K-splitter

Niemals wieder Treppenstufen

Wer sagt, dass Klatsch und Tratsch in einer Linuxzeitschrift keinen Platz haben? K-splitter plaudert Monat für Monat aus dem KDE-Nähkästchen, posaunt Neuigkeiten aus der K-Welt aus und schaut hin und wieder neugierig hinter die Kulissen.

Ein völlig neues Schriftbild

Schriften und Linux – das war nicht immer eine Beziehung, die im Himmel geschlossen wurde. Mit der neuen XFree86-Version könnte das anders werden, denn damit erhält man – richtig installiert – endlich auch unter KDE echtes Anti-Aliasing.

Ein paar Voraussetzungen gibt es allerdings: XFree86 muss in einer Version >= 4.02 vorliegen, und auch das Paket Freetype2 darf auf Ihrem Rechner nicht fehlen. Leider ist das noch nicht alles, denn der XFree-Treiber für Ihre Video-Karte muss die sogenannte Rendering Extension unterstützen. Inwieweit Ihr Treiber das tut, kitzeln Sie mit einem

stefanie@diabolo[~]> xdpyinfo | grep RENDER

aus Ihrem System heraus. Sollte Ihnen nach Eingabe dieser Zeile kein RENDER entgegen strahlen, wird es leider vorerst nichts mit glatten Schriften unter KDE.

Stellen Sie als letztes sicher, dass /usr/X11R6/lib/libXft.so.1.0 auf Freetype linkt. Das können Sie leicht mit einem ldd libXft.so.1.0 überprüfen. Steht in der Ausgabe nichts von der Freetype-Library, haben Sie leider ein XFree-Paket erwischt, das keine Xft-("X FreeType"-)Unterstützung enthält. Aber keine Bange, zumindest in den neueren Mandrake- und SuSE-Pakete ist diese Unterstützung enthalten.

Nun fehlt nur noch qt in Version 2.3.0 mit einkompilierter Xft-Unterstützung zu Ihrem Anti-Aliasing-Glück. Wer da nicht fündig wird, kann sich diese Bibliothek auch selbst aus den Sourcen kompilieren. Diese finden Sie bei Bedarf auf dem FTP-Server der Trolle unter ftp://ftp.trolltech.com/qt/source/. Vergessen Sie dann jedoch bitte nicht, beim .configure-Aufruf ein-xft anzuhängen.

Alles soweit auf Ihrem Rechner vorhanden? Dann stehen zwischen Ihnen und dem neuen Schriftwunder nur noch ein paar Änderungen in diversen Konfigurationsdateien. Noch ein kleiner Hinweis, bevor Sie loslegen: Bitte löschen Sie keinerlei Einträge oder Dateien, sondern kommentieren Sie Einträge nur aus, und benennen Sie alte Dateien um. Sollte es Schwierigkeiten mit der neuen Konfiguration geben, haben Sie dann die Möglichkeit, Ihr System in Sekundenschnelle wieder in den Ursprungszustand zu versetzen.

Als Erstes gilt es, sämtliche Fontserver, die vielleicht auf Ihrem System laufen, loszuwerden. Kommentieren Sie dazu in Ihrer XF86Config-Datei in der Zeile FontPath alles aus, was Ähnlichkeit mit einem unix/:7100 hat. Weil Sie gerade so schön beim Auskommentieren sind, setzen Sie bitte noch ein # an den Anfang der Zeilen /usr/X11R6/lib/X11/fonts/truetype und /usr/X11R6/X11/fonts/Type1, so vorhanden. Und da der Herr auch gibt und nicht nur nimmt, fügen Sie in der Sektion Module Folgendes hinzu:

Load "type1"
    Load "freetype"

Wenn Sie Pech haben – ich mit meiner Red Hat 7.0 hatte Pech – findet sich im Font-Pfad gerade eben der von uns auskommentierte Fontserver und sonst gar nichts. In diesem Fall müssen Sie eigenhändig die Pfade zu Ihren Schriften-Verzeichnissen eintragen. Das sollte dann in etwa so ausschauen:

Section "Files"
    RgbPath "/usr/X11R6/lib/X11/rgb"
    # FontPath "unix/:7100"
    FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/100dpi:unscaled"
    FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/75dpi:unscaled"
    # FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/truetype"
    # FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/Type1"
    FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/100dpi"
    FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/75dpi"
    FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/misc"
    FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/local"
    FontPath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/misc:unscaled"
    Fontpath "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/Speedo"
    ModulePath "/usr/X11R6/lib/modules"
  EndSection

In der Datei /usr/X11R6/lib/X11/XftConfig müssen Sie jetzt noch die beiden Font-Pfade eintragen, die Sie eben in der XFree-Konfigurationsdatei auskommentiert haben – wenn auch in etwas anderer Form und zwar in folgender:

    dir "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/Type1"
    dir "/usr/X11R6/lib/X11/fonts/truetype"

Wer noch keine Truetype-Fonts besitzt: Jetzt ist die Zeit gekommen, sich welche zu besorgen. Ein nettes Paket findet sich unter http://keithp.com/~keithp/fonts/truetype.tar.gz (auch auf der Heft-CD), das Sie einfach im Verzeichnis /usr/X11R6/lib/X11/fonts entpacken. Nun müssen Sie nur noch in einer Datei wie der /etc/profile oder der /etc/profile.local die Variable export QT_XFT=true setzen. Fertig.

Für die Besitzer einer SuSE 7.1 hat sich folgender Weg bewährt: Installieren Sie das Paket qt-experimental sowie ttmkfdir nach, wenn sich diese noch nicht auf Ihrem Rechner befinden. Kopieren Sie danach alle Truetype-Fonts, die Sie später benutzen möchten, ins Verzeichnis /usr/X11R6/lib/X11/fonts/truetype. Wer bis dato nicht an den Dateien /etc/X11/XF86Config und /usr/X11R6/lib/X11/XftConfig herumgepfuscht hat, ist so gut wie fertig, denn diese sind dann richtig konfiguriert. Versichern Sie sich vorsichtshalber dennoch, dass die Datei XftConfig die beiden oben genannten dir-Zeilen enthält und in der Datei /etc/XF86Config der Pfad zum Fontserver auskommentiert ist. Wechseln Sie danach ins Verzeichnis /usr/X11R6/lib/X11/fonts/truetype, und geben Sie dort Folgendes ein:

 # ttmkfdir -o fonts.dir
 # SuSEconfig -module fonts

Jetzt noch den Eintrag export QT_XFT=true in der Datei /etc/profile.local verankern, und beim nächsten Start von KDE ist alles geglättet, wie Sie in Abbildung 1 sehen können.

Abbildung 1: Keine Ecken und Kanten mehr

Thematisch

Seinen KDE 2.1er Desktop mit eigenen Themes zu verschönern dürfte bald kein Problem mehr sein, denn auf http://www.ibm.com/developerworks/ erklärt ein neues Online-Tutorial designfreudigen Hobby-Bastlern, was es mit KDE-Themes so alles auf sich hat. Die Nutzung des Tutorials ist kostenfrei, lediglich eine kurze Registrierung ist erforderlich. Wer das Tutorial lieber in aller Ruhe offline genießen möchte: Kein Problem, eine Download-Version steht bereit.

Abbildung 2: Themes bauen leicht gemacht

Glossar

Anti-Aliasing

Mit Aliasing bezeichnet man den "Treppeneffekt" an den Rändern von Grafiken, vor allem von Text oder Linien, der dadurch entsteht, dass man mit Pixeln nur bei waagerechten und senkrechten Linien wirklich gerade Striche darstellen kann. Die Gegenmaßnahme – das Einfügen "schattierender" Pixel in die Treppenstufen – heißt dementsprechend Anti-Aliasing.

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