GNOME Fifth-Toe 1.4

Fünfter Zeh

Das GNOME-Panel mag noch so schön sein, ohne Software wird man nicht viel Freude daran haben. Deshalb wurde unter dem Namen "Fifth Toe" GNOME-Software zusammengestellt, durch die der Desktop erst richtig alltagstauglich wird. Über das inzwischen recht umfangreiche Software-Sortiment wollen wir im Folgenden einen Überblick geben.

Internet

Fifth Toe bringt den Browser Galeon mit, der genau wie Nautilus auf Mozillas Render Engine Gecko zurückgreift. Im Gegensatz zu Nautilus und Mozilla ist Galeon aber relativ kompakt, obwohl das Programm alle wichtigen Funktionen eines Web Browsers mitbringt. Interessant ist besonders die Möglichkeit, mittels Reitern (oder neudeutsch Tabs) mehrere Web-Seiten in einem Fenster darzustellen. Das ist auch im Vollbildmodus möglich, in dem sich, da man die Lesezeichen über die mittlere Maustaste starten kann, erstaunlich gut arbeiten lässt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Cookies bzw. Bilder von bestimmten Servern zu sperren und sich so vor ungewollter Werbung zu schützen. Für Downloads greift Galeon auf den GNOME Transfer Manager zurück, der ebenfalls in Fifth Toe enthalten ist.

Für Instant Messaging gibt es gleich zwei Programme, GnomeICU und Gabber. GnomeICU ist ein recht ausgereifter ICQ-Client, der die wichtigsten Features mitbringt und sich als Applet auf dem Panel plaziert. Wer etwas experimentierfreudiger ist, sollte auch Gabber ausprobieren. Gabber benutzt das auf XML basierende Jabber-Protokoll, um mit dem Server bzw. anderen Jabber-Clients zu kommunizieren. Auf dem Server können Jabber-Nachrichten über sogenannte Transports aber auch in andere IM-Netze (IM: Instant Messenger), zu einem IRC-Server, oder theoretisch sogar als SMS auf das Handy weitergeleitet werden. Wer in Zeiten von Echelon Wert auf Sicherheit legt, wird sich außerdem darüber freuen, dass Gabber Nachrichten mit GPG verschlüsseln kann.

Ebenfalls zwei Programme gibt es zur Firewall-Einrichtung. Sowohl Gnome-lokkit als auch Firestarter vereinfachen die grundlegende Konfiguration durch einen Assistenten. Firestarter bietet die Möglichkeit, diese groben Einstellungen zu verfeinern, indem man bestimmten Adressen weitergehende Rechte gibt bzw. nimmt. Da Firestarter anzeigt, was ausgefiltert wird, kann man diese Regeln auch dynamisch verändern und z. B. alle Zugriffe vom einer Adresse sperren, die einen Portscan durchführt. Firestarter hat außerdem den Vorteil, dass es sowohl mit Ipchains (Kernel 2.2) als auch mit Netfilter (2.4) zusammenarbeitet.

Der wohl beste News Client für GNOME ist Pan, der Pimp Ass Newsreader. Pan ermöglicht mehrere Verbindungen gleichzeitig, so dass Artikel und Binaries gleichzeitig geladen werden können. Alle Aufträge können aber auch in einer Übersicht sortiert werden, um wichtige Artikel zuerst zu laden. Zur Darstellung von HTML greift Pan auf das in Fifth Toe enthaltene Gtkhtml zurück.

Gtkhtml wird auch vom Mail Client Balsa verwendet, der an Eudora angelehnt ist und neben POP auch IMAP unterstützt. Drucken lassen sich Nachrichten in Balsa bequem über Gnome-print, und auch Rechtschreibkontrolle ist mit Pspell möglich.

Das kleinste Programm in Fifth Toe ist Googlizer. Bevor man Googlizer startet, muss man in irgendeinem Programm eine Textpassage auswählen, die dann von Googlizer als Google-Anfrage an den Standard-Browser weitergegeben wird.

Office

Als Tabellenkalkulation enthält Fifth Toe das stark an Excel erinnernde Gnumeric. Neben dem eigenen XML-Format ist Gnumeric in der Lage, Tabellen in den meisten Formaten (Excel eingeschlossen) über Plugins zu importieren und zu bearbeiten. Dank des noch sehr jungen GNOME-Basics bleiben dabei sogar Makros erhalten. Wer sich traut, Gnumeric mit Bonobo-Support zu kompilieren, wird außerdem mit zahlreichen Modulen belohnt, die in Dokumente eingebettet werden können. Zum Zeichnen von Graphen greift Gnumeric via Bonobo auf Guppi zurück, das man ebenfalls in Fifth Toe finden kann. Mit einer ganzen Reihe von Werkzeugen zur Analyse kann Gnumeric auch statistische Berechnungen, z. B. Regressionen, durchführen und ist dadurch mathematisch sehr mächtig.

Auch Gnucash ist an ein Windows-Programm, nämlich Quicken, angelehnt und beherrscht dementsprechend den Import von QIF-Dateien. Wie bei Quicken macht Gnucash die doppelte Buchführung möglich und erstellt auf Wunsch auch Berichte aus den Daten. Praktisch ist auch, dass Aktienkurse über Onlinedienste wie Yahoo immer auf dem neuesten Stand gehalten werden können, und dass Gnucash problemlos mit verschiedenen Währungen umgeht.

Abiword, die Textverarbeitung im Paket, fällt besonders dadurch auf, dass sie viele Textformate von Word bis zum Palm-Format Pdb beherrscht. Ansonsten beinhaltet Abiword alle Features, die man zum Erstellen mittellanger Texte benötigt – an den Funktionsumfang von Word reicht es noch nicht heran, aber zum Glück klappt der Import von Word-Dateien ja recht ordentlich.

Abbildung 1: Mit Hilfe von Guppi kann Gnumeric auch Graphen darstellen

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