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Die Erstbesteigung des Mount Linux

Zu Befehl

01.05.2001 In der letzten "Zu Befehl"-Folge haben Sie erste Informationen zu Partitionen, Dateisystemen und deren Auslastung bekommen. In diesem Zusammenhang fiel auch kurz der Begriff "mounten". Mit dem Befehl mount machen Sie einen Datenträger (z. B. Festplatte, Diskette, CD usw.) für Linux verfügbar. Anders als unter DOS und Windows gibt es unter Unix/Linux keine Laufwerksbuchtaben, vielmehr wird jede Partition irgendwo unterhalb des sogenannten Root-Verzeichnisses (Wurzelverzeichnis) eingebunden. In diesem Artikel geht es um Tipps und Tricks zu mount, die den Zugriff auf Datenträger erleichtern und in einigen Fällen sogar helfen, Geld zu sparen.

Mit mount wird also etwas in den Gesamtdateibaum "eingehängt" – dazu werden als Parameter die Device-Bezeichnung (z. B. /dev/hdc) des Datenträgers und das Verzeichnis angegeben, in dem das neue Dateisystem in den Verzeichnisbaum integriert wird. Tippen Sie auf der Kommandozeile einfach mal mount: Sie erhalten dann eine Übersicht der bereits eingebundenen Datenträger, die (abhängig von Ihrem Computer und den Komponenten) z. B. so aussehen kann:

huhn@asteroid:~$ mount
 /dev/hda2 on / type ext2 (rw,errors=remount-ro)
 proc on /proc type proc (rw)
 /dev/hda5 on /var type ext2 (rw)
 …
 /dev/hdb1 on /mnt/c type vfat (rw,gid=102,umask=007)
 /dev/hdc on /cdrom type iso9660 (ro,noexec,nosuid,nodev)

Hier kommen gleich jede Menge Informationen auf einmal: /dev/hda ist die erste IDE-Festplatte. Diese kann in bis zu vier primäre Partitionen aufgeteilt werden und wird dann mit /dev/hda1 bis zu /dev/hda4 durchnumeriert. Neben diesen primären Partitionen gibt es auch logische Partitionen; für diese sind die Ziffern ab fünf reserviert, also ist z. B. /dev/hda5 die erste logische Partition der ersten IDE-Platte. Eine zweite IDE-Festplatte (am gleichen Controller) würde im System /dev/hdb genannt, wohingegen SCSI-Platten /dev/sda oder /dev/sdb usw. heißen; eine Übersicht gibt Tabelle 1, "Partitionsbezeichnungen".

Tabelle 1: Partitionsbezeichnungen

Gerätedatei Gerät
   
  Master am primären IDE-Controller
  Slave am primären IDE-Controller
  Master am sekundären IDE-Controller
  Slave am sekundären IDE-Controller
  Erste SCSI-Platte
  Zweite SCSI-Platte
  Erstes SCSI-CD-ROM-Laufwerk
   
  Erstes Diskettenlaufwerk
  Zweites Diskettenlaufwerk

Weiterhin erkennen Sie im ersten Listing, dass /dev/hda2 nach / (der Schrägstrich steht für die Root-Partition) gemountet ist. Auch den Typ des Dateisystems können Sie ablesen – kurze Erinnerung: Das Standarddateisystem unter Linux heißt ext2 ("extended filesystem, Version 2"); Windows 9x verwendet vfat. Apropos vfat: Im Listing entdecken Sie, dass die erste primäre Partition der zweiten IDE-Festplatte (/dev/hdb1) eine Windows-Partition ist (type vfat) und über das Verzeichnis /mnt/c angesprochen werden kann. Als letzter Eintrag im Listing findet sich ein CD-ROM-Laufwerk (/dev/hdc on /cdrom type iso9660). Was die Einträge rw,noexec,nodev,errors=remount-ro etc. bedeuten, soll später entschlüsselt werden. Jetzt geht es erstmal um den Zugriff auf CD-ROM-Laufwerke.

Silberlinge gewurzelt – Zugriff auf CD-ROMs

CD-ROM-Laufwerke werden im Prinzip ähnlich wie Festplatten verwaltet, mit dem elementaren Unterschied, dass sie im laufenden Betrieb eines Computers gewechselt werden können und dass sie ein eigenes Dateisystem besitzen (iso9660). Die Norm ISO 9660 für die Dateiverwaltung auf CD-ROMs sorgt übrigens dafür, dass CDs auf unterschiedlichen Rechnern und Betriebssystemen gelesen werden können. Um Daten von einer CD-ROM lesen zu können, legen Sie die CD in das Laufwerk ein und binden sie als root in den Verzeichnisbaum ein:

asteroid:~# mount -t iso9660 /dev/cdrom /mnt/cdrom

Sollten Sie hier eine Fehlermeldung erhalten wie z. B. mount: mount point /mnt/cdrom does not exist, legen Sie das Verzeichnis /mnt/cdrom an oder schauen bei Ihrer Distribution nach, wie es richtig heißt (bei SuSE und Debian z. B. /cdrom). Nun können Sie in das Verzeichnis hineinwechseln oder Daten von der CD auf die Festplatte kopieren. Bevor Sie die CD-ROM wieder aus dem Laufwerk nehmen können, müssen Sie sie erst "u(n)mounten" – der Befehl heißt umount /mnt/cdrom. Solange die CD gemountet ist, wird ein Druck auf die Eject-Taste des Laufwerks wirkungslos bleiben. Vorsicht: Das Unmounten funktioniert nicht, wenn die CD noch benutzt wird – dafür reicht es, wenn Sie sich in einer Shell noch in einem Verzeichnis auf der CD befinden. Auch Prozesse, die noch auf die CD zugreifen, verhindern die Freigabe. Kleiner Tipp, ohne groß ins Detail zu gehen: Mit dem Aufruf lsofgrep "device" erhalten Sie wertvolle Hinweise auf den schuldigen Prozess:

asteroid:~# lsof | grep /dev/hdc
 kscd       2647     root    6r   BLK       22,0      8315 /dev/hdc
 asteroid:~# kill -9 2647

Das Kommando lsof steht für "list open files", werfen Sie ruhig einen Blick in die Man-Page zu diesem Programm.

Ab in die Tabelle

Alle Dateisysteme bei jedem Rechnerstart von Hand per mount einzubinden, wäre etwas lästig und würde ein automatisches Hochfahren des Rechners unmöglich machen. Daher gibt es die File System Table, die in der Datei /etc/fstab abgelegt wird und alle zu mountenden Dateisystem beschreibt. Eine typische fstab sieht wie folgt aus:

/dev/hda1       /mnt/dos        vfat    defaults 1 2
 /dev/hda5      /boot   ext2    defaults 1 2
 /dev/hda6      swap    swap    defaults 0 2
 /dev/hda7      /       reiserfs        defaults 1 1
 /dev/sda4      /mnt/zip        vfat    noauto,user 0 0
 proc   /proc   proc    defaults 0 0
 usbdevfs       /proc/bus/usb   usbdevfs        defaults 0 0
 devpts /dev/pts        devpts  defaults 0 0
 /dev/cdrom     /mnt/cdrom      auto    ro,noauto,user,exec 0 0
 /dev/fd0       /mnt/disk       auto    noauto,user 0 0

Hier interessant sind nur die jeweils ersten vier Spalten, in denen die Gerätedatei, der Mount-Punkt, das verwendete Dateisystem und die Mount-Optionen stehen. Steht im Optionenfeld "defaults", beudetet dies, dass mount ohne weitere Optionen aufgerufen wird. Die Angaben "noauto" und "user" sind dabei keine mount-Optionen sondern werden nur in der fstab verwendet:

  • "noauto" bedeutet, dass das Dateisystem beim Hochfahren des Rechners nicht automatisch gemountet wird. Das ist sinnvoll für Wechselmedien (Diskette, CD, ZIP etc.), die beim Booten vielleicht gar nicht vorhanden sind.
  • "user" legt fest, dass jeder Anwender das Dateisystem mounten und un-mounten darf. . Die Kombination "noauto,user" bei CD und Diskette führt also dazu, dass jeder Anwender einfach durch die Befehle mount /mnt/cdrom und umount /mnt/cdrom CD-ROMs mounten und wieder entfernen kann.

Die zum Artikelbeginn beschriebene Option "errors=remount-ro" legt das Verhalten bei Auftreten eines Dateisystemfehlers fest; in diesem Fall wird der Datenträger dann als read only neu gemountet: Der Lesezugriff bleibt also weiterhin möglich, ein Schreibzugriff wird unterbunden, um weitere Schäden zu verhindern. Alternativen dazu sind "errors=continue" (einfach weiter machen) und "errors=panic" (sofortiger Systemhalt). Erklärungen zu diesen und etlichen weiteren mount-Optionen (die zudem noch abhängig vom Dateisystemtyp sind) finden Sie wie üblich mit man mount und man fstab in den Manual Pages.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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