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Jo´s alternativer Desktop

Sapphire

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor. Ein noch recht unbekanntes Schmuckstück im Land der Linux-Desktops ist Sapphire – ein kleiner und theme-fähiger Window Manager.

Fast könnte man meinen, der Name Sapphire solle auf ein edles Gestein hindeuten – bemerkt man aber das zweite "p" im Namenszug und nimmt ein Lexikon zu Hilfe, so führt die Spur etwa 2600 Jahre zurück auf die griechische Insel Lesbos und ihre Lyrikerin Sappho. Jene verfasste Gedichte über ihr Leben und die Zuneigung zu ihren Schülerinnen, welche nicht nur freundschaftlicher Art gewesen sein soll. Um Liebe und das Zusammenfügen zweier Dinge geht es auch bei Sapphire. Werfen Sie einen Blick auf die Homepage: http://sapphire.sourceforge.net/. Der Programmautor war begeistert vom Code des Window Managers aewm, den er als Basis für sein Projekt verwendete, und einigen Features des Window Managers Blackbox, die er nach und nach integrierte. Das Ergebnis dieser Liebe nennt er nun eben Sapphire.

Window was?

Ein Window Manager tut zunächst das, was der Name bereits andeutet – die Fenster auf dem Desktop verwalten. Hierzu gehört in aller Regel, dass eine Anwendung mit einem Rahmen versehen wird – meist in Form einer Leiste mit Buttons zum Schließen und Minimieren. Einige bieten darüber hinaus auch eine Task-Liste oder -Leiste (über die z. B. minimierte Fenster wieder sichtbar gemacht werden) sowie ein Startmenü.

Wissenswert ist auch, dass ein Window Manager bereits eine grafische Oberfläche benötigt (und nicht, wie viele glauben, selbst die grafische Oberfläche darstellt) – unter Linux ist das X. Selbst Oberflächen wie KDE oder GNOME verfahren nach dem Strickmuster X-Server, Window Manager, Anwendung. Ein Window Manager ist also nichts weiter als eine optionale Anwendung, die die Bedienung einer grafischen Oberfläche vereinfachen und die Optik verbessern soll.

Soll und Haben

Die Stärke von Sapphire ist bestimmt nicht in der Konfigurierbarkeit oder Ausstattung begründet, sondern vorrangig in der Bedienung – es lässt sich leicht und ausgesprochen angenehm damit arbeiten. So findet sich in der Mitte des unteren Desktop-Rands eine kleine Leiste (Toolbar), auf der ein Button sämtliche Menüs zur Verfügung stellt – angefangen vom "icon menu" (Liste der minimierten Fenster), über das "window menu" (Liste der aktiven Programme) bis hin zum "root menu" (Startmenü, Themes und Beenden). Alle Menüs sieht man übrigens auch bei Maus-Klicks auf eine freie Stelle des Desktops. Zwei weitere Buttons der Toolbar schalten auf- oder absteigend zwischen den geöffneten Fenstern hindurch, und vier weitere sorgen für virtuelle Desktops, sofern auf einem einzigen mal der Platz knapp wird. Zusätzlich werden Datum und Uhrzeit angezeigt.

Abbildung 1: Toolbar von Sapphire

Wirklich gelungen ist die Fensterdekoration. Die Kopfleiste bietet links einen Button zum Schließen des Fensters und rechts einen, der das Fenster auf seine Kopfleiste reduziert – ein praktisches Feature, wenn man sich an den Umgang gewöhnt hat. Der Desktop bleibt selbst bei vielen offenen Anwendungen stets übersichtlich. Der mittlere der drei rechten Fensterknöpfe minimiert. Wieder "aufklappen" können Sie die Anwendung entweder mit der mittleren Maustaste auf dem freien Desktop oder über die Toolbar. Der vierte Knopf maximiert – ein Feature, das bei heutigen Monitorgrößen sicher seltener gebraucht wird. Viel wichtiger ist da eine weitere und unauffälligere Dekoration am rechten Fensterrand. Mittels dieser Leiste wird die Größe einer Anwendung individuell eingestellt.

Abbildung 2: Fensterdekoration à la Sapphire mit Menü

Auf Tastatureingaben hört das neueste oder zuletzt mit der Maus überfahrene Fenster. In den Vordergrund kommt es aber erst durch einen Mausklick – der Erhalt des Fokus' reicht hierzu nicht. Zusätzlich ist Sapphire theme-fähig und setzt dementsprechend, sofern vom Theme vorgesehen, auch eine Hintergrundfarbe. Mit ein wenig Bastelei kann man auch eine Grafik auf den Desktop zaubern (s. Abschnitt "Personal Edition"). Die Anforderungen an das System sind sehr gering – Sapphire ist sehr schnell und beansprucht gerade mal 1,4 MB Arbeitsspeicher für sich. Doch nicht nur in punkto Hardware verhält sich der Window Manager bescheiden, er stellt auch niedrige Ansprüche an die Umgebung, in die er eingebunden wird.

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