Der Kernel ist das Herz von Linux – das eigentliche Betriebssystem. Alle wichtigen Eigenschaften wie Multitasking-Fähigkeit und Stabilität haben in den Systemroutinen des Kernels ihre Grundlage.
Alle Dinge, die Sie als Anwender in der Regel sehen, also die grafische Oberfläche oder auch die Shell zur Befehlseingabe, sind Anwendungen, die von Linux ausgeführt werden aber nicht eigentlich zum Betriebssystem gehören.
Der Linux-Kernel ist nun in einer neuen Version, 2.4.0, erschienen. Hier wurde ein wesentlicher Versionssprung gemacht, und so unterscheidet sich der neue Kernel in vielen Punkten von der 2.2er Serie.
Finger weg!
Dieser kurze Bericht soll Sie nicht über die neuen Möglichkeiten des 2.4er Kernels informieren, sondern vielmehr eine Warnung für Einsteiger enthalten: Installieren Sie den neuen Kernel nur, wenn Sie wissen, was Sie tun!
Fehler bei der Installation eines neuen Kernels können die unterschiedlichsten Konsequenzen haben: Da hier auch der Boot-Manager (LILO) neu konfiguriert werden muss, kann im schlimmsten Fall ein Zustand entstehen, in dem Sie weder Linux mit dem alten oder neuen Kernel noch ein ebenfalls installiertes Windows-System starten können. Deshalb nochmals die Warnung: Wenn Sie sich mit der Installation von Kernel und Boot-Manager nicht auskennen, verzichten Sie auf das Kernel-Update.
tar.gz oder RPM
Für einige Distributionen haben wir den Prozess der Kernel-Installation für Sie vereinfacht: Red Hat und MandrakeSoft haben bereits vorkonfigurierte RPM-Pakete ins Netz gestellt. Diese lassen sich über einen einfachen rpm-Aufruf installieren und ersparen so die übliche Kernel-Konfiguration und -Kompilierung.
Alle Anwender, die sich mit der Kernel-Kompilierung auskennen, werden aber das unveränderte tar.gz-Source-Paket bevorzugen und sich den Kernel selbst bauen. Auch den reiserfs-Patch, mit dem Sie Linux um das neue Dateisystem ReiserFS erweitern, haben wir mit auf die Heft-CD gepackt. Übrigens: Beim vorkompilierten Mandrake-Kernel ist der ReiserFS-Support schon integriert.
Da wir Einsteiger hier ausdrücklich nicht zum Update ermuntern, nur ein paar kurze Kommentare für die Anwender, die sich mit der Kernel-Generierung bereits auskennen: Kernel 2.4 weicht bei der Vorgehensweise nicht von Kernel 2.2.x ab; entpacken Sie das Source-Archiv in /usr/src, benennen Sie das Verzeichnis in linux-2.4.0 um, und legen Sie mit ln -s linux-2.4.0 linux einen Link an – ein evtl. bereits vorhandenes linux-Verzeichnis wird vorher umbenannt, ein entsprechender Link (etwa auf linux-2.2.16) gelöscht.
cd /usr/src rm linux tar xzf /tmp/linux-2.4.0.tar.gz mv linux linux-2.4.0 ln -s linux-2.4.0 linux cd linux
Nach dem Wechseln in das Verzeichnis linux starten Sie mit make xconfig oder make menuconfig die Kernel-Konfiguration (wahlweise mit dem X- oder dem Terminal-Frontend). Gehen Sie die einzelnen Schritte durch (Hinweis: für erste Tests sollten Sie unter Filesystems nicht die Option “Mount devfs at boot” auswählen – sonst schlägt später das Mounten der Partitionen fest, da die Einträge /dev/hda1, /dev/sda1 etc. fehlen.
Nach dem Speichern der Konfiguration wird wie üblich mi
make dep make bzImage make modules make modules_install cp arch/i386/boot/vmlinuz /boot/
der Kernel samt Modulen gebaut und installiert. Nun muss noch der Boot-Manager angepasst werden, und Sie können erste Tests mit dem 2.4er starten.
Quellen
| Kernel 2.4.0 | ftp://ftp.kernel.org/pub/linux/kernel/v2.4/linux-2.4.0.tar.gz |
| ReiserFS Patch | ftp://ftp.namesys.com/pub/2.4/linux-2.4.0-reiserfs-3.6.25-patch.gz |
| Red Hat und Mandrake RPMs | http://rpmfind.net/linux/rpm2html/search.php?query=kernel |

