Kernelgeschichten

Dr. Linux

01.03.2001
Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Kernel-Probleme aus und Heilmethoden für Beschwerden mit dem Linux-Betriebssystemkern vor.

Make it!

Ich wollte erstmals einen Kernel kompilieren, doch erhielt ich nach der Eingabe

root#
make menuconfig

immer die Meldung

make:  * No rule to make target `menuconfig'.  Stop.

Auch der Befehl make xconfig bringt mir die entsprechende Fehlermeldung. Was funktioniert da nicht?

Dr. Linux: Im Gegensatz zu vielen Befehlen, die zur Ausführung unabhängig vom aktuellen Arbeitsverzeichnis einfach auf einer Kommandozeile eingegeben werden, müssen Sie sich zur Ausführung dieses Befehls im Verzeichnis mit den Kernel-Sourcen (in der Regel /usr/src/linux) befinden.

Bleibt die Fehlermeldung auch nach einem

root# cd /usr/src/linux

erhalten, fehlen die Sourcen des Kernels (oft auch Kernel-Quellen genannt) ganz und müssen nachinstalliert werden.

Da diese sehr umfangreich sind, werden sie bei einer Standard-Installation meist nicht automatisch im System abgelegt. Für SuSE-Nutzer gilt: Ab SuSE Linux 6.2 ist die automatische Installation der Kernel-Sourcen auch nicht mehr voreingestellt.

Die Kernel-Sourcen für Ihr aktuelles System befinden sich bei den bekannten Distributionen auf dem Installationsmedium. Von dort können sie je nach System z. B. mit YaST, gnorpm oder dselect nachinstalliert werden. Im Internet finden Sie als tar.gz oder tar.bz2 gepackte Kernelarchive u. a. unter http://www.kernel.org/.

Schluss und aus

Ich habe auf meinem Rechner SuSE 7.0 installiert. Jetzt möchte ich ähnlich wie bei Red Hat, dass sich mein Rechner nach dem Herunterfahren von selbst ausschaltet. Geht das auch mit der SuSE-Distribution?

Dr. Linux: Für die Nutzung von APM ("Advanced Power Management") stellt Ihnen SuSE ab Version 6.3 einen speziellen Kernel zur Verfügung. Dieser ist vorkompiliert und kann mit YaST installiert werden. SuSE informiert Sie dazu in der Support-Datenbank auf Ihrem System oder im WWW unter http://sdb.suse.de/sdb/de/html/index.html unter den Stichworten APM, ATX. Voraussetzung für fehlerfreies Arbeiten dieses Kernels ist die Aktivierung der APM-Funktionen im BIOS Ihres Rechners.

Rufen Sie yast als root auf, und legen Sie Ihre Installations-CD bereit, denn spätestens bei der Kernel-Auswahl werden Sie zum Einlegen dieser CD aufgefordert. Über die Menüpunkte Administration des Systems/Kernel- und Bootkonfiguration/Bootkernel auswählen gelangen Sie ins passende Auswahlfenster. Hier finden Sie u. a. den Kernel mit APM-Support (Abb. 2).

Abbildung 1: Der Pfad zur Kernelauswahl in Yast
Abbildung 2: Die Kernelauswahl von SuSE 7.0 in Yast
Abbildung 3: Die Kernelinstallation im laufenden Betrieb mit Yast

Wenn Sie im nächsten Dialogfenster ja auswählen (Abb. 3), erstellt YaST eine neue /usr/src/linux/.config mit der Beschreibung des APM-Kernels.

Abbildung 4: Der Boot-Manager muss neu eingerichtet werden

Abschließend erhalten Sie eine bestätigende Meldung zur Kernel-Installation, und YaST richtet den LILO ("Linux Loader") neu ein, damit der soeben neu auf Ihrer Festplatte abgelegte Kernel auch beim Booten bereit steht. Im Normalfall bestätigen Sie dies wiederum mit ja.

Erfahrene Anwender werden die hierbei erzeugte LILO-Konfigurationsdatei /etc/lilo.conf eventuell persönlich editieren und den Boot-Manager durch Aufruf des /sbin/lilo-Programms über den neuen Kernel informieren. Wenn Sie einen anderen Boot-Manager als LILO verwenden, folgen Sie bitte der jeweils passenden Anleitung.

Abbildung 5: Zum Abschluss sehen Sie die Einträge Ihrer LILO-Boot-Konfiguration

Damit haben Sie es schon geschafft – mit dem nächsten Bootvorgang ist der neue Kernel aktiv. Bevor Sie zur Tat schreiten und den APM-Kernel auf Ihrem Rechner installieren, noch ein abschließender Hinweis: Auf meinem 08/15-Rechner aus dem Kaufhaus funktionierte die Installation dieses Kernels mit SuSE 7.0 zwar sehr gut, trotzdem ist es angebracht, sich im Handbuch über das (Nach-) Installieren von Modulen zu informieren, damit Sie mit eventuellen Fehlermeldungen umgehen können. Benutzer der SuSE-Version 6.3 sollten (wie im Handbuch-Kapitel 3, "YaST", beschrieben) nach dem Installieren des Kernels zusätzlich das Paket kernmod aus der Serie a neu installieren.

Wenn Sie Ihre Kernel selber bauen wollen, können Sie das Advanced Power Management natürlich ebenfalls einbinden. Auf einer grafischen Oberfläche erstellen Sie die Kernelkonfiguration z. B. mit dem Befehl

root# make xconfig

Die APM-Funktionen finden Sie im Menüpunkt Grundeinstellungen (Abb. 6). Das gilt natürlich auch, wenn Sie Ihren Kernel mit dem Befehl

root# make menuconfig

konfigurieren (Abb. 6).

Abbildung 6: APM-Unterstützung einstellen mit make xconfig
Abbildung 7: … und mit make menuconfig

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Der "Grand Unified Boot Loader" GRUB
    Der für GNU/Hurd entwickelte Boot-Manager GRUB stellt dank vieler Features eine wirkliche Alternative zum Linux-Standard-Boot-Manager LILO dar. Wir zeigen, wie der Umstieg funktioniert.
  • Dr. Linux
    Mit einigen Tricks zum Boot-Manager LILO lässt sich auch im Winter frei nach Terry Jacks singen: "We have joy, we have fun, we'll boot linux in the sun…"
  • Kernel-Neubau ohne Expertenwissen
    Einen eigenen Kernel zu kompilieren gilt als schwierig – mehrere hundert Konfigurationsoptionen schrecken ab. Doch Sie müssen nicht alle verstehen, um einen neuen Kernel selbst zu übersetzen.
  • Kernel übersetzen und installieren.
    Der Kernel ist das Herzstück jeder Linuxinstallation. Auf viele Computern läuft noch Version 2.4, aber Kernel 2.6 ist schon lange fertig. Lohnt sich der Umstieg und falls ja, wie geht das überhaupt?
  • Slackware Linux – Installationshilfe
    Das Lexikon übersetzt "slack" mit "locker", aber auch mit "schlaff". Ob eine dieser Eigenschaften auf den Klassiker unter den Distributionen zutrifft, testen Sie am besten selbst; für die Installation der aktuellen Version Slackware 9.0 finden Sie hier eine Anleitung.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 02/2016: Alt-PCs flott machen

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Der Tipp der Woche

Schon gewußt?

14.11.2015

Auch unter Ubuntu 15.10 kann man wieder mit dem Startmedienersteller (alias Startup Disk Creator) ein Live-System auf einem USB-Stick einrichten. ...

Fehler des Startmedienerstellers von Ubuntu 15.10 umgehen

Aktuelle Fragen

Tails Update
Val Lerie, 11.01.2016 10:51, 0 Antworten
Hallo zusammen, updaten > update Speichern unter > Persistent nicht möglich, mit der Meldung;...
Recoll
Jürgen Heck, 20.12.2015 18:13, 4 Antworten
Wie kann man mit Recoll nach bestimmten Zeichen/Satzzeichen bzw. Zeichenkombinationen suchen, z....
Wings Platinum 4 auf Linux?
Bodo Steguweit, 18.12.2015 11:37, 4 Antworten
Hallo in die Runde ich nutze für meine Diashows Wings Platinum 4 als Diareferent. Arbeite jetzt...
Bandbreite regulieren
Georg Armani, 25.11.2015 16:50, 1 Antworten
Hallo, ich bin ein Neuling in Sachen Linux und hoffe auf Hilfe. Ich habe zwei Windows Rechner...
Windows 10 verhindert LINUX
Hans Wendel, 17.11.2015 17:47, 8 Antworten
Hallo alle, mit einem W10-Laptop (vorher war Win7) wollte ich LINUX ausprobieren. Alles, was ni...