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Gimp verstehen

Bildbearbeitung mit Gimp, Teil 1

01.04.2001
Wenn Sie nach Bildbearbeitung unter Linux fragen, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit auf das Programm Gimp hingewiesen. Gimp – das steht für Gnu Image Manipulation Program – ist ein sehr flexibles Programm. Allerdings muss man erst einmal lernen, mit dieser Flexibilität umzugehen. Insbesonders, weil man als "Otto Normaluser" nirgendwo lernt, wie Bildbearbeitung generell funktioniert. Dies ist der Beginn einer Reihe, in der wir verschiedene Aspekte von Gimp betrachten wollen. Im ersten Teil möchte ich mich verschiedenen Werkzeugen und Auswahlen zuwenden.

Wenn Sie Gimp das erste Mal starten, werden Sie mit einer Reihe von Dialogen begrüßt, die Ihnen helfen, wichtige Einstellungen vorzunehmen. Besonders wichtig sind hier die Einstellungen auf der vierten Seite "Spoiler und Zierleisten" (Abb. 1, eine blöde Bezeichnung…): Die Größe des Datenspeichers ist der maximale RAM-Verbrauch von Gimp. Wenn Sie in Ihrem Rechner viel RAM haben und den Rechner überwiegend alleine nutzen, sollten Sie überlegen, Gimp mehr als die voreingestellten 32 MB RAM nutzen zu lassen. Etwa 75% des verfügbaren Speichers sind hier ein Anhaltspunkt. Sollte Gimp mehr Datenspeicher brauchen, lagert er Bilddaten auf Festplatte aus. Besonders wenn Ihr Homeverzeichnis per NFS – also über Netzwerk – eingebunden ist, sollten Sie die Einstellungen für das Auslagerungsverzeichnis ändern und zum Beispiel auf /tmp oder /usr/tmp setzen. Dann muss zum Auslagern nicht auf das Netz zugegriffen werden, und die Geschwindigkeit bleibt erträglich.

Abbildung 1: Wichtige Einstellungen beim ersten Start von Gimp

Auf der nächsten Seite können Sie Details zur Bildschirmauflösung einstellen. Dies ist nur dann wichtig, wenn Sie Wert darauf legen, zum Beispiel gescannte Bilder exakt in Originalgröße bearbeiten zu wollen. Anschließend begrüßt Sie der Gimp-Startdialog. Beim ersten Start müssen Sie etwas länger warten, da Gimp Informationen über alle installierten Plug-Inssammelt. Ab dem nächsten Start werden diese Informationen aus einer einzigen Datei gelesen – das geht deutlich schneller.

Als erstes sollten Sie die nun auftauchenden Fenster sinnvoll auf dem Bildschirm verteilen (Abb. 2) – ich bevorzuge es, die Fenster am Rand anzuordnen und den Platz in der Mitte für Bildfenster freizuhalten. Es lohnt sich auf jeden Fall, einen eigenen Workspace oder "virtuellen Bildschirm" für Gimp zu reservieren. Wie das funktioniert, ist allerdings von Window Manager zu Window Manager verschieden. Ach ja: lesen Sie die Tips des Tages – sie sind besonders für Einsteiger sehr hilfreich.

Abbildung 2: Erstmal Dialoge verteilen…

Um den ersten Tip von Gimp nochmal zu wiederholen: Mit einem Rechtsklick in einem Bildfenster wird ein umfangreiches Menü sichtbar. Im Gegensatz zu dem Menü in der Toolbox kann man ein Bild hier auch abspeichern. Um die beiden Menüs zu unterscheiden, werde ich immer den Ort in spitzen Klammern voranstellen. Also <Toolbox>/Datei/Öffnen und <Bild>/Datei/Sichern.

Werkzeugkiste

Wenden wir uns zunächst der zentralen Schaltstelle von Gimp zu: dem Werkzeugkasten (auch Toolbox). In Abb. 3 sehen Sie die Toolbox, in der ich die wichtigsten Malwerkzeuge rot markiert habe. Sie sehen hier den Stift, den Pinsel, den Radierer, den Airbrush und das Tintenwerkzeug. Die beiden Bereiche am unteren Ende der Toolbox zeigen an, welche Farben und welcher Pinsel eingestellt sind, und bieten einen schnellen Zugriff auf die entsprechenden Auswahldialoge.

Abbildung 3: Die Malwerkzeuge von Gimp

Öffnen Sie mit <Toolbox>/Datei/Neu ein neues Bild; die Voreinstellungen können Sie getrost übernehmen, je nach Bedarf können Sie aber auch ein etwas größeres Bild erzeugen, z. B. 500x500 Pixel. Mit einem Klick auf das Pinselsymbol in der Toolbox aktivieren Sie das Pinselwerkzeug und können im Bildfenster drauf los malen. Das Pinselwerkzeug nutzt hierbei standardmäßig einen recht dicken runden Pinsel. Das reicht natürlich nicht für alle Bedürfnisse aus, aber Gimp bietet eine reichhaltige Auswahl verschiedener Pinsel (Abb. 4). Mit einem Klick auf die kleine Vorschau im unteren rechten Bereich der Toolbox rufen Sie den Pinseldialog auf. Hier können Sie auswählen, mit welchem Pinsel Sie arbeiten wollen. Sie werden beim Ausprobieren auch auf Pinsel stoßen, die sich etwas anders verhalten, als die normalen Pinsel, und zum Beispiel eine Schraffur oder ähnliches erzeugen. Mit dem Schieberegler Abstand können Sie hier einstellen, in welchem Abstand die einzelnen Pinselbilder plaziert werden sollen.

Abbildung 4: Erste Malereien…

Stift, Airbrush & Co.

Das Stiftwerkzeug verhält sich auf den ersten Blick ähnlich wie das Pinselwerkzeug, mit dem Unterschied, dass Pinselmit weichen Rändern mit harten Konturen gemalt werfen. Das ist besonders dann wichtig, wenn man Bilder bis in jedes einzelne Pixel kontrollieren möchte. Im Normalfall erreicht man jedoch mit dem Pinselwerkzeug wesentlich bessere Ergebnisse.

Der Airbrush ist vergleichbar mit dem Pinselwerkzeug, trägt die Farbe aber wesentlich zögerlicher auf das Bild auf. Wenn Sie bei gedrückter Maustaste längere Zeit auf einer Stelle verharren, wird immer mehr Farbe aufgetragen – wie bei einer Sprühdose eben.

Von unserem jetzigen Standpunkt aus ist der Radierer nichts weiter als ein Pinselwerkzeug, das immer mit der Hintergrundfarbe malt. Ich werde mich dem jetzt auch gar nicht weiter widmen. Für den Anfang sollte das reichen.

Bleibt von den Malwerkzeugen noch das Tintenwerkzeug übrig, das eine Tuschefeder simuliert. Im Gegensatz zu den anderen Malwerkzeugen ignoriert es den aktuell eingestellten Pinsel völlig. Dafür ist die Dicke des Striches zum Beispiel von der Geschwindigkeit abhängig. Dieses Werkzeug bekommt eine neue Dimension, wenn man es zusammen mit einem Grafiktablett benutzt, ich werde aber hier an dieser Stelle meine Begeisterung zügeln…

Alle Malwerkzeuge sind wesentlich flexibler, als es vielleicht bis jetzt den Anschein hat. Nach einem Doppelklick auf ein Werkzeugsymbol öffnen sich die Werkzeugoptionen. Hier kann man genauer einstellen, wie sich das Werkzeug verhalten soll, insbesonders wie kräftig die Farbe aufgetragen und mit dem vorhandenen Bild kombiniert werden soll. Probieren Sie die Optionen durch, um ein Gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen. Wundern Sie sich aber nicht, dass die Optionen für Druckempfindlichkeit mit einer normalen Maus wirkungslos sind.

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