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01.01.2001
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Parallel zum Schwerpunkt "perfekter Linux-PC" hat unsere Schwesterzeitschrift Linux-Magazin einen Notebook-Vergleichstest durchgeführt. Den Testsieger, das Acer TravelMate 737TLV, haben wir uns noch ein mal näher angesehen und die Red Hat-Distribution der aktuellen Heft-CD installiert.

Notebook-Test, Linux-Magazin 01/2001Portabler Testsieger

Notebook einschalten, Heft-CD einlegen, und Red Hats Installationsprozedur zusehen: Alle Komponenten werden auf Anhieb erkannt; nur der Grafikkartenspeicher verschließt sich und muss von Hand angegeben werden.

Aus Faulheit greifen wir zu Red Hats automatischer Workstation-Installation, bei der die Festplatte gelöscht und vom Installationsprogramm partitioniert wird. Dabei geht zwar kurz die Platte in Ruhestellung, so dass wir schon an einen Systemabsturz glauben, doch kurz darauf geht es weiter.

Nach ca. 20 Minuten sind alle Pakete auf der Platte, und im Anschluss an einen Reboot begrüßt uns KDE's Login-Manager: so weit alles klar. Ach ja, vor dem Login stand noch ein kurzer Dialog mit Red Hats Hardware-Erkennungssystem kudzu, das die integrierte PCI-Soundkarte erkannte und korrekt einrichtete.

Nachdem die KDE-2-Pakete von der letzten Heft-CD vielen Lesern Probleme bereitet haben, haben wir noch einmal ein Blick auf den FTP-Server des KDE-Projektes geworfen (ftp://ftp.de.kde.org), und siehe da: Die rpm-Pakete für Red Hat Linux 7.0 sind ausgetauscht worden. Auf der Heft-CD finden Sie nun die aktualisierten Pakete, damit Sie Red Hat 7.0 auf KDE 2.0 "aufrüsten" können.

Test-Ergebnisse

Das Acer-Notebook gehört in die Kategorie der High-End-Geräte, die einen Desktop-PC vollständig ersetzen. Dazu gehören auch zwei große Lautsprecher, die wir bei genauem Hinhören unter dem "Buckel" des Display-Deckels orteten. Damit beschallt das TravelMate sein Gegenüber recht ordentlich und ist deshalb für kleine Präsentationen bestens geeignet. Ein gutes Feature auf der einen, aber der Wermutstropfen auf der anderen Seite ist der TV-Ausgang des Acer. Er ist als S-VHS-Buchse ausgeführt; nur ließ sich der Anschluss unter Linux nicht aktivieren und muss daher als einzige Hardware-Komponente mit "unsupported" bewertet werden.

Das Design ist recht eigenwillig, insbesondere der erwähnte Buckel auf der Rückseite des 15-Zoll-Displays ist ein markantes Erkennungszeichen. Das Diskettenlaufwerk ist in diesem Gerät fest eingebaut, während das 8x-DVD-ROM-Laufwerk in einem Laufwerksschacht sitzt und zum Beispiel gegen einen Zweitakku, eine weitere Festplatte oder ein CD-ROM ausgetauscht werden kann. Externe Laufwerke sind bei diesem Modell nicht vorgesehen.

Heiße Luft

Interessant ist auch die Kühltechnik. Ein Teil des Luftstroms wird an der linken unteren Seite des Magnesium-Gehäuses herausgeleitet und erwärmt die Unterlage ganz ordentlich, also im Zweifelsfall die Oberschenkel. Der weitaus größte Teil der Abwärme wird über Lüftungsschlitze unterhalb des Display-Scharniers abgeführt und steigt vor bzw. hinter dem Display-Deckel nach oben auf.

Auch die Tastatur ist beheizt, wenn auch hauptsächlich in der linken hinteren Ecke. Sie verfügt über einen abgesetzten Cursor-Block, hat aber leider keine separaten Tasten für [Pos1] und [Ende]; sie sind nur zusammen mit [Fn] über die Bildlauf-Tasten zu erreichen. Als Mausersatz findet beim Acer TravelMate ein berührungsempfindliches Touchpad mit vier Tasten Verwendung. Als IntelliMouse eingerichtet (IMPS/2) vollführt die Maus aber mitunter heftige Sprünge, so dass wir wieder zur PS/2-Emulation mit zwei Tasten zurückkehrten und die als Mausrad vorgesehene Tasten-Wippe ungenutzt bliebt.

IRDA

Der Infrarot-Anschluss ist praktischerweise an der Seite angebracht. Er ließ sich unter Linux nach geeignerter Konfiguration des Kernels (Aktivieren von CONFIG_SERIAL_DETECT) und Neukompilieren problemlos einrichten und sorgte zusammen mit einem Nokia 6210 für unser erstes mobiles Internet-Erlebnis. Die verwendete Konfigurationsdatei /etc/irda/drivers sowie die Kernel-Konfiguration für den SuSE-Standard-Kernel finden Sie auf dem FTP-Server des Linux-Magazins.

Konservative Ausstattung

Die Hardware-Ausstattung ist ansonsten eher konservativ: Die eingebaute ATI Rage Mobility mit 8MB ist auch bei anderen Notebook-Herstellern ziemlich beliebt und ließ sich mit YaST2 genauso problemlos einrichten wie die Soundkarte ESS-1969 Solo-1. Bei letzterer sollte man vorher die Lautstärke am Drehrad herunterregeln – das interne Mikrofon ist den Lautsprechern recht nahe und produzierte bei lauten Einstellungen fleißig Rückkopplungen.

Genau wie Compaq hat Acer im TravelMate 737TLV sowohl eine Ethernet-Karte mit Intel Ethernet Pro 100 als auch ein Lucent LT WinModem verbaut, beides auf einer Steckkarte (Abbildung 1). Während die Ethernet-Karte automatisch eingerichtet wurde, ist für das WinModem etwas Handarbeit nötig.

Abbildung 1: Die Rückseite des TravelMate 737TLV.

Quick out

Die 17 GByte große Festplatte sitzt hinter der Abdeckung in der Mitte der Vorderseite und lässt sich durch Lösen einer Schraube herausziehen. Der Festplattenschacht verträgt nur Platten bis 12 mm Höhe; kleinere Modelle müssen aber im Halterahmen seitlich verschraubt werden. Für eine Verschraubung von unten ist der Schacht leider zu klein, was man aber erst bemerkt, wenn die Festplatte schon verklemmt ist.

Geheimnisvolle Tasten

Eine Kuriosität fanden wir noch bei der Tastatur: Als wir mit [Strg-Alt-F4] von der X-Oberfläche zur Textkonsole wechseln wollten, piepte der Rechner einmal und der Bildschirm wurde dunkel. Zufällig sahen wir, dass nach einigen Sekunden das Zz-Symbol aufleuchtete – das TravelMate war eindeutig eingeschlafen!

Des Rätsels Lösung fanden wir bei ebenfalls vom Linux-Magazin getesteten Toshiba-Notebooks: Dort kann man im BIOS einstellen, ob eine Emulation der Funktionstaste [Fn] auch auf externen Tastaturen verfügbar sein soll, sie wird dann meist durch die Kombination [Strg-Alt] erreicht. Beim Acer TravelMate wird die Sleep-Funtion mit [Fn-F4] aktiviert, so dass wir das Gerät durch die im BIOS nicht abschaltbare Funtionstasten-Emulation in den Ruhemodus versetzten anstatt auf Konsole 4 zu landen. Der Workaround ist so einfach wie naheliegend: Mit [Strg-Alt-F4],[Strg-Alt-F4] landet man schließlich dort, wo man hin möchte.

Gefährliche Situationen können durch Verwendung von [Strg-Alt] eigentlich nicht auftreten, da lediglich die Tasten [F1],[F2],[F4] und [F5] betroffen sind. Vielleicht hat Acer ja ein Einsehen mit den Linux-Anwendern und baut in das nächste BIOS-Update eine Abschaltmöglichkeit für die externe [Fn]-Emulation ein.

Fazit

Auch wenn es heißt, dass die letzten die ersten sein werden, das Acer TravelMate 737TLV war nicht das erstbeste, sondern das Gerät, das im Linux-Magazin-Vergleichstest am besten funktionierte. Vom S-VHS-Ausgang und den Problemen mit dem IMPS/2-Maus-Protokoll abgesehen war das TravelMate völlig unproblematisch in Betrieb zu nehmen, für sämtliche Hardware gibt es bereits Linux-Treiber.

Das praktische Lautstärkerad, die pfiffige Wärmeabführung und nicht zuletzt der niedrigste Lärmpegel haben uns zu dieser Wertung bewogen. Es ist ein Jammer, dass Acer die Chance nicht beim Schopf ergreift und das TravelMate mit vorinstalliertem Linux anbietet – für uns ist es das optimale Linux-Notebook.

Acer TravelMate 737TLV

(+) Hardware out of the box unterstützt
(+) sehr leise
(+) großes Display
(-) TV-Ausgang nicht aktiviert
(-) CardBus-Slots zu heiß

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