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Kein trockenes Weißbrot

Distribution aus Frankreich

01.02.2001 Mandrake richtet sich mit seiner Version an die Umsteiger von Windows. Die einfache und grafische Installation führt zu einem System, bei dem KDE als Standard-Desktop eingerichtet wird, so dass das Look'n'Feel dem der alten Desktop-Umgebung bei ersten Start sehr ähnlich ist. Wichtige Dienste werden automatisch gestartet und stehen sofort zur Verfügung.

Installationsvorbereitungen

Um Linux zu installieren kann es notwendig sein, auf der Festplatte Platz zu schaffen, wenn diese ganz mit Windows belegt ist. Mandrake liefert mit der das Programm DiskDrake mit, das diese Funktion übernimmt.

Trotzdem ist es immer gut, wichtige Windows-Dateien vor der Installation zu sichern. Um Linux einigermaßen vernünftig zu betreiben, sollten Sie der Installation mindestens 500 Megabyte einräumen - mehr sind natürlich besser.

Egal, ob Sie die Linux-Installation von der CD oder mit einer Diskette starten wollen: Wichtig ist, dass die Bootreihenfolge ihres Computers richtig eingestellt ist. Um dies zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern, müssen Sie einen Blick ins Bios - das Stammhirn des Rechners - werfen.

Dazu drücken Sie unmittelbar nach einem Neustart des Computer die Taste [Entf] oder die Taste [F2], dann gelangen Sie in die Bios-Einstellungen. Dieses Bios-Menü sieht sehr unterschiedlich aus, so dass an dieser Stelle keine allgemeine Vorgehensweise angegeben werden kann. Verändern Sie aber nur Einstellungen, wenn Sie Erfahrung mit dem Bios haben.

In jedem Fall sicher ist der Weg aus einem anderen Betriebssystem heraus die Installation zu starten. Diesem Weg beschreiben wir weiter unten (Installation aus Windows/DOS starten).

Installation direkt von der CD

Ist ihr Rechner entsprechend eingestellt, legen Sie einfach die CD einlegen. Nach dem Neustart sehen Sie den Begrüßungsbildschirm. Hier können Sie über die Taste [F1] mehr Informationen zur Installation erhalten oder mit der Eingabetaste fortfahren.

Starten mit der Boot-Diskette

Falls Ihr Rechner nicht von CD-ROM booten kann, müssen Sie wie folgt unter Windows eine Boot-Diskette erstellen: Wechseln Sie wieder in das Verzeichnis dosutils und führen einen Doppelklick auf dem rawwritewin-Symbol aus. Legen Sie eine leere Diskette in das Diskettenlaufwerk. Wechseln Sie im unteren Bereich mit dem Auswahlknopf neben dem leeren Feld Image file in das Verzeichnis images auf der CD.

Dort befinden sich fünf Dateien mit der Endung img, wobei rescue.img bei der Installation nicht von Bedeutung ist. Es handelt sich um Image-Dateien, die mit dem Befehl Write byteweise auf einen Datenträger geschrieben werden. Verwenden Sie cdrom.img, wenn Sie von CDROM installieren möchten. Bei einer Installation über das Netzwerk brauchen Sie network.img. Wenn Sie für die Installation PCMCIA-Unterstützung brauchen (beispielsweise auf einem Laptop), sind Sie mit pcmcia.img gut bedient. Die Datei hd.img sollten Sie wählen, wenn Sie die Daten von der CDROM auf eine lokale Festplatte kopiert haben. Klicken Sie den korrekten Laufwerksbuchstaben im Feld Floppy Drive (vermutlich A:) an und starten mit Write.

Wenn auf Ihrem Rechner bereits Linux läuft und Sie sich entschließen, es neu zu installieren, erstellen Sie auf folgendem Weg eine Boot-Diskette erstellen. Im Beispiel gehen wir davon aus, dass das CD-ROM wie unter Mandrake üblich auf /mnt/cdrom gemountet wurde. Wechseln Sie in das Verzeichnis mit den Image-Dateien mit:

bash$ cd /mnt/cdrom/images

Der entsprechende Befehl, um zum Beispiel die Boot-Diskette für die CD-ROM-Installation zu erstellen, lautet dann:

bash$ dd if=cdrom.img of=/dev/fd0

Beginnen Sie die Linux-Installation, indem Sie sowohl die CD als auch die Diskette im Laufwerk lassen und Ihren Rechner neu starten. Im folgenden gehen wir auf eine Installation von der CDROM aus. Die anderen Installationsarten unterscheiden sich nur geringfügig und sind auf der CD dokumentiert.

Installation aus Windows/DOS starten

Unter Windows 95/98 suchen Sie auf der CD das Verzeichnis dosutils und starten dort die Datei autorun.exe. Sollten Sie DOS als Betriebsystem verwenden, dann suchen Sie die Datei autoboot.bat auf der CD im Verzeichnis [CD]:\dosutils\autoboot\.

Erste Schritte

Wie bei den Vorgängern ist bei der 7.2er eine grafische Installation Standard. Die erste Frage ist die nach der Sprache; voreingestellt ist Englisch. Danach wird die Tastatur und die Maus konfiguriert. Bei der Auswahl der Tastatur ist zu beachten, dass immer Deutschland ohne Tod-Tasten gewählt wird. Haben Sie ein Mausrad an Ihrem Nager, wählen Sie besser nicht den vorgeschlagenen PS/2-Treiber, sondern suchen nach Microsoft und wählen hier IntelliMouse aus.

Anschließend müssen Sie angeben, welche Installationsart Sie bevorzugen. Zur Auswahl stehen Automatisch, Benutzdefiniert und Experte sowie eine Auswahl für die Plattform, die Sie haben möchten. Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, den Kernel oder einige Software-Pakete zu übersetzten, wählen Sie Entwicklungsplattform.

Drei-Sterne-Menü

Mandrake hat seine menügeführte Installation verbessert, der Aufbau ist aber gleich geblieben: Auf der linken Seite sehen Sie die einzelnen Punkte der Installation. Vor jedem Punkt visualisiert ein Stern den jeweiligen Status. Ein roter Stern heißt, dass der Punkt noch aussteht. Mit dem gelben Stern wird der Punkt angezeigt, der gerade in Arbeit ist. Die fertigen bekommen grüne Sterne.

Sollten Sie wieder zurückspringen wollen, klicken Sie einfach auf den Stern. Dabei werden die Punkte, die zwischen Ihrem augenblicklichen Stand der Installation und dem zurückliegenden Punkt liegen, weiterhin grün bleiben. Das bedeutet, dass sich die Werte, die Sie dort eingetragen haben, nicht ändern.

Newbie oder Experte

Der Weg über die Experten-Installation ist der einzige, um an das Reiser-Filesystem heran zu kommen. Ansonsten wird automatisch das ext2-System ausgewählt. Das Reiser-Dateisystem ermöglicht durch genaues Protokollieren der offenen Dateien ein schnelleres Wiederherstellen nach einem unerwarteten Absturz.

Thema Sicherheit

Immer noch nicht richtig online-dokumentiert sind die verschiedenen "Sicherheitsstufen", die sich während der Installation einstellen lassen. Die Online-Hilfe verweist aber auf das gedruckte Handbuch. Dieses lag uns beim Test leider nicht vor. Die verschiedenen Abstufungen reichen von "Cracker-Spielplatz bis Paranoid", wobei letzteres ausdrücklich nur für den Server-Betrieb geeignet ist. Hier empfiehlt es sich die Stufe "Mittel" auszuwählen, so werden Sie nicht allzu sehr behindert, Ihr Rechner steht aber nicht wie ein offenes Scheunentor da.

man72installmode.png

Angepasste Installationsarten in der Auswahl.

Die Option "Wechselmedien automatisch einhängen" wirkt auf den ersten Blick verlockend, sparen Sie sich jedoch das lästige "mount /dev/[Device] /mnt/cdrom" beispielsweise. Aber andererseits wird Ihnen unter KDE ständig der File-Manager kfm geöffnet, sobald die CD im Laufwerk liegt. Hier muß jeder selber wissen, welches für ihn die günstigste Variante ist.

Partitionierung

man72autopart.png

Partitionieren mit einer grafischen Oberfläche.

Die automatische Partitionierung führte dazu, dass 10 Megabyte für /boot einräumt, / (dem Root-Verzeichnis) um die 250 Megabyte und den Rest der Platte in /home und /usr aufgeteilt wurden. Wie bereits erwähnt, bietet Mandrake hier das Tool DiskDrake an, mit dem sich bestehende Windows-Partitionen verkleinern lassen.

Die Qual der Wahl

Nach der Partitionierung der Festplatte können Sie eine Vorauswahl an Pakten treffen. Ein Menü bietet Ihnen verschiedene Punkte, bzw. Sterne mit der Bezeichnung KDE, Gnome oder Communication Facilities an. Über einen zusätzliche Schalter läßt sich die individuelle Auswahl aktivieren. Anschließend wählen Sie jedes einzelne Paket direkt an oder ab.

Verwirrend ist nachwievor der Ansatz, die Paketmengen in Prozent anzugeben, wenn die Menge den verfügbaren Plattenplatz übersteigt. Es wird einfach nicht ganz klar, was genau aus der Auswahl verschwindet, wenn Sie als Benutzer sagen, dass Sie nur 30 Prozent der Pakete installieren wollen. Deshalb ist es in einem solchen Fall immer sinnvoll, die Option Individuelle Paketauswahl zu aktivieren, um die Auswahl noch einmal zu kontrollieren.

man72percent_select.png

Verwirrend die Angabe in Prozent.

Nachdem Sie alles ausgewählt und alle Abhängigkeiten erfüllt haben, drücken Sie einmal beherzt auf Install und los geht es: Je nach Auswahl und Rechnergeschwindigkeit können Sie sich nun anderen Dingen widmen. Bei einem Pentium-II mit 233 MHz und 98 MByte RAM dauerte die Installation aller Pakete von zwei CDs rund eineinhalb Stunden. Dafür waren aber auch anschließend rund 2,8 Gigabyte an Daten auf der Platte.

Netzwerk

Kein Linux-Rechner ohne Netzwerk. Mittlerweile ist ja das analoge Modem schon fast out. ISDN und neuerdings auch DSL bieten den Anwendern große Bandbreiten zu einigermaßen moderaten Preisen. Trotzdem ist die Modemkonfiguration während der Installation immer noch Standard.

Ein angeschlossenes Modem wurde gefunden, aber leider gibt es keine Provider-Datenbank. Da könnten die Mandrake-Leute den Benutzern immer noch einen kleinen Gefallen tun. So müssen Telefonnummer, Benutzerkennung und Passwort sowie der DNS-Server von Hand eingegeben werden.

Das klassische Netzwerk, sprich ein LAN, kann während der Installation gleich mitkonfiguriert werden. Rechnername und eine IP-Adresse sind schnell eingegeben. In unserem Testrechner wurde die Netzwerkkarte nicht automatisch erkannt. Sie war aber in einem Auswahlmenü, dass dem Anwender angeboten wird aufgelistet und ließ sich so einfach installieren.

Dienste starten

Soll auf einen NFS-Server zugegriffen und NIS-Dienste genutzt werden, dann lassen sich die Dienste als nächstes starten. NFS bedeutet übrigens Network File System. NIS steht für Network Information Services und war früher unter dem Namen Yellow Pages bekannt. Wie in den Gelben Seiten kann man auch beim NIS "nachlesen", wer sich im Netzwerk anmelden darf. Diese Daten werden ebenfalls zentral auf einem Rechner verwaltet. Das hat den Vorteil, dass nicht jedesmal, wenn ein neuer Benutzer hinzugefügt wird oder ein alter entfernt, auf allen Rechner im Netz die Daten geändert werden müssen.

man72services.png

Auswahl der zu startenden Dienste.

Linux macht Druck

Das altbewährte LPR-System bekommt Konkurrenz: Auf der neuen Linux-Distribution aus dem Hause Mandrake wird als Alternative dazu das CUPS-System angeboten. CUPS ist die Abkürzung für Common Unix Printer System. Es bietet dem Benutzer eine besser Steuerung der Druckqualität.

Root-Passwort

Als nächstes ist das Root-Passwort gefragt. Da es den Zugang zu allen wichtigen Teilen des Systems gewährt und dort bei unsachgemäßem Handeln viel Schaden entstehen kann, sollte es gut gewählt und nicht an Unbefugte weiter gegeben werden. In der Regel speichern Linux-Systeme aber nicht mehr als die ersten acht Buchstaben, so dass es auch nicht zu kompliziert wird.

Danach werden die normalen Benutzer-Accounts eingerichtet. Auch wenn Sie den Rechner alleine benutzen, sollten Sie sich hier einen anlegen lassen, wegen der obengenannten Gefahren. Sie können in der letzten Spalte noch ein Merkmal eingeben für den jeweiligen Benutzer, beispielsweise Krawatte. Je nach dem was Sie an dieser Stelle ausgewählt haben, wird Ihrem Benutzernamen später beim grafischen Login ein kleines Pinguin-Icon zugeordnet.

Eine Startdiskette empfiehlt sich in jedem Fall, wenn Sie auf dem Rechner parallel Windows betreiben wollen. Das Redmonder Betriebssystem geht relativ unsanft mit dem Bootloader um und löscht diesen einfach. Danach können Sie Linux nur über die Diskette starten, um den Bootloader neu einzurichten.

LILO oder Grub

Bei den Bootloadern selber haben Sie die Wahl zwischen Grub und LILO. Letzterer ist der traditionelle Betriebssystem-Starter. Er ist einfach aufgebaut, seine Konfiguration ist einfach zu editieren und er hat sich in der Vergangenheit bewährt.

Er bietet nur eine schmucklose Kommandozeile beim Start, wobei Sie durch einen Druck auf die [Tab]-Taste die verschiedenen Labels ansehen können. Geben Sie einen der erscheinenden Namen ein und drücken anschließend die [Enter]-Taste, startet LILO das entsprechende System. Grub kommt ein bißchen komfortabler daher: Er hat ein Auswahl-Menü. Ansonsten sollte er aber die gleiche Funktionalität aufweisen, wie der LILO.

X-Konfiguration

Die richtige Konfiguration des X-Servers gehört unter Linux zu den schwierigeren Disziplinen. Sie können wählen zwischen der alten Version 3.3.6 und XFree86 4.0.1, wobei Sie sich vorher informieren sollten, welcher X-Server Ihre Grafikkarte unterstützt. In der Regel sollte die Karte aber bei neueren Modellen automatisch erkannt werden und so der richtige Server installiert werden. Bei der Version 4.0.1 gibt es nur noch ein einziges Binary, das aber noch nicht alle Karten unterstützt. Die gängigen Modelle funktionieren aber in jedem Fall.

"Are you ready to boot under Linux?"

Mit Mandrake 7.1 haben Sie die Möglichkeit, Linux unter Windows zu testen: Mit Hilfe der oben beschriebenen Option Linux for Windows installation legt das Programm auf ihrer Windows-Partition zwei Dateien an, in die die Linux-Installation hineingeschrieben wird. Die eine Datei ist für das Root-Dateisystem bestimmt; die andere für den Swap-Bereich.

Im Prinzip läuft die eigentliche Installation genauso ab, wie bei einer Installation in eine eigene Partition, allerdings sehr viel langsamer. Sie bringt aber die gleich Funktionalität, wie eine reine Linux-Installation. Sollte die Windows-Partition zu klein sein, um Linux in zwei Dateien zu installieren, dann wird automatisch der DiskDrake aufgerufen, um mehr Platz zu schaffen.

Nach der Installation finden Sie zwei zusätzliche Verzeichnisse auf ihrer Festplatte: Das eine heißt lnx4win und das andere Mandrake. Im ersten legt die Installationsroutine die beiden Dateien ab, die die Linux-Installation beinhalten. Außerdem finden Sie dort auch ein Skript mit dem Namen Uninstall, das die Linux für Windows Installation wieder problemlos löscht. Aber wer will das schon… .

Fazit

Mandrake hat sich Mühe gegeben, die Installation einfach, aber nicht anspruchslos zu gestalten. Das ist gelungen. Auch ein wenig bedarfter Anwender findet sich hier gut zurecht und dem erfahrenen User macht es einige Arbeitsschritte, wie die Partitionierung, sehr einfach. Die Menüschritte sind logisch aufeinander aufgebaut und lassen sich gut wieder rückgängig machen, wenn man mit der Konfiguration nicht zufrieden ist. Nach der Installation haben Sie ein System auf der Platte, dass sowohl für den ganz normalen Computer-Arbeitsalltag als auch für die Entwicklung geeignet ist.

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