magisch, mächtig, mutt
Einstieg in einen kommandozeilenbasierten Mail-Reader
Mailcap und Urlview
Wo mutt ist, da ist das Programm urlview nicht weit. Mit ihm können Sie die in einer Mail angegebenen URLs direkt besuchen. Und zwar mit einem Webbrowser Ihrer Wahl. Sollte urlview nicht in Ihrer Distribution enthalten sein, dann finden Sie es unter der Adresse ftp://ftp.guug.de/pub/mutt/contrib
Die globalen Einstellungen können Sie in der Datei /etc/urlview oder /etc/urlview.conf vornehmen, die lokale Konfiguration in der Datei ~/.urlview Ihres Home-Verzeichnisses. Erschrecken Sie nicht vor der REGEXP-Zeile der Konfigurationsdatei, sie enthält die regulären Ausdrücke, an denen urlview die URLs erkennt, und braucht nicht von Ihnen verändert werden. Alles, was Sie tun müssen, ist, die Zeile 'COMMAND url_handler.sh %s' zu editieren und Ihren Lieblingsbrowser einzutragen:
COMMAND netscape %s
Um urlview zu starten, drücken Sie in der Mail-Ansicht (der sogenannten Pager) die Tastenkombination [Strg-b] und wählen den URL, den Sie besuchen wollen, mit [Return] aus.
Erinnern Sie sich noch an die Taste [v], mit der mutt Ihnen die Attachments einer Mail präsentiert? Damit mutt dies auch tun kann, müssen Sie ihm sagen, welches Programm die entsprechenden Dateitypen (MIME-Typen) bearbeiten soll. Ihre Anweisungen findet mutt systemweit in der Datei /etc/mailcap und lokal in der Datei ~/.mailcap. Je nach Distribution sind noch die Pfade /usr/local/etc/mailcap oder /usr/etc/mailcap möglich.
Damit Sie in der globalen Konfigurationsdatei nicht editieren müssen, zeigen Sie mutt den Weg zu Ihrer lokalen ~/.mailcap und schreiben in die Datei ~/.muttrc
# Mailcap set mailcap_path="~/.mailcap"
Nachdem Sie die Datei ~/.mailcap erstellt haben, versuchen Sie sich an Ihrer ersten Anweisung in dieser Datei:
# text/html wird mit lynx angezeigt text/html; lynx %s
Vielleicht mögen Sie lynx nicht besonders, und ziehen Netscape vor?
# text/html wird mit Netscape angezeigt text/html; netscape %s
Wenn Sie jedoch sowohl lynx als auch Netscape mögen, und sich auf dem xterm so wohl fühlen wie auf der viruellen Textkonsole, dann ist das kein Problem:
# Mit X Netscape, ohne X lynx text/html; netscape %s; test=test -n "$DISPLAY" text/html; lynx %s
Mit dem Eintrag test=test -n "$DISPLAY" testet mutt, ob Sie auf einer grafischen Benutzeroberfläche arbeiten. Falls ja, wird Netscape gestartet, falls nein, kommt lynx zum Einsatz. Für Attachments, die Grafiken enthalten, sieht der entsprechende Eintrag so aus:
# Mit X der Viewer xv, ohne X der Viewer zgv image/*; xv %s; test=test -n "$DISPLAY" image/*; zgv %s
Der Code einer HTML-Mail kann auch in text/plain verwandelt werden, damit er ohne Umschweife lesbar ist. Diese Aufgabe übernimmt lynx für Sie:
# Von text/html in text/plain text/html; lynx -dump %s ; copiousoutput
Und im Gegenzug in der Datei ~/.muttrc
# Welche Mime-Typen sollen angezeigt werden auto_view text/html
Dies alles funktioniert natürlich auch mit LaTeX-Dokumenten, MS-Word-Dateien, PGP-Mails und Netscape-Visitenkarten, von postscipt-Attachments, Audio/Video-Dateien und zip-Archiven ganz zu schweigen. Diese Punkte erklärt Ihnen jedoch die [F1]-Online-Hilfe des mutt (unter Abschnitt 5) schneller und ausführlicher als jeder Artikel es könnte.
POP3 und IMAP: Wo darf gelesen werden?
Obwohl die POP3-Unterstützung weder Programme wie fetchmail noch getmail ersetzen kann (und will), ist sie sehr nützlich, um auf die Schnelle nach den neuesten Mails zu sehen, ohne dass Sie ein zusätzliches xterm öffnen oder das Terminal wechseln müssen. Folgende Einträge in die Datei ~/.muttrc benötigt mutt, um diese Aufgabe zu verrichten:
# Mails nach dem Holen vom Server löschen set pop_delete=yes # Nicht nur ungelesene Mails holen set pop_last=no # Ihr POP3-Server set pop_host="pop.provider.de" # Über welchen Port des POP3-Servers set pop_port=110 # Ihre Benutzerkennung set pop_user="BENUTZERNAME" # Ihr Passwort set pop_pass="PASSWORT"
Die Taste [G] verbindet mutt mit dem Server und zieht die Mails nach /var/spool/mail/[username], wo sie sofort angezeigt werden. Sollte die POP3-Unterstützung nicht funktionieren, dann wurde mutt ohne die Angabe des --enable-pop-Schalters beim Aufruf des configure-Skripts kompiliert.
Eine entsprechende Kompilierung ist ebenfalls bei der IMAP-Unterstützung von Nöten, die den Abschluss unserer kleinen Reise markiert. Diesmal ist es allerdings der Schalter --enable-imap, der im configure-Skript umgelegt werden muss.
Ein Zugriff auf die Mailbox eines IMAP-Servers ist für Sie nicht komplizierter, als mit mutt Ihr POP3-Postfach zu leeren. Folgende Konfigurationen nehmen Sie dazu in der Datei ~/.muttrc vor:
# Ihre Benutzerkennung set imap_user="BENUTZERNAME" # Ihr Passwort set imap_pass="PASSWORT"
Nachdem Sie Ihren Rechner mit dem Netz verbunden und mutt gestartet haben, drücken Sie die Taste [c] und geben diesmal auf die Frage von mutt "Verzeichnis wechseln nach:" keine lokale, auf Ihrer Festplatte gesicherte Mailbox an, sondern den Namen und die Inbox des IMAP-Servers:
{imap.server.de}inbox
Die geschweiften Klammern '{}' sind wichtig, denn sie sind ein Teil des Kommandos. Wenn Sie ausschließlich mit einem IMAP-Server arbeiten, können Sie sich diese Arbeit erleichtern, und die Spool-Mailbox, in der mutt startet, auf den Server verlagern:
# Statt /var/spool/mail/[username] der IMAP-Server
set spoolfile="{imap.server.de}inbox"
Da unter Umständen bei Ihrer Authentifizierung am IMAP-Server Ihr Passwort im Klartext seine Weg durch das Netz antritt, ist es ratsam, die SSL-Unterstützung von mutt zu nutzen (oder mit --enable-ssl zu kompilieren), wenn Ihr Server eine SSL-Verschlüsselung unterstützt. Der Aufruf zur Verbindung wäre dann zum Beispiel:
{[Benutzername@]imap.server.de/ssl}inboxBei einer fehlgeschlagenen Authentifizierung werden Sie von mutt erneut nach Ihrem Benutzername und Ihrem Passwort gefragt und bestätigen Ihre Eingabe mit [Return].



