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Rock around the Clock

Jo´s alternativer Desktop

01.06.2001
Manchmal reicht sie nicht, die innere Uhr. Und wer es lieber "zeitlos" mag (sprich: keine Uhr am Handgelenk), der verteilt eben Uhren in seiner Umgebung – und eine davon befindet sich nun auf meinem Desktop. Da man mit Linux wunderbar viel Zeit verbringen kann, schadet eine eingebaute Alarmfunktion ganz sicher nicht. Doch bevor unser Blick gen Himmel wandert, nähern wir uns lieber Schritt für Schritt der Thematik.

Jo's Desktop

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktopumgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Das ungeschriebene Gesetz

Wer die letzten Jahre lange genug vor Microsofts Windows sitzen durfte, hat ein Tool auf dessen Desktop verinnerlicht und akzeptiert: Die Uhr ist unten rechts im Tray der Taskleiste. KDE schließt sich diesem Muster an (GNOME erst mit neueren Versionen nicht mehr) – es scheint ein gängiger Standard zu sein. Doch was tun, wenn man diese Leiste automatisch ausblenden, aber dennoch nicht auf die aktuelle Uhrzeit verzichten möchte? Auch verfügt längst nicht jeder Unix-Desktop über eine solche Start- oder Task-Leiste mit integriertem Zeiteisen.

Immerhin zeigen sich GNOME und KDE hier deutlich flexibler als Windows: Deren Uhren sind austauschbare Applets, die verschoben, konfiguriert, entfernt oder hinzugefügt werden können. Doch auch mit diesen Optionen der beiden Environments sind die Möglichkeiten auf einem Unix-Desktop nicht ausgeschöpft: Größere und besser lesbare Uhren können stattdessen frei auf dem Desktop plaziert werden und schaffen somit neuen Platz in einer eventuell verwendeten Startleiste. Gedanken hinsichtlich der richtigen Uhr muss sich in jedem Fall machen, wer in alter Unix-Tradition seinen Desktop aus zig Einzel-Tools zusammenschraubt. Doch die Spreu vom Weizen zu trennen, ist hier ein recht aufwendiges Unterfangen, dient doch der Uhrenbau bei Jungprogrammierern als Testgelände für spätere Erfolgsprojekte. Ein kleiner und unvollständiger Überblick über interessante Uhren und deren Spezialitäten sei hier gegeben.

Basislager

Da wären zunächst die beiden zum X Window System gehörenden einfachen Uhren xclock und oclock. Beide sind somit praktisch überall vorhanden und lassen sich vollständig über Startparameter oder die Xresources konfigurieren.

Während sich oclock als eine einfache, analoge und runde Uhr (dafür aber ohne Fensterrahmen und mit transparentem Hintergrund!) präsentiert, findet sich bei der quadratischen xclock ein seltenes Feature: Aufgerufen mit dem Anhängsel "-digital" startet diese auch als solche. Einen tieferen Sinn muss man dahinter allerdings nicht finden. Beide Anzeigevarianten wirken recht lieblos und unzeitgemäß – sie sind im Wesentlichen auch nur in Vorder- und Hintergrundfarbe konfigurierbar. Wer ein eigenes Farbschema verwenden möchte, ist mit der schlichten oclock besser bedient: Hier kann man jedem Element eine eigene Farbe zuweisen – sei es nun der Stundenzeiger, oder der ziffernlose Zifferblattrahmen.

Abbildung 1: xclocks Standarderscheinung
Abbildung 2: xclock -digital
Abbildung 3: Runde Sache: oclock
Abbildung 4: Frisch gestrichen: oclock

Pünktlich wie die Eisenbahn

Ein ungleich eleganterer Zwitter ist die buici-clock, die vornehmlich der Debian-Distribution beiligt (der Programmautor gehört diesem Projekt an): Einfach rund und rahmenlos – auch ist sie wie xclock lediglich in Position und Größe konfigurierbar. Die Farben sind fest vorgegeben – da die Optik aber an einer (Schweizer) Bahnhofsuhr angelehnt ist, ist das nicht Mangel, sondern Absicht. Denn wer bemalt schon öffentlich Schweizer Uhren …!?

Abbildung 5: Stilvoll: buici-clock

Feinschliff

Sowohl buici- also auch o-clock lassen sich recht einfach auf dem Desktop einsetzen: Sie benötigen lediglich die klar definierte Fläche des Zifferblatts. Ringsum malen diese Anwendungen keinen Hintergrund, und auch kein Fensterrahmen stört das Bild. Schwieriger gestalten sich hier die nachfolgend beschriebenen Digitaluhren: Da es sich (meist) um Buchstaben handelt, haben diese eine Text- und eine Hintergrundfarbe. Schöner wäre sicher statt letzterer einfache Transparenz – doch um diese scheint sich ein jeder Programmierer (mehr oder weniger gelungen) zu drücken. Hier hilft dann nur eine zum Desktop-Bild ähnliche oder zumindest passende Hintergrundfarbe. Zusätzlich ergibt sich noch ein ganz anderes Problem: Da sie sowieso nicht transparent sind, verzichten die Urheber auch auf eine ungerahmte Darstellung. Wer nun seine Uhr nicht nur weg klicken oder minimieren, sondern auch auf allen virtuellen Desktops betrachten will, dem sei ein Blick in die Dokumentation seines Window Managers angeraten. Bietet dieser keine Lösung, so hilft das Tool xnodecor (siehe Textkasten bzw. LinuxUser 01/2001).

Goliath

Bei xdaliclock hat der Programmautor versucht, diese Probleme werkseitig zu umgehen – dabei hat er aber auch ein paar neue geschaffen. Nett an dieser Uhr ist jedenfalls, dass die Zahlen ineinander überblenden (auch bei der Farbgebung möglich). Nur sind die Ziffern recht groß geraten. Leider wurden diese auch fest im Programm verankert, so dass hier keine Möglichkeit zur individuellen Anpassung mehr gegeben ist. Zugute halten muss man dem Autor aber, dass er zumindest einen "transparenten" Modus – und auch die fensterlose Darstellung auf dem Desktophintergrund – von Grund auf eingeplant hat. Leider hapert es noch etwas an der Umsetzung, was mit einem

xdaliclock -root -transparent

leicht nachzuprüfen ist: xdaliclock beansprucht sogleich den gesamten Desktop – und gibt sich eben dadurch nicht transparent, sondern farbgebend. Ruft man die Uhr nur mit der Option -transparent auf und überlässt dem Listing im Kasten das Drama mit den Fenstern, so geht dies nur für kurze Zeit gut: xdaliclock meldet sich alle Minute quicklebendig beim Window Manager zurück, und der Zauber mit der Transparenz wird mit netten Darstellungsfehlern quittiert.

Abbildung 6: xdaliclock
Abbildung 7: Colorcycling & überblendende Zahlen

David

Recht ungetrübte Freude kommt hingegen bei dclock auf: Auch sie ist digital, blendet (bis auf die Sekunden) die Zahlen ineinander über, ist in Größe, Darstellungsumfang und Farbe frei konfigurierbar – und bietet zusätzlich eine Alarmfunktion. Fast wäre man versucht, "perfekt" zu sagen, doch fehlt leider der transparente Modus. Abbildung 8 zeigt diese Uhr einmal mit den Standard-Vorgaben im Fenster, und einmal fertig konfiguriert und in den Desktop integriert (inkl. Einsatz von xnodecor). Besonders interessant sind bei dieser Uhr folgende Aufrufparameter:

  • -bg [color]: Hintergrundfarbe
  • -fg [color]: Vordergrundfarbe
  • -led_off [color]: Farbe der inaktiven Segmente der LED-Anzeige
  • -fn [font]: Schriftart für das Datum
  • -geometry -0-0: ab in die Ecke mit …
  • -miltime -date "%A, %d %B %Y": Man spricht deutsch
  • -seconds: Sekunden anzeigen
  • -noblink: Blinken des ":" vermeiden
  • -notails: 6 & 9 ohne "Querstriche"
  • -fade -fadeRate 100: Überblenden der Zahlen
  • -slope [X]: Zahlen um X% schräg stellen
  • -smallsize 0.5: Sekunden halb soch hoch wie Minuten darstellen
  • -nobell: halbstündliches "Wecken" ausschalten
Abbildung 8: Zweifache Ausfertigung der dclock

Fensterrahmen? Nein Danke.

Wenn Sie Ihre Lieblingsuhr nun vom Window Manager mit einem netten Fensterrahmen verziert vorfinden und dieser keine Möglichkeit bietet, an diesem Zustand etwas zu ändern, dann sei Ihnen xnodecor empfohlen (ebenfalls auf der beiliegenden Heft-CD zu finden). Der Einsatz ist sehr einfach: Zum Start der Uhr sollte nicht die hauseigene Autostart-Funktion mancher Desktop-Oberflächen verwendet werden, sondern die User-eigene Startdatei ~/.xinitrc bzw. ~/.xsession. Darin wird zunächst die Uhr gestartet und so vor dem erst nachfolgend aufzurufenden Window Manager verborgen. Beispiel einer Startdatei:

dclock -geometry -0-0 &
 xnodecor -w dclock
 twm

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