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Der deutsche Newcomer

icepack linux im Test

01.04.2001

In Sachen Systemaktualität ist icepack Linux 1.0 derzeit mit unter den Ersten: Kernel 2.4 und die neue XFree86-Generation 4 zeugen jedenfalls vom Versuch, auch Linux-Einsteigern die Vorzüge der neuesten Kernbestandteile eines jeden Linux-Systems zügig zuteil werden zu lassen. Leider hat es GNOME nicht mehr in der aktuellsten Version 1.4 (beta) auf icepack 1.0 geschafft.

Installation

Abbildung 1: Wählen Sie bei der Installation wirklich alle Pakete, die Sie ausprobieren möchten. Spätere Nachinstallation ist nämlich ausgeschlossen!

Die neue Distribution entpuppt sich trotz ihrer augenscheinlichen Systemaktualität bereits bei der Installationsprozedur als in sehr begrenztem Maße ausgereift und flexibel. Das farbenfrohe Installationsprogramm ließ sich auf unserem SCSI-CDROM-Laufwerk (auch nicht unter Zuhilfenahme der beiliegenden Boot-Diskette) nicht starten. Erst die Ersetzung der SCSI-Variante durch ein IDE-CDROM-Laufwerk half dem Installer auf die Sprünge.

Besitzer älterer Grafikkarten seien ebenfalls vorgewarnt: Die Tatsache, dass unsere (zugegebenermaßen) betagte (Zusatz-) Grafikkarte mit Virge-Chipsatz von S3 (Baujahr 1997) beim Starten des für die Installationsroutine erforderlichen X-Servers extreme Darstellungsfehler produzierte, deutet darauf hin, dass der grafische Installer nur mit Grafikkarten zurechtkommt, für die der aktuelle XFree-Server 4.0.2 eine ordentliche "Treiber-" Unterstützung bereithält. Auch bei der Radmaus-Konfiguration hielt sich in unserem Fall die Begeisterung in Grenzen.

Faustregel bei der Installation: Bestätigen Sie im Zweifelsfall die automatisch erkannten (aber nicht in jedem Fall idealen) Einstellungen, damit Sie nicht später irgendwo mit selbstgeschaffenen Problemen konfrontiert werden. Immerhin: Erfüllt der Rechner einmal alle Systemvoraussetzungen, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Grundinstallation von icepack Linux auch für Einsteiger relativ einfach zu meistern ist. Heißer Tipp: Bei der Paketauswahl sollte man auf jeden Fall alles wählen, was man später vielleicht mal ausprobieren möchte. Ein nachträgliches Aufspielen von distributionseigenen Paketen scheinen die Entwickler nämlich nicht vorgesehen zu haben. Von einem Paket-Manager, der mit dem distributionseigenen Paketformat "ice" umgehen könnte, war später jedenfalls keine Spur. Auf der Homepage http://www.icepack-linux.de findet sich unter "Merkmale" der entscheidende Hinweis: "Der icepack Paket-Manager ist Bestandteil der Version 2.0", naja.

Das beiliegende Handbuch vermittelt Einsteigern in unterhaltsamer und kompakter Form das für die erstmalige Installation erforderliche Grundlagenwissen. Schade nur, dass man darin fast gar nichts zum Thema "Erstkonfiguration" findet.

Erstkonfiguration

Abbildung 2: Der icepack Konfig-Manager: Hinter den vielversprechenden Icons verbirgt sich häufig weniger als erwartet

Leider befindet sich das System nach dem ersten Hochfahren in einem aus Sicherheitsaspekten bedenklichen Zustand: Icepack Linux erzeugt automatisch die Systembenutzer root und icepack, jeweils mit gleichnamigem Trivial-Passwort. Dies wäre grundsätzlich nicht allzu schlimm, wäre da nicht die Tatsache, dass auch nach dem Login nirgends mehr auf die Notwendigkeit von sicheren Passwörtern hingewiesen wird, von einer zwingenden Passwortänderungsmaske ganz zu Schweigen. In Kombination mit der sicherheitsbedenklichen Grundkonfiguration des Systems (z. B. Telnet- und FTP-Zugang als root möglich!) wird icepack Linux nach der erfolgreichen Einwahl ins Internet unvermeidlich zu einem offenen Scheunentor für potentielle Besucher.

Auch sonst zeigt das System äußerst ungewöhnliche Eigenschaften: So sind etwa die Verzeichnisstruktur und die Runlevels alles andere als Standard-konform aufgebaut. Der icepack Konfig-Manager ist zwar im Prinzip sehr begrüßenswert, allzu viel Einfluss auf das System sollte man sich davon aber momentan noch nicht erwarten.

Hilfreich für Windows-Anwender: Das Partitionierungsprogramm erlaubt das verlustfreie Verkleinern einer riesigen Windows-Partition, um Platz für Linux zu schaffen; ein Umweg über DOS-Tools wie fips bleibt also erspart. Im Test ließ sich eine Windows-Partition problemlos mehrfach verkleinern und vergrößern ohne Schaden zu nehmen und war anschließend über den icepack-eigenen Boot-Manager auch noch startbar.

Während der Installation werden Daten zu Modem, ISDN- und Netzwerkkarte abgefragt, so dass unmittelbar nach dem ersten Start eine Netzwerk- oder Internet-Verbindung möglich ist.

Zwar ist GNOME der Default-Desktop, was sich auch nicht abstellen lässt, da die KDE-Basisprogramme fehlen; eine Reihe nützlicher KDE-Tools sind aber in die GNOME-Menüs integriert, dessen Menüpunkte im übrigen alle mit ausführlichen deutschen Erklärungen versehen sind. Da sich icepack Linux an Einsteiger richtet, sind einige Standard-Tools wie Terminal-Emulationen in einem Untermenü Fortgeschrittene untergebracht.

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