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Die neue Windows-Dimension?

Volkers alternatives Editorial

01.02.2001 Kennt ihr nicht auch diese Werbung von diesem Waschmittel? Da wird mit der neuen Weissheits-Dimension geworben. Ja, zum Teufel, wo ist nur diese Weissheits-Dimension? Gut, wir haben Höhe, Tiefe und Breite als Feld-, Wald und Wiesendimensionen, aber wo ist da noch Platz für eine Weissheits-Dimension? Vielleicht habe ich aber auch den ganzen Spott nicht verstanden, und die meinen in Wirklichkeit die Weisheitsdimension – sind die helle!

Doch egal; geben wir dem Vierdimensionalen eine Chance und stell'n uns mal ganz dumm. Die vierte Dimension wird meistens mit der Zeit identifiziert, und inzwischen sollte so ziemlich jeder mitgekriegt haben, dass Zeit in unserer Welt nicht überall gleichschnell fließt – tatsächlich erhöht schon der Besuch meiner dicken Verwandten meine Lebenserwartung um ein winzig kleinen Bruchteil. Dies scheint jedoch nur so wenig ins Gewicht zu fallen, dass wir (dummerweise) annehmen in unserer näheren Umgebung gäbe es keine nennenswerten Verwerfungen der Zeit. Zugegeben, es gibt tatsächlich Schwingungen in der persönlichen Empfindung, in der das eigene Zeitmaß schier endlos gedehnt werden kann – und zufälligerweise sind die Orte, an denen das passiert, wieder seltsam nahe bei meinen Verwandten…

Kommen wir zu einem praktischen Versuch und knipsen mal eine Windows-Büchse ganz mutig an und beobachten alles ganz genau. Ich bemerke erstmal, dass mir das ganze Ding nicht nur ein gutes Stück meines Schreibtisches klaut, sondern auch jede Menge Zeit. Aha – Windows ist tatsächlich vierdimensional! Darin liegt auch eine der großen anthropologischen Theorien begründet, die behauptet, das Windows-Betriebssystem sei weiblich – es lässt alle warten, nur um sich betriebsfähig zu machen.

Die unverständliche Zeitvermehrung macht Windows dann aber wieder gut – durch immer kürzere Abstände in den Versionen. Erst 1995, dann 1998, nun schon 2000 – sehr zum Leidwesen aller registrierten Kunden. Und war das nicht der Mikroriese, der sich mit seiner neuen "Edition" direkt der Millenium-Lüge angeschlossen hat … ?

Die Relativitätstheorie-Profis unter Euch kennen das alles unter dem Begriff Minkowski-Raum und dort sicher auch den Abstand x²+y²+z²-w²=-R² dort. Der Macher dieser Gleichung, wusste schon, warum er das Minus vor das w gestellt hat :-)

Anschaulich machen kann man sich das alles als einen riesengroßen Schweizer Käse: In jedem Loch eine Windows-Kiste. Ein philosophischer Freund von mir hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es neben den Zeitklauern aber auch die Zeitschenker gibt. Habe ich daheim direkt mal selbst an meinem Linux ausprobiert.

So beschert Euch z. B.

sleep 15 m

ein ganze Viertelstunde Büroschlaf. Seid ihr aber aktiver und tippt folgendes als Superuser ein

date 123123592000

habt ihr noch genau eine Minute die Sektflasche in den Kühlschrank zu stellen, kalt werden zu lassen, die Gläser zu organisieren, die Pulle zu entkorken, um dann mit Eurem Rechner nocheinmal auf das neue Millenium anzustoßen.

In diesem Sinne: Ein gutes neues Jahrtausend!

Was machen die Kommandos?

sleep (=Schlafe)

sleep <n> [s|m|h|d]

Hält für <n> Zeiteinheiten an. Dabei steht s für Sekunden, m für Minuten, h für Stunden und d für Tage.

date (=Datum)

Dieser Befehl liest oder setzt die Systemzeit

date [-s Datum] [+Format] [MMddhhmm[[cc]yy].ss]

Bei einfacher Angabe von date wird die Systemzeit aufbereitet ausgegeben. Diese ist so umfangreich, dass kaum Wünsche offenbleiben. Über die Format-Optionen lässt sich dies jedoch beliebig anpassen. So gibt z. B.

date +%Z

die Zeitzone aus, wer jetzt EASST auf seinem Schirm sieht, der grüßt bitte die Osterinseln von mir. (Die Zeitzone wird in der Systemvariablen TIMEZONE festgehalten.)

date +%H%M%S

Bei dieser Anzeige ist es %H Uhr %M Minuten und %S Sekunden – Biep!' erklärt sich wohl von selbst und die weiteren Format-Parameter entnehmt ihr am besten der man-page.

Systemuhren gehen bekanntlich nie so genau (eigentlich ein Wahnsinn – bei dem Preis!) weshalb sie dann und wann schon mal korrigiert werden müssen. Dafür nimmt man am besten (als Superuser)

date -s hh:mm[:ss]

oder in ganz krassen Fällen

date -s [MMddhhmm[[cc]yy].ss]

mit MMdd für Monat und Tag, hhmm für Stunde und Minute, ccyy für Jahrhundert und zweistellige Jahreszahl und ss für die Sekunde.

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LinuxUser 03/2012

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