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Der Titelverteidiger

easyLinux 2.2 im Test

01.04.2001

easylinux-box.tif

Die Vorgängerversion dieser Linux-Distribution aus deutschen Landen wurde vor einem Jahr nicht nur von LinuxUser, sondern auch von einer ganzen Reihe weiterer namhafter Zeitschriften als überraschend einsteiger- und anwenderfreundlich gelobt. Wir waren natürlich gespannt, ob die aktuelle Version 2.2 an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen kann.

easyLinux 2.2 ist bereits seit mehreren Monaten erhältlich. Laut Auskunft des Herstellers eIT kann es aber noch einige Zeit dauern, bis auf dem deutschen Markt eine neue Paketversion erhältlich sein wird, obwohl es eine englisch-sprachige Version 2.4 gibt.

Installation

Abbildung 1

Abbildung 1: easyLinux zeichnet sich durch einen einfach verständlichen grafischen Installer aus

Obwohl sich easyLinux prinzipiell auch über ein SCSI-CDROM-Laufwerk installieren lässt, empfiehlt es sich doch, ein IDE-Laufwerk einzusetzen. Nach der Installation konnte der Paket-Manager eProfile mit unserem SCSI-CDROM-Laufwerk jedenfalls nichts anfangen. Der inzwischen relativ alte Kernel 2.2.16 von easyLinux schafft es trotz diverser Kernel-Patches nicht, alle aktuellen USB-Mäuse zur Mitarbeit zu überreden. Unsere Test-Maus ließ sich nur mit Hilfe eines USB-PS/2-Adaptersteckers in Betrieb nehmen, natürlich ohne funktionierendes Mausrad. Hat man diese anfängliche Installationshürde jedoch einmal genommen, dann gestaltet sich der weitere Installationsprozess im wahrsten Sinne des Wortes "easy". Dank der ordentlichen Hardware-Erkennung reicht es in der Regel aus, die voreingestellten Werte durch einen Mausklick zu bestätigen. Bei Unklarheiten steht zudem eine ausreichende Online-Hilfe (eHelpAgent) zur Verfügung. Im Nachhinein haben wir allerdings – eher zufällig – entdeckt, dass das Partitionierungs-Tool ePartition standardmäßig neben der Windows- auch die Linux-Datenpartitionen als "aktiv" kennzeichnet. Obwohl Windows anschließend weiterhin ordentlich hochfährt, kann ein solcher Partitionseintrag unter bestimmten Umständen für größeren Ärger sorgen.

Erstkonfiguration

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Abb.2: Der inzwischen veraltete KDE-1.2-Desktop von easyLinux 2.2 mit "Systemsteuerung" eSystem

Wie in der Vorgängerversion wird man auch in easyLinux 2.2 sofort nach dem ersten Login durch ein Konfigurationsdialog, den eHelpAgent, begrüßt, mit dessen Hilfe sich Schritt für Schritt die noch anstehenden Konfigurationsaufgaben erledigen lassen. Das Besondere an easyLinux ist, dass es den Entwicklern recht gut gelungen ist, dem KDE-Desktop in vielen Aspekten eine verblüffende Ähnlichkeit zur gewohnten Windows-Oberfläche zu verleihen. Dies fängt bei der Systemsteuerung eSystem an und reicht bis hin zu einem Registry-Imitat. Über die "e"-Tools lässt sich erstaunlicherweise auch so manche exotische Hardware (z. B. bestimmte TV-Karten) einbinden; Wunder darf man davon aber auch nicht erwarten. Wirklich negativ ist uns ansonsten eigentlich nur aufgefallen, dass die Tastaturbelegung in einem Standard-X-Terminal nahezu unbrauchbar ist.

Erweiterbarkeit

Nimmt man diesen wichtigen Aspekt mit in die Bewertung von easyLinux auf, dann verliert easyLinux deutlich an Glanz. Der Paket-Manager für distributionseigene "Pakete" eProfile benötigt (hierin besteht interessanterweise eine deutliche Ähnlichkeit zu SuSEs YaST2) bei jeder Installation/Deinstallation von Paketen zunächst einmal die erste easyLinux-CD. Häufige CD-Wechsel sind also auch hier vorprogrammiert! Weiterhin vermissten wir eine explizite Funktion, mit der sich Online-Updates wie z. B. das auf KDE 2.0.1 (easyLinux-Homepage) in einem Rutsch erledigen lassen könnten.

Für distributionsfremde Pakete gibt es zwar eine (sogar ausgefüllte) RPM-Datenbank. RPM-Pakete lassen sich jedoch ggf. nur mittels einer älteren Version des Konsolen-Tools rpm bzw. des KDE-Frontends kpackage nachinstallieren. Da easyLinux voll auf KDE setzt, fehlen im Grundsystem weiterhin die notwendigen Bibliotheken für die erfolgreiche Einbindung von gtk+-basierten (GNOME-) Anwendungen.

Originell, aber veraltet

Das Konzept von EasyLinux hat prinzipiell einiges für sich: Was spricht dagegen, ein Linux-System zusammenzustellen, das sich in seinem äußeren Erscheinungsbild nicht allzu sehr von der für viele PC-Nutzer gewohnten Windows-Oberfläche unterscheidet, dem Absturz-geplagten Windows-Anwender aber endlich eine stabilere Systemumgebung bietet? Im Falle von easyLinux 2.2 eigentlich nur die Tatsache, dass das Paket inzwischen stark veraltet ist. Wenn die Entwickler von easyLinux in Zukunft schneller als bisher auf wichtige Neuerungen in der Linux-Szene (Kernel 2.4, USB, XFree 4.x mit 3D-Beschleunigung, KDE 2.1, …) reagieren, dann könnte easyLinux für viele Windows-Umsteiger zum Linux-System der Wahl werden. Derweil versucht Hersteller eIT allerdings mit easyLinux 2.4 nur auf internationalem Terrain sein Glück.

easyLinux 2.2

+ in vielen Fällen einfache Installation / Erstkonfigurationi

+ für Windows-Umsteiger: eSystem mit den diversen eTools

– Grundsystem inzwischen veraltet

– begrenzte Erweiterbarkeit des Systems

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