Manchmal wollen Sie schnelle eine Information über Ihr System haben und dazu nicht extra in den Handbücher nachschlagen. Müssen Sie auch nicht. Unter Linux gibt es eine Reihe von einfachen Befehlen, mit denen Sie schon eine ganze Menge aus Ihrer Kiste herauskitzeln können.
Um es aber gleich vorweg zu nehmen: Wir erklären in diesem Artikel nicht jedes technische Detail des Rechners. Wir geben Ihnen eine Anleitung an die Hand, wo Sie suchen können, wenn Sie unkompliziert etwas über den Rechner erfahren wollen, ohne ihn gleich aufzuschrauben. Dieser Artikel ist für all die gedacht, die fix wissen müssen, über wieviel Cache der Prozessor verfügt und dafür nicht extra das Handbuch suchen wollen, dass eigentlich sowieso nur ein lose zusammengetackertes Heft aus billig kopierten Zettel mit gewagter Beschriftung ist. Oder für solcher unter Ihnen, die einfach Spass daran haben, mehr über Ihren Rechner zu erfahren und dabei die Fähigkeiten eines Unix-Systems zu Hilfe nehmen.
Und gleich noch etwas zu dem Kommando, das wir hier im folgenden überwiegend benutzen werden. Es heißt cat und bewirkt, dass der Inhalt einer Datei eingelesen und in ein Ziel geschrieben wird. Dieses Ziel ist entweder die Standardausgabe, also in den meisten Fällen der Bildschirm, oder aber eine Datei oder ein Device, wohin die Ausgabe mit dem > umgelenkt wird.
Hauptspeicher
Also beginnen wir die Reise durch unseren Rechner. Da wäre zunächst einmal der Arbeitsspeicher: Hier schauen wir erst einmal nach, wieviel uns da überhaupt zur Verfügung steht:
[agrytz]$cat /proc/meminfo
liefert:
total: used: free: shared: buffers: cached: Mem: 130994176 123043840 7950336 33906688 2686976 52047872 Swap: 131567616 64491520 67076096 MemTotal: 127924 kB MemFree: 7764 kB MemShared: 33112 kB Buffers: 2624 kB Cached: 50828 kB SwapTotal: 128484 kB SwapFree: 65504 kB
Die Zeile mem liefert die Angaben über den tatsächlichen Arbeitsspeicher; die Zeile Swap über den Swap-Bereich auf der Festplatte. Darunter befindet sich eine Liste mit verständlicheren Größenangaben. Diese werden in der Regel als human readable (engl.: für Menschen lesbar) bezeichnet.
CPU – das Herzstück
Weiter geht es mit dem Herzstück des Rechner der Central Proccessing Unit, kurz Prozessor. In der Regel ist man darüber informiert, ob ein Pentium II oder III im Rechner steckt und die Taktfrequenz kriegt man ebenfalls noch aus dem Gedächtnis hin. Aber mit dem Befehl
01 [agrytz]$<b>cat /proc/cpuinfo<b> 02 processor : 0 03 vendor_id : GenuineIntel 04 cpu family : 6 05 model : 6 06 model name : Celeron (Mendocino) 07 stepping : 5 08 cpu MHz : 501.151349 09 cache size : 128 KB 10 fdiv_bug : no 11 hlt_bug : no 12 sep_bug : no 13 f00f_bug : no 14 coma_bug : no 15 fpu : yes 16 fpu_exception : yes 17 cpuid level : 2 18 wp : yes 19 flags : fpu vme de pse tsc msr pae mce cx8 sep mtrr pge mca cmov pat pse36 mmx fxsr 20 bogomips : 499.71
sieht die Informationsdichte gleich ganz anders aus. Hier können Sie sehen, dass mein Arbeitsrechner über einen Intel-Chip mit einer Taktfrequenz von rund 500 MHz verfügt. Wir sehen aber auch das es ein Celeron-Prozessor ist, der den Arbeitsnamen Mendocino trägt. Desweiteren ist aus dieser Liste ersichtlich, welche Bugs dieser Prozessor hat – erfreulicherweise sehr wenige.
Auf in die Prärie, äh Peripherie
Geben Sie als nächstes ein beherztes
[agrytz]$<b>/sbin/lspci<b> 00:00.0 Host bridge: Intel Corporation 440BX/ZX - 82443BX/ZX Host bridge (rev 03) 00:01.0 PCI bridge: Intel Corporation 440BX/ZX - 82443BX/ZX AGP bridge (rev 03) 00:04.0 ISA bridge: Intel Corporation 82371AB PIIX4 ISA (rev 02) 00:04.1 IDE interface: Intel Corporation 82371AB PIIX4 IDE (rev 01) 00:04.2 USB Controller: Intel Corporation 82371AB PIIX4 USB (rev 01) 00:04.3 Bridge: Intel Corporation 82371AB PIIX4 ACPI (rev 02) 00:0b.0 Ethernet controller: Intel Corporation 82557 [Ethernet Pro 100] (rev 08) 01:00.0 VGA compatible controller: ATI Technologies Inc 3D Rage LT Pro AGP-133 (rev dc)
ein. Hier sehen sie alle PCI-Geräte aus Ihrem Computer. Beachten Sie, dass im Prinzip alle Geräte in Rechner über den PCI-Bus kommunizieren. Erst das jeweilige Interface, beispielsweise die ISA-Bridge bei älteren ISA-Karten, bzw. der jeweilige Controller ermöglicht ein anderes Protokoll.
Noch etwas gesprächiger ist der Befehl lspci -v, dessen Ausgabe wir hier aus Platzgründen nicht abdrucken. Hier findet man alles, was man braucht: Von den benutzten Interrupts über DMA-Port bis hin zu Speicherbereichen wird alles ausgegeben. lspci arbeitet übrigens auf den Dateien /proc, stellt sie aber deutlich übersichtlicher dar. Wer mag, kann sie sich mit cat /proc/pci, cat /proc/interrupts, cat /proc/dma und cat /proc/ioports selbst ansehen.
Blätter am Prozess-Baum
Aber wir schweifen ab: Eigentlich wollten wir ja möglichst viel über die Hardware, also Typenbezeichnungen und Modellnummer sowie Leistungsmerkmale herausbekommen. Dazu eignet sich grundsätzlich ein durchforsten des /proc-Zweigs im Datei-System. Geben Sie auf der Kommandozeile tree | less ein.
Was finden wir hier: Nun zuerst einmal hat jeder Prozess sein eigenes Verzeichnis, das die Nummer seiner ID trägt. Dann befinden sich hier aber ebenfalls Verzeichnisse zu den Hardware-Komponenten. Ein paar haben wir ja schon kennengelernt.
Hier ist ein Ausschnitt aus der Ausgabe, der den Zweig mit einem IDE-Gerät zeigt:
01 |-- ide 02 | |-- drivers 03 | |-- hda -> ide0/hda 04 | `-- ide0 05 | |-- channel 06 | |-- config 07 | |-- hda 08 | | |-- cache 09 | | |-- capacity 10 | | |-- driver 11 | | |-- geometry 12 | | |-- identify 13 | | |-- media 14 | | |-- model 15 | | |-- settings 16 | | |-- smart_thresholds 17 | | `-- smart_values 18 | |-- mate 19 | `-- model
Wollen Sie nun wissen, was für ein Gerät das ist, dann versuchen sie doch einmal ein cat /proc/hda/model, wobei hda ein Link auf das Unterverzeichnis ide/hda ist. Alles in allem finden Sie hier ziemlich viele Informationen, aber vorsicht: Sie müssen der Superuser root sein, um sich einige der Dateien ansehen zu können. Da es nicht angeraten ist, nur einfach so zum rumspielen mit Administratoren-Rechten ausgestattet zu sein, suchen wir also nach einer anderen Lösung. Vielleicht gibt es ja sogar ein grafisches Tool? Es gibt tatsächlich eines und dies wollen wir Ihnen am Ende der Geschichte vorstellen.
Sound
Zunächst jedoch wollen wir und noch dem Sound widmen. Die Informationen über die Soundkarte können natürlich – je nach Modell – aus lspci oder cat /proc/pci herausgelesen werden. Bei nicht-PCI-Gräten kriegt man mit pnpdump einige wenige Informationen über Plug’n’Play-Geräte (plus der zugehörigen Einstellungen für Interrupts, DMA und Basisadresse).
Um den momentanen Status der Sound-Hardware zu Erfragen, können Sie aber auch cat /dev/sndstat eingeben, womit eine spezielle Datei abgefragt wird. Dies muß aber nicht unbedingt auf allen Distributionen funktionieren, da sich hier noch kein Standard etabliert hat.
KControl
So – lange haben wir Sie auf die Folter gespannt, nun ist es soweit: Hier kommen die GUI-Tools. Schließlich ist die Kommandozeile nicht gerade jedermanns Sache. Deshalb haben sich Entwickler hingesetzt, um ein grafisches Frontend zu programmieren. Unter KDE wurde das Tool direkt in den Desktop integriert.
Unter KDE 1.1.2 und unter dem neuen KDE2 hat sich am Aussehen des Tools nicht viel geändert. In einem einfachen Fenster wird die Textausgabe, die Sie vorher auf der Kommandozeile erzeugt haben, dargestellt.
Unter dem GNOME-Desktop konnten wir bisher noch kein aäquates Tool entdecken. Sollten Sie eines kennen, dann schreiben Sie mir ruhig eine kleine Mail.
Glossar
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tree | less
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Damit erzeugen Sie eine Baumansicht mit ASCII-Zeichen und pipen diese durch den Textbetrachter less. Somit können Sie die Ansicht rauf und runter scrollen und sogar durchsuchen. Less bietet, wie beispielsweise auch der Editor vi, die Möglichkeit, einen Suchbegriffs zu verarbeiten. Tippen Sie einfach /Suchbegriff (also den Schrägstrich und dann den Suchbegriff direkt dahinter) und drücken Sie [Enter]. Die gesuchten Begriffe werden – wenn vorhanden – invertiert dargestellt. Mit der Leertaste springen Sie jeweils zum nächsten, mit der Rücktaste (Backspace) zum vorherigen.


