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Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.04.2001 +++ Red Flag tritt der GNOME-Foundation bei +++ Red Hat und Eazel kooperieren +++ Ximian und KDE +++ Neue GNOME-Versionen +++ Sodipodi Vektorisierer +++ Paket-Manager Red Carpet +++ Sitzungs-Management +++ GNOME und GTK als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe, und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.

Red Flag tritt der GNOME-Foundation bei

Red Flag Software [1], bekannt durch ihre Distribution Red Flag Linux, die auch von der rotchinesischen Regierung eingesetzt wird, ist dem GNOME Advisory Board beigetreten [2] und wird daran mitarbeiteten, GNOME in vereinfachtes Chinesisch zu übersetzen. Unterstützung für traditionelles Chinesisch, wie es in einigen chinesischen Städten und Taiwan gebräuchlich ist, wird es aber von Red Flag aus nicht geben.

Red Hat und Eazel kooperieren

Da Nautilus Teil von GNOME 1.4 wird, überrascht es niemanden, dass auch Red Hat es ausliefert. Eazel und Red Hat haben sich aber geeinigt [3], zusätzlich offizielle Red-Hat-Pakete in den Nautilus-Software-Katalog zu übernehmen und das Red Hat Network in die Eazel Services zu integrieren. Damit wird es möglich sein, sein Red-Hat-System bequem über Nautilus zu aktualisieren.

Ximian und KDE

Wer nach "KDE" sucht, erwartet eigentlich nicht, Ximian zu finden, aber dank Googles "Adwords", einer textbasierten Werbung, war gerade das der Fall. Ximian hatte nämlich dieses und ähnliche Stichwörter wie "Konqueror" für sich registriert. Nach einem offenen Brief einiger KDE-Unterstützer [4] nahm Ximian allerdings die Adwords zurück und veröffentliche selbst eine Antwort unter [5]. Ein ähnlicher, inzwischen geklärter Vorfall ereignete sich auch 1999, als sich Martin Konold gnome-support.de sicherte und die Besucher nur auf KDE verwies. Zum Glück bewies Ximian etwas mehr Feingefühl beim Verhandeln mit HP, die, wie bereits in San Jose angekündigt, CDE Ende 2001 durch Ximian GNOME als Standard-Desktop ersetzen werden [6].

Neue GNOME-Versionen

Nach einiger Verzögerung wird Ende März endlich GNOME 1.4 fertiggestellt werden. Einer der Gründe für die Wartezeit und gleichzeitig größte Neuerung in GNOME 1.4 ist der Datei-Manager Nautilus, der bis zum Erscheinungsdatum die Versionsnummer 1.0 erreichen wird. Auch am Rest von GNOME hat sich einiges verändert, aber wir wollen hier noch nicht zu viel vorwegnehmen – LinuxUser wird umfassend über die neue Version berichten.

Der nächste große Versionssprung ist GNOME 2.0, zu dem sich Miguel de Icaza unter [7] schon einige Gedanken gemacht hat. Allerdings sind diese Gedanken keineswegs verbindlich – wann GNOME 2.0 veröffentlicht wird und was es an Neuem bringt, bleibt abzuwarten.

Sodipodi

Mit Hilfe von Sodipodi [8] lassen sich Vektorgrafiken im SVG-Format (Scalable Vector Graphics) erstellen. In Vektorgrafiken werden nicht einzelne Pixel und deren Farbinformationen, sondern Formen selbst gespeichert, was den Vorteil hat, dass man Bilder ohne Qualitätsverluste beliebig vergrößern kann. Natürlich ist dieses Verfahren nicht für alle Bildtypen geignet, aber Grafiken mit klaren Formen und einfachen Farbverläufen lassen sich so sehr gut komprimieren.

SVG ist XML-basiert, was keine große Überraschung ist, da das Format vom W3C entwickelt wurde. Da SVG-Dateien letztendlich nichts anderes als Textdateien sind, lassen sie sich auf einfache Weise dynamisch erstellen, und es ist möglich, sie über Javascript interaktiv zu verändern. Leider ist der Standard noch recht jung und wird von den meisten Browsern nicht unterstützt.

Neben Rechtecken, Ellipsen und freien Formen unterstützt Sodipodi auch eingebettete Grafiken, die nicht in einem Vektorformat vorliegen. Alle Objekte lassen sich beliebig skalieren und drehen, was importierte Grafiken aber schnell pixelig wirken lässt. Freie Formen kann man an sogenannten Knotenpunkten verändern, bzw. die durch die Knotenpunkte begrenzte Linie automatisch begradigen, abrunden oder anders bearbeiten. Um die Arbeit mit großen Dokumenten zu vereinfachen, kann Sodipodi mehrere Objekte zu einer Gruppe zusammenfassen, die dann als ein Objekt bearbeitet werden kann. Neben den normalen Farbinformationen kann man beim Füllstil auch die Transparenz eines Objektes verändern und im selben Dialog das Objekt mit einem Rand versehen. Mit Hilfe von Gnome-print können die entstanden Grafiken sehr bequem gedruckt werden, und dank Bonobo ist es möglich, das Ganze auch aus anderen Programmen heraus zu betrachten.

Abbildung 1

Abbildung 1: Tux – In Vektoren zerlegt

Red Carpet

Nach langer Wartezeit und vielen verheißungsvollen Screenshots hat Ximian endlich eine Beta des neuen Paket-Management-Tools Red Carpet [9] veröffentlicht. Die Versionsnummer 0.9 ist an sich ungewöhnlich für die erste Version, aber da ein fehlerhaftes Paket-Management zu schweren Schäden führen kann, wurde Red Carpet im voraus sehr eingehend getestet und hoffentlich von allen schwerwiegenden Fehler bereinigt.

Software wird in Red Carpet zu sogenannten Channels zusammengefasst, die vom Benutzer abonniert werden können und ähnlich wie ein Eintrag in Debians sources.list funktionieren. So bietet Red Carpet zum Beispiel einen Channel für die installierte Distribution, wobei es unwichtig ist, ob das System auf RPM oder dpkg basiert. Natürlich kann man aus Red Carpet heraus auch neue Pakete installieren bzw. entfernen. Im Gegensatz zum alten Ximian Updater ist Red Carpet aber in der Lage, dabei auftretende Konflikte zu lösen oder mit der Hilfe von GnuPG [10] Paketsinaturen zu überprüfen. Wie Evolution auch, kann Red Carpet aktuelle Neuigkeiten aus dem Netz laden, was wahrscheinlich der Auftakt zu Ximians zukünftiger Geldquelle, den Services, ist. Es bleibt zu hoffen, dass es dadurch nicht zum Konflikt mit Eazel kommen wird, da diese über Nautilus ebenfalls Services anbieten bzw. Software updaten. Da Red Carpet mit Hilfe von GtkHTML viel HTML einsetzt, hätte es auf jeden Fall das Zeug, zu einer Art Internet-Portal zu werden. Ob das Sinn ergibt, ist eine andere Frage.

Abbildung 2

Abbildung 2: Red Carpet im Ximian Channel

Sitzungs-Management unter GNOME

Damit man seine Arbeit dort fortsetzten kann, wo man sie unterbrochen hat und bestimmte Programme direkt beim Start aufgerufen werden, benutzt GNOME einen Sitzungs-Manager. Eine Sitzung kann man jederzeit unter Konfiguration/Sitzung/Aktuelle Sitzung speichern oder im Abmeldungs-Dialog sichern, wobei nur GNOME-Programme in der Sitzung erfasst werden. Andere Programme können im Kontrollzentrum unter Sitzung/Startsequenz eingetragen werden. Um die GNOME-Sitzung zu editieren, sollte man nicht direkt Hand an ~/.gnome/session legen, sondern Konfiguration/Sitzung/Sitzungsmanager-Eigenschaften aufrufen – das Programm zeigt dann die Sitzung mit allen momentan aktiven Programmen. Von hier aus lassen sich die Reihenfolge der zu startenden Programme und der Startstil verändern. Die meisten Programme verwenden den normalen Startstil, der ein Programm bei jeder neuen Sitzung startet, es aber erlaubt, das Programm innerhalb der Sitzung zu schließen. Der Neustart-Stil hingegen startet auch ein in der Sitzung geschlossenes oder abgestürztes Programm sofort wieder. Programme mit dem Müll-Stil werden gar nicht neugestartet, sondern bekommen nur die Chance, ihre Daten zu sichern. Zu guter letzt gibt es noch einen Stil für Einstellungen, also Programme, die zu Beginn bestimmte Präferenzen wiederherstellen.

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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