Auf unserem Testrechner haben wir zunächst Red Hat Linux 6.1 in der Standard-Konfiguration (GNOME Workstation) installiert. Danach haben wir die folgenden Änderungen an den Default-Einstellungen vorgenommen:
Um das Update durchzuführen, booten Sie ganz normal von der ersten Red-Hat-7.0-CD. Nach dem Einstellen von Tastatur und Maus wählen Sie im Menü den Punkt Upgraden, das System sucht dann nach vorhandenen Red-Hat-Installationen – hier wird auf unserem Testrechner natürlich nur das installierte Red Hat 6.1 gefunden. Daraufhin können Sie sich dafür entscheiden, die zu aktualisierenden Pakete zu konfigurieren, was wir getan haben: Dadurch können Sie zusätzlich zur Aktualisierung noch weitere, neue Pakete installieren. Bei diesem Schritt haben wir zusätzlich KDE ausgewählt. Bei der folgenden LILO-Konfiguration wurden die alten Einstellungen angezeigt und übernommen. Eine Abhängigkeitsprüfung zeigte anschließend, dass für die KDE-Pakete zusätzlich Qt benötigt wird; durch Auswahl von Pakete installieren, um Abhängigkeiten zu erfüllen, konnte dies automatisch gelöst werden.
Nun folgt das eigentliche Update, bei dem alle alten Red-Hat-Pakete durch die der neuen Version ersetzt werden. Dieser Vorgang dauerte auf unserem Dual-P3-500 mit 12-fach-CD-ROM 15 Minuten. Danach startet das System neu.
Beim ersten Login unter GNOME meldet sich ein Upgrade-Tool, das den Desktop aktualisiert. Dabei können wahlweise die alten Panel-Settings übernommen oder neue, für GNOME 1.2 optimierte Einstellungen übernommen werden.
Wir überprüften nun die vorgenommenen Änderungen.
Nach dem Update liefen gleichermaßen der alte Internet Super Server inetd und die neuere Variante xinetd. inetd war noch in der alten Version aus dem Paket netkit-base (erstellt im September 1999, also zu Red Hat 6.1 gehörend) installiert, und da dieser Daemon vorher automatisch gestartet wurde, blieb er beim Update erhalten. Ein Blick in die Runlevel-Konfiguration zeigt das Problem:
[esser@dual esser]$ ls -l /etc/rc.d/rc5.d/*inet* /etc/rc.d/rc5.d/S50inet -> ../init.d/inet /etc/rc.d/rc5.d/S50xinetd -> ../init.d/xinetd
Ein schnelles ps brachte die Bestätigung, dass hier tatsächlich zwei Internet-Daemons für die gleiche Aufgabe parallel arbeiten:
[esser@dual esser]$ ps ax | grep inet 458 ? S 0:00 inetd 473 ? S 0:00 xinetd -reuse -pidfile /var/run/xinetd.pid
So ergibt sich also die paradoxe Situation, dass man sich als Anwender nach Kontrolle der inetd.conf in der Sicherheit wähnt, dass die alten Sicherheitsmechanismen auch nach dem Update greifen, während ein neuer Super-Server mit freigeschaltetem Telnet-Zugang unerkannt potentiellen Angreifern seine Dienste bereitstellt. Außer Telnet finden sich im xinetd-Konfigurationsverzeichnis noch Einträge für die Dienste finger, linuxconf-web, ntalk, rexec, rlogin, rsh, talk und tftp.
Wer sein Red-Hat-System auf Version 7.1 aktualisiert hat oder das Update plant, sollte also einen Blick auf diese Situation werfen und einen der beiden Dienste dauerhaft deaktivieren (z. B. durch vollständiges Entfernen des xinetd-Pakets: Der Befehl für den Administrator root lautet einfach "rpm -e xinetd"). Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang ist: Wenn beide Internet Super Server laufen und ein Request auf einem Port eintrifft, der von beiden überwacht wird, welcher Daemon kommt dann zum Zug? …
Neben der GNOME-Session ließ sich auch wie gewünscht KDE (1.1.2) im GDM-Login-Manager auswählen. Da beide Red-Hat-Versionen KDE 1.x enthalten, konnten wir nicht überprüfen, wie Red Hat mit einem Update von KDE 1.x auf 2.x umgeht; bei der manuellen Installation von KDE-2-Paketen werden aber die alten Pakete gelöscht, da z. B. das Paket kdebase-2.0.1-1 als Update von kdebase-1.1.2-33 erkannt wird.
Insgesamt verlief das Update auf den ersten Blick unproblematischer als unter SuSE Linux (vgl. Artikel aus der letzten Ausgabe) – dabei schuf Red Hat durch den Paralleleinsatz der beiden Internet Super Daemons eine unerwartete Sicherheitslücke. Den Austausch der Sendmail-Konfiguration (bei Sicherung des Originals unter anderem Namen) kann man gut verschmerzen; schließlich empfiehlt sich immer ein Blick in diese Dateien). Wer ein 100% sauberes System wünscht, folgt also besser unserer Empfehlung aus Heft 04/2001: Private Daten sichern und die aktuelle Distribution neu installieren.
Im letzten Teil unserer Mini-Serie in der folgenden Ausgabe geht es um Debian-Updates. Die sind allerdings mehr ein Fall für die Kommandozeile.