Wohl geordnet

K-tools

01.02.2001
In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Wer nicht gerade zufällig über ein fotografisches Gedächtnis verfügt, muss sich andere Wege überlegen, um bei Bedarf die wichtigsten Hausnummern, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen parat zu haben. Sie kennen das Problem? Dann sollten Sie auch Kab, das KDE-Adressbuch, kennen.

Ich weiß, Computer-Adressbücher sind in der Regel etwas Schreckliches, da sie meist ein proprietäres Dateiformat benutzen und andere Programme wie Mailreader oder Organizer somit nicht in der Lage sind, auf die virtuellen Adresskarteikästen zuzugreifen. Um genau dies zu verhindern, wurde und wird innerhalb des KDE-Projekts fleißig an Kab gearbeitet, damit es irgendwann einmal für sämtliche KDE-Applikationen heißt: Ein Adressbuch für Alle.

Das Netteste dabei: Kab brauchen Sie in der Regel nicht extra zu installieren, da es Bestandteil der Basis-Pakete ist. In der 2.0er Version versteckt es sich im Paket kdepim oder lässt sich als kab-Paket eigenständig installieren.

Benutzer früherer Versionen brauchen sich um ihre bereits aus KDE-1.x-Zeiten vorhandenen Daten keine Sorgen zu machen, denn das neue Kab legt von den alten Datensätzen ein Backup an. Die Daten selbst können jederzeit via Datei/Importieren/KDE1-Adressbuch in die neue Version eingelesen werden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Umstieg leicht gemacht

Doch dazu müssen Sie das Programm erst einmal mit einem beherzten kab & in einer Terminal-Emulation oder via K-Menü, Dienstprogramme/Adressbuch starten.

Wie arbeitet Kab?

Der Aufbau des Adressbuchs ist relativ einfach. Für jeden neuen Datensatz wird eine Visitenkarte angelegt, in die persönliche oder geschäftliche Daten wie Name, Vorname, Firma, Titel, Geburtstage oder Adresse der Homepage eingetragen werden. Mit den Buttons [|<--],[<--],[-->] und [-->|], die malerisch das Pulldown-Menü mit den Adresseinträgen umrahmen, können Sie beliebig zwischen den einzelnen Visitenkarten hin und her blättern sowie zum ersten oder letzten Eintrag hüpfen.

Ein Klick auf eines der drei Icons neben den Pfeiltasten – und schon erstellen Sie wahlweise einen neuen Eintrag, editieren einen bereits bestehenden oder entfernen einen in Ungnade gefallenen Geschäftspartner via Klick aus Ihrer Datenbank. Die Statuszeile am unteren Ende des Fensters zeigt die Anzahl der Gesamteinträge sowie die laufende Nummer des aktuellen Eintrags an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Kab in voller Pracht

Und nun?

Wer seine Kontakte bislang anderweitig notiert hat, steht nun erstmal vor der zeitraubenden Aufgabe des Eintippens.

Um eine neue Karte mit den Daten Ihrer Freunde, Verwandten, Bekannten und Geschäftspartner anzulegen, öffnen Sie entweder in der Menüleiste mit der Maus das Feld Bearbeiten und klicken dort auf Eintrag hinzufügen, oder Sie merken sich das Tastenkürzel [Strg-A], was auf Dauer gesehen schneller sein dürfte – besonders, wenn Sie eine Menge Freunde zu berücksichtigen haben.

Felder wie Titel, Vorname, Zweiter Name, Name dürften selbsterklärend sein. Mit dem Feld Formatierter Name können Sie den als Namen auf der Visitenkarte angezeigten Text festlegen. Normalerweise setzt das Programm diesen aus den vorher genannten Feldern selbst zusammen. Sollte es dabei Fehler machen oder Sie den Wunsch haben, für eine bestimmte Person vom Standardvorgehen abzuweichen, geben Sie die genaue Schreibweise im Feld Formatierter Name an. Sobald Sie dieses Feld mit Daten füttern, ersetzen diese die normalerweise angezeigte Namenszeile (Abbildung 3).

Da der Trend mittlerweile neben stationärem und Mobil-Telefon mehr und mehr zum Zweit-Telefon und Dritt-Handy geht, spendiert Ihnen Kab für Telefon- und Faxnummern einen Extra-Reiter. Unter Telephon können Sie sich in den Pulldown-Menüs in der Spalte Typ aussuchen, welche Felder Sie benötigen und diese ganz nach Gusto ausfüllen (Abbildung 4).

Abbildung 3: Für jeden die passende Visitenkarte
Abbildung 4: Telefonnummer-Orgien kreiert man lieber selbst

Kab erlaubt es Ihnen, eine Unmenge an Daten für eine Person einzutragen. Nicht immer sind die auch sinnvoll, denn kaum jemand dürfte der Ansicht sein, dass Angaben zur Position, Abteilung oder Firma des Kegelbruders von großer Relevanz sind. Aus diesem Grund zeigt Kab nur die Daten im Visitenkartenfeld an, die Angaben enthalten.

E-Mail- und Talk-Adressen sowie die URL der Homepage tragen Sie separat ein. Klicken Sie dazu auf den Button E-Mail-Adressen... , Talk-Adressen... bzw. URLs..., und ergänzen Sie die betreffenden Daten (Abbildung 5).

Abbildung 5: Wenn's so einfach geht, muss man einfach mailen

Mail mal wieder!

Sobald Sie zu einem Eintrag eine E-Mail-Adresse angegeben haben, ermöglicht Kab es Ihnen, durch Aktivieren des Menüpunkts Bearbeiten/Email schicken (oder der Tastenkombination [Strg-M]) KMail zu starten, wobei E-Mail-Adresse und Name des Empfängers automatisch in die passenden Feldern des Mailprogramms übernommen werden.

Ein ähnlicher Automatismus tritt bei URLs in Kraft. Haben Sie auf der Visitenkarte eine solche vermerkt, so startet ein Klick auf den Menüpunkt Bearbeiten/Browsen (oder die Tastenkombination [Strg-B]) den Konqueror, und Sie können sich direkt ein Bild davon machen, was Ihr Geschäftspartner alles auf seiner Homepage treibt.

Glossar

proprietär

1. herstellerspezifisch; 2. mit undokumentierten bzw. geheim gehaltenen Eigenschaften behaftet und von daher meist nicht zu anderen Systemen kompatibel.

Talk

Direkte, synchrone Verbindung zwischen zwei Benutzern an entfernten Rechnern zum Austausch kurzer textueller Informationen. Um erfolgreich mit einer anderen Person "talken" zu können, benötigt man den konkreten Rechnernamen und die Benutzerkennung der Person auf diesem Rechner. Darüber hinaus muss der angesprochene Benutzer am Rechner eingeloggt sein und den Ruf entgegen nehmen. Aufgrund von Sicherheitslücken in vielen Implementierungen und der Tatsache, dass die Mehrzahl der Benutzer heute nicht mehr auf ununterbrochen ans Internet angeschlossenen Unix-Rechnern, sondern auf Heim-PCs mit wechselnden IP-Adressen arbeitet, hat Talk inzwischen etwas an Bedeutung verloren.

URL

"Uniform Resource Locator", die eindeutige Angabe einer Ressource im Internet. Ein Beispiel: http://www.linux-user.de/.

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