Multimedia unter Linux? Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Die Domäne von Unix war stets der Server-Bereich, und dort reicht es, wenn der Rechner einen Ein-/Ausgabe-Port hat: den Netzwerkanschluss. Aber in letzter Zeit hat sich viel getan, und vor allem durch die Popularität von Linux im Privatbereich ist ein großer Markt entstanden – der leider noch nicht von allen Hardware-Unternehmen erkannt wurde. Gerade deshalb empfiehlt es sich derzeit noch, sich vor dem Kauf von neuer Hardware erst zu informieren, ob das gewünschte Gerät auch unter Linux funktionieren wird, denn sonst kann man böse Überraschungen erleben, wie sie leider auch bei unserem Test nicht ausblieben. Näheres zur aktuellen USB-Treiberunterstützung unter Linux finden Sie auch unter http://www.qbik.ch/usb/devices/ und unter http://www.geocrawler.com/lists/3/SourceForge/4563/0/.
USB-Lautsprecher unter Linux
Unter Linux gibt es ein Kernel-Modul, welches für die Einbindung von USB-Lautsprecher zuständig ist (audio.o). Die USB-Sound-Ausgabe fügt sich nahtlos in die bestehende Sammlung der Sound-Karten-Treiber ein. Deshalb wird auch das Modul soundcore benötigt (welches durch modprobe automatisch geladen wird). Der Vorteil dieser Treiberlösung ist, dass die Anwendungsprogramme sich normalerweise um nichts weiter kümmern müssen. Alle Mixer, Abspielprogramme oder sonstigen Krachmacher funktionieren sofort nach Laden des Modules. Dieses ist auch beim USB-Backport-Patch für Kernel 2.2 enthalten und läuft dort stabil – so sollte bei allen Mainstream-Distributionen (wie etwa bei der im Test verwendeten SuSE 7.0) ein modprobe audio ausreichen, um die Lautsprecher uneingeschränkt benutzen zu können. Damit dies bei Bedarf automatisch geschieht, muss man noch folgende Zeilen in der Datei /etc/modules.conf ergänzen:
alias char-major-14 soundcore alias char-major-116 snd alias sound-slot-0 snd-card-0 alias snd-card-0 audio
Achten Sie darauf, dass in keiner anderen Zeile char-major-14 steht. Kommentieren Sie diese ggf. einfach mit Voranstellen von # aus.
Philips DSS 330
Packt man dieses Subwoofer-Satelliten-System aus, prahlt ein großes Logo: 600 Watt PMPO (Peak Maximum Power Output). Wenn man sich die Anleitung genauer ansieht stellt man fest, dass gerade mal 50 Watt übrig bleiben: 25 für den Subwoofer und 12,5 je Satellit – das ist absolut genug für fast jeden normalen Anwendungsfall, zeigt aber wieder, welchen Einfluss Marketing-Leute haben und wie ernst große Zahlen zu nehmen sind. Im Gegensatz zu den weiter unten vorgestellten Yamaha-Boxen ist hier der Line-In-Eingang nicht geregelt: Das eingehende Signal wird also stets maximal verstärkt. Wer versucht, ein Gerät im laufenden Betrieb einzustecken, riskiert gar, die Lautsprecher zu beschädigen. Ein weiterer unschöner Nebeneffekt ist, dass die Boxen deshalb leicht rauschen. Dies merken aber ohnehin nur die Besitzer von flüsterleisen Rechnern. Die einzige Einstellmöglichkeit am Gerät ist die Subwoofer-Lautstärke. Die Kabelfernbedienung erscheint unter Linux als Tastatur mit nur zwei Tasten: lauter und leiser. Sie wird genauso konfiguriert wie die in LinuxUser 11/2000 vorgestellte Microsoft-Tastatur. Die restlichen Knöpfe – "Power" und "Surround" – sind fest verdrahtet und funktionieren ohne weitere Software-Hilfsmittel. Unter Linux lassen sich neben der Lautstärke auch Balance, Höhen und Tiefen einstellen.
Teac PowerMax Traveller
Dieses mit USB-Logo beworbene Produkt hat sehr zur Erheiterung des Testers beigetragen: Zwar gibt es ein USB-Kabel, das vom Computer zum Endgerät führt, aber an dessen Ende gipfelt das Verbindungsstück in einem zweipoligen Stecker für die 5-Volt-Stromversorgung. Das heißt also, diese Lautsprecher missbrauchen den USB-Anschluss lediglich als Ersatz für ein (wohl zu teures) Steckernetzteil – der Sound muss über eine konventionelle Sound-Karte und passenden Analog-Audiokabel zu den Boxen geführt werden. Beim Einstecken in den USB-Anschluss wird dementsprechend auch kein neues Gerät gefunden – wie auch? Allerdings überwacht der USB-Controller den Stromverbrauch und schaltet gegebenenfalls ab. Das USB-Logo auf der Verpackung ist dementsprechend "leicht" irreführend – erst aus der seitlich aufgedruckten Produktbeschreibung geht hervor, dass diese Boxen keine USB-Geräte im eigentlichen Sinne sind. Selbstredend funktionierte der Krachmacher mit Linux und passender Sound-Karte problemlos



