Um in den Genuss eines flüssigen Spielablaufs zu kommen, braucht man für die meisten Spiele die 3D-Unterstützung der Hardware. Wir erklären Ihnen die Einrichtung für Nvidia-basierte Grafikkarten.
Wurden die Rechner früher durch Datenbank-Anwendungen oder wissenschaftliche Berechnungen bis an die Belastungsgrenze getrieben, stellen heutzutage Spiele die größten Resourcenfresser dar. Insbesondere seit die Bildschirmdarstellung immer realistischer wurde, kam auch der schnellste Prozessor bei den notwendigen Berechnungen ins Schwitzen: Statt wie früher üblich flache Figuren über einen gemalten Hintergrund zu bewegen, werden Spiel-Szenen nun dreidimensional beschrieben – in einem virtuellen Raum werden mitunter mehrere tausend Gegenstände mit unterschiedlicher Beschaffenheit, Form und Farbe verteilt. Der Monitor kann aber nach wie vor nur zweidimensionale Abbildungen darstellen, die Spiele-Szene muss also für jedes einzelne Monitor-Bild aus der Blickrichtung des Spielers "abfotografiert", oder anders ausgedrückt, "gerendert" werden.
Um der CPU etwas Luft zu verschaffen, wurden nach und nach Teilaufgaben des Renderings in den Grafikkarten-Chip ausgelagert: Anstatt nun jeden Lichtstrahl einzeln zu verfolgen, muss der Prozessor der Grafikkarte nur noch die Lage und Beschaffenheit der einzelnen Gegenstände (die übrigens in kleine, dreieckige Flächen aufgespalten werden) mitteilen – diese erledigt dann den Rest.
Einer der größten Hersteller solcher Grafik-Chips mit 3D-Hardware-Beschleunigung ist die Chip-Schmiede Nvidia (http://www.nvidia.de), bei der sich viele Grafikkarten-Hersteller wie zum Beispiel Elsa versorgen. Da jeder Chip-Hersteller seinen eigenen, gut gehüteten Befehlssatz verwendet, bedarf es zur Nutzung der 3D-Eigenschaften eines speziellen Treibers. Nvidia bietet seit geraumer Zeit auch Linux-Treiber an, die Sie auf dem FTP-Server der Firma unter ftp://ftp1.detonator.nvidia.com/pub/drivers/english/XFree86_40/ finden.
Der Treiber besteht aus zwei Teilen: Dem GLX-Paket, das die Verbindung zum X-Server gewährleistet, und dem Kernel-Modul, das einen direkten Zugriff auf die Grafikkarte erlaubt. Nvidia stellt fertig angepasste Pakete für die verbreitetsten Distributionen bereit. Die Treiber finden Sie übrigens nicht auf unserer Heft-CD, das ist aus lizenzrechtlichen Gründen leider nicht möglich – sie sind nicht offen gelegt. Aus Platz- und Zeitgründen beschränken wir uns aber auf die Versionen 7.1 und 7.0 von SuSE sowie Red Hat 7.0. Da der Nvidia-Treiber mindestens XFree86 4.0.1 voraussetzt, ist die Verwendung älterer Distributionen sehr problematisch und nicht zu empfehlen. Generell gilt für den Spiele-Sektor: Das System sollte stets hochaktuell sein, weshalb man um regelmäßige Updates der Treiber, des X-Systems und des Kernels nicht herum kommt. Die Verwendung der jeweils aktuellen Treiber ist dringend angeraten, Nvidia kämpft mitunter noch mit Stabilitätsproblemen, die von einfachen Grafik-Fehlern bis hin zum Komplett-Absturz des Linux-Systems reichen.
SuSE 7.1
Während der Installation bietet Ihnen YaST2 bei der X-Einrichtung die Aktivierung der 3D-Treiber an, was Sie aber ignorieren können. Die Einbindung erfolgt später per SaX2 oder durch manuelle Anpassung der Konfigurationsdatei. Zum Redaktionsschluss war Version 0.9-769 des Nvidia-Treibers aktuell, die entsprechenden Pakete heißen NVIDIA_GLX-0.9-769.suse71.rpm und NVIDIA_kernel-0.9-769.suse71.rpm. Gibt es inzwischen neuere Treiber, sollten Sie diese bevorzugen. Die beiden Pakete sollten Sie im Verzeichnis /tmp ablegen, das erleichtert die Beschreibung der nächsten Schritte.
Wir gehen von einer SuSE-7.1-Standardinstallation aus. Zur Vorbereitung der 3D-Installation müssen Sie zwangsläufig die grafische Oberfläche verlassen und auf eine Textkonsole schalten. Die erste Textkonsole erreichen Sie mit [Strg-AltF1], dort loggen Sie sich als root ein. Danach schalten Sie mit init 3 die grafische Oberfläche komplett ab und können mit der eigentlichen Installation beginnen.
Das Paket zum Software-Rendering, mesasoft, benötigen Sie nicht mehr und entfernen es per rpm -e mesasoft. Anschließend wird das Kernel- und danach das GLX-Paket von Nvidia installiert:
rpm -i --force /tmp/NVIDIA_kernel-0.9-769.suse71.rpm rpm -i --force /tmp/NVIDIA_GLX-0.9-769.suse71.rpm
Das Kernel-Paket müssen Sie mittels --force installieren, weil es die von SuSE mitgelieferten Nvidia-Module überschreibt. Bei der Installation des GLX-Pakets wird sich RPM möglicherweise über das Fehlen der Datei switch2nv_glx beschweren, das ist jedoch kein Problem. Wichtig ist noch, einen fehlenden Link für GLX zu setzen:
ln -s /usr/lib/libGL.so.1 /usr/lib/libGL
Um nun den 3D-Support zu aktivieren, können Sie entweder die X-Konfigurationsdatei von Hand bearbeiten oder SaX2 benutzen.
Einrichtung mit SaX2
Rufen Sie sax2 -f auf und lehnen Sie die zunächst angebotene 3D-Unterstützung ab, da SaX2 insbesondere bei GeForce-3-basierten Karten wie zum Beispiel der Elsa Gladiac 920 sonst nicht startet. Die Einstellungen, die SaX2 Ihnen nun anbietet, lehnen Sie ebenfalls ab und wählen stattdessen Change Configuration aus dem Menü rechts unten. Es folgt eine Abfrage, ob eine angeblich fehlende Komponente nachinstalliert werden soll. Hier verneinen Sie.
Im nun folgenden Dialog übernehmen Sie mit Use / change the current configuration Ihre bisherigen X-Einstellungen und klicken so lange auf Next, bis Sie im Graphics Device Setup angelangt sind. Hier müssen die entsprechende Module ausgewählt werden. Klicken Sie auf Properties, Expert. Dort wird Ihnen unter Driver das Modul "nv" angeboten. Wählen Sie stattdessen "nvidia" aus dem Pulldown-Menü, wie in Abbildung 2 gezeigt. Mit OK kommen Sie zurück ins Graphics Device Setup. Dort klicken Sie noch auf Load 3D Modules, versehen den Eintrag "glx" mit einem Haken und bestätigen wiederum mit OK. Mit Next gelangen Sie nun in die Monitor-Auswahl, wo Sie unter Properties neben Ihrem Monitor-Modell auch die gewünschten Auflösungen einstellen können. Sind Sie damit fertig, klicken Sie auf Finish.
Im nun folgenden Fenster speichern Sie bitte zuerst die Einstellungen – auch hier kam es bei Versuchen zu SaX2-Abstürzen, bei denen keine Konfiguration geschrieben wurde. Verlassen Sie nach dem Speichern SaX2 nicht, sondern starten Sie den Test-Modus. Hier können Sie letzte Feineinstellungen vornehmen; die Schaltfläche Save Configuration bringt Sie dann zurück zum SaX2, den Sie im Anschluss beenden können.
Damit ist die Einrichtung komplett, mit init 5 gelangen Sie zurück zur grafischen Oberfläche.
In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass Spiele trotz augenscheinlich korrekter Installation nicht 3D-beschleunigt laufen oder sich gar über das Fehlen der Bibliothek libGL beklagen. Rufen Sie dann als Root switch2nvidia_glx auf. Einmal war es sogar erforderlich, das GLX-Paket mittels rpm -i --force --nodeps NVIDIA_GLX-0.9-769.suse71.rpm noch einmal aufzuspielen.
Um im schlimmsten Fall zu Ihrer ursprünglichen Konfiguration zurückzukehren, brauchen Sie lediglich die Datei /etc/X11/XF86Config.saxsave wieder in XF86Config umbenennen.



