Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.02.2001
GNOME und GTK als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe, und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.

GNOME unter Windows

Global Technologies Ltd. [1] ist es gelungen, den GNOME-Desktop unter Windows zum Laufen zu bekommen. Dazu wurden die Software U/Win [2], die es ermöglicht, die Unix-API unter Windows zu benutzen, und ein X Server für Windows verwendet. Dank U/Win musste kaum etwas am GNOME-Sourcecode geändert werden – laut den Entwicklern nur ganze 100 Zeilen. Obwohl dieses Projekt sehr interessant ist, fehlen noch viele Features, und der zusätzliche X-Server bzw. U/Win werden nicht gerade zur Performance und Stabilität des Systems beitragen. Langfristig scheint es erfolgversprechender, die Windows-Ports von GDK/GTK zu benutzen.

Dell und Eazel kooperieren

Dell will laut [3] mit Erscheinen von GNOME 1.4 Endbenutzer-PCs bzw. Laptops mit vorinstalliertem Linux und Eazel Services ausliefern. Außerdem will Dell eine noch nicht genannte Summe in Eazel investieren. Dell, ehemals sehr Windows-orientiert, setzt damit eine Reihe von Investments in Linux-Unternehmen fort.

Debian tritt dem GNOME Advisory Board bei

Auch Debian ist jetzt dem GNOME Advisory Board beigetreten [4] und wird dort in Zukunft durch Wichert Akkerman, der 1999 die Leitung von Debian übernahm, vertreten. Damit sind fast alle großen Distributoren außer SuSE Mitglied des Boards. Letztere scheinen sich sich auf die KDE League zu beschränken, obwohl sie mit Martin Baulig einen wichtigen GNOME-Programmierer beschäftigen.

Orbit Port für den Linux Kernel

Unter dem Namen kOrbit [5] wurde ein experimenteller Kernel-Port von Orbit, dem GNOME ORB, programmiert. Ein ORB (Object Request Broker) ist eine Art Vermittler für CORBA-Objekte, die (prinzipiell unabhängig von der Programmiersprache) von einem Programm angefordert werden können. Damit ist eine Technologie wie Bonobo möglich, mit der Objekte wie z. B. ein PDF-Betrachter einfach in Programme geladen werden können. Da es nicht nur egal ist, in welcher Programmiersprache das Programm geschrieben wurde, sondern auch, wo es ausgeführt wird, ist es mit kOrbit möglich, Kernel-Module via Netzwerk auf anderen Rechnern auszuführen. Außerdem werden die Module nicht wie üblich im Kernel- sondern im User-Space, also wie ein normales Programm, ausgeführt, was das Debugging von experimentellen Code leichter macht. Auf der anderen Seite stellt kOrbit bis jetzt auch ein enormes Sicherheitsrisiko dar und macht den Kernel nicht gerade schlanker. Es ist deshalb sehr unwahrscheinlich, dass dieser Patch seinen Weg in den Standard-Kernel finden wird. Nichtsdestotrotz ist es ein beeindruckendes Projekt mit interessanten Möglichkeiten, gerade was die Verschmelzung von Computer und Netzwerk angeht.

Gtetrinet

Eigentlich ist ein weiterer Tetris-Klon nichts, worüber es sich zu schreiben lohnen würde, aber Gtetrinet [6] kann mehr als normales Tetris. Mit Gtetrinet ist über einen Tetrinet-Server ein Spiel mit bis zu fünf anderen Spielern möglich, wobei je nach Server etwas andere Regeln gelten. Ähnlich wie mit vernetzten Gameboys kann man "pure" spielen: Wenn man in diesem Modus zwei oder mehr Zeilen auf einmal vervollständigt, werden bei allen Gegnern ein bis vier Zeilen hinzugefügt. Die gleichen Regeln gelten auch im normalen Modus, aber zusätzlich gibt es dort noch Spezialblöcke, die zum Angriff oder zur Verteidigung benutzt werden können. Solche Blöcke können zum Beispiel das eigene Feld leeren oder dem Gegner zufällig verteilte Blöcke in sein Spielfeld setzen. Sie können unter Angabe der Spielernummer angewendet bzw. mit der Taste [D] gelöscht werden.

Eine Liste von Tetrinet-Servern sowie allgemeine Informationen zum Spiel findet man unter [7]. Es arbeiten allerdings nicht alle Server mit Gtetrinet zusammen; manche bestehen auf besonderen Clients wie Tetrifast. Auf dem Server kann man im Partyline-Fenster mit den anderen Spielern chatten und verschiedene Spiele wählen, wobei IRC-Kommandos, die man mit dem Kommando /help auflistet, verwendet werden. Der erste Spieler in einem Spiel wird jeweils Moderator und kann das Spiel starten und beenden. Außerdem können sich Spieler zu Teams zusammenschließen: In diesem Fall wird in der Winlist anstatt des eigenen der Name des Teams genannt. Für jedes Spiel kann man, je nachdem, wie lange man "am Leben" bleibt, ein bis drei Punkte erhalten, so dass es einige Zeit dauern kann, bis ein Einzug in die Winlist erfolgt. Auch während des Spiels ist es mit der Taste [T] möglich, mit den anderen Spielern zu reden, was sich aber bei der ständig steigenden Geschwindigkeit nicht empfiehlt.

Das Spiel ist praktisch gewonnen

Solfege

Wer Musik macht, wird nicht daran vorbei kommen, sich früher oder später mit den Grundlagen auseinander zu setzen – dazu gehört auch die Fähigkeit, bestimmte Intervalle bzw. Töne und Rhythmen zu erkennen. Solfege [8] ist ein Programm für GNOME, mit dem man das musikalische Gehör trainieren kann, wobei sich die Übungen von Dreiklängen bis zu Zwölftonleitern erstrecken.

Das Programm ist in Python geschrieben, weshalb man die Pygnome- [9] bzw. Pygtk-Bindings [9] und natürlich Python [10] selbst installieren muss. Alle Töne werden über MIDI ausgegeben; aber auch ohne MIDI-Unterstützung auf der Sound-Karte lassen sich alle Übungen über Timidity [11] abspielen – Timidity konvertiert die MIDI-Informationen in das wav-Format und gibt diese an die Sound-Karte weiter. Die MIDI-Einstellungen kann man unter Datei/Einstellungen/Sound Setup finden, wo sich gegebenfalls auch das MIDI-Device verändern lässt. Gerade für den Einsatz in Schulen ist interessant, dass Solfege über soganannte "Lesson-files" erweitert werden kann: In diesen Lesson-files können einzelne Übungen definiert werden, wobei auf die Notation von Lilypond [12] zurückgegriffen wird. Insgesamt ist Solfege ein sehr nützliches Programm, um das eigene Gehör zu schulen, auch wenn die Oberfläche teilweise etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Um alle Tonarten am Klang zu erkennen, bedarf es einiger Übung

URL Handler

Programme, die auf den GNOME URL Handler zurückgreifen, starten für Internet-Seiten standardmäßig auch dann Netscape, wenn dem Mime-Typ html ein anderer Browser zugewiesen wurde. Diese Einstellung lässt sich aber im Kontrollzentrum unter Umgang mit Dokumenten/Öffnen von URLs ändern, indem man den Eintrag default auf meinbrowser %s ändert, wobei %s für die URL steht. Die Voreinstellung für default ist gnome-moz-remote --newwin %s – ein Skript, das Netscape startet, falls es noch nicht aktiv ist, und ansonsten ein neues Netscape-Fenster mit der angegebenen URL öffnet.

Auch ein Mail-Programm lässt sich einstellen, indem man einen Eintrag für das Protokoll mailto anlegt – dabei muss man allerdings darauf achten, dass nicht alle Mail-Programme mit der übergebenen Adresse umgehen können und möglicherweise ein "mailto:" am Anfang der Empfängeradresse steht.

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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