KOffice-Workshop Teil 4

Aus LinuxUser 06/2001

KOffice-Workshop Teil 4

Praktische Übungen mit K. im Büro

Nachdem in den letzten drei Teilen unseres KOffice-Workshops nur relativ nüchterne Zahlen und Texte die Hauptrolle gespielt haben, wollen wir dieses Mal etwas kreativer werden und mit Hilfe des Vektormalprogramms KIllustrator ein lustiges Smilie-Gesicht hervorzaubern.

Workshop-Übersicht 

1. Textverarbeitung mit KWord – Teil 1: Ein Geschäftsbrief

2. Textverarbeitung mit KWord – Teil 2: Eine Zeitung

3. Tabellen und Diagramme mit KSpread und KChart

4. Grafiken und Bilder mit KIllustrator

5. Präsentationen mit KPresenter

Grafiken und Bilder lassen sich im Computer auf zweierlei Arten darstellen. Zum einen kann man ein Bild in viele kleine Punkte, die sogenannten Pixel (englische Abkürzung für “Picture Element”, deutsch Bildelement) zerlegen. Auf dieselbe Weise setzen übrigens auch Ihr Monitor und Ihr Drucker ein Bild zusammen. Leider enden Vergrößerungen dieser Raster- oder auch Bitmap-Bilder in ziemlich klobigen und unansehnlichen Blockstrukturen.

Bei der anderen Möglichkeit, die gerade im Bereich der technischen Zeichnungen sehr beliebt ist, werden die Bilder aus einzelnen geometrischen Elementen wie z. B. Linien oder Kreisen zusammengesetzt. Neben dem Vorteil, dass diese Vektorgrafiken ziemlich wenig Platz auf der Festplatte beanspruchen – man braucht lediglich die Lage und Größe der einzelnen Element zu speichern – kann man diese Grafiken auch um beliebige Faktoren vergrößern. Der Nachteil solcher Bilder liegt in ihrem oft ziemlich komplexen Aufbau: Fotos lassen sich auf diese Weise gar nicht oder nur erschwert darstellen.

Wir haben nur eins

In KOffice existiert nur ein vollständig auf Vektorgrafiken spezialisiertes Malprogramm namens KIllustrator. Ein für Rastergrafiken zuständiges Gegenstück ist beim KOffice-Team bereits in Arbeit und soll in der nächsten Zeit ebenfalls seinen Weg in das freie Office-Paket finden. Da es bis dahin noch etwas dauern kann, soll dieser Teil unseres fünfteiligen Workshops vollständig KIllustrator gewidmet sein. Neben der Tabellenkalkulation KSpread ist es übrigens eine der ausgereiftesten und stabilsten Komponenten der gesamten Office-Suite. Ebenfalls erfreulich ist auch die vollständig ins Deutsche übersetzte Online-Hilfe. Trotzdem sollten Sie nicht außer Acht lassen, dass sich KIllustrator, wie übrigens alle der im Office-Paket versammelten Anwendungen, noch in der Entwicklung befindet. Sie sollten dem Malprogramm daher noch keine wichtigen Daten anvertrauen.

Dennoch lohnt es sich, die Anwendung einmal näher kennen zu lernen, da gerade unter Linux derartige Vektormalprogramme rar sind.

Die Oberfläche

Um das folgende Smilie-Beispiel mitmachen zu können, sollten Sie KIllustrator über die KDE-Startleiste unter Büroprogramme/KIllustrator oder den KOffice-Arbeitsplatz (vgl. auch den ersten Teil dieses Workshops) aufrufen. Schließen Sie das nach dem Start erscheinende Fenster mit einem Klick auf OK, wodurch automatisch eine neue, leere Seite erstellt wird.

Abbildung 1: KIllustrator nach dem ersten Start

Abbildung 1: KIllustrator nach dem ersten Start

Im Gegensatz zu seinen anderen Office-Kollegen spart die Oberfläche mit überfrachteten Symbolleisten und wirkt insgesamt sehr aufgeräumt. Die Bedienung von KIllustrator orientiert sich an seinen kommerziellen, großen “Vorbildern” wie z. B. Corel Draw. Wer schon mit einem solchen Programm gearbeitet hat, wird sich auch bei KIllustrator schnell zurecht finden.

In der Mitte des Fensters sehen Sie die Zeichenfläche. Das große weiße Rechteck repräsentiert genau eine druckbare Seite. Alle Objekte, die wir im Folgenden anlegen werden, müssen sich immer auf dieser Seite befinden – außerhalb liegende Objekte werden von KIllustrator weder angezeigt noch mit ausgedruckt. Um die Seiteneinstellungen zu verändern, wählen Sie aus dem Menü Layout/Seite. Dort können Sie neben der Seitengröße auch ihre Ausrichtung und/oder die Größe etwaiger Ränder einstellen.

Doch zurück zur Oberfläche. Am oberen Rand, direkt unterhalb der Menüleiste, finden Sie eine Symbolleiste, die einen schnellen Zugriff auf die Datei- und Zwischenablagefunktionen bietet. Mit der Liste, die sich ungefähr in der Mitte der Symbolleiste befindet, lässt sich die Ansicht der angezeigten Seite vergrößern bzw. verkleinern. Am linken Rand des KIllustrator-Fensters existiert eine weitere Symbolleiste, die eine schnelle Auswahl der verschiedenen Mal- und Zeichenwerkzeuge erlaubt. Alternativ finden Sie alle hier aufgeführten Werkzeuge auch im Menü unter Werkzeuge wieder. Diese sind dort übrigens in der selben Reigenfolge wie ihre Symbolpendants angeordnet.

Die letzte noch nicht erwähnte Symbolleiste ist die am rechten Bildschirmrand angelehnte Farbpalette. Mit Ihrer Hilfe lassen sich die Farben der einzelnen Grafikelemente schnell und einfach ändern.

Hilfslinien und das Gitter

Unser Smilie-Gesicht besteht zunächst aus einem gelben Kreis mit einem schwarzen Rand. Bevor wir mit dem Zeichenvorgang beginnen, sollten Sie zunächst sicher stellen, dass das sogenannte Gitter eingeschaltet ist. Dieses von KIllustrator bereitgestellte Hilfsmittel arbeitet ähnlich wie die Kästchen auf dem gleichnamigen Kästchenpapier: Es soll den Benutzer bei der optimalen und millimetergenauen Ausrichtung aller grafischen Objekte unterstützen. Zu diesem Zweck kann es nicht nur sichtbar gemacht, sondern auch so eingerichtet werden, dass seine Gitternetzlinien alle grafischen Objekte “ansaugen”. Um das Gitter zu aktivieren, wählen Sie aus dem Menü Layout/Gitter….

Abbildung 2: Einrichten des Gitters

Abbildung 2: Einrichten des Gitters

Markieren Sie dort die beiden leeren Boxen und klicken Sie anschließend auf OK. Auf der weißen Papierfläche sollten nun die blauen Gitter-Kästchen angezeigt werden.

Wählen Sie für unser Gesicht das Ellipsenwerkzeug aus der Werkzeugleiste oder dem Menü (Werkzeuge/Ellipse). Bringen Sie den Mauszeiger im linken oberen Drittel des Papiers auf eine Gitterkreuzung, halten Sie dann die Maustaste gedrückt und ziehen Sie einen Kreis auf. Beobachten Sie dabei, wie der Kreis von den jeweiligen Gitterlinien angezogen und festgehalten wird.

Abbildung 3: Der fertige Kreis

Abbildung 3: Der fertige Kreis

Haben Sie einen Kreis, ungefähr wie in Abbildung 3 gezeigt, aufgezogen, lassen Sie die Maustaste wieder los und aktivieren das Mauswerkzeug (der Pfeil oder über Werkzeuge/Maus). Der Kreis sollte nun automatisch selektiert worden sein, was durch die kleinen Kästchen um ihn herum angezeigt wird. Sobald Sie mit der Maus über ein solches Kästchen fahren, verändert Ihr Mauszeiger seine Form. Halten Sie jetzt die linke Maustaste gedrückt, so können Sie durch langsames Bewegen des Zeigers den Kreis in seiner Größe verändern. Klicken Sie hingegen einen dieser Punkte nur einmal kurz an, so schaltet KIllustrator in einen zweiten Bearbeitungsmodus um, erkennbar an den jetzt veränderten Markierungssymbolen. Analog zur gerade beschriebenen Größenänderung lässt sich das Objekt in diesem Modus um seine eigene Achse drehen. Beachten Sie, dass die Rotation nur mit den vier an den Ecken befindlichen Pfeilen erfolgen kann. Ein Klick auf einen der anderen Pfeile würde das Objekt verbiegen. Da eine Rotation bei einem Kreis relativ wenig Sinn ergibt, sollten Sie diese Funktion einmal an einem Rechteck ausprobieren. Dieses lässt sich über das entsprechende Symbol aus der Werkzeugleiste genau wie ein Kreis erzeugen. Das Zentrum, um das sich das Objekt dreht, wird übrigens durch den kleinen Kreis in der Mitte der Figur festgelegt. Um diesen Punkt zu verändern, plazieren Sie die Maus so auf dem kleinen Kreis, dass sich der Zeiger in einen Doppelpfeil verwandelt. Halten Sie nun die linke Maustaste gedrückt und verschieben Sie den Punkt an seine neue Stelle. Um wieder in den alten Modus zurück zu gelangen, doppelklicken Sie einfach auf eine der Randmarkierungen. Sollten Sie sich einmal komplett verzeichnet haben, so können Sie das markierte Objekt über Bearbeiten/Löschen wieder aus der Szenerie entfernen.

Um ein Objekt wieder zu demarkieren, klicken Sie einfach bei aktiviertem Mauswerkzeug auf einen leeren Bereich Ihrer Seite. Umgekehrt können Sie ein existierendes Objekt wieder selektieren, indem Sie es mit der linken Maustaste anklicken. Wichtig ist, dass sie dabei das betreffende Objekt exakt treffen, was gerade bei kleinen Objekten oder solchen mit dünnem Rand etwas kniffelig wird. Auf ganz ähnliche Weise müssen Sie übrigens vorgehen, wenn Sie das Objekt verschieben möchten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger auf den entsprechenden Kandidaten, halten Sie die linke Maustaste gedrückt und verschieben Sie dann das komplette Objekt an seine neue Position.

Jetzt kommt Farbe ins Spiel

Das Smilie-Gesicht soll nun einen gelben Anstrich erhalten. Dazu klicken Sie einfach bei selektiertem Kreis mit der linken Maustaste auf den gelben Farbeintrag in der Farbpalette am rechten Fensterrand. Bei einem Klick mit der rechten Maustaste würden Sie statt der Inhaltfarbe die Farbe seines Randes verändern. Belassen Sie aber letzteren für unser Beispiel schwarz. Allerdings könnte seine Breite etwas größer sein. Um diese zu ändern, klicken Sie entweder den gefüllten Kreis mit der rechten Maustaste an und wählen aus dem Kontextmenü den Punkt Eigenschaften, oder Sie rufen bei selektiertem Kreis Bearbeiten/Eigenschaften auf. In jedem Fall sollte sich nun ein Fenster öffnen, mit dem Sie einige Attribute des Kreises ändern können.

Abbildung 4: Unserem Kopf wird ein breiterer Rand zugewiesen

Abbildung 4: Unserem Kopf wird ein breiterer Rand zugewiesen

Um die Umrisslinie dicker erscheinen zu lassen, tragen Sie auf dem Registerblatt Umriss als Breite “4 mm” ein. Hier haben Sie übrigens auch die Möglichkeit, die Linienart zu ändern, um so das Smilie-Gesicht z. B. ausgefranst erscheinen zu lassen. Nach dem Klick auf OK sollte der Kreis einen fetten, schwarzen Umriss erhalten haben. Nun fehlen dem Gesicht nur noch die Augen, die Nase und der Mund.

Schau mir in die Augen…

Zunächst die Augen. Diese setzen wir aus zwei kleineren, schwarz gefüllten Kreisen zusammen. Gehen Sie dabei genauso wie beim Gesicht vor, indem Sie zunächst das Kreiswerkzeug auswählen, dann einen kleinen Kreis in Augenhöhe malen und diesen mit einem Klick auf die Farbe Schwarz in der Farbpalette einfärben. Sie könnten nun ein weiteres Auge auf dieselbe Weise zeichnen – damit wir aber ein exakt gleich aussehendes, zweites Auge erhalten, soll im Folgenden das erste Auge kopiert werden. Dazu markieren Sie den gerade gezeichneten schwarzen Kreis, wählen aus dem Menü Bearbeiten/Kopieren und anschließend Bearbeiten/Einfügen. Anscheinend hat sich in Ihrer Zeichnung nichts getan. Klicken Sie jedoch das erste Auge mit dem Mauswerkzeug an und verschieben es an die Position des zweiten Auges, so können Sie erkennen, dass KIllustrator die Kopie exakt an der Stelle einfügt, an der sich das Original befindet.

Abbildung 5: Per Kopieren und Einfügen wurde das zweite Auge erstellt

Abbildung 5: Per Kopieren und Einfügen wurde das zweite Auge erstellt

Damit wären die zwei Augen komplett, womit wir zur Nase übergehen können. Bevor wir diese mit einer Linie erzeugen, sollten Sie zunächst das Gitter wieder abschalten. Dazu rufen Sie das entsprechende Fenster über Layout/Gitter auf und demarkieren die zwei Kästchen. Nach einem Klick auf OK sollte das Gitter aus dem Hintergrund verschwunden sein.

Anstelle des Gitters soll bei der Erstellung der Nase eine Hilfslinie zum Einsatz kommen. Eine Hilfslinie arbeitet wie eine Linie des Gitters, allerdings kann der Benutzer hier die Position jeder einzelnen Hilfslinie selbst bestimmen. KIllustrator ermöglicht das Erstellen von vertikalen und horizontalen Hilfslinien auf zwei Arten: Zum einen können Sie eine Hilfslinie schnell per Maus erzeugen. Für unser Beispiel plazieren Sie dazu den Mauszeiger auf dem linken, vertikalen Lineal, halten die linke Maustaste gedrückt und ziehen die Hilfslinie auf Ihr Blatt. Fahren Sie mit der Maus in die Mitte des noch unfertigen Gesichts. Solange Sie sich nicht sicher sind, ob sich die Hilfslinie an der korrekten Position befindet, sollten Sie die linke Maustaste nicht loslassen. Eine nachträgliche Positionskorrektur ist nur umständlich über ein entsprechendes Fenster möglich. Sollte sich die Hilfslinie ungefähr in der Mitte der beiden Augenpaare befinden, lassen Sie die Maustaste wieder los. Analog können Sie auch die horizontalen Hilfslinien über das obere Lineal anlegen. Eine andere, wesentlich genauere Erstellungsmöglichkeit der Hilfslinien erhalten Sie, wenn Sie im Menü den Punkt Layout/Hilfslinien aufrufen. Hier können Sie Hilfslinien direkt über die Eingabe ihrer Positionswerte erzeugen. Darüber hinaus dient dieser Dialog zum Löschen und zur Positionsveränderung der einzelnen Hilfslinien.

Doch zurück zu unserem Gesicht. Schalten Sie über Layout/An Hilfslinien ausrichten die “Anziehung” der Hilfslinien ein. Damit wird das genaue Positionieren einer geraden Nase wesentlich einfacher. Aktivieren Sie für den Zeichenvorgang das Linienwerkzeug (viertes Symbol von oben in der Werkzeugleiste oder unter Werkzeuge/Linie). Positionieren Sie den Mauszeiger etwas unterhalb der Augen und klicken Sie einmal mit der linken Maustaste. Fahren Sie entlang der Hilfslinie nach unten, bis sich eine einfache Nase abzeichnet. Betätigen Sie anschließend einmal kurz die rechte Maustaste. Dies bewirkt, dass der Zeichenvorgang als abgeschlossen betrachtet wird.

Abbildung 6: Die Nase wurde durch eine Linie erstellt. Im Hintergrund ist die vertikale Hilfslinie zu erkennen.

Abbildung 6: Die Nase wurde durch eine Linie erstellt. Im Hintergrund ist die vertikale Hilfslinie zu erkennen.

Möchten Sie hingegen die Linie weiter zeichnen, um dem Gesicht z. B. eine Hakennase zu verpassen, drücken Sie anstelle der rechten die linke Maustaste. Sie erhalten so eine weitere Linie, deren Anfang sich genau am Ende der ersten Linie befindet. Bitte beachten Sie, dass die so entstandene Linie mit Knick ein eigenständiges Objekt darstellt und hier nicht etwa durch KIllustrator zwei unabhängige Linien erzeugt wurden.

Küss mich

Nun fehlt nur noch der Mund. Dieser soll einen Halbkreis beschreiben, weshalb er im Folgenden mit Hilfe des Bezier-Kurven-Werkzeuges erstellt wird. Aktivieren Sie dazu das gleichnamige Werkzeug aus der Werkzeugleiste (fünftes Symbol von oben oder aus dem Menü Werkzeuge/Bezier). Die Arbeit mit diesem Werkzeug gestaltet sich etwas umfangreicher als bei den bisher vorgestellten, einfacheren Werkzeugen. Deshalb hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung: Fahren Sie bei aktiviertem Bezierwerkzeug an die Stelle im Gesicht, an der der linke Mundwinkel beginnen soll. Klicken Sie nun einmal mit der linken Maustaste. Sie erhalten eine Hilfslinie, mit der Sie den Grad der Krümmung festlegen können. Bringen Sie diese Hilfslinie mit der Maus in eine Position, bei der sich der Mauszeiger rechts unten befindet (vgl. Abbildung 7).

Abbildung 7: Der linke Mundwinkel wird mit Hilfe des Bezierkurven-Werkzeuges erstellt

Abbildung 7: Der linke Mundwinkel wird mit Hilfe des Bezierkurven-Werkzeuges erstellt

Klicken Sie erneut mit der linken Maustaste und positionieren Sie anschließend den Mauszeiger ungefähr dort auf der senkrechten, durchgehenden Hilfslinie, an der der Mund seinen tiefsten Punkt haben soll. Klicken Sie wieder mit der linken Maustaste und bringen Sie die erscheinende Hilfslinie in eine möglichst waagerechte Lage. Nach einem Klick mit der linken Maustaste fahren Sie mit dem Zeiger an die Stelle weiter, an der der rechte obere Mundwinkel erscheinen soll. Klicken Sie ein letztes Mal mit der linken Maustaste und passen Sie die abermals erscheinende Hilfslinie so an, dass sich ein lachender Mund ergibt.

Abbildung 8: Das Smilie-Gesicht ist fertig

Abbildung 8: Das Smilie-Gesicht ist fertig

Zum Abschluss der Figur drücken Sie die rechten Maustaste. Sollte Ihr Mund nicht ganz so hübsch geworden sein, so können Sie ihn, wie übrigens auch alle anderen geometrischen Objekte, mit dem Punktwerkzeug (zweites Symbol von oben in der Werkzeugleiste oder aus dem Menü Werkzeuge/Punkt) nachbearbeiten. Dazu müssen Sie das Objekt zunächst mit dem Mauswerkzeug selektieren. Wenn Sie nun das Punktwerkzeug einschalten, werden alle veränderbaren Knotenpunkte angezeigt und können mit der Maus an eine beliebige andere Position verschoben werden. Es wird dabei sogar unterhalb der Werkzeugleiste eine neue Symbolleiste geöffnet, mit der Sie z. B. weitere Knotenpunkte hinzufügen oder auch wieder aus dem Objekt entfernen können. Sie sollten mit diesen Knotenfunktionen an unserem Mund etwas experimentieren, bis der Smilie ein fast perfektes Lächeln aufweist.

Alles Schichtweise

Ein wesentliches Funktionsmerkmal von KIllustrator blieb bislang noch unerwähnt: die Ebenen (in der Online-Hilfe ungewöhnlich als “Schichten” bezeichnet). Jedes grafische Objekt, in unserem Beispiel also der Kopf, die einzelnen Augen, die Nase und der Mund, befindet sich jeweils auf einer eigenen Ebene. Man kann sich dies als eine Art durchsichtige Folie vorstellen, wobei sich auf jeder Folie genau ein geometrisches Element befindet. In unserem Smilie-Beispiel befindet sich das linke Auge auf einer Ebene, die über dem großen gelben Kreis liegt, aber unter der Ebene, auf der sich das rechte Auge befindet.

Um mit diesem Ebenenkonzept etwas vertrauter zu werden, sollten Sie mit dem Mauswerkzeug den großen gelben Kreis selektieren. Wählen Sie nun aus dem Menü Anordnen/Nach vorne. Damit legen Sie die Ebene, auf der sich dieser Kreis befindet, in den Vordergrund. Wählen Sie dann aus dem Menü solange den Punkt Anordnen/Eins nach hinten, bis sich der Kreis wieder an seiner ursprünglichen Position befindet.

Abbildung 9: Der gelbe Kreis wurde um eine Ebene nach vorne verlagert

Abbildung 9: Der gelbe Kreis wurde um eine Ebene nach vorne verlagert

Mit den entsprechenden Einträgen aus dem Menü Anordnen oder über das Kontextmenü der rechten Maustaste (Objekt mit dem Mauswerkzeug markieren, dann die rechte Maustaste betätigen) können Sie die Ebene des entsprechenden Objektes in die von Ihnen gewünschte Reihenfolge bringen.

Alles in der Gruppe

Gerade wenn Sie etwas komplexere Zeichnungen in KIllustrator anlegen, kommt es häufig vor, dass Sie ein Element ungewollt verschieben. Ein weiteres Problem taucht auf, wenn Sie mehrere Elemente, die zu einem größeren Objekt gehören, gleichzeitig, dabei aber relativ zueinander verändern möchten. Für die Lösung dieser Probleme bietet Killustrator eine Gruppierung der betroffenen Elemente an. Dabei werden mehrere einzelne Objekte zu einem einzigen großen Objekt zusammengefasst. Um die Elemente unseres Smilie-Gesichtes zu einer solchen Gruppe zusammenzufassen, müssen zunächst alle Objekte markiert werden. Dies erreichen Sie, indem Sie mit dem Mauswerkzeug einen Rahmen um alle beteiligten Elemente aufziehen. Plazieren Sie dazu den Mauszeiger links oben auf dem leeren Papier. Halten Sie nun die linke Maustaste gedrückt und ziehen Sie einen Rahmen auf, der alle Elemente des Gesichtes vollständig umgibt. Sobald Sie die Maustaste wieder loslassen, sollten sämtliche Elemente des Smilies selektiert worden sein. Um die Gruppe zu erstellen, wählen Sie nun Anordnen/Gruppieren aus dem Menü. Überprüfen Sie, ob KIllustrator die Gruppierung korrekt vorgenommen hat, indem Sie das Gesicht probeweise auf dem Papier verschieben. War der Gruppierungsvorgang erfolgreich, sollten alle zum Gesicht gehörenden Elemente mit wandern. Ab sofort zählt diese Gruppe aus Objekten immer als ein grafisches Element.

Möchten Sie zu einem späteren Zeitpunkt diese Gruppierung wieder rückgängig machen, genügt es, die betreffende Gruppe mit dem Mauswerkzeug zu selektieren und dann aus dem Menü Anordnen/Gruppierung aufheben zu wählen.

Textuell

Bevor wir schon zum Ende dieses Workshop-Teils kommen, soll noch eine interessante Effektfunktion erwähnt werden, die im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Text eine wesentliche Rolle spielt. Heben Sie zunächst die Gruppierung des Gesichtes, wie weiter oben beschrieben, auf. Im Folgenden soll der Text “Smilie” auf dem Mund ausgerichtet werden. Dazu aktivieren Sie zunächst das Textwerkzeug (Werkzeuge/Text bzw. zweites Symbol von unten in der Werkzeugleiste), klicken etwas oberhalb des Mundes und geben dann das Wort “Smilie” über Ihre Tastatur ein. Wenn Sie fertig sind, aktivieren Sie wieder das Mauswerkzeug und klicken den Text mit der rechten Maustaste an. Aus dem nun erscheinenden Kontextmenü wählen Sie Eigenschaften und auf dem Register Schriftart des neu geöffneten Fensters eine größere Schriftart. Nach dem Klick auf OK wählen Sie aus dem Menü den Punkt Anordnen/Text an Pfad. Der Mauszeiger sollte sich in einen dicken, schwarzen Pfeil verwandelt haben. Klicken Sie nun mit der Spitze dieses Pfeils auf den Mund. KIllustrator sollte dann den Text “Smilie” am Mund entlang ausrichten. An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass auf unserem Testsystem die Anwendung dieser Funktion zu einem Absturz der kompletten Anwendung führte. Hier wird leider sichtbar, dass es sich bei KIllustrator noch um eine in der Entwicklung befindliche Version handelt.

Ebenfalls interessant ist die Überblendungsfunktion. Um das Ergebnis dieser Funktion besser betrachten zu können, sollten Sie zunächst eine neue leere Grafik öffnen. Zeichnen Sie auf die Seite sowohl ein Rechteck als auch einen Kreis. Die beiden Objekte sollten sich nicht überschneiden, und der Kreis sollte rechts unterhalb des Rechtecks plaziert werden. Aktivieren Sie nun das Mauswerkzeug und ziehen Sie einen Markierungsrahmen auf, der beide Objekte vollständig beinhaltet. Rufen Sie aus dem Menü den Punkt Extras/Überblenden auf und belassen Sie den von KIllustrator vorgegebenen Wert. Nach einem Klick auf OK versucht KIllustrator, die beiden Formen zu Überblenden, d. h. es werden neue geometrische Formen erzeugt, die den ersten Umriss in den des anderen Objektes überführen (vgl. Abbildung 10).

Abbildung 10: Ein Beispiel für eine Überblendung

Abbildung 10: Ein Beispiel für eine Überblendung

Mit diesem kleinen Effekt endet der vierte Teil unseres insgesamt fünfteiligen Workshops zu KOffice. Im letzten Teil können Sie die in diesem Teil erworbenen Vektormalprogramm-Kenntnisse noch einmal anwenden: Dann geht es um das Präsentationsprogramm KPresenter, dass seit unserem letzten Test in Ausgabe 12/2000 einige Fortschritte gemacht hat.

Infos

[1] KOffice-Homepage: http://koffice.kde.org 

[2] Homepage des KDE-Projektes: http://www.kde.org 

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