K-splitter

Aus LinuxUser 01/2001

K-splitter

Melodisch

Wer sagt, dass Klatsch und Tratsch in einer Linux-Zeitschrift keinen Platz haben? K-splitter plaudert Monat für Monat aus dem KDE-Nähkästchen, posaunt Neuigkeiten aus der K-Welt aus und schaut hin und wieder neugierig hinter die Kulissen.

Play it again….

Neben vielen optischen Verschönerungen, zusätzlichen Konfigurationsmöglichkeiten und einer ganzen Reihe von Programmen wie beispielsweise Koffice ist die Multimedia-Architektur eine der wirklich fetten Neuerungen von KDE 2. Sie basiert auf aRts (“Analog Realtime Synthesizer”), einem analogen Echtzeit-Synthesizer. Der erlaubt es Ihnen, mehrere Audio- oder Video-Datenströme gleichzeitig abzuspielen, sowohl auf dem Desktop als auch über’s Netzwerk.

Aber wo viel Licht, ist stets auch Schatten oder – im Falle von aRts – wohl eher Schweigen. Vielleicht hat es der Eine oder Andere von Ihnen schon gemerkt, als er einen seiner altbekannten Krachmacher unter KDE 2.0 in Betrieb nehmen wollte: Manche Non-aRts- (und damit alle nicht zur KDE-Familie gehörenden) Applikationen wollen mit diesem schicken neuen System partout nicht zusammen arbeiten.

Was nun? Warten. Und zwar genau 60 Sekunden. Denn das ist die Zeitspanne, nach der der KDE-Soundserver Ihr Sound-System oder anders ausgedrückt Ihre Soundkarte wieder frei gibt.

Sie haben so lange gewartet, aber das dämliche Programm will danach immer noch nicht? Pech gehabt. Leider gibt es derzeit außer der Brute-Force-Methode noch keine elegante Möglichkeit, den Server artsd temporär auszuhebeln. Ihnen bleibt vor diesem Hintergrund nichts anderes übrig, als artsd mit einem konsequenten

killall artsd ; killall artswrapper

loszuwerden und arts nach dem Aufruf des betreffenden Sorgenkindes mit einem

kcminit arts

neu zu starten.

Danach wundern Sie sich bitte nicht über instabile Applikationen. Dummerweise haben manche aRts-Programme derzeit noch die Neigung zu crashen, sobald der Server auf diese Art und Weise gekillt und wieder gestartet wurde.

Problem erkannt, Problem gebannt? Leider noch nicht ganz. Aber keine Angst, Hilfe ist zumindest teilweise unterwegs, denn für xmms, eine der beliebtesten Applikationen, gibt es schon eine feinere Lösung. Wollen Sie weder auf Ihren gewohnten MP3-Player noch auf aRts verzichten, begeben Sie sich doch einfach mal auf die Seite http://home.earthlink.net/~bheath/xmms-arts/ und laden sich dort das Paket xmmsarts-0.4.tar.gz herunter (oder siehe Heft-CD).

Dieser clevere kleine aRts-Output-Driver sorgt dafür, dass xmms und aRts sich künftig nicht mehr in die Quere kommen, sondern statt dessen friedlich zusammen leben. Einmal installiert, wählen Sie unter Options/Preferences/Audio I/O Plugins den frisch dazu gekommenen Punkt aRts Driver 0.4 [libartsout.so] an (Abbildung 1), und schon ist die Zeit der Stille vorbei.

Abbildung 1: Kleiner Treiber, große Wirkung

Abbildung 1: Kleiner Treiber, große Wirkung

Lehrreich

Wer von Neuigkeiten über KDE 2.0 einfach nicht genug bekommen kann oder den lieben Bekannten, Freunden und Verwandten auch gerne mal online vorführen möchte, was der neue Desktop alles so kann – kein Problem. Auf http://www.linux-mandrake.com/en/demos/Tutorial/KDE2desktop/ liegt die Antwort bereit. Hier präsentieren die Macher der Mandrake-Distribution in einem ausführlich bebilderten Online-Tutorial, was unser aller Lieblingsdesktop so alles kann (Abbildung 2).

Abbildung 2: Ein Strauß bunter Bilder

Abbildung 2: Ein Strauß bunter Bilder

Joint Forces

“Gemeinsam mehr erreichen” haben sich ein paar Firmen gedacht und kurz vor Jahresende noch die KDE League ins Leben gerufen. In dieser wollen sich künftig mit Geld und guten Worten so große Unternehmen wie IBM oder Hewlett-Packard zusammen mit den KDE-Entwicklern darum kümmern, dass KDE auf noch mehr Desktops als bisher sein Wesen treibt. Daneben soll vor allem die Implementation von KDE für die immer beliebteren Handhelds voran getrieben werden.

Keine Bange, die Unabhängigkeit des KDE-Projekts bleibt trotz alledem gewahrt, denn die Entwicklung der Kern-Applikationen und Bibliotheken liegt weiterhin alleine bei den KDE-Developern (die sich jedoch stets über gute Code-Beiträge Dritter freuen).

So ganz nebenbei hat IBM auch noch verraten, dass gemeinsam mit den anderen League-Partnern daran gearbeitet wird, Komponenten von IBMs ViaVoice für KDE zur Verfügung zu stellen.

Erlesen

Zugegeben, ein paar Programmier-Kenntnisse braucht es schon, um so richtig etwas mit dem neuen KDE-2.0-Entwicklungsbuch anfangen zu können. Doch dafür erwartet all diejenigen, denen Begriffe wie C++ nicht völlig fremd sind, unter http://kde20development.andamooka.org/ eine der derzeit umfangreichsten Online-Referenzen zur KDE- und Qt-Programmierung.

Aber die Betreiber gehen noch weiter und bieten darüber hinaus das komplette Buch als HTML- oder PDF-Datei zum Download an. Neu an dem Projekt ist, dass die Leser dazu aufgefordert werden, sich online detailliert zum Inhalt zu äußern. Der Aufbau der Seiten erlaubt es den Besuchern, jede Sektion des Buches zu kommentieren sowie Bemerkungen anderer Leser zu lesen – ein “Open-Support”-System der neuen Generation.

Derzeit steht das Buch nur in englischer Sprache zur Verfügung, aber die Arbeiten an der deutschen Übersetzung haben bereits begonnen. Wer sich an diesen Bemühungen beteiligen will, trägt sich einfach unter http://lists.sourceforge.net/mailman/admin/kde20devel-translators/ in die neu aufgesetzte Mailingliste ein.

Glossar

MP3

Mit MP3 oder MPEG 1 Audio Layer 3 bezeichnet man den im Moment wohl besten Komprimierungsalgorithmus für Tondaten, der am deutschen Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Mittels dieser Methode lassen sich Sampledaten ca. um den Faktor 12 komprimieren, ohne dass störender Qualitätsverlust auftritt.

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