bp_s.jpg

Burn-Proof unter Linux

Heiße Scheiben sicher hergestellt

CD-Brennen ist schon lange kein Hexenwerk mehr, seit immer schnellere Festplatten und Computer eingesetzt werden. Aber auch in der heutigen Zeit der Gigahertz-CPUs bricht hin und wieder der Brennvorgang verfrüht ab, weil das System nebenher noch andere Aufgaben erfüllt. Mit BURN-Proof-Technik sollen verbrannte Rohlinge der Vergangenheit angehören.

Ursache für die meisten Brennabbrüche sind sogenannte Buffer-Underruns. Dabei hat der CD-Brenner alle im Schreib-Puffer (Write-Buffer) gespeicherten Daten auf die CD gebracht und wartet nun auf Daten vom Computer. Wird der Puffer nicht rechtzeitig wieder gefüllt, bricht der Brenner den Schreibvorgang ab.

Der Grund dafür ist, dass die Daten der CD mit konstanter Geschwindigkeit geschrieben werden müssen. Ein Absetzen und späteres Fortführen war bislang nicht möglich. Entscheidend für eine konstante Geschwindigkeit ist dabei nicht die Drehgeschwindigkeit der CD, sondern der Weg des Lasers auf der CD-Oberfläche. Innen sind die Spuren kürzer, außen länger. Um mit einer konstanten Datenrate lesen zu können, dreht das CD-ROM beim Lesen der inneren Spuren hörbar schneller als im Außenbereich. Man spricht von CLV (Constant Linear Velocity), der Laser überstreicht also immer den selben Weg pro Zeit. Im Falle von Single-Speed-Geräten beträgt die Datenrate 2352 mal 75 = 176400 Bytes pro Sekunde. Ein Brenner mit zwölffacher Beschleunigung schreibt folglich 12 mal 176400 Bytes pro Sekunde, das sind etwas mehr als 2 MByte pro Sekunde. Diese Datenmenge muss der Computer stets liefern.

Sobald der Computer die Daten nicht mehr schnell genug zum CD-Brenner transportieren kann, zum Beispiel weil die CPU gerade ausgelastet ist, kommt es zu einem Buffer-Underrun – der interne Pufferspeicher des CD-Brenners ist leer, und der Brennvorgang muss abgebrochen werden. Die entstandene CD-ROM ist unvollständig und in der Regel unbrauchbar.

Lösungsansätze

Da dieses Problem schon länger bekannt ist, wurden mehrere Verfahren zur Vermeidung entwickelt. Als erstes ist der vorher schon angesprochene Puffer im CD-Brenner selbst zu nennen. Er hat bei den neueren Brennern eine Kapazität von 2--4 MB und reicht so bei maximaler Brenngeschwindigkeit für etwa 1,5 bis 2 Sekunden. Auch die Brenner-Software baut im Speicher einen Puffer auf. Beim Brenn-Programm cdrecord kann man die Größe frei wählen, standardmäßig sind es 4 MB.

Das neueste Verfahren zur Vermeidung von Buffer Underruns kommt von Sanyo und nennt sich BURN-Proof (Buffer Under RuN error Proof, http://www.sannet.ne.jp/BURN-Proof/). Diese Methode versucht nicht, die Buffer Underruns zu verhindern, sondern deren Folgen. Ein kleiner Mikrokontroller direkt im CD-Brenner überprüft ständig den Füllstand des eingebauten Puffers und leitet im Falle eines drohenden Buffer Underruns (Puffer weniger als 10% gefüllt) ein geordnetes Verfahren zum Beenden des Brennvorganges ein. Sind die letzten Daten auf die CD-R geschrieben, merkt sich der Chip, wo sich diese befinden. Sobald der Puffer wieder voll ist, muss die CD-Brenn-Software den Brennvorgang wieder starten, d. h. auch die Software muss BURN-Proof unterstützen. Darauf startet der Mikrokontroller den Brennvorgang wieder direkt dort, wo die letzen Daten gebrannt wurden. Ähnliche Verfahren gibt es noch von Ricoh, wo sich das ganze "JustLink" nennt, und auch Yamaha hat etwas entsprechendes mit dem Namen "Wast-Proof Write Strategy" angekündigt. Auf dem Markt hat sich bis jetzt aber nur BURN-Proof durchgesetzt, und auch Linux unterstützt bei Verwendung von cdrecord oder cdrdao ab Version 1.1.5 bis jetzt nur diese Technologie.

BURN-Proof verwenden

Ob ein Laufwerk BURN-Proof unterstützt, kann man einfach mit dem Kommando

# cdrecord -checkdrive dev=0,X,0 driveropts=help
 Cdrecord 1.10a16 (i586-pc-linux-gnu) Copyright (C) 1995-2001 Jörg Schilling
 […]
 Driver options:
 burnproof      Prepare writer to use Sanyo BURN-Proof technology
 noburnproof    Disable using Sanyo BURN-Proof technology

feststellen (das X kann via cdrecord -scanbus bestimmt werden – im Kasten IDE Brenner unter Linux finden Sie ein Beispiel). Aktiviert wird BURN-Proof dann einfach, indem man zu dem normalen cdrecord-Befehl den Parameter driveropts=burn-proof hinzufügt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Grundlagen CD-Recording
    Mit dem Erscheinen der ersten CD-Brenner trat die CD einen bislang nicht überbotenen Siegeszug in der Computerwelt an. Wie die Daten auf die CD kommen und wie BURN-Proof-Laufwerke arbeiten, erfahren Sie hier.
  • CD Bake Oven
    Noch nie war das Backen oder besser gesagt Brennen von CDs so einfach wie mit dem neuen grafischen Frontend CD Bake Oven.
  • Brennen mit Komfort
    X-CD-Roast ist eine der ältesten Anwendungen, die als GUI (graphical user interface) für die Befehle zum "Brennen" von CDs unter Linux entwickelt wurden. Dass es sich dabei auch immer noch um eine der leistungsfähigsten Applikationen handelt, zeigt dieser Artikel.
  • CDs auf der Kommandozeile schnell geschrieben
    Unter Windows besitzen alle CD-Brennprogramme eine grafische Oberfläche; neue Audio- und Daten-CDs werden per Drag & Drop zusammengestellt, und nach einigen Mausklicks beginnt der Brennvorgang. Das geht unter Linux genauso, muss es aber nicht. Der Weg über die als benutzerunfreundlich geltende Kommandozeile macht Sie schneller!
  • webCDwriter
    Ein Linux-Rechner mit CD-Brenner lässt sich jetzt leicht zum "Brenn-Server" aufrüsten - dank webCDwriter ist der Zugriff über Rechner mit beliebigem Betriebssystem möglich.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...
Linux auf externe SSD installieren
Roland Seidl, 28.10.2016 20:44, 1 Antworten
Bin mit einem Mac unterwegs. Mac Mini 2012 i7. Würde gerne Linux parallel betreiben. Aber auf e...