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magisch, mächtig, mutt

Einstieg in einen kommandozeilenbasierten Mail-Reader

01.05.2001 "Warum soll ich mich da einarbeiten und dafür auch noch einen Mail-Server aufsetzen?" fragt sich der Anwender, nachdem er die Liste mit rund 250 Einträgen für die Tastenfunktionen des mutt gesehen hat. Und klickt auf den Link zum Netscape Messenger. Doch der Mail Client mutt lässt sich schon mit einer Hand voll Anweisungen und einigen Einträgen in seiner Konfigurationsdatei ~/.muttrc sinnvoll bedienen, und er entschädigt den Benutzer mit etlichen Features schnell für die spröde, textbasierte Oberfläche: Optionale POP3- und IMAP-Unterstützung, PGP und Threading bietet mutt ebenso wie Makros, Scoring, freie Tastaturbelegung und das Suchen nach Mustern. Selbst Datenbanken, Viewer und Web Browser können problemlos eingebunden werden.

Nach dem ersten Aufruf von mutt in der Kommandozeile werden Sie von dem Programm gefragt, ob es das Verzeichnis ~/Mail in Ihrem Home-Verzeichnis erstellen soll, falls es dort keines vorgefunden hat. Wenn Sie die Frage bejahen, wird das Verzeichnis ~/Mail zum Standardverzeichnis, in dem Mutt seine Arbeit verrichtet.

Nun könnten Sie schon loslegen mit dem Verwalten Ihrer Mails, denn mutt wurden brauchbare Standardeinstellungen in die Wiege gelegt. Damit aber wirklich alles nach Ihren Wünschen verläuft, öffnen Sie Ihren Lieblingseditor und erschaffen die Datei ~/.muttrc . Dort findet mutt die lokalen Einstellungen zur Konfiguration. Die systemweite Konfigurationsdatei finden Sie in der Datei /etc/muttrc (bei SuSE: /etc/Muttrc). Wenn es allerdings nicht unbedingt nötig ist, sollten Sie dort keine Änderungen in den Einstellungen vornehmen, denn die /etc/muttrc eignet sich ausgezeichnet als kommentierte Beispieldatei.

Jede Mail braucht einen Header

Damit Ihre Mails den Empfänger erreichen, müssen Sie mutt sagen, welche Header Sie brauchen. Dazu sollten sie zuerst die Standardeinstellung zurückschrauben mit dem Eintrag 'unmy_hdr *'. Jetzt können Sie Ihre Header einsetzen mit der 'my_hdr'-Anweisung (Das # bezeichnet eine Kommentarzeile, die nicht eingelesen wird):

# Ihre Absendeadresse
 my_hdr From: mailadresse@provider.de
 # Zurück an
 my_hdr Reply-To: mailadresse@provider.de
 # Ihr Name
 set realname="Tux Nordpol"

Falls Sie beim Schreiben des Mailbodys den Header ändern möchten, tragen Sie zuätzlich diese Anweisung ein:

# Im Editor die Header anzeigen
 set edit_headers

Jetzt stehen Sie vor der Wahl des Editors, mit dem Sie die Mail schreiben möchten. Als Standardeditor Ihres Systems wird vermutlich vi eingetragen sein, und diesen Editor würde mutt zum Erstellen der Mails nehmen, wenn Sie ihm nicht zuvorkommen. Sie können in folgende Anweisung eintragen, was Sie möchten, sollten jedoch bedenken, dass ein Editor, der eine grafische Benutzeroberfläche braucht, nicht auf der virtuellen Textkonsole funktioniert:

# Ihr Lieblingseditor
 set editor="xedit"

Und zum Schluss, bevor wir gleich den Mailfoldern von Netscape einen Besuch abstatten, noch einige Einträge, um die Mails vor dem versehentlichen Löschen zu schützen und Farbe ins Dunkel zu bringen:

# Keine Mail loeschen
 set delete=no
 # Keine gelesene Mail nach $mbox verschieben
 set nomove
 # Alte Mails nicht markieren
 set nomark_old
 # Normaler Text, die aktuelle Nachricht, der Header
 color normal     default        default
 color indicator  brightyellow   red
 color hdrdefault blue           default

Ein Druck auf [F1] eröffnete Ihnen die Online-Hilfe des mutt und zeigt weitere Konfigurationsmöglichkeiten. Die Online-Hilfe ist in einer ausgezeichnten deutschen Fassung zu haben, unter http://www.bursik.net/priv/howto/mutt/manual.html.

Verwaltung auf Knopfdruck

Nach dem erneuten Start von mutt landen Sie in /var/spool/mail/[username], denn dort beginnt mutt seine Arbeit. Um in eine Mailbox zu gelangen, gibt es die Taste [c], die ihren Druck prompt beantwortet: "Öffne Mailbox (für eine Liste '?' eingeben)". Seien Sie achtsam bei der Groß- und Kleinschreibung, denn die Taste [C] kopiert Nachrichten in andere Dateien und Mailboxen. Mit der Taste [?] schicken Sie mutt in Ihr leeres heimatliches Mail-Verzeichnis. Da es hier noch nichts zu tun gibt (wenn Sie nicht bereits pine oder elm als MUA benutzen), wagen wir uns in das Revier des Netscape-Messenger und dessen Mailfoldern.

Im Augenblick zeigt sich mutt in einer Form, die Sie vermutlich an einen Dateimanager erinnern wird. Und genau so können Sie nun auch durch die Verzeichnisstruktur navigieren, um zum Verzeichnis des Netscape-Messengers kommen (sollten sie Schwierikeiten mit den Pfeiltasten haben, versuchen Sie [j] und [k] für rauf und runter). Wer weniger experimentierfreudig ist, betätigt erneut das [c] und antwortet mutt auf die Frage "Verzeichnis wechseln nach:" mit /home/[username]/nsmail.

Sobald Sie die [Return]-Taste drücken, öffnet sich der Mailfolder unter dem Anzeigebalken, und sie können die Mails, die Sie lesen möchten, auswählen und mit [Return] ansehen und scrollen. Die Pfeiltasten öffnen die nächste Mail für Sie, die [Tab]-Taste findet die nächste ungelesene Nachricht und zeigt sie an. Wenn Ihnen das Umherschalten zwischen den Mails zu unübersichtlich ist, tragen Sie in die Datei ~/.muttrc eine Anweisung ein, die den Bildschirm splittet. Oben im Terminal wird dann der Inhalt des Mailfolders angezeigt, in dem Sie sich befinden, und unten wird synchron der Text der Mail zum Lesen angeboten.

Abbildung 1: Geteilte Anzeige – oben die Liste der Mails, unten der Inhalt der gerade ausgewählten Nachricht

# Splittet die Konsole und zeigt 6 Mails an
 set pager_index_lines=6

Mit Sicherheit ist Ihnen längst die Hilfe-Leiste am oberen Rand ins Auge gesprungen. Hier zeigt mutt Ihnen die wichtigsten Tastaturbelegungen. Ob Sie nun Mails lesen, sich durch den Verzeichnisbaum arbeiten oder einen Mailfolder öffnen: Die Anzeige passt sich der Situation an. Die Taste [m] erzeugt eine neue Nachricht und füttert mit den abgefragten Daten den Editor, den Sie im muttrc-Eintrag (set editor="") angegeben haben. Das [d] könnte Mails löschen, bleibt jedoch dank des Eintrages set delete=no wirkungslos, mit [/] starten sie eine Suche nach regulären Ausdrücken, und [v] zeigt Ihnen die verschiedensten Attachments an. Doch dazu später mehr.

Damit Sie ohne Angst vor Datenverlust mit mutt experimentieren können, kopieren Sie den Folder Ihrer größten Mailingliste in das Verzeichnis ~/Mail

cp /home/user/nsmail/liste /home/user/Mail/

…und setzen vor dem Betrachten Ihres neuen Mailfolders noch drei Einträge in die Datei ~/.muttrc:

# Die Mails werden sortiert nach Threads…
 set sort=threads
 # …und in den Threads nach dem Datum
 set sort_aux=date-sent
 # Threading auf den In-Reply-To:-Header, nicht aufs Subject
 set strict_threads
 # Farbe für den Threadingtree
 color tree  brightmagenta  default

Nun ist jeder Dialog in Ihrer Mailingliste bunt und richtungweisend.

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LinuxUser 06/2012

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