Komponenten für den Linux-PCRuns with Linux
Grafik-Power
Beschleunigte Grafik mit OpenGL-Support ist in XFree86 4.0 integriert, so dass selbst unerfahrene User ohne das Patchen der Sourcen und Neukompilieren in den Genuss von 3D unter Linux kommen. Ob NVidias Flaggschiff GeForce2, Matrox' G400-Reihe, ATI oder Voodoo-Karten: Treiber für diese Chipsätze werden bei der Standard-Installation der neusten Distributionen von SuSE, Red Hat oder Mandrake mit installiert.
NVidia geht dabei einen eigenen Weg und bietet Closed-Source-Treiber an, die dem ambitionierten Spieler kaum Wünsche unerfüllt lassen. Eine Anleitung zur Installation ist im Paket enthalten. Wem das zu kompliziert ist, der kann mit den standardmäßigen NVidia-Treibern aus XFree 4.0.1 vorlieb nehmen, muss dann jedoch auf optimale Performance verzichten. Zu beachten ist jedoch, dass diese Treiber nicht mit Karten zusammenarbeiten, die auf den NV1- oder 128/128ZX-Chipsätzen aufsetzen. Für diese älteren Chips gibt es aber quelloffene Treiber (siehe Tabelle 1 im vorherigen Artikel). 3dfx, ATI und Matrox sind von vornherein entgegenkommend und haben die Entwickler mit den nötigen Informationen versorgt, um ihre Karten ohne Umwege vollständig unter Linux zu unterstützen. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass viele ältere Grafikkarten mit dem neuen X-Server nicht mehr funktionieren.
Die Voodoo-Grafikkarten haben den Vorteil, dass sie auch unter XFree 3.3.6 Nutzen aus den beschleunigten Chips gewinnen (3D gibt's aber nur im Fullscreen-Modus). Die quelloffene Glide-Bibliothek – der Basistreiber für Voodoo-Chips – ist zwar schon etwas älter, aber dafür gut ausgereift. Betrachtet man nur die Leistung, so stünden Grafikkarten mit NVidia-Chips hoch im Kurs. Allerdings lässt die Stabilität des proprietären Treibers noch sehr zu wünschen übrig: Wer mal eben nur ein 3D-Spielchen wagen möchte, wird davon vermutlich unberührt bleiben, aber bei professionellen 3D-Anwendungen bleibt der X-Server gerne mal stehen – insbesondere wenn parallel ein I/O-intensiver Prozess läuft. Wer sich dennoch für eine NVidia-basierte Grafikkarte entscheiden möchte, sollte einen Blick auf die GeForce256-Varianten werfen, da diese zur Zeit wohl das beste Preis-Leistung-Verhältnis haben. Es muss nicht immer das Top-Modell sein!
Für die Matrox G400-Dual-Head-Version, die es ermöglicht, zwei Monitore an eine Grafikkarte anzuschließen, und damit den Desktop praktisch verdoppelt, wird ein Treiber angeboten (siehe Tabelle 1). Selbstverständlich handelt es sich hierbei um einen Treiber, der 3D-Beschleunigung mitbringt (allerdings nur im Single-Head-Betrieb).
Noch nicht allzulange gibt es 3D-Support für ATI-RageFury-Grafikkarten mit Rage 128 bzw. Rage 128 Pro Chips. Deshalb sind bei professionellen Anwendungen Darstellungsfehler an der Tagesordnung. Bei 3D-Spielen sind diese Karten in der Regel ausreichend schnell und erreichen etwa das Leistungsniveau von Voodoo- und Matrox-Chips.
Für ATIs Flaggschiff Radeon gibt es seit kurzem vom X-Server-Spezialisten Xi-Graphics eine Alphatest-Version eines X-Servers mit schneller 3D-Architektur (X Direct Access, kurz XDA) die ähnlich funktioniert wie die Direct Rendering Infrastructure (DRI) von XFree86-4.0.
Im kommenden Kernel 2.4 wird übrigens AGP-Support eine feste Größe sein – allerdings gibt es einen Backport-Patch für Kernel 2.2, den alle Mainstream-Distributoren in ihren Kernel übernommen haben. Man sollte nur von AGP nicht allzuviel erwarten, denn die meisten Spiele nutzen die heutzutage üblichen 32 Megabyte Grafikspeicher kaum aus, so dass Zugriffe per AGP auf Texturen im Hauptspeicher gar nicht erst nötig sind. Bei wissenschaftlichen/professionellen Anwendungen kann das natürlich anders aussehen. Kleiner Tip noch für Besitzer eines Athlon-Mainboards mit VIA-KT133-Chipsatz: Falls sich das agpgart-Modul nicht laden lässt, kann der Eintrag
options agpgart agp_try_unsupported=1
in /etc/conf.modules bzw. /etc/modules.conf wahre Wunder bewirken.



