Wortfetzen
Teil 3: String-Verarbeitung und Reguläre Ausdrücke
Pfadangabe aufbauen
Nun wollen wir den Verzeichnisnamen nicht mit Leerzeichen, sondern wie üblich mit Schrägstrichen getrennt haben. Dazu nutzen wir aus, dass "$*" alle Parameter – in unserem Fall $1 bis $3 – hintereinander stehend liefert, durch das erste Zeichen aus IFS getrennt. Wir setzen IFS wieder einmal auf den Schrägstrich und gewinnen mit der Zeile 8 den lesbaren Verzeichnisnamen zurück. Bei der Umformung ist uns allerdings der erste Slash abhanden gekommen, weshalb wir ihn voranstellen müssen. Ganz wichtig ist noch Zeile 9, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Stünde in Zeile 10 in IFS der Slash, so würde echo unseren ebenfalls durch Schrägstriche getrennten Pfad wiederum als einzelne Parameter übergeben bekommen – und echo gibt Parameter stets mit Leerzeichen getrennt aus.
Muster-Erkennung
Das letzte Beispiel diente uns nicht nur als Vertiefung, sondern soll auch zeigen, wie man sich durch die Verwendung der richtigen Befehle das Leben deutlich leichter machen kann. Folgendes Listing tut im Ergebnis genau das gleiche wie das vorhergehende:
#!/bin/bash
Verzeichnis="${1%/*}"
Datei="${1##*/}"
echo Verzeichnis: $Verzeichnis
echo Datei: $DateiDabei bekommen wir es mit zwei neuen Befehlen zu tun, ${variable%muster} und ${variable##muster}. Beide arbeiten mit einer Muster-Erkennung (pattern matching). Das Muster in Zeile 2 ist "/*" und steht für eine Zeichenkette, die mit einem Schrägstrich beginnt und anschließend beliebig viele Zeichen dahinter hat. Beliebig viele bedeutet hier: Keins bis unendlich viele. Die Bash hat für die Muster-Erkennung zusätzliche Steuerzeichen, so genannte wildcards – die wichtigsten sind Fragezeichen und Stern. Das Fragezeichen steht für ein beliebiges Zeichen, während der Stern beliebig viele Zeichen abdeckt.
Der Befehl selbst durchsucht die Variable von hinten nach vorn und prüft, wann das Muster erstmalig passt – wann also von hinten gesehen das erste mal ein Slash auftaucht und entweder nichts oder irgend etwas dahinter steht. Dann löscht er das gerade gefundene Muster, der Slash und die eventuell dahinter stehenden Zeichen werden entfernt.
Dies benutzen wir, um das Verzeichnis zu gewinnen. Wir wissen, dass der Programmname unmittelbar hinter dem letzten Schrägstrich steht, und müssen ihn entfernen, um das Verzeichnis zu bekommen. Der letzte Schrägstrich selbst wird – wie im vorangegangenen Beispiel auch – ebenfalls entfernt.
Um den Dateinamen zu erhalten, müssen wir genau umgekehrt vorgehen: Wir entfernen alles bis zum letzten Schrägstrich. Das Muster haben wir dafür herumgedreht, wir suchen beliebig viele Zeichen, hinter denen dann ein Slash steht. Der Befehl ${variable##muster} sucht von vorn beginnend nach dem ersten Passen des Musters. Die doppelte Raute bewirkt, dass er sich nicht mit dem ersten Treffer zufrieden gibt, sondern versucht, so viel wie möglich auf einmal zu entfernen. Im Beispiel von Pfad=/usr/X11R6/bin/X würde sich ${Pfad#*/} schon mit "/" begnügen (der Stern steht hier für kein Zeichen, gefolgt vom Slash), während ${Pfad##*/} gierig "/usr/X11R6/bin/" entfernt (der Stern steht für "/usr/X11R6/bin", gefolgt vom Slash).
Den Mustervergleich von hinten und vorn mit anschließendem Entfernen gibt es jeweils in einer genügsamen (${variable%muster} und ${variable#muster}) und in einer gierigen (${variable%%muster} und ${variable##muster}) Variante.
Doch zurück zu unserem Programm. In der zweiten Zeile gewinnen wir das Verzeichnis, in dem wir von hinten suchend das Muster "/*" entfernen lassen. In unserem Fall wird also "/X" gelöscht, übrig bleibt "/usr/X11R6/bin". In Zeile drei verwenden wir die gierige Methode und lassen von vorn suchend das Muster "*/" löschen – "/usr/X11R6/bin/" wird damit herausgenommen, übrig bleibt "X" als Dateiname.



