Scheibchenweise

Bildbearbeitung mit Gimp, Teil 3

01.06.2001
Heute möchte ich mich mit Ebenen beschäftigen. Wenn man komplexere Arbeiten macht, sind Ebenen der Weg der Wahl, um Bilddaten einfach zu organisieren und anzuordnen.

Bisher haben wir Bilder in Gimp immer als ein Raster von Pixeln kennengelernt. Die meisten etwas ambitionierteren Bildbearbeitungsprogramme bieten hingegen noch einen weiteren Weg an, um verschiedene Bildelemente flexibel zu handhaben: Ebenen. In einer ersten Näherung kann man sich Ebenen wie Klarsichtfolien vorstellen. Ein Bild besteht aus mehreren Folien, die in einem Stapel übereinandergelegt werden. Die Folien haben transparente Bereiche, durch die die darunterliegenden Folien sichtbar werden.

Betrachten wir ein einfaches Beispiel, wie man mit Ebenen arbeitet. Starten Sie Gimp und öffnen Sie ein neues Bild. Mittels <Bild>/Dialoge/Ebenen, Kanäle und Pfade... bzw. [Strg+L] öffnet sich die zentrale Schaltstelle für die Arbeit mit Ebenen (Siehe Abb. 1, rechts).

Abbildung 1: Der Dialog für Ebenen, Kanäle und Pfade

Der Hauptteil des Dialogs ist der weiße Bereich in der Mitte. Hier sieht man die einzelnen Ebenen zeilenweise aufgelistet. Das Auge am Beginn der Zeile zeigt an, ob die Ebene im Moment sichtbar ist (mit einem Klick darauf kann man eine Ebene unsichtbar schalten), das Kreuz zeigt gekoppelte Ebenen an, die nur zusammen bewegt werden. Dann folgt eine kleine Vorschau, die zur groben Orientierung ausreicht und abschließend der Name der Ebene. Gerade bei vielen Ebenen lohnt es sich, sinnvolle Namen zu wählen – über einen Doppelklick auf den Namen öffnet sich ein kleiner Dialog, in dem Sie den Namen ändern können.

Blau markiert ist die aktuelle Ebene. Alle Maloperationen und jeder Plugin-Aufruf arbeitet mit dieser Ebene. Mit einem einzelnen Klick auf die Vorschau oder den Ebenennamen schalten Sie auf die Ebene um, mit der sie jetzt arbeiten möchten.

Am unteren Ende des Dialogs sehen Sie sechs Knöpfe, mit denen Sie grundlegende Ebenenoperationen ausführen können. Mit dem ersten Knopf erzeugen Sie eine neue Ebene, der zweite und dritte Knopf verschieben die Ebene nach oben bzw. unten, der vierte erzeugt eine Kopie der aktuellen Ebene, der fünfte verankert eine schwebende Auswahl, und der sechste löscht eine Ebene. Weitere wichtige Operationen finden sie, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf den Ebenennamen klicken.

Ein Schlagschatten

Manchmal möchte man ein Bild oder ein grafisches Element etwas vom Hintergrund abheben. Ein Standardverfahren ist hier, dem Element einen Schlagschatten zu hinterlegen. Wie man dies realisiert, lernen Sie jetzt; es ist ein guter Einstieg in die Arbeit mit Ebenen. Erzeugen Sie ein neues Bild, zum Beispiel in der Größe 500 x 500.

Öffnen Sie den Ebenen-Dialog und klicken Sie auf den Knopf unten links, um eine neue Ebene zu erzeugen. In dem erscheinenden Dialog wählen Sie einen transparenten Hintergrund, einen Namen nach Belieben und übernehmen die Vorgabe für die Größe. Nach einem Klick auf OK erscheint die zweite Ebene im Ebenen-Dialog. Transparenz wird in Gimp mit einem grauen Schachbrettmuster symbolisiert. Da die Ebene leer ist, ändert sich im Bildfenster nichts.

Malen Sie in diese Ebene nach Belieben mit den Malwerkzeugen. Achten Sie darauf, dass einige Bereiche transparent bleiben, damit man den Effekt später erkennen kann (Abb. 2). Duplizieren Sie die Ebene, indem Sie auf den vierten Knopf (den mit den zwei Papierblättern) klicken. Machen Sie nun die obere Ebene mit einem Klick auf das Augensymbol unsichtbar und aktivieren Sie die mittlere Ebene mit einem Klick auf den Namen. Aktivieren Sie dann den Knopf Erhalte Transp. im oberen Bereich des Ebenen-Dialogs. Damit wird die Transparenz der Ebene geschützt. Ähnlich wie im ersten Teil unseres Workshops können Sie nun z. B. mit Schwarz in dem Bild herummalen und die Form des Motivs bleibt erhalten.

Abbildung 2: Eine Ebene vor einem einfarbigen Hintergrund

Um den Schlagschatten zu erzeugen, füllen wir nun das Motiv ganz mit schwarz. Am schnellsten geht das per Drag & Drop. Klicken Sie in den Farbfeldern der Toolbox auf das kleine schwarz-weiße Symbol, um die Farben zurückzusetzen, drücken (und halten) Sie dann den Mausknopf im schwarzen Farbfeld und ziehen Sie die Farbe in das Bildfenster (Abb. 3). Da die Transparenz der Ebene im Moment geschützt ist, bleiben die Konturen des Motivs erhalten.

Abbildung 3: Füllen der Ebene per Drag'n'Drop.

Aktivieren Sie nun das Verschieben-Werkzeug (das mit der Kompassrosette als Symbol), klicken Sie in den schwarzen Bereich der Ebene und ziehen Sie die Ebene ein paar Pixel nach rechts unten. Wenn Sie nun im Ebenen-Dialog die oberste Ebene wieder sichtbar schalten, erkennen sie einen schattenartigen Effekt (Abb. 4).

Abbildung 4: Ein harter Schlagschatten wirkt künstlicher…

Da aber in der Natur die Schatten nur selten so scharfkantig sind, setzen wir noch das i-Tüpfelchen auf: Sorgen Sie dafür, dass die mittlere Ebene aktiviert ist und schalten Sie den Schutz der Transparenz ab. Wählen Sie dann <Bild>/Filter/Weichzeichnen/Gaußscher Weichzeichner (IIR)... und einen Radius von 10. Nun erhält der Schatten einen weich auslaufenden Rand (Abb. 5).

Abbildung 5: … als ein weichgezeichneter Schatten.

Da wir unser Bild auf drei verschiedene Ebenen verteilt haben, ist es möglich, den Schatten noch nachträglich zu verschieben um die Beleuchtungsrichtung zu verändern. Sie können ihn auch noch etwas sanfter machen, indem Sie die Deckkraft der Schattenebene reduzieren – benutzen Sie hierzu den Schieberegler im oberen Bereich des Ebenen-Dialogs.

Leuchteffekte

Auf eine ganz ähnliche Art lassen sich Leuchteffekte (vorzugsweise vor einem dunklen Hintergrund) erreichen. In Bild 6 sehen Sie eine Spirale, die ich mit obiger Technik zum Glühen gebracht habe. Das Rohmaterial finden Sie als http://spirale.xcf.gz auf der Heft-CD. Das Folgende können Sie natürlich auch mit eigenen Motiven nachvollziehen.

Abbildung 6: Akte X - wir kommen…

Duplizieren Sie die Ebene mit der Spirale drei mal. Aktivieren Sie in den mittleren drei Ebenen jeweils Erhalte Transparenz und füllen Sie die zweite Ebene mit Weiß, die mittlere mit einem leuchtenden Türkis (#00ffff) und die vierte Ebene mit einem leuchtenden Grün (#00ff00). Deaktivieren Sie nun wieder den Schutz der Transparenz.

Mit dem sehr nützlichen Plugin Gaussian Blur können Sie nun die drei mittleren Ebenen unscharf machen. Probieren Sie hier zum Beispiel die Radien 5 für die weiße, 10 für die türkise und 20 für die grüne Spirale. Als Ergebnis erhalten wir eine fahl bläulich leuchtende Spirale.

Um nun das grüne Leuchten noch etwas zu verstärken, aktivieren Sie die Ebene mit der grünen Spirale. Mit <Bild>/Bild/Farben/Kurven... aktivieren Sie das aus dem letzten Teil schon bekannte Kurvenwerkzeug. Wählen Sie hier aus der oberen Liste den Alphakanal aus und ziehen Sie die Mitte der Kurve etwas nach oben. So wird der halbtransparente Bereich der Ebene etwas kräftiger, das Leuchten verstärkt sich (Abb. 7).

Abbildung 7: Mit dem Kurven-Dialog kann man das Glühen verstärken

Im Gegensatz zum Schlagschatten von oben haben wir hier darauf verzichtet, die Ebenen mit dem Glüheffekt zu verschieben. Natürlich können Sie das problemlos machen. Als kleines Problem ergibt sich hier aber, dass die drei Ebenen mit den verschiedenen Leuchtfarben eigentlich nicht gegeneinander verschoben werden sollten. Um nicht jede Ebene einzeln um genau dieselbe Strecke verschieben zu müssen, können Sie mit einem Klick auf den Bereich zwischen dem Auge und der Vorschau ein Kreuz sichtbar machen. Dieses Kreuz bedeutet, dass diese Ebene bei allen Aktionen mit dem Verschieben-Werkzeug mitverschoben wird.

Um also alle Ebenen mit dem Leuchteffekt parallel zu verschieben, aktivieren Sie dieses Kreuz bei allen betroffenen Ebenen. Aktivieren Sie eine dieser Ebenen und verschieben Sie alle betroffenen Ebenen gemeinsam. Als kleiner Tip: Das Verschieben-Werkzeug verschiebt immer die Ebene, die unter dem Mauszeiger ein Bildelement hat. Im Zweifelsfall ist das die Hintergrundebene. Wenn das unerwünscht ist, halten Sie die [Umschalt]-Taste gedrückt, dann wird immer die aktivierte Ebene verschoben.

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