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Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.05.2001 GNOME News… +++ Entlassungen bei Eazel +++ Ximian SOUP +++ GStreamer +++

GNOME und GTK als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe, und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.

Entlassungen bei Eazel

Durch den Kursverfall auf dem Neuen Markt bzw. im NASDAQ sind Investoren in diesem Sektor nicht gerade in Geberlaune, wie Eazel schmerzlich erfahren musste. Das Unternehmen hat bis jetzt keine weitere finanzielle Unterstützung erhalten und war deshalb gezwungen, 40 Mitarbeiter entlassen, was mehr als die Hälfte der Belegschaft ausmacht. Laut Eazel [1] waren hauptsächlich Bereiche wie Marketing und Business betroffen, nur wenige Entwickler mussten gehen. Ob Eazel seine Finanzprobleme in Zukunft über Services lösen kann, bleibt abzuwarten. Falls das Geschäftsmodell dauerhaft keinen Gewinn abwirft, was ja in der New Economy gar nicht mal so selten ist, steht nicht nur Eazels, sondern auch Ximians Zukunft auf dem Spiel.

Ximian SOUP

Ximians [2] Pläne, sich langfristig über Services zu finanzieren, sind schon lange bekannt; dass aber Ximians Anstrengungen in diesem Bereich Microsofts ".NET" unter Linux möglich machen könnten, ist neu. Ximian Services werden nicht über CORBA, sondern wie .NET über das XML-basierte SOAP kommunizieren – daher auch der von SOAP abgeleitete Name SOUP. Da Ximian selbst wohl kaum Windows 2000 einsetzen wird, um Services anzubieten, ist auch geplant, die Erstellung von .NET-Web-Services unter Linux möglich zu machen. Ähnliche Pläne hat auch Microsoft selbst [3], aber eine freie Implementation von .NET, die auch noch mit Bonobo zusammenarbeitet, wäre auf jeden Fall die bessere Lösung.

Gstreamer

Gstreamer [4] ist ein sehr interessantes Projekt, das die Verarbeitung von Video bzw. Audio unter Linux wesentlich vereinfachen könnte. Mit Hilfe von Gstreamer kann man sogenannte Pipelines aufbauen, mit denen die Multimediadaten über Plugins verarbeitet werden. Innerhalb der Pipeline lassen sich über die Plugins nicht nur eine Vielzahl von Multimedia-Dateitypen dekodieren, es ist auch möglich, komplexere Pipelines aufzubauen und die Daten mit Effekten zu versehen, wobei in Zukunft auf LADSPA [5] für Audioeffekte zurückgegriffen werden soll.

Auch was die Quelle der Daten angeht, ist Gstreamer flexibel. Am Anfang der Pipeline kann neben einer gewöhnlichen Datei eine TV-Karte oder DVD stehen. Dasselbe gilt für die Ausgabe der Daten: Hier ist neben Audio-Servern wie esound eine Ausgabe via Icecast möglich. Da Encoder für etliche Dateitypen existieren, kann der Dateityp vor der Ausgabe gewechselt werden – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Um Pipelines zu bauen, bringt Gstreamer einen an Glade angelehnten Editor mit, der es erlaubt, einzelne Plugins ähnlich wie bei einem Synthesizer zu verkabeln und die Pipelines in XML abzuspeichern.

Gstreamer ist momentan noch von GTK+-Objekten und damit von X Window abhängig. In Zukunft sollen aber X-unabhängige Glib- (2.0) "Gobjects" verwendet werden, da Gstreamer auch für den Einsatz im Embeddeded-Bereich gedacht ist. In diesem Zusammenhang ist geplant, einzelne Teile der Pipeline via DSP (Digital Sound Processor), also in Hardware, zu realisieren, was dank des modularen Aufbaus transparent möglich ist.

Ob Gstreamer zur besseren Integration in GNOME Bonobo unterstützen wird, ist noch nicht ganz klar, aber es gibt zumindest Bestrebungen in diese Richtung. Wie so oft gilt, dass Gstreamer mit Vorsicht genossen werden muss, da es noch nicht besonders stabil ist. Außerdem greift neben dem mitgelieferten Multimediaplayer Gstmediaplay noch praktisch kein Programm auf die Gstreamer-Architektur zurück.

Abbildung 1

Abbildung 1: Eine in mehrere Threads aufgeteilte Pipeline, die MP3s abspielt

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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