgärausdrücken zu lesen, die sich hier nicht abdrucken lassen.

Messen kann man die Laufzeiten zum Server z. B. mit dem Kommando ping, das in der Spalte time= die Laufzeiten angibt. Über 60 ms ist man stark benachteiligt, und über 100ms spielt man eher aus Höflichkeit oder zum Training. Sogenanntes Lag-Training hilft für die mehrmals jährlich stattfindenden Team-Cups, bei denen zwei Tage lang Teams aus verschiedenen europäischen Ländern gegeneinander antreten. Dann muss man nämlich mit der Verzögerung zu weit entfernten Servern umgehen können.

wt@backstage:~> ping -c 5 wonder2.e.kth.se
 PING wonder2.e.kth.se (130.237.48.16): 56 data bytes
 64 bytes from 130.237.48.16: icmp_seq=0 ttl=51 time=44.3 ms

Falls Sie auf Probleme mit XPilot stoßen, ist die Newsgroup rec.games.computer.xpilot die richtige Adresse. Sie können dort auch auf Deutsch Fragen stellen, ich habe die Leute vorgewarnt. Die Newsgroup ist auch die richtige Anlaufstelle für die Suchtberatung. Beispielsweise sollten Sie versuchen, von XPilot loszukommen, wenn Sie nach dem Spiel längere Zeit rote Dreiecke vor Augen haben, evtl. sogar Schwindelgefühle… XPilot-sickness ist der Fachausdruck für derlei Beschwerden. Ein entsprechender Artikel "XPilot – wie komme ich davon wieder los" ist bereits in Vorbereitung. Bis der erscheint, können Sie ja ein paar Runden spielen.

Der Autor

Winfried Trümper entwickelt durchgeknallte Konzepte zur Weiterentwicklung von Unix, wie z. B. sql4txt, docfs, shobj oder file-rc. Da er davon und vom Xpilot spielen alleine nicht leben kann, bestreitet er seinen Lebensunterhalt durch Perl-Programmierung und Systemadministration. Zu erreichen ist er unter mailto:me@wt.xpilot.org.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare