Volkers Editorial

Der Kleine Unterschied

Letztens war ich im Urlaub. Herrlich, sage ich Euch. Im Grunde habe ich nur die ganze Zeit am Strand gelegen, mir die Sonne auf den Bauch knallen lassen und Eis gegessen. Und als ich gerade intensiv an nichts gedacht habe, kam ein mitgereister Freund von mir, setzte sich in den Liegestuhl neben mir und klappte seinen Schleppi auf. Der Windows-Startgong ertönte auf geschäftsmäßige Art. Anscheinend schien das Ding aufheiternde Töne wie ein fröhliches Gongen einfach abzulehnen. Vermutlich wäre ihm eine Vertonung des Wortes Registrierung am liebsten gewesen. Schon kurz danach hörte ich ein lautstarkes "Mistding!" von meinem Nachbarn, der dann auch seinen Schleppi mit heftigen Schlägen in die Mangel nahm.

Das ging eine ganze Weile so, als ich erkannte, dass das Fensterbetriebssystem seines Rechners auch schon heftigst mit seiner Flagge wedelte. Es hätte wohl besser Weiß hissen sollen, aber es hatte nur bunt im Programm. Ich feuerte meinen Freund an: "Fester! Fester!" Ich glaube, er hat nur "Fenster! Fenster!" verstanden, denn er nickte und seine cholerische Ader bescherte dem Ding einen Freiflug in den kleinen Streifen Wüste zwischen Sitzgelegenheit und Meer. Da blieb es dann auch aufrecht stecken und erinnerte schon ein wenig an den Monolithen aus dem Film 2001, nur war es erst die Version 2000, "Das Jahr, indem wir versuchten, Kontakt aufzunehmen."

"Egal", dachte ich bei mir, "in dem Ding war auch schon vorher Sand im Getriebe." Ich habe noch eine ganze Weile geschaut, ob das herrenlose Strandgut einen Interessenten finden würde, aber dem war nicht so. Am nächsten Tag war es weg, und ich dachte schon, die ortsansässigen verwilderten Hunde hätten es sich geholt, als mein Freund wieder auftauchte – den Schleppi wieder unterm Arm. Nun, damit hatte sich auch geklärt, was die wirkliche Ursache der stundenlangen Geräuschtorte aus Fön- und Sauggeräuschen im Nachbar-Bungalow letzte Nacht zu bedeuten hatten. Irgendwas hatte meinen Kollegen jedoch verändert, denn er tickelte und klapperte nur kurz herum und drehte dann den Schirm zu mir: Ein lächelnder Pinguin begrüßte uns mit einem fröhlichen Ping und schaffte in der Affenhitze unserer Seele Kühlung…

"Wie kommt's?" fragte ich ihn, und er meinte nur: "Heute ist ein guter Tag für [Strg+Alt] und am besten doppelt [Entfernen]." Irgendwie glaubte ich es ihm auch, denn er hatte schon den Gesichtausdruck eines Mannes, der das erstaunliche Privileg hatte, lebendig ins Nirvana gekommen zu sein.

Später am Tag begannen wir die lästige Pflicht des Ansichtskartenschreibens, und irgendwie wollte mir auf jeder Karte direkt nach "Hallo XYZ!" nur noch "Schöne Grüße, Volker" aus der Hand fließen. Ein Blick zu meinem Nachbarn genügte; die Das-Wetter-ist-hier-so-toll-und-der-Strand-so-entspannend-Botschaft fiele bei unseren gemeinsamen Bekannten sowieso gleich aus. Als echten Teckis war uns klar, dass wir das Ganze natürlich mit entsprechender Software-Unterstützung lösen wollten. So tackerte jeder von uns beiden seine Liste in eine Datei. "Und wie vergleichen wir die beiden Dateien jetzt? Etwa mit 'diff'?" fragte mein Freund. "Nein. Der 'diff' bringt uns hier nicht richtig weiter. Es geht um den kleinen Unterschied. Wir benutzen '

comm'. Erst sortieren wir unsere beiden Namenslisten:

sort meine > s_meine
 sort deine > s_deine

und dann schreiben wir allen, die bei

comm -12 s_meine s_deine

ausgegeben werden, zusammen eine Hier-tanzt-der-Pinguin-Ansichtskarte…"

comm (von common; gemeinsam)

comm [-123] file1 file2

vergleicht zwei zuvor sortierte Dateien file1 und file2 übersichtlich auf drei Spalten. In der ersten Spalte gibt comm nur solche Zeilen aus, die in file1, aber nicht in file2 enthalten sind. In der zweiten Spalte gibt es solche Zeilen aus, die in file2, aber nicht in file1 enthalten sind. In der dritten Zeile schließlich stehen die Zeilen, die sowohl in file1 als auch in file2 enthalten sind.

Achtung! Diese Anordnung der Spalten kann durchaus differieren. So gibt es auch Unix-Varianten, die in der zweiten Spalte die gemeinsamen Zeilen ausgeben. Hier sollte comm --help (oder ähnliches) eine geschwätzige Erklärung liefern, die Aufklärung verschafft. Ausgegeben wird auf die Standardausgabe. Interessant wird comm erst mit den Parametern -1, -2 oder -3: Damit kann die Ausgabe der ersten, zweiten oder dritten Spalte unterdrückt werden. Die Zahlen können auch kombiniert werden, z. B. zu -13; sogar -123 funktionert, verbrät aber nur Rechenzeit. Probiert einfach alle sieben Kombinationen aus, dann dürfte das comm-Kommando schon in Fleisch und Blut übergegangen sein.

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