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GNOME legt nach

GNOME 1.4

01.05.2001 Lange mussten sich die GNOME-Anhänger gedulden, aber jetzt ist es endlich soweit und GNOME präsentiert sich in der neuen Version 1.4. Was sich geändert hat und was hinter den neuen Programmen steckt, wollen wir hier vorstellen.

Wirklich brandneue Sachen gibt es bei GNOME 1.4 auf den ersten Blick fast keine – es fallen vielmehr die vielen Verbesserungen im Detail auf. So werden z. B. Überschneidungen bei Kanten-Panels vermieden, und das Menü-Panel verfügt über eine Taskliste. Wesentlich verbessert wurde auch der GDM. Neben vielen Bugfixes wurde das Programm um Xinerama-Unterstützung erweitert und mit einem grafischen Konfigurationswerkzeug versehen. Passend zur Jahreszeit wurden sowohl im GDM als auch im Panel neue Ostereier eingebaut, die wir im Kasten "Fröhliche Ostern" aufgelistet haben. Viele Bugfixes sind nicht nur in GNOME, sondern auch in GTK geflossen, was zusätzlich zur Stabilität beitragen sollte. Nicht zuletzt sollten die verbesserten Übersetzungen sowie eine viel umfassendere Dokumentation erwähnt werden, die gerade Anfängern den Einstieg leichter machen kann.

Ganz neu in GNOME 1.4 ist Xalf. Das Programm lässt ein echtes Windows-Feeling aufkommen, indem es wahlweise mit einer Sanduhr oder einem Eintrag in der Tasklist anzeigt, dass ein Programm gerade startet. Wer es ganz ausgefallen mag, kann im Kontrollzentrum stattdessen auch einen Splashscreen oder einen funkelnden Stern für Programmstarts auswählen.

Nautilus

Die wohl größte Neuerung und auch einer der Hauptgründe für die lange Verzögerung beim Erscheinen von GNOME 1.4 ist Nautilus. Die grafische Shell der Firma Eazel sorgte schon im Vorfeld für viele Diskussionen, da einige Benutzer einen schnelleren und minimalistischeren Dateimanager bevorzugen würden, während andere von der Benutzerfreundlichkeit und dem Funktionsumfang von Nautilus begeistert sind. Nautilus ist in der Tat kein Leichtgewicht, und auch die Versions-Nummer 1.0 scheint etwas voreilig – davon abgesehen ist Nautilus aber ein beeindruckendes Programm.

Das fängt schon bei der Icon-Ansicht von Verzeichnissen an. Nautilus bietet eine Vorschau für viele Dateitypen, wobei in Zukunft sicherlich noch mehr hinzukommen werden. Bilder und sogar Textdateien werden von Nautilus als verkleinerte Icons dargestellt, und Musikdateien werden kurz angespielt, wenn man mit dem Cursor über ihnen stehenbleibt. Alle Icons kann man einzeln strecken oder bis zur Vollansicht vergrößern, wobei beim Zoomen nicht nur die Icons größer werden, sondern auch mehr Informationen über diese auftauchen. An den Icons befinden sich zusätzlich noch Symbole, die anzeigen, welche Zugriffsrechte für die entsprechende Datei existieren. Als weitere Information kann man Dateien auch als wichtig oder interessant kennzeichnen. Neben der Listen- und Icon-Ansicht gibt es noch viele spezielle Ansichts-Modi, die via Bonobo geladen werden. Bonobo basiert auf CORBA und ermöglicht es, Objekte (unabhängig von Programmiersprache und System) über ein definiertes Interface in ein anderes Programm zu integrieren. Zusammen mit Oaf, das es erlaubt, Objekte zu aktivieren, und Orbit, dem Object Request Broker (also einer Art Verteiler) macht Bonobo es möglich, bestimmte Objekte immer wieder zu verwenden, und spart somit viel Arbeit. Mit GNOME 1.4 erscheint auch Bonobo 1.0, was bedeutet, dass sich das API vorerst nicht mehr ändern wird. Das wird hoffentlich mehr Programmierer motivieren, Bonobo-Komponenten zu schreiben, die, falls sie einen bestimmten Dateityp darstellen, auch in Nautilus als Ansicht verwendet werden können. Interessant ist jetzt schon die Möglichkeit, RPMs über eine spezielle Ansicht zu installieren bzw. zu überprüfen und ganze MP3-Alben in einer aus Id3-Tags generierten Ansicht abzuspielen. Das allgegenwärtige Problem, wie umfassend bzw. einfach die Konfiguration eines Programmes sein sollte, löst Nautilus, indem es mehrere Schwierigkeitsgrade anbietet. So wird kein Benutzer überfordert, und fortgeschrittene User haben umfassende Konfigurationsmöglichkeiten.

Das ist aber bei weitem nicht alles, was Nautilus an neuerer Technologie mitbringt. Mit Hilfe von Medusa ist es möglich, die eigene Festplatte sehr schnell nach bestimmten Dateien zu durchsuchen, wobei mehr als nur eine Suche nach Dateinamen möglich ist. Medusa speichert auch Attribute wie Besitzer, Dateityp oder Größe. Der Nachteil des Systems ist, dass die Indizierung der Festplatte relativ viel Zeit in Anspruch nimmt und dass der Index selbst nicht gerade klein ist. Neben der lokalen Suche bietet Nautilus auch die Suche im Internet an. Die gefundenen Seiten können mit Hilfe von Gecko, Mozillas Render Engine, direkt in Nautilus betrachtet werden. Auch Eazels "Services", mit denen sich das Unternehmen finanzieren will, arbeiten über das Internet. Die Authentifizierung bei Eazel und SSL-Verschlüsselung übernimmt dabei Ammonite, ein lokaler Proxy. Einmal eingeloggt bietet Eazel kostenlose 25 MB an Online-Speicher und einen umfangreichen Software-Katalog, aus dem sich Programme dank eines eingebauten Install-Tools bequem installieren lassen. Das Angebot soll in Zukunft noch durch kostenpflichtige Services erweitert werden, die den Benutzer bei der Administration seines Systems unterstützen.

Eine weitere Library, die mit GNOME 1.4 Version 1.0 erreicht hat, ist gnome-vfs. Da gnome-vfs beliebig durch Plugins erweiterbar ist, kann Nautilus transparent auf praktisch jedes Dateisystem zugreifen. So ist es auch denkbar, den Speicher einer Digitalkamera oder eines Mp3-Players wie ein normales Dateisystem zu behandeln, indem man ihn einfach durch eine URL wie z. B. camera:// anspricht.

Nautilus ersetzt nicht nur Gmc, sondern auch den veralteten Browser für die Online-Hilfe. Zusammen mit der Hyperbola-Komponente zeigt Nautilus auch alle Arten von Hilfe-Dateien in der HTML-Ansicht an. Dabei macht das Programm auch von einer weiteren Neuerung in GNOME, dem Programm Scrollkeeper, Gebrauch: Scrollkeeper legt einen zentralen Dokumentations-Index für das System an, wobei Metadaten zu den Dokumenten im OMF-Format abgespeichert werden. Damit wird in Zukunft eine komfortable Suche in allen Dokumenten des Systems möglich sein.

Abbildung 1

Abbildung 1: Nautilus in voller Pracht

Abbildung 2

Abbildung 2: Auf Eazels Online-Speicher lässt sich auch mit einem Web Browser zugreifen

Unter der Haube

Neben den Libraries, die wir im Zusammenhang mit Nautilus vorgestellt haben, bringt GNOME 1.4 noch andere mit, die dem Benutzer nicht direkt ins Auge fallen. Fast alles, was GNOME 1.4 an neuer Technologie mitbringt, basiert auf XML-Formaten, die nicht direkt mit dem traditionellen gettext in andere Sprachen übersetzt werden können. Da sich die Übersetzer von Linux-Programmen aber schon an das von gettext erzeugte Format gewöhnt haben, wurden die xml-i18n-Tools entwickelt, die zu übersetzende Strings aus XML-Dateien in eine .po-Datei und zurück schreiben.

Wichtig für ein Desktop-Environment ist außerdem ein einheitliches und einfaches Print-Framework. Gnome-print ermöglicht es GNOME-Programmen, über ein API sowohl Postscript- als auch PDF-Dateien zu erzeugen, bzw. via Postscript zu drucken. Es ist weiterhin geplant, Drucken über Protokolle wie IPP zu ermöglichen. Gnome-print bietet darüberhinaus eine genaue Druck-Vorschau, die beliebig vergrößert oder verkleinert werden kann.

Fröhliche Ostern

Hauptmenü/Ausführen:
 time shall be unixey
 you shall bring us a shrubbery
 supreme executive power
 GDM-Login:
 Start Dancing
 Stop Dancing
 Gimme Random Cursor
 Require Quater
 Hauptmenü/Panel/Eigenschaften/Alle Eigenschaften:
 3 mal mit der rechten Maustaste auf Reiter klicken

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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LinuxUser 05/2014

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