Hinter den Kulissen

Wie xnodecor aufzurufen ist verrät uns der Befehl "xnodecor -h", und das ist denkbar einfach: Während bisher in unserer ~/.xinitrc zuerst xosview und anschließend ein Window-Manager aufgerufen wird, fügen wir nun einfach ein xnodecor -w xosview@rechnername ein:

xosview &
 xnodecor -w xosview@planet
 sapphire

xosview@rechnername? Richtig, xosview gibt sich unter diesem Namen zu erkennen, und nicht nur wie zu erwarten unter xosview. Im Zweifelsfall lässt sich der Name mit dem Befehl xprop | grep WM_NAME und einem Mausklick auf das zu versteckende Fenster ermitteln. Üblich ist es jedoch, dass ein Programm sich mit dem Namen der ausgeführten Datei verstecken lässt.

Make Up

Wer nun praktische Versuche folgen ließ, stellte sicher enttäuscht fest, dass xosview selber auch einen kleinen Rahmen malt, nicht unbedingt in der rechten oberen Bildschirmecke Platz nimmt und sich rein gar nicht farblich zum Desktop-Hintergrund gesellen mag. Aber auch das kann man ändern, und zwar über die X-Ressources. Hierzu einfach - sofern nicht längst vorhanden - eine Datei ~/.Xdefaults anlegen und diese um folgende Einträge ergänzen:

xosview*geometry:   -0+0
 xosview*background: #102040
 xosview*foreground: #102040

Selbstverständlich sind hier eigene Werte einzusetzen - gerade bei xosview bestehen nahezu unendlich viele weitere Optionen, nachzulesen im Manual, man xosview. Und schon sieht unser Systemmonitor wie in Abbildung 2 aus, ist auf allen Desktops anwesend und taucht nicht mehr in der Window-Liste unseres Fensterherrschers auf. Wer viel Zeit und Geduld hat, könnte nun theoretisch eine entsprechende Hintergrundgrafik mittels xnodecor funktionsfähig gestalten …

Abbildung 2: xosview unsichtbar für den Window-Manager

Glossar

Window-Manager

Verwaltet die Fenster der grafischen Oberfläche X Window, die auch von KDE oder GNOME verwendet wird (beide greifen hierbei auch "nur" auf einen Window-Manager zurück, der die Anwendungen mit Rahmen ausstattet).

GNOME-Panel

Die separat einsetzbare Startleiste des GNOME-Environments; Gegenstück zur KDE-Startleiste oder Windows-Taskbar.

/dev/null

Unix-Gerätedatei, die Daten "verschwinden" lässt: In diese Datei geschriebene Daten verden einfach vom System vergessen.

X-Session

Sitzung am grafischen Desktop - vom Start der Oberfläche (X) bis zum Beenden.

Symlinks

Verzeichniseintrag, hinter dem sich keine Datei verbirgt, sondern der nur einen Querverweis auf eine weitere Datei darstellt. So kann mit dem Befehl "ln -s .xinitrc .xsession" das Erstellen der Datei ~/.xsession umgangen werden, falls eine ~/.xinitrc mit gewünschtem Inhalt bereits vorhanden ist.

X-Ressources

Hierüber werden bei klassischen X-Programmen Defaultwerte gesetzt - meist hinsichtlich der Optik.

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