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Babylonisches Sprachgewirr

K-tools

01.03.2001 In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Nicht umsonst spricht man vom globalen Dorf, denn im World Wide Web finden sich mittlerweile wohl alle Sprachen dieser Erde. Ein Schlaraffenland für Linguisten, ein Albtraum für all diejenigen, die im Englisch- oder Französisch-Unterricht gepennt haben. Wer schon einmal über eine englische Seite gestolpert ist, die zwar sehr interessant erschien, aber leider wegen mangelnder Sprachkenntnisse nur mühsam zu entziffern war, weiß: Da hilft nur, Vokabeln und Grammatik zu pauken.

Übersetz mich

Cleverer hingegen ist es, mit einem kleinen Helferlein wie QTrans der Lernerei elegant ein Schnippchen zu schlagen. Hinter dem leicht kryptischen Namen versteckt sich ein Sofort-Übersetzer für KDE, der auf den Babylon-Wörterbüchern und dem gleichnamigen Programm für Windows basiert.

Um Ordnung ins babylonische Sprachgewirr zu bringen, sollten Sie sich erst einmal die aktuelle Version qtrans 0.0.3 unter http://digilander.iol.it/merlim/qtrans-0.0.3.tar.gz besorgen. Leider – oder vielleicht ob ihrer Größe Gott sei Dank – sind die Wörterbücher nicht im Paket enthalten, so dass noch ein kurzer Abstecher auf der Babylon-Seite unter http://www.babylon.com/ von Nöten ist. Nur am Rande: Haben Sie Babylon in der Offline-Version schon unter Windows benutzt, können Sie sich den Weg sparen und in QTrans die Dateien/Wörterbücher auf Ihrer Windows-Partition verwenden.

Allen anderen steht jetzt erst einmal ein etwas dickerer Download bevor. Suchen Sie auf der Babylon-Seite in der Sektion Glossary Index/Languages die passenden Wörterbücher aus, damit es losgehen kann. Ich habe mich für die deutsche Variante entschieden und im Bereich German gleich das erste Wörterbuch full_ger_dict50.exe herunter geladen. Runde fünf MByte, ein fetter Brocken, aber die Mühe lohnt sich, wie Sie gleich noch sehen werden.

Achten Sie darauf, dass Sie eine exe-Datei erwischen. Nur in diesen selbstextrahierenden Archiven verstecken sich die dic-Dateien, die QTrans zum Arbeiten braucht. Hinter den anderen Dateien verbergen sich sogenannte Babylon-Glossare, die QTrans derzeit noch nicht lesen kann. Der Autor des Programms arbeitet jedoch eigenen Aussagen nach fieberhaft an der Glossar-Unterstützung.

Haben Sie die Datei full_ger_dict50.exe endlich auf der heimischen Festplatte, entpacken Sie sie mit einem freundlichen unzip full_ger_dict_50.exe. Danach sollten sich unter anderem folgende Dateien auf Ihrem Rechner finden lassen: ENGLISH.DIC, ENGLISH2.DIC sowie ENGTOGER.DIC. Wer mag, kann die Datei natürlich auch jederzeit unter Windows entpacken. Darüber hinaus ist es möglich, dass die Dateinamen bei Ihnen nicht groß, sondern klein geschrieben sind. Das spielt jedoch keine Rolle, wichtig ist nur, dass sie sich auf Ihrem Rechner befinden.

Hinein ins Konfigurationsvergnügen

Kümmern wir uns nun um den Übersetzer selbst. Installieren Sie QTrans mit dem beliebten Linux-Dreisatz ./configure, make, einem su root und make install. Fertig? Dann starten wir das Programm doch einfach mit einem qtrans & in einer Terminalemulation Ihrer Wahl oder über das K-Startmenü/Anwendungen/QTrans.

Begrüßt werden Sie mit dem QTrans-Konfigurationsfenster (Abbildung 1), in das Sie nun schleunigst die Pfade zu den jeweiligen Dicitionaries eintragen sollten. Das gilt übrigens auch, wenn sich die betreffenden Dateien auf einer Windowspartition verstecken. Diese muss nur gemountet sein, sprich, Sie müssen mit Linux auf diese Partition zugreifen können. In unserem Beispiel tragen Sie im Feld English dic /pfad/zur/datei/ENGLISH.DIC ein. Der Bereich Specific dic wird mit dem Eintrag /pfad/zur/datei/ENGTOGER.DIC geschmückt. Noch ein Klick auf Apply, und das war es schon.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Weg ist das Ziel…

Interessant sind auch die Einträge im Tab Misc. Klicken Sie hier ruhig alle Felder an. QTrans dockt dann selbstständig im Panel an, startet minimiert und beendet sich auch nicht jedesmal , wenn Sie den Exit-Button des Fensters anklicken. Stattdessen lauert es als Icon im Panel auf die Wörter, die es noch zu übersetzen gilt. Die Funktion Enable Auto Pop-Up bewirkt seit Version 0.0.3, dass das QTrans-Fenster nur dann aus dem Panel auf Ihrem Desktop aufploppt, wenn das Programm eine passende Übersetzung für das ausgewählte Wort gefunden hat.

Die Funktionsweise des elektronischen Wörterbuchs ist bestechend einfach. Geben Sie im Feld neben dem Pfeil-Button lediglich das entsprechende Wort ein (Abbildung 2), klicken Sie auf den Pfeil-Knopf, und freuen Sie sich danach über ein Ergebnis wie in Abbildung 3.

Abbildung 2

Abbildung 2: So leicht kann übersetzen sein

Abbildung 3

Abbildung 3: Auf das Ergebnis kommt es an

Ihr Lauscher im Panel

Teilweise ist es sogar unnötig, die Wörter überhaupt ins Übersetzungstool einzugeben. Handelt es sich bei dem Programm, mit dem Sie gerade arbeiten (und aus dem heraus Sie etwas übersetzen wollen), um eine KDE-Applikation wie beispielsweise den Konqueror, reicht es, wenn Sie das betreffende Wort mit der Maus markieren. QTrans beobachtet Ihr KDE-Clipboard und begibt sich sofort an die Übersetzung, sobald sich der Inhalt desselben ändert. Möchten Sie das Programm irgendwann einmal beenden, klicken Sie einfach mit der rechten Maustaste auf das Pfeil-Icon im Panel und wählen dort den Punkt Exit (Abbildung 4 und 5). Ein Klick mit der linken Maustaste auf dieses Icon holt das Programm-Fenster jederzeit aus seinem selbstgewählten Exil im Panel auf Ihren Desktop.

Abbildung 4

Abbildung 4: Angedockt

Abbildung 5

Abbildung 5: Wenn man QTrans mal verlassen will…

Glossar

su

Der Befehl su steht für "substitute user", "den Benutzer austauschen". Er erlaubt es Ihnen, während der Arbeit unter Linux Ihre Identität zu ändern. Normale Tätigkeiten wie Mailen, Surfen etc. sollten aus Sicherheitsgründen immer mit einem einfachen User-Account verrichtet werden. Da es jedoch überaus lästig wäre, sich für jede administrative Tätigkeit ab- und als root wieder anzumelden, kann man mit su auch zwischendurch zum Administrator werden. Den geänderten Status erkennen Sie leicht am veränderten Shell-Prompt: Statt "$" erscheint nun "#" als Eingabeaufforderung.

Terminalemulation

Ausdruck für ein Programm, das ein Textterminal nachahmt. Unter Linux kann das entweder die Darstellung im echten VGA-Textmodus oder einer der Terminalemulatoren für das X-Window-System (konsole, kvt, xterm,…) sein.

Pfade

Der Weg zu einer Datei im Dateibaum, also eine Auflistung aller Verzeichnisse, über die man gehen muss, um zur Datei zu kommen.

gemountet

Mounten nennt man das Einbinden eines Speichermediums (wie Disketten oder Partitionen) in den Linux-Dateibaum. Wenn kein passender Eintrag in der Konfigurationsdatei /etc/fstab vorhanden ist, kann dieses Einbinden nur vom Systemadministrator root durchgeführt werden.

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