XPilot

Multiplayer-Spaß

01.06.2001
Wie vieles bei mir begann es damals. Doom konnte man gerade mal innerhalb eines lokalen Netzes und unter Lahmlegung desselben spielen; vorausgesetzt, man hatte die höheren Weihen der IPX-Konfiguration unter DOS bereits empfangen. Und was man dann erlebte, machte Doom eigentlich überflüssig: Durch den vom Spiel ausgelösten IPX-Broadcast-Storm mutierten einige in ihrer Arbeit behinderte Sekretärinnen zu amoklaufenden Monstern. Oft war nicht zwischen Spiel und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Die neue Version von XPilot ließ sich dagegen über das Internet spielen. Und sie lief, wie der Name schon vermuten lässt, unter dem X Window System. Genauer gesagt gibt es einen XPilot-Server und einen Client, wobei nur der Client X11 benötigt. Mittlerweile sind auch Clients für Varianten von Windows verfügbar, die allerdings in manchen Punkten zu wünschen übrig lassen (gemeint sind die XPilot-Clients, nicht die Windows-Varianten, bei denen das sowieso klar ist).

Jedoch störte auch XPilot den Netzwerkbetrieb in so mancher deutschen Universität, weil die Administratoren tagelang nur noch spielten – Denial-of-service mal auf eine andere Art. XPilot war ein Spiel auf dem Stand der Zeit: beeindruckende farbige Vektorgrafik, langwieriges Erlernen der Tastatursteuerung, kaum synchronisierter, krächzender Sound. Welch krasser Gegensatz zu heutigen Ego-Shootern. Die Fakten zu XPilot sind nach heutigen Kriterien als Spiele-Bewertung in Abbildung 1 zusammengefasst. Kaum Punkte und dennoch 90% Spiel-Spaß? Ja, auch heute hat XPilot noch seine Reize, die über pures Retro-Computing oder Nostalgiegefühle hinausgehen.

Abbildung 1: Eine objektive Spielewertung

Installation und Vorbereitung – ziehen Sie sich warm an!

Das Spiel besticht weder durch realistische Grafiken noch durch besondere Brutalität oder eine komplexe Rahmenhandlung. Es sind allein die Geschicklichkeit, die Schnelligkeit und die Strategie anderer menschlicher Mitspieler, die dem Spiel den Reiz geben. Anders ausgedrückt: XPilot ist furchtbar langweilig, wenn Sie es alleine spielen. Andererseits benötigen Sie eine solide Ausbildung, um im Haifischbecken "Internet" eine Chance zu haben. Die Ausbildung beginnen Sie am besten auf einem eigenen lokalen Server, auf dem Sie nicht durch das übermächtig gewordene nordische Imperium (Top-Level-Domains .dk, .se, .no und .fi) gestört werden.

Bevor Sie mit dem Spiel loslegen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie mindestens Version 4.3.0 verwenden. Die Versionsnummer wird beim Programmstart stets ausgegeben. Der CD-ROM dieses Hefts liegt die neuste XPilot-Version als tar-Archiv bei, die Sie bei Bedarf selbst bauen und installieren können. Dieser Vorgang ist angenehm einfach und in Kasten 1 erklärt.

Kasten 1: Installationsanleitung für XPilot

Wechseln Sie als Systemadministrator root in das Verzeichnis /usr/local/src/ und entpacken Sie dort das Archiv von der Heft-CD:

cd /usr/local/src
 tar xzf /mnt/cdrom/LinuxUser/xpilot/xpilot-4.3.1.tar.gz

Wechseln Sie in das Quellverzeichnis und kompilieren Sie die Sourcen wie folgt:

cd xpilot-4.3.1
 xmkmf -a
 make

Ein abschließendes

make install

kopiert alle Dateien an die vorgesehenen Stellen im Dateisystem, d. h. den Server nach /usr/games/xpilots und den Client nach /usr/local/games/bin/xpilot.

Der Server (gestartet wird mit /usr/games/xpilots) kontaktiert beim Start sofort den Meta-Server mit Namen meta.xpilot.org und trägt sich dort in die Liste der aktiven Server ein. So erhalten andere Spieler Kenntnis von Ihrem Server und können sich mit diesem verbinden. Die Optionen +reportToMetaServer und -onePlayerOnly unterbinden dieses Verhalten, falls Sie ungestört sein möchten. Den Client starten Sie jetzt mit /usr/local/games/bin/xpilot &. Der Meta-Server lässt sich direkt mit dem XPilot-Client abfragen, indem Sie beim Start einfach keinen Hostnamen angeben. Klicken Sie auf den Button "Internet", und Sie erhalten eine Liste von weltweiten Servern, die nach Anzahl der Spieler sortiert ist.

Von den vielen Optionen für den Server-Prozess ist -mapFileName eine der wichtigsten, weil Sie damit den Dateinamen der Weltkarte festlegen. Speziell für diesen Artikel wurde die Welt newbie-demo entwickelt, die mit Ausnahme der Bälle alle Bausteine enthält. Kopieren Sie die Datei /mnt/cdrom/LinuxUser/xpilot/newbie-demo.xp in das aktuelle Verzeichnis, und starten Sie dann den XPilot-Server auf der Kommandozeile: xpilots -mapFileName ./newbie-demo.xp. Achtung: Die Kanonen an den Wänden schießen bei Annäherung, und man muss mit der Leertaste rechtzeitig die Schutzschilde aktivieren.

Abbildung 2: Training in der Welt "newbie-demo"

Früher liefen alleine in den ehemaligen XPilot-Hochburgen Köln, Paderborn, Stuttgart, Augsburg und München Dutzende von Servern. Historisch belegt ist das beispielsweise durch Weltkarten wie UniPaderborn.xp oder High noon in Bad Lippspringe (BALI). Wer jetzt lacht, hat dort schon mal Minigolf gespielt. Heute liegt die Zahl deutschlandweit meist im einstelligen Bereich. Ähnlich wie im Fußball rächt es sich bitter, dass der Nachwuchs vernachlässigt wurde und sich deutsche Spieler vergleichsweise im Rentenalter befinden. In diesem Sinne versucht dieser Artikel, die Ära eines deutschen Neubeginns einzuleiten. Na, fühlen Sie sich schon stolz, Deutsche(r) zu sein? ;-)

Flieger, grüß mir die Sonne!

Beim Start des Clients geben Sie auf der Kommandozeile als Parameter localhost an, damit der lokale Server kontaktiert wird. Der vollständige Befehl zum Start des Clients lautet /usr/local/games/bin/xpilot localhost &. Der Client liest seine Einstellungen übrigens aus der Datei ~/.xpilotrc, die Sie entweder manuell mit einem Editor oder aus dem Konfigurationsmenü des Clients heraus bearbeiten können (unter Menu/Config). Zunächst präsentiert der Client Ihnen eine interne Kommandozeile, die Sie mit dem Kommando help selbst erkunden können. Durch Drücken der Eingabetaste starten Sie schließlich das Spiel. Haben Sie beim Start das localhost weggelassen, klicken Sie, um in die Welt newbie-demo zu gelangen, im Client-Fenster nun auf Local, und Sie sollten die Meldung "The following local XPilot servers were found" sehen. Es wird Ihnen Ihr lokaler Server angeboten, und mit einem Klick auf Join starten Sie ins Trainingscamp.

Die Steuerung des Schiffs kann entweder mit der Maus und/oder über die Tastatur erfolgen. Neuere (Windows-) Tastaturen schützen den Benutzer gerne vor sich selbst, indem sie beim Drücken mehrerer Tasten total blockieren. Gleichzeitiges Drehen, Beschleunigen und Schießen ([a]/[i]-[Shift]-[Return]) ist mit solchen Tastaturen nicht möglich, und in diesem Fall empfiehlt sich von vornherein die Maussteuerung, um überhaupt eine Chance zu haben. Und beim nächsten Tastaturkauf achtet man wie von selbst auf solche Eigenschaften…

Die Fortbewegung mit dem Schiff ist im Prinzip simpel: nach links drehen mit [a], nach rechts drehen mit [s], Gas geben mit [Shift] und feuern mit [Return] (nicht zu verwechseln mit [Enter] auf dem Ziffernblock, das zwischen Maus- und Tastatursteuerung hin- und herschaltet). Ach ja, und um den Ball an- und abzukoppeln, drückt man [f]. (Letzteres kann notwendig werden, um den Ball treiben zu lassen und währenddessen einen Gegner zu bekämpfen.) Bremsen gibt es keine, denn sonst wäre das Spiel zu kompliziert. Zum Stoppen machen Sie kurzerhand eine Kehrtwendung. Vermeiden sollten Sie eine Kollision mit Wänden, gegnerischen Spielern sowie deren Schüssen. Schutzschilde helfen nur bis zu einer gewissen Geschwindigkeit, besser ist stets die eigene Geschicklichkeit. Die Schilde, der Einsatz von Gegenständen und die Fortbewegung brauchen außerdem (viel) Treibstoff, den Sie rechtzeitig nachtanken müssen. Finden Sie keine herumliegenden Treibstofftanks, dann können Sie die Welt nach eingebauten Tankstellen absuchen, heranfliegen und mit der Taste [f] wie "schlürf" nachtanken. Gegenstände sammeln Sie auf, indem Sie mit der Leertaste die Schilde abschalten (falls aktiv) und drüberfliegen. Eine Liste aller Gegenstände in den Server-Versionen ab 4.1.0 gibt Tabelle 1 wieder.

Manche Gegenstände brauchen sich mit der Zeit oder bei Verwendung auf, egal ob erfolgreich eingesetzt oder nicht. Je mehr Gegenstände eines Typs am Schiff angebracht sind, desto stärker ist auch deren Wirkung. Bedenken Sie darüber hinaus die Möglichkeiten zur Modifikation der Waffen. Eine intelligente Lenkrakete findet den Gegner selbsttätig, während ein unsichtbarer Gegener evtl. mit einer hitzesuchenden Rakete aufgespürt werden kann. Die Tasten zur Modifikation finden sich in Tabelle 2.

Tabelle 1: Gegenstände

Symbol Beschreibung Taste
Treibstoff (fuel): Wird für den Antrieb und die Waffen benötigt. Kann zur Reperatur der eigenen Basis verwendet werden. Lässt sich auch tanken. keine
Tanks: Zur Aufnahme von zusätzlichem Treibstoff. Beschleunigt außerdem das Tanken. Jeder Tank fasst nur eine begrenzte Menge Treibstoff. Lässt sich auch als Waffe einsetzen, indem Sie ihn abkoppeln. Die Tanks bilden zusammen mit dem fest eingebauten Haupttank eine Einheit, dessen Füllstand rechts im HUD angezeigt wird. [R]
keins Bordkanone: Die fest im Schiff eingebaute Kanone. Kann durch einen Fächer und eine Heckkanone ergänzt werden. [Return]
Fächerkanone (wides): Streut die Schüsse der Bordkanone in einem breiten Winkel. Der Winkel kann vom Spieler mit der Taste [z] in vier Stufen gesetzt werden. [Return]
Heckkanone (rearshots): Eine Kanone am Heck des Schiffs. [Return]
Nachbrenner (afterburner): Bessere Ausnutzung des Treibstoffs. Der Antrieb des Schiffs wird dadurch leistungsfähiger. keine
Zusatzantrieb: Gibt kurzfristig mehr Schub. Braucht sich dabei auf. [J]
Traktorstrahl: Zum verhängnisvollen Ziehen oder Schieben anderer Spieler. [T]
Autopilot: Hält das Schiff in seiner augenblicklichen Position. Für Anfänger nützlich zum Tanken. [H]
Zusatzschilde (extra shields): Extra starke Schutzschilde schützen vor dem Kontakt mit Wänden, feindlichen Schiffen und deren Waffen. Freigabe mit [G], Aktivierung mit der Leertaste. Solange die Schilde aktiv sind, können Sie eigene Waffen nicht abfeuern und keine Gegenstände aufnehmen. Gegen einen Zusammenprall mit einer Kanone oder einer Schatzbox helfen auch die Zusatzschilde nicht. [G]
Laser: Ein mehr oder weniger langer Lichtstrahl. Kann den Gegner atomisieren oder lähmen. [-]
Laserreflektor: Wirft manchmal die Laserstrahlen anderer Spieler zurück. Pro Reflektor verringert sich die Wahrscheinlichkeit fremder Treffer um die Hälfte. [I]
Tarnkappe (cloake): Macht das eigene Schiff mehr oder weniger unsichtbar für andere Spieler. Die Abgase sind allerdings weiterhin sichtbar. Durchfliegen von Wurmlöchern, Beschuss und ECM macht trotz Tarnkappe kurzzeitig sichtbar. [Entf]
Sensor: Macht andere unsichtbare Spieler mehr oder weniger sichtbar, d. h. ist das Gegenstück zur Tarnkappe. keine
Transporterstrahl: Zum Stehlen der Gegenstände anderer Spieler. [T]
Minen: Explodieren bei Annäherung anderer Spieler oder per Fernzündung. In beweglicher oder stationärer Ausführung. Minen lassen sich mit ECM umprogrammieren. [Tab][+]
Raketen (missiles): Lassen sich in drei Ausführungen einsetzen. Ungelenkte Raketen (Torpedos) fliegen einfach nur geradeaus – bis sie auftreffen. Hitzesuchende Rakten ("heat seekers") spüren aktive Antriebe wegen deren Abwärme auf. Auch die eigenen, also Vorsicht. Programmierte Raketen ("smart missiles") spüren den Spieler auf, dessen Namen Sie gerade im Radar haben. Mit ECM lassen sich die intelligenten Raketen anderer Spieler umprogrammieren. Unsichtbare Spieler sind nicht aufspürbar. [Ä][Ö][ß]
Störsender (electronic counter measures, ECM): Wirken auf die Bordelektronik des Gegners, blenden ihn dadurch, verursachen Ballverlust, zerstören einen Teil seiner Laser und programmieren Minen, Raketen und Roboter in der unmittelbaren Umgebung um. Die Stärke der Wirkung hängt von der Entfernung ab. Die maximale Reichweite beträgt elf Blöcke. [Ü]
Deflektor: Hält manchmal Schüsse und andere gefährliche Objekte vom Schiff fern. Weniger wirksam als Schutzschilde. [O]
Hypersprung: Versetzt das Schiff an eine zufällige andere Stelle in der Welt. Braucht sich dabei vollständig auf. [Q]
Phaser: Dematerialisiert das eigene Schiff, so dass Sie unverwundbar werden und andere Dinge durchfliegen können. Andererseits können Sie keine Gegenstände aufnehmen oder Waffen abfeuern. Dauer der Wirkung bis zu vier Sekunden. [P]

Die Tastenbelegung ist eine Wissenschaft für sich, ebenso die Frage, ob Sie mit Maus oder Tastatur spielen möchten. In jedem Fall sollten Sie sich die Tasten für den Anfang so belegen, dass sie mit der englischen Originalbelegung übereinstimmen. Der Heft-CD-ROM ist dazu die Datei xpilotrc-german beigefügt, die Sie als Grundgerüst für Ihre persönliche .xpilotrc verwenden können. Wenn in diesem Artikel von der Tastenbelegung die Rede ist, dann ist stets die Standard-Belegung gemeint.

Sie sollten auf jeden Fall von drei übergeordneten Tastaturfunktionen Gebrauch machen:

  • Alternative Client-Konfiguration, auf die in besonderen Situationen mit der [Esc]-Taste umgeschaltet wird. Beispiel: im Nahkampf näher an das Geschehen heranzoomen.
  • Makro-Tasten für die Waffenkonfiguration. Beispiel: I B3 Z1.
  • Talk-Makros für oft gebrauchte Redewendungen. Für Details siehe die Datei README.talkmacros, die im Unterverzeichnis doc der XPilot-Sourcen zu finden ist.Leider lassen sich diese Funktionen nur durch Bearbeiten der .xpilotrc in einem Text-Editor belegen.

Tabelle 2: Modifikation von Waffen

Taste Wirkung
[i] Implosion: Waffen implodieren und ziehen dadurch umliegende Spieler an sich (ggf. in ihr Verderben). Nochmaliges Drücken schaltet auf den Explosions-Modus zurück.
[z] Streuwinkel: In vier Stufen (Z0-Z3) kann der Abschuss-Winkel gewählt werden. Ist Ihr Schiff mit vielen Fächerkanonen ausgerüstet und verspotten andere Spieler Sie bereits als Sonne, dann macht ein kleinerer Streuwinkel dem Gespött schnell ein Ende.
[b] Big: In vier Stufen (B0-B3) wird den Waffen zusätzlicher Treibstoff hinzugefüllt, so dass die Waffen schwerer werden, deswegen langsamer fliegen und außerdem mehr Schaden anrichten.
[v] Beschleunigung (velocity): Die Waffen und Partikel fliegen schneller, vergehen aber auch schneller. Auch hier sind vier Stufen von V0 bis V3 möglich.
[c] Splitter (cluster): Sehr garstige Modifikation, durch die Minen und Raketen nicht nur Druckwellen erzeugen, sondern auch noch einen Splitterregen hinterlassen.
[n] Nuklear: Mehrere Minen oder Raketen werden zu einer zusammengeschnürt und ergeben insbesondere als "full nuklear weapons" (FN) äußerst zerstörerische Waffen. Machen Sie sich rechtzeitig aus dem Staub, ansonsten bekommen Sie selbst etwas ab.
[x] Multiplikation: Minen und Raketen werden in kleinerer, aber mehrfacher Ausführung abgeschossen. Wählbar von einfach (X0) bis vierfach (X4).
Abbildung 3: Tastenbelegung.

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