01.01.2001
Linux hat den Schritt gemacht, der das System auf den Desktop bringt. Die wichtigsten Features der modernen Windows-PCs sind somit unter Linux verfügbar. Ob USB oder Hardware-beschleunigte 3D-Darstellung – das ständige Booten des "anderen" Systems, nur um mal kurz ein Spiel zu spielen oder die Bilder aus der Digital-Kamera via USB auszulesen, hat endlich ein Ende.

Komponenten für den Linux-PCRuns with Linux

Grafik-Power

Beschleunigte Grafik mit OpenGL-Support ist in XFree86 4.0 integriert, so dass selbst unerfahrene User ohne das Patchen der Sourcen und Neukompilieren in den Genuss von 3D unter Linux kommen. Ob NVidias Flaggschiff GeForce2, Matrox' G400-Reihe, ATI oder Voodoo-Karten: Treiber für diese Chipsätze werden bei der Standard-Installation der neusten Distributionen von SuSE, Red Hat oder Mandrake mit installiert.

NVidia geht dabei einen eigenen Weg und bietet Closed-Source-Treiber an, die dem ambitionierten Spieler kaum Wünsche unerfüllt lassen. Eine Anleitung zur Installation ist im Paket enthalten. Wem das zu kompliziert ist, der kann mit den standardmäßigen NVidia-Treibern aus XFree 4.0.1 vorlieb nehmen, muss dann jedoch auf optimale Performance verzichten. Zu beachten ist jedoch, dass diese Treiber nicht mit Karten zusammenarbeiten, die auf den NV1- oder 128/128ZX-Chipsätzen aufsetzen. Für diese älteren Chips gibt es aber quelloffene Treiber (siehe Tabelle 1 im vorherigen Artikel). 3dfx, ATI und Matrox sind von vornherein entgegenkommend und haben die Entwickler mit den nötigen Informationen versorgt, um ihre Karten ohne Umwege vollständig unter Linux zu unterstützen. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass viele ältere Grafikkarten mit dem neuen X-Server nicht mehr funktionieren.

Die Voodoo-Grafikkarten haben den Vorteil, dass sie auch unter XFree 3.3.6 Nutzen aus den beschleunigten Chips gewinnen (3D gibt's aber nur im Fullscreen-Modus). Die quelloffene Glide-Bibliothek – der Basistreiber für Voodoo-Chips – ist zwar schon etwas älter, aber dafür gut ausgereift. Betrachtet man nur die Leistung, so stünden Grafikkarten mit NVidia-Chips hoch im Kurs. Allerdings lässt die Stabilität des proprietären Treibers noch sehr zu wünschen übrig: Wer mal eben nur ein 3D-Spielchen wagen möchte, wird davon vermutlich unberührt bleiben, aber bei professionellen 3D-Anwendungen bleibt der X-Server gerne mal stehen – insbesondere wenn parallel ein I/O-intensiver Prozess läuft. Wer sich dennoch für eine NVidia-basierte Grafikkarte entscheiden möchte, sollte einen Blick auf die GeForce256-Varianten werfen, da diese zur Zeit wohl das beste Preis-Leistung-Verhältnis haben. Es muss nicht immer das Top-Modell sein!

Für die Matrox G400-Dual-Head-Version, die es ermöglicht, zwei Monitore an eine Grafikkarte anzuschließen, und damit den Desktop praktisch verdoppelt, wird ein Treiber angeboten (siehe Tabelle 1). Selbstverständlich handelt es sich hierbei um einen Treiber, der 3D-Beschleunigung mitbringt (allerdings nur im Single-Head-Betrieb).

Noch nicht allzulange gibt es 3D-Support für ATI-RageFury-Grafikkarten mit Rage 128 bzw. Rage 128 Pro Chips. Deshalb sind bei professionellen Anwendungen Darstellungsfehler an der Tagesordnung. Bei 3D-Spielen sind diese Karten in der Regel ausreichend schnell und erreichen etwa das Leistungsniveau von Voodoo- und Matrox-Chips.

Für ATIs Flaggschiff Radeon gibt es seit kurzem vom X-Server-Spezialisten Xi-Graphics eine Alphatest-Version eines X-Servers mit schneller 3D-Architektur (X Direct Access, kurz XDA) die ähnlich funktioniert wie die Direct Rendering Infrastructure (DRI) von XFree86-4.0.

Im kommenden Kernel 2.4 wird übrigens AGP-Support eine feste Größe sein – allerdings gibt es einen Backport-Patch für Kernel 2.2, den alle Mainstream-Distributoren in ihren Kernel übernommen haben. Man sollte nur von AGP nicht allzuviel erwarten, denn die meisten Spiele nutzen die heutzutage üblichen 32 Megabyte Grafikspeicher kaum aus, so dass Zugriffe per AGP auf Texturen im Hauptspeicher gar nicht erst nötig sind. Bei wissenschaftlichen/professionellen Anwendungen kann das natürlich anders aussehen. Kleiner Tip noch für Besitzer eines Athlon-Mainboards mit VIA-KT133-Chipsatz: Falls sich das agpgart-Modul nicht laden lässt, kann der Eintrag

options agpgart agp_try_unsupported=1

in /etc/conf.modules bzw. /etc/modules.conf wahre Wunder bewirken.

3D-Power für den Pinguin: Für fast alle aktuellen Grafikkarten gibt es Leistungsfähige Treiber. Besonders schnell sind Nvidia-Chips, aber leider nicht sonderlich stabil: Der Voodoo-Treiber ist wesentlich robuster

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • 3D-Grafik unter X: Die Konfiguration
    Nachdem der vorhergehende Artikel "Die dritte Dimension" einen Blick hinter die Kulissen geliefert hat, wollen wir nun zeigen, wie Sie selbst die 3D-Unterstützung Ihrer Grafikkarte unter Linux aktivieren können.
  • 3D-Power unter Linux
    Die Auswahl an Spielen für Linux ist mittlerweile groß. Ob First-Person-Shooter oder Märchenabenteuer – die ganze Bandbreite wird abgedeckt. Aber die volle Pracht entfalten heutige 3D-Spiele nur, wenn sie auf "der richtigen" Hardware laufen.
  • 3D-Grafik – Die Grundlagen
    Das Genre der 3D-Spiele boomt in der Windows-Welt in letzter Zeit gewaltig. Damit auch unter Linux die 3D-Frame-Raten in die Höhe schnellen, benötigt man spezielle 3D-Treiber, die das Optimum aus der eingebauten Grafikkarte herausholen.
  • 3D-Grafik unter X: Die Grundlagen
    Langsam etabliert sich Linux auch im Heimbereich. Dort darf eine Unterstützung von 3D-Grafikkarten selbstverständlich nicht fehlen. Wir zeigen, wie unter Linux die virtuellen Welten auf den Bildschirm gelangen.
  • Linuxtaugliche Hardware-Komponenten
    "Treiber oder nicht Treiber?", das ist hier die Frage des Linux-Einsteigers, wenn er einen Rechner mit dem freien Betriebssystem beglücken möchte. Die Treiberabdeckung für PC-Komponenten ist zwar inzwischen sehr ansehnlich, aber ein Stück Hardware einfach blind zu kaufen kann zu großem Verdruss führen. Dem kann man aber vorbeugen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...