Wortmann Terra Optio X-800 mit SuSE Linux 7.0

Aus LinuxUser 04/2001

Wortmann Terra Optio X-800 mit SuSE Linux 7.0

Aller Anfang ist leicht

Linux-Einsteiger haben es nicht immer leicht, die gesamte Hardware ihres Computers unter Linux einzurichten: Hier eine unzureichend unterstützte Grafikkarte, dort fehlende Monitor-Frequenzen und zu all dem noch eine inkompatible Sound- oder Modem-Karte können einem die ersten Schritte unter Linux wirklich vergällen.

Die Alternative ist so einfach wie naheliegend – wenn man sich gleich einen Rechner mit vorinstalliertem Linux kauft, muss ja alles zu einander passen. Zudem spart man auch die eine oder andere Mark, weil das Gerät ohne Windows geliefert wird. Leider sind PCs mit Linux recht rar, insbesondere flächendeckend erhältliche Geräte. Der Wortmann Terra Optio X-800 ist eine der Ausnahmen. Dieses Modell und die restliche Terra-Familie können Sie über ein breites Netz von Fachhändlern in fast ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen. Adressen finden Sie unter http://www.wortmann.de/Fachhaendler.

Keine Altlasten

Der Terra Optio X-800 kommt mit einem Pentium-III (FCPGA) mit 800 MHz Prozessor-Takt und 133 MHz Frontside-Bustakt (Prozessor- und Speicher-Grundfrequenz). Das Mainboard (Hauptplatine) D1184-B11 mit dem Intel-815-Solano-Chipsatz stammt von Fujitsu Siemens und wurde ganz linientreu mit einem 128-MByte-Speichermodul (PC-133) der Siemens-Tochter Infineon bestückt (3 Jahre Hersteller-Garantie). Wer sich mit dem Gedanken trägt, die eine oder andere Erweiterungskarte des vorherigen Rechners weiter zu nutzen, sollte aufpassen: Die Hauptplatine kommt ohne ISA-Slots, hat dafür aber fünf freie PCI-Steckplätze. Eher schon zum Standard gehört die 20 GByte große Festplatte, die am UDMA-66-Anschluss hängt, und auch das 8-fach DVD-ROM-Laufwerk von Samsung ist eigentlich keine Besonderheit mehr – wenn man denn von diesem auch booten könnte. Unerklärlicher Weise ging das nur mit einer CD, obwohl DVDs lesbar waren.

Etwas verwunderlich wird der eine oder andere die beiden Monitor-Anschlüsse auf der Rückseite des Rechners finden. Der untere gehört zur recht leistungsfähigen ATI Xpert 2000 AGP (Rage 128 GL, 32 MByte RAM), der direkt bei den Schnittstellen verbaute führt zum integrierten Grafik-Controller des Solano-Chipsatzes. Allerdings wird der interne Controller beim Einstecken einer Grafikkarte automatisch abgeschaltet, die gleichzeitige Nutzung beider Anschlüsse ist technisch leider nicht möglich. Dazu bräuchten Sie anstelle der AGP-Grafikkarte eine PCI-Version.

Aufgeräumt

Das Innenleben des Rechners präsentiert sich sehr aufgeräumt (Abbildung 1) – wo man bei manch anderem PC einen undurchdringlichen Kabelwust vorfindet, haben sich die Wortmänner wirklich Mühe gegeben und auch nicht an Kabelbindern gespart. Das Gehäuse hat uns ganz besonders gut gefallen, es ist ausbaufähig und gut durchdacht. Ganz ausgefallen ist die Anordnung der insgesamt sieben Laufwerkskäfige: Das im oberen der insgesamt vier 3,5-Zoll-Schächte verbaute Diskettenlaufwerk lässt sich bei Bedarf in den untersten 5,25-Zoll-Schacht verlegen – hinter der geteilten Frontabdeckung verbirgt sich eine komplette Laufwerks-Halterung, die Sie für ein 5,25-Zoll-Gerät herausnehmen können. So können Sie unten insgesamt vier Festplatten und oben zwei CD-Laufwerke einbauen, ohne auf ein Diskettenlaufwerk verzichten zu müssen.

Abbildung 1: Das Innere des Terra Optio ist vorbildlich aufgeräumt

Abbildung 1: Das Innere des Terra Optio ist vorbildlich aufgeräumt

Auch Hitzestaus sind im Gehäuse des Terra Optio kein Thema – zusätzlich zum Lüfter im Netzteil lassen sich zwei weitere Standard-8cm-Ventilatoren in die Halterungen an der Vorder- und Rückseite einklinken. Der hintere transportiert dann direkt die heiße Luft von Festplatten und CPU ab, der an der Vorderseite montierte sorgt bei den PCI-Karten für Abkühlung. Einziger Kritikpunkt: Die Grundplatte für die Montage der Hauptplatine lässt sich nicht nach hinten heraus nehmen, so dass je nach Mainboard-Größe erst alle Laufwerke und Kabel ausgebaut werden müssen.

Ebenfalls gut gemacht ist die Abdeckung des Gehäuses. Sie besteht aus drei Teilen, dem Deckel und den beiden Seitenteilen. Nachdem der von einer Rändelschraube gesicherte Deckel nach hinten weg geschoben wurde, kommen die Griffe aus Abbildung 2 zum Vorschein, mit denen sich die Seitenteile durch simples Hochklappen des Griffs ganz bequem aushaken lassen.

Abbildung 2: Pfiffig: Durch Hochklappen der Griffe werden die Seitenteile ausgehakt

Abbildung 2: Pfiffig: Durch Hochklappen der Griffe werden die Seitenteile ausgehakt

Loading Linux

Unser Testgerät wurde mit einer vorinstallierten SuSE Linux 7.0 Personal Edition geliefert. Obwohl kein Monitor zum Lieferumfang gehört, war die grafische Oberfläche auf flimmerfreie 85 Hz Bildwiederholfrequenz bei 1024×768 Pixeln eingestellt. Probleme sind an der Stelle allenfalls mit LC-Displays oder alten Monitoren zu befürchten. Die im Mainboard integrierte AC-’97-Soundkarte war tadellos konfiguriert.

Sehr lobenswert ist, dass Wortmann die Zusatz-CD mit KDE-2 und XFree86 4.0.2 mitliefert und auch installiert hat. Zu einer perfekten Einrichtung muss Wortmann allerdings noch ein paar Hausaufgaben erledigen. So war zum Beispiel auf der Text-Konsole kein Framebuffer-Modus aktiviert, entsprechend riesig waren die Zeichen auf unserem 17-Zoll-Monitor bei einer Darstellung bei 25 Zeilen mit je 80 Zeichen. Die XFree86-Einrichtung war ebenfalls nicht komplett – auch wenn noch kein hardware-beschleunigter GLX-Treiber für die Rage-128-Familie zur Verfügung steht, hätte zumindest der DRI-Support für direkte Grafik-Ausgabe und der Software-3D-Bibliothek (Mesa) installiert werden können. Ansonsten könnte Wortmann überlegen, Grafikkarte mit nVidia-Chipsatz einzusetzen, hier sieht es mit der Treiber-Lage deutlich besser aus.

Ebenfalls nicht unproblematisch ist die Einbindung der Microsoft IntelliMouse Web PS/2. Dieser Nager kommt gleich mit vier Tasten und einem Mausrad daher, ließ sich aber nicht zuverlässig als IMPS/2-Maus anmelden. Sporadisch kam es zu “Hängern”, bei denen man das Mausrad bewegen musste um weiter zu machen. Die Zusatztasten neben der rechten und linken Maustaste waren überhaupt nicht belegt, auch fehlte die Einbindung des Maus-Rads in der Werkskonfiguration.

Fazit

Der Wortmann Terra Optio X-800 ist eine gute Arbeitsplattform. Nicht nur das erweiterbare Gehäuse mit ausreichend Platzreserven, auch die qualitativ hochwertigen Einzelkomponenten zeichnen dieses Gerät aus. Einzig die Linux-Installation darf noch verbessert werden, um auch den Anforderungen der Spiele-Freaks zu genügen. Geteilter Meinung kann man über die Passwort-Politik von Wortmann sein: Es wird der Standard-Benutzer optio eingerichtet, dieser bekommt aber genau wie der Systemadministrator root ein leeres Passwort. Der Vorteil gegenüber einem Standard-Passwort für beide Benutzer ist, dass der Zugang mittels SSH bei leerem Passwort verweigert wird. Telnet hat Wortmann vorsorglich abgeschaltet, so dass im ersten Moment von außen niemand herein kommen kann. Dennoch sollte man in Zukunft ein Merkblatt zum Rechner legen, der auf die leeren Passworte aufmerksam macht und die Vorgehensweise zur Passwortvergabe beschreibt.

Terra Optio X-800

Pentium-III 800 MHz (133 MHz FSB), FCPGA
Chipsatz Intel 815 Solano (Ultra-DMA 66)
128 MByte RAM (PC-133), Infineon
Grafikkarte ATI Xpert 2000, 32 MB, AGP (Rage 128 GL)
20 MByte Festplatte
8-fach DVD-ROM-Laufwerk (nur CD-bootfähig)
Midi-Tower-Gehäuse mit 7 Laufwerksschächten
Tastatur, Microsoft-Maus
Preis: 1530 Mark
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