Hintergrundwissen zu MP3 und aktuelle PlayerKompakter Hörgenuss

Obwohl MP3-Player zwar noch nicht Cornflakes-Packungen als Zugabe beiliegen, sind sie derzeit in aller Munde. In diesem Artikel gibt Ihnen LinuxUser das nötige Hintergrundwissen zu MP3 an die Hand und stellt Ihnen drei besonders interessante MP3-Player unter Linux vor.

MPEG Audio Layer 3, kurz MP3, ist eigentlich eine Untermenge des MPEG-Standards für A/V-Speichermedien. Es handelt sich hierbei um ein Audioformat, das stark komprimierte Dateien mit geringstmöglichen Einbußen in der Klangqualität erzeugt. Diese scheinbar miteinander unvereinbaren Eigenschaften vereint MP3 deshalb in sich, weil bei der Kompression vom menschlichen Ohr nicht wahrnehmbare Klanginformationen entfernt werden. Dabei können (bei Stereo-Dateien) Kompressionsraten bis zum Faktor 12 erreicht werden. Die Audiodatei schrumpft also nach der MP3-Kompression auf bis zu einem Zwölftel der ursprünglichen Größe zusammen! Eine normale Audio-CD enthält ca. 650 Megabyte Musikdaten, was ungefähr 74 Minuten Musik entspricht. Der gleiche Musikinhalt im MP3-Format passt auf ca. 60 MB. Wenn es sich bei der Aufnahme um eine in Monoqualtität aufgenommene Musikquelle wie z. B. Radiosendungen handelt, dann lässt sich die erforderliche Datenmenge mit MP3 sogar noch deutlich weiter absenken. Sie können mit MP3 also eine normale CD brennen, auf die mehr als zehn Stunden Musik passen!

MP3 vs. Ogg Vorbis

Der MP3-Kompressionsalgorithmus wurde von einer Abteilung der Fraunhofer Gesellschaft, einer weltweit aktiven, außerwissenschaftlichen Forschungseinrichtung, entwickelt und patentiert. Momentan erhebt die Fraunhofer Gesellschaft zwar noch keine Gebühren dafür. Dies kann sich aber in naher Zukunft durchaus noch ändern. Für Entwickler von freien MP3-Playern könnte diese unklare Situation dazu führen, dass sie unter Umständen nachträglich für die Verwendung des Kompressionsalgorithmus zur Kasse gebeten werden. Um dieser Problematik zu umgehen, hat ein Open-Source-Projekt das Programmpaket Ogg Vorbis entwickelt. Beim Ogg-Bestandteil von Ogg Vorbis handelt es sich um ein Ausgabefenster, in dem Datenströme dargestellt werden können. Ein solcher Datenstrom kann z. B. das Audio-Signal sein. Vorbis ist dagegen der eigentliche Audio-Codec, welcher patentfrei entwickelt und unter der LGPL-Lizenz veröffentlicht wurde. Da der Programm-Code noch nicht optimiert ist, sind mit Ogg Vorbis erzeugte Musik-Tracks momentan im Vergleich zu MP3 noch ein wenig größer. Hinsichtlich der Klangqualität kann man dagegen keine merklichen Unterschiede feststellen. Momentan ist die Wahrscheinlichkeit sicherlich größer, dass Ihnen echte (und damit patentierte) MP3-Dateien in die Finger geraten als freie Ogg-Vorbis-Dateien. Bevorzugen Sie aber möglichst immer Ogg-Vorbis-Dateien, denn im Zweifelsfall kommt es beim Abspielen jeder Art von komprimierten Audio-Dateien zunächst einmal darauf an, im Besitz eines bestimmten Audio-Players zu sein und erst dann stellt sich die Frage, wie man an mit diesem Player abspielbare Audio-Dateien herankommt.

MP3-Encoder

Es gibt mehrere Möglichkeiten, an MP3-Dateien zu kommen. Sie können sie von Web-Sites wie http://www.mp3.com herunterladen, sie online oder in einem Computer-Laden kaufen oder aber selbst welche generieren. Die MP3s mit einem normalen Modem oder per ISDN aus dem Internet herunterzuladen ist auch mit 56 bzw. 64 Kbit immer noch eine lästige Angelegenheit. Für ein fünfminütiges Lied müssen Sie immerhin fast eine halbe Stunde rechnen. MP3s zu kaufen hat den großen Nachteil, dass die Auswahl ziemlich eingeschränkt ist. Wenn Sie ihre eigenen MP3-Dateien erstellen möchten, dann benötigen Sie eine sogenannte Encoder-Software. Unter Linux gibt es hierfür z. B. BladeEnc, LAME, oggenc und mp3encode. Diese Encoder lesen die ursprünglichen Audio-Datei ein - man spricht bei der Umwandlung von CD-Audio- in Wav-Dateien auch von "Rippen" - komprimieren diese und als Output erhält man schließlich die gewünschte Datei im MP3-Format.

Play-Listen

MP3-Player enthalten meistens auch sogenannte Play-Listen. Damit können Sie z. B. eine Liste aller Ihrer auf der Festplatte oder CD befindlichen Lieblings-Lieder zusammenstellen. Der große Vorteil solcher Play-Listen ist, dass Sie sich für jede Stimmungslage mit den vorhandenen Musikstücken eine individuelle Lied-Kollektion basteln können, ohne vor jedem Abspielen die diversen Unterverzeichnisse Ihrer Festplatte nach MP3-Dateien durchsuchen zu müssen.

Streaming

Als "Streaming" bezeichnet man einen Vorgang, bei dem z. B. eine Audio-Datei in einem fortwährenden Fluß ausgesandt wird, um live irgendwo anders angehört werden zu können. Es könnte sich z. B. eine Musikgruppe entscheiden, ihr Konzert online als "strömende" Datei zu übertragen und es damit denjenigen, die gerade online sind, zu ermöglichen, ihrem Konzert in Echtzeit zu folgen. Dafür benötigt man aber einen Streaming-Server, also ein Internet-Audio-Übertragungssystem, das auf der Mpeg-Audio-Technologie basiert. Zur Wahl stehen hierbei mehrere Systeme wie z. B. SHOUTcast oder icecast. Um die Streaming-Daten empfangen zu können, benötigen Sie natürlich einen entsprechenden Player. Nachdem Sie nun das Wichtigste zum Thema MP3 wissen, stelle ich Ihnen noch kurz drei ausgesuchte MP3-Anwendungen für Linux vor.

Grip

Abbildung 1: Songs a la Carte: Die Play-Liste des MP3-Players Grip

Grip ist gtk-basiert und versteht es, mit allen gängigen MP3-Encodern umzugehen. Mit ihm lassen sich aber auch MP3-Dateien rippen und abspielen. Standardmäßig rippt Grip zwar mit dem Konsolen-Ripper cdparanoia, es lassen sich jedoch auch externe Ripper wie z. B. cdda2wav einbinden. Besonders interessant an Grip ist auch dessen Anbingung an die CDDB. Hierbei handelt es sich um eine öffentlich abfragbare Datenbank im Internet, die für eine riesige Anzahl von CD-Alben nach Übermittlung eines Kennschlüssels, der sogenannten ID3-Information, automatisch die Namen der einzelnen Song-Titel zurückliefert. http://www.nostatic.org/grip

XMMS

Abbildung 2: Der Winamp-Klon xmms samt Play-Liste und Equalizer

XMMS ist das Unix-Pendant zu WinAmp unter Windows. Es handelt sich dabei um einen ausgeklügelten Audio-Player samt grafischem Equalizer und Oszilloskop bzw. Spektrum-Analyser. Zu den Hauptgründen seiner außerordentlichen Beliebtheit dürfte aber seine Fähigkeit zählen, relativ einfach sowohl sein Aussehen (mit sogenannten Skins), als auch seine Funktionalität (mit sogenannten Plugins) verändern bzw. erweitern zu können. Mehr dazu unter http://www.xmms.org

GQmpeg

Abbildung 3: Audio-Player mit Muschel-Skin: GQmpeg

Bei GQmpeg handelt es sich um einen Gtk+-basierten Audio-Player, der sich in erster Linie als Frontend zu mpg123 versteht. Er bietet ähnlich wie XMMS die Möglichkeit, mit Hilfe von Winamp- oder selbsterstellten Skins, sein Aussehen zu verändern. Weitere Features sind Play-Listen, diverse Playback-Optionen und Drag&Drop-Support. http://www.geocities.com/SiliconValley/Haven/5235/mpeg-over.html

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