Fünfter Zeh
GNOME Fifth-Toe 1.4
Entwicklung
Zum Editieren von Sourcecode jeglicher Art bringt Fifth Toe Glimmer mit. Glimmer erkennt die meisten Programmiersprachen und kann deren Syntax farblich hervorheben. Natürlich ist es möglich, direkt aus dem Programm zu kompilieren und zu debuggen, wozu Glimmer jeweils ein Xterm öffnet. Um bestimmte Stellen im Sourcecode wiederzufinden, können außerdem Bookmarks angelegt werden. Wirklich interessant wird Glimmer aber erst durch die Möglichkeit, das Programm mit Skripten in Python zu erweitern. So ist es möglich, viele wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren.
Etwas komfortabler ist das Arbeiten mit Anjuta, da Compiler und Debugger direkt in das Hauptfenster integriert sind und sich vor allem der Debugger so wesentlich leichter bedienen lässt. Anjuta verwaltet nicht nur bestehende Projekte, sondern erstellt mit Hilfe eines Wizards auch alle Dateien, die man für eine neue Applikation benötigt. Dazu gehören unter anderem die Verzeichnisstruktur, READMEs, Unterstützung von autoconf bzw. automake, sowie ein minimales Code-Gerüst. Um sich im Sourcecode zurechtzufinden, ist es sehr nützlich, dass man anhand einer Liste der Funktionen, Variablen usw. direkt an die gewünschte Stelle springen kann.
Der Rest
Figaro's Password Manager oder kurz Fpm legt eine Liste von Passwörtern an, die wiederum durch ein Masterpasswort geschützt ist – im Gegensatz zum eigenen Gedächtnis nicht ausreichend sicher, aber wesentlich besser, als die Zugangsberechtigungen zu notieren bzw. immer dasselbe Passwort zu benutzen. Fpm bietet auch an, die zu den Passwörtern gehörigen Web-Seiten bzw. ssh-Server direkt aus dem Programm heraus zu starten und neue, sichere Passwörter zu generieren.
Das Merlin-Cpufire-Applet fällt dagegen eher in die Sparte "Eye Candy": Das Programm stellt die CPU-Auslastung durch eine lodernde Flamme im Panel dar, die einen mit Sicherheit von ernsthafter Arbeit abhält. Falls das nicht ausreicht, kann man mit Radioactive noch Radio über eine Video4Linux-kompatible Karte hören. Das Programm erlaubt, Radiostationen abzuspeichern, und bietet zusätzlich zu einer an ein reales Radio angelehnten Oberfläche ein Applet, mit dem sich der jeweilige Sender wählen lässt.
Die Produktivität steigern soll dagegen der Projektmanager Toutdoux. Toutdoux kann wahlweise mit einem XML-Format oder über die Datenbank PostgreSQL auf die nötigen Daten zugreifen, wobei die XML-Daten mit Hilfe von Wget auch aus dem Internet kommen können. Durch Plugins ist Toutdoux stark erweiterbar und z. B. in der Lage, Diagramme mit wichtigen Terminen eines Projekts zu erstellen. Für die Entwicklung von Software bietet Toutdoux schon eine Vorlage, aber dank des sehr flexiblen Ansatzes lassen sich auch völlig andere Projekte realisieren.
Gnome-db ist ein Projekt, das GNOME-Programmen den Zugriff auf beliebige Datenbanken möglichst einfach machen soll. Über die Library Libgda, die im Prinzip GNOME-unabhängig ist, kann mit Hilfe von CORBA transparent auf fast jede Datenbank zugegriffen werden. Gnome-db bietet zusätzlich noch Bonobo-Komponenten, um die Datenbank einfacher in GNOME-Programme einzubetten.
Außerdem findet sich noch Gfax in Fifth Toe, mit dem es möglich ist, über Mgetty und Sendfax bzw. Hylafax Faxe zu versenden. Neben dem grafischen Interface bietet Gfax noch eine weitere Möglichkeit, Faxe zu versenden: Über einen Eintrag in der Drucker-Konfigurationsadatei /etc/printcap lässt sich aus jeder Anwendung, die eine Druckerwahl anbietet, ein Fax verschicken.
Drei alte Bekannte in Fifth Toe, die wir hier nur kurz erwähnen wollen, sind der Paket-Manager Gnorpm, der einfache Text-Editor Gedit und der Vorgänger von Nautilus, Gmc. Die neuen Gnome-Tools, so überflüssig wie ein fünftes Rad am Wagen oder der fünfte Zeh am Gnome-Fuß? Sicher nicht, schließlich ist ein Computer ja nicht nur zum Arbeiten da, sondern soll auch Spaß machen.



