Von manchem Neuling vorschnell zum lästiges Relikt vergangener Computer-Epochen degradiert, lernt sicher mancher noch die Vorzüge einer textbasierten Befehlseingabe (genannt Shell bzw. Terminal) kennen - zumindest wenn die Standard-Installation des Distributors nicht zugleich den eigenen Tellerrand markieren soll. Manches läßt sich hiermit einfach schneller und effektiver nutzen. Und für einiges ist eine Shell sogar notwendig - so z. B. beim Basteln eines neuen Kernels. Und letztlich sind selbst Umgebungen wie KDE2 nicht (wie manche glauben oder vermuten mögen) darum bemüht, die Shell abzuschaffen - vielmehr wird eine sinnvolle Symbiose angestrebt.
Spieglein an der Wand …
Terminalprogramme für die grafische Oberfläche gibt es im Unix-Umfeld zahlreich. Das Standard-Terminal heißt xterm - darüber hinaus existiert für die Nutzer des Window Maker ein spezielles (optisch angepasstes) wterm, und das Terminal des KDE nennt sich konsole. Alle erfüllen den gleichen Zweck bei unterschiedlicher Ausstattung und Optik - aber auch hinsichtlich des Resourcen-Verbrauches sind deutliche Unterschiede auszumachen. Welches Terminal sich nun an Ihrer Seite am besten macht, können letztlich nur Sie beantworten. Fest steht jedenfalls, dass ein Nutzer des Window Maker ebensowenig ein wterm einsetzen muß, wie die KDE-Fraktion ihre konsole - alle Terminals sind auf einem anderen Desktop voll nutzbar.
Zugegeben - die Konsole des KDE2 ist eine schöne Sache. Wer aber über lediglich 64 MB Arbeitsspeicher verfügt - die für KDE2 gerade mal so ausreichen - mag diese Optik sicher nicht mit mehr als 8 MB Speicherverbrauch alleine für die konsole bezahlen. Nutzer des GNOME-Desktops sind da etwas besser beraten: Hier will ein GNOME-Terminal 3,4 MB. Aber selbst das ist deutlich zu viel für einen User, der mehrere textbasierte Programme in einer grafischen Umgebung nutzen möchte - bzw. mit vier oder mehr Konsolen gleichzeitig arbeitet (und auch das fängt man früher oder später an). Nachfolgend eine kleine Tabelle, in der verschiedene Terminal-Programme in dieser Hinsicht verglichen sind:
Speicher Terminal Desktop 8,4 MB konsole KDE2 3,4 MB gnome-terminal GNOME 2,7 MB Eterm Enlightenment 1,8 MB xterm 1,3 MB wterm Window Maker 1,1 MB aterm AfterStep 1,0 MB rxvt
Das Knusperhäuschen
Ein sehr interessantes Terminal ist das aterm - es bietet sehr viel bei zugleich geringem Speicherbedarf. Die aktuelle Version findet sich wie immer auf der Heft-CD, und zukünftige Releases können unter http://aterm.sourceforge.net/ abgeholt werden. Diese Seite gestattet den Blick zurück: So ist das aterm aus dem Code des wterms entstanden, welches wiederum das rxvt zum Vorbild nahm. Die Wahl fiel dennoch auf das aterm, das neben allem Üblichen mit folgendem aufwartet:
- skalierbare Darstellung von Hintergrundgrafiken
- Pseudo-Transparenz (auch einfärbbar)
- vernünftiger Scrollbalken (auf Wunsch auch transparent)
- Fading beim Verlust des Fokus Sicher ist mit dieser Aufzählung noch nicht alles gesagt und erklärt, reicht aber doch hoffentlich um genügend Appetit geweckt zu haben. Installiert ist das aterm recht einfach. Benötigt wird, was ein jedes andere grafische Programm auch voraussetzt: Einen Compiler (z.B. den gcc) inklusive dem zugehörigen Tool make und eine Unterstützung für XPM-Grafiken (xpm4g-dev bzw. libXpm) ist von Nöten - ebenso sollten die Header-Dateien zu X (xdevel) installiert sein. Und all das bringt eine übliche Distribution mit. Danach kann das aterm-Paket für die eigene Distribution und Installation übersetzt werden:
jo@planet ~> tar -xvzf aterm-0.4.0.tar.gz [ … ] jo@planet ~> cd aterm-0.4.0 jo@planet ~/aterm-0.4.0> ./configure --enable-fading --enable-background-image jo@planet ~/aterm-0.4.0> make jo@planet ~/aterm-0.4.0> su - Password: root@planet ~> cd /home/jo/aterm-0.4.0 root@planet /home/jo/aterm-0.4.0> make install root@planet ~> logout
Dem Script configure gab ich hier einige Optionen mit, um z. B. das Darstellen von Hintergrund-Grafiken zu ermöglichen. Es existiert eine große Zahl weiterer Optionen, mittels derer das Terminal schlanker oder eben Umfangreicher zusammengestellt wird - je nach Wunsch. Eine Übersicht findet sich in der Datei README.configure im Paket.



