Heimkino selbstgemacht

Workshop MainActor 3.5 – Eine Einführung

01.12.2000
Bereits im Linux-Magazin 06/2000 hatten wir gezeigt, dass Videoschnitt unter Linux möglich ist – wenn auch noch nicht ganz so einfach wie unter Windows. Was damals am Beispiel des kostenlosen Nachbearbeitungs-Programms Broadcast 2000 demonstriert wurde, soll in diesem Workshop mittels MainActor nachvollzogen werden. Sie werden sehen, dass hier einige Bearbeitungsschritte wesentlich einfacher von der Hand gehen.

In diesem Workshop soll ein Video über Tux, dem Maskottchen von Linux, gedreht werden. Dabei wird der Film sowohl über einen Vor- und Abspann, als auch über eine Überblendung verfügen. Alles, was Sie benötigen ist eine Fernseh- oder vergleichbare Videoaufnahmekarte, eine Videokamera oder ein anderes Zuspielgerät und das Videoschnittprogramm MainActor (vgl. Kasten "Installation und Bezugsquelle").

Die Hardware

Alle aktuellen Linux-Distributionen unterstützen mittlerweile von Haus aus viele gängige Fernsehkarten. Sie erkennen eingebaute Karten schon beim Startvorgang und aktivieren automatisch den korrekten Treiber. Ist dies in Ihrem System nicht der Fall, müssen Sie wohl oder übel den Treiber per Hand installieren und laden. Sollte sich das Handbuch Ihrer Distribution zu diesem Thema ausschweigen, können Sie zum einen auf den Artikel im Linux-Magazin 06/2000 [3], in dem die Einrichtung einer Fernsehkarte detailliert beschrieben wird, und zum anderen auf die englische Homepage des Video4Linux-Projektes [2] zurückgreifen.

Sollte auch dies nicht zum Erfolg führen oder wird Ihre Karte von Linux überhaupt nicht unterstützt, bleibt Ihnen noch der Umweg über Windows. Dazu aber später mehr.

Als nächstes sollten Sie überprüfen, ob für die spätere Tonbearbeitung Ihre Soundkarte einwandfrei unter Linux funktioniert. Falls dem nicht so ist, sollten Sie auch in diesem Fall Ihr Linux-Handbuch konsultieren.

Ebenfalls wünschenswert ist ein System mit großer und schneller Festplatte, sowie ein leistungsstarker Prozessor. Dabei gilt die Faustregel: Je besser das System ist, desto flüssiger ist die Arbeitsgeschwindigkeit. Gleichzeitig vermeiden Sie durch ein schnelles System unschöne Aussetzer bei der Aufzeichnung von Videomaterial auf der Festplatte. Diese Aussetzer entstehen immer dann, wenn die Festplatte die ankommenden Datenmengen nicht so schnell speichern kann, wie sie von der Fernsehkarte geliefert werden.

Grundlagen

Bevor wir in den Schnitt einsteigen, noch kurz ein paar Grundlagen vorweg. Ein Videofilm besteht aus einzelnen Bildern, die schnell hintereinander abgespielt den Eindruck einer Bewegung erzeugen. Im PAL-System, das für die analoge Videoübertragung in Deutschland eingesetzt wird, beträgt diese Anzahl 25 Bilder pro Sekunde. Beim Einlesen des Videos in den Computer (Capture, digitalisieren) wird jedes Bild durch die Fernseh- bzw. Videokarte in einzelne Bildpunkte zerlegt.

Dabei entsteht zwangsweise eine wahre Datenflut. Fünf Sekunden Videofilm ohne Ton benötigen zirka 25 MB Speicher auf der Festplatte. Aus diesem Grund wurden verschiedene Verfahren entwickelt, die durch geschickte Kompressionsmethoden diese Datenmengen reduzieren sollen. Einige Kompressionsformate sind z. B. Quicktime von Apple, MPEG-1 und MPEG-2. Die beiden zuletzt genannten Formate kommen auf VideoCDs bzw. DVDs zum Einsatz. Da durch die CD-Brenner die VideoCD gerade im Heimbereich großen Zuspruch findet, soll auch unser Film im MPEG-1-Format ausgegeben werden. Auf eine normale CD passen in diesem Format etwas mehr als eine Stunde Video in VHS-Qualität. Eine Sonderolle unter den Videoformaten, nimmt Microsofts AVI-Format ein. Unter Windows können sog. Codecs eingesetzt werden, deren Arbeitsweisen von jedem Hersteller selbst bestimmt werden können. Als Ergebnis hat sich eine große Masse dieser Codecs angesammelt, von denen die Mehrzahl unter Linux leider nicht verfügbar ist. Im Gegensatz zu Windows, ist nämlich unter dem freien Betriebsystem direkt das jeweilige Programm für eine Komprimierung bzw. Dekomprimierung zuständig. Leider versteht MainActor nur einige wenige, gängige Codecs.

Aufnahme

Nach der Installation (vgl. "Installation und Bezugsquelle") starten Sie das Programm "MainConcept Capture". Sollte nach dem Start über ein Terminalfenster mittels macap eine Fehlermeldung erscheinen, so sollten Sie zunächst versuchen, das Programm erneut zu starten. Hilft auch dies nichts, booten Sie Ihr gesamtes Linux-System neu und überprüfen Sie, ob die Video for Linux-Treiber korrekt geladen wurden. Dies kann z. B. mit einem Fernsehprogramm, wie z. B. Kwintv geschehen.

Schalten Sie nach dem Starten das Programm über Settings/Language auf die deutsche Sprache um. Sofern Sie mehrere Fernsehkarten besitzen, wählen Sie unter Quelle die Karte aus, an die Sie Ihre Kamera angeschlossen haben.

Unter Einstellungen/Videoquelle legen Sie fest, von welchem Eingang an Ihrer Fernsehkarte die Videodaten aufgezeichnet werden sollen. Welcher hier der richtige ist, können Sie der Dokumentation Ihrer Karte entnehmen. Stellen Sie nun unter Einstellungen/Video-Format die Größe des Videos ein. Auf einer VideoCD finden Sie immer Videos in einer Auflösung von 352 mal 288 Pixeln. Zum Schluss wählen Sie noch ein Kompressionsverfahren über Einstellungen/Video-Kompression aus.

Um Ihr Video aufzuzeichnen, brauchen Sie nach dem Starten der Wiedergabe an Ihrer Kamera nur noch den Punkt Aufnahme/Video aufnehmen aus dem Menü aufzurufen.

Falls Ihre Karte unter Linux ihren Dienst komplett verweigert, weil z. B. Video for Linux oder das Aufnahmeprogramm Capture Ihre Fernseh- bzw. Videokarte nicht unterstützen, können Sie auch auf Windows ausweichen. Nehmen Sie dazu, wie in der Anleitung zu Ihrer Karte beschrieben, das entsprechende Video einfach unter diesem kommerziellen Betriebssystem auf. Achten Sie aber in einem solchen Fall vor dem Aufnahmebeginn darauf, dass Sie einen Codec verwenden, den MainActor kennt und auch verarbeiten kann. Am sichersten fahren Sie, wenn Sie auf eine Kompression gänzlich verzichten – leider kostet dieses Verfahren auch am meisten Speicherplatz.

Schnipp-Schnapp

Sie sollten nun zwei Videos vorliegen haben. Anstelle Ihrer eigenen Videos können Sie auch die beiden Beispielvideos von unserer Heft-CD aus dem Verzeichnis X verwenden. In unserem Fall ist dies die Vorderansicht und die Rückansicht des Pinguins. Diese beiden Filmschnippsel sollen nun zu einem großen "Kunstwerk" zusammengesetzt werden. Dazu starten Sie den sog. "Sequenzer", der sich hinter dem Programm namens maseq verbirgt.

Es sollten sich nun mehrere Fenster öffnen, wobei Sie zunächst im "Profil-Fenster" die Eckdaten Ihres Projektes festlegen müssen. Dies sind vorerst nur Rahmenwerte für den Bearbeitungsvorgang – das Ausgabeformat des fertigen Films kann hiervon komplett abweichen. Da wir einen MPEG-1 Film erstellen wollen, wählen Sie MPEG-I Video (PAL).

Nach einem Klicken auf OK sollten Sie nun, abgesehen vom Hauptfenster, vier weitere Fenster innerhalb des Arbeitsbereiches vorliegen haben. Das größte Fenster ist die Zeitleiste (engl. "Timeline"). Da sie für das Arrangieren der Filme benötigt wird, kann sie als einziges Fenster nicht ausgeblendet werden. Die anderen Fenster dienen als zusätzliche Hilfen und können über das Menü unter Anzeige ein- und ausgeschaltet werden. Im einzelnen handelt es sich dabei um den Vorschaumonitor, der Ihnen in vielen Situationen einen Vorgeschmack auf das fertige Video geben wird. Gesteuert wird diese Vorschau über den "Timeline-Spieler", dessen Bedienung analog zu einem Videorekorder erfolgt. Das letzte Fenster bildet der "Browser". Dies ist eine Art Album, mit dem Sie einen schnellen und komfortablen Zugriff auf die verfügbaren Effekte, Filter, Übergänge und sogar Ihre selbst aufgenommenen Filme haben.

Betrachten wir zunächst die Timeline. Sie besteht aus einer oberen und einer unteren Hälfte. Die Obere dient zum Arrangieren der Videos, die Untere zum Anordnen der Klänge. Diese Trennung zwischen Video- und Audiomaterial ermöglicht wesentlich komplexere Bearbeitungsmöglichkeiten. Jede Hälfte besteht aus mehreren Spuren, die selbst wiederum mehrere Videos aufnehmen können. Ganz am oberen Rand der Timeline finden Sie eine Zeitskala. Auf ihr können Sie ablesen, an welcher Stelle in Ihrem späteren Film eine Szene beginnt und wo Sie endet. Gleichzeitig ermöglicht sie das genaue Positionieren des Videomaterials und der zugehörigen Effekte.

Zunächst soll unser zuerst aufgenommener Film importiert werden. Dazu klicken Sie im Zeitleistenfenster mit der rechten Maustaste auf eine beliebige freie Stelle und wählen Multimedia einfügen. Alternativ können Sie auch auf das erste Symbol links auf der untersten Symbolleiste klicken. Wenn Sie den Weg über die rechte Maustaste gehen, sollten Sie darauf achten, dass sich der Mauszeiger nicht über der mit Fx markierten Spur befindet. In jedem Fall sollte sich nun ein Fenster öffnen, aus dem Sie das zuerst aufgezeichnete Video auswählen.

Nach dem Ladevorgang verändert sich der Mauszeiger. Wenn Sie ihn jetzt in der Zeitleiste über einen Punkt bewegen, an dem Sie den Film einfügen können, erscheint an der entsprechenden Stelle ein grauer Kasten. Dieser entspricht genau der Länge des gerade geöffneten Filmes. Fahren Sie mit dem Mauszeiger auf die erste, mit Va betitelte Spur, so dass der graue Kasten mit dem linken Fensterrand bündig abschließt. Sobald Sie die linke Maustaste drücken, wird der Film in der ersten Spur abgelegt. Starten Sie nun probehalber über den Timeline-Spieler die Wiedergabe. Beobachten Sie dabei das Vorschau- und das Timeline-Fenster. Im Letzteren wandert ein Strich über das Fenster hinweg. Diese Linie zeigt Ihnen immer genau die Position an, die gerade im Vorschaufenster wiedergegeben wird.

Importieren Sie nun den zweiten Film und fügen Sie ihn auf dieselbe Weise, direkt hinter unseren ersten Film ein, wobei Sie aber dieses Mal die Spur Vb als Ablage verwenden. Wenn Ihre Aufnahmen relativ kurz waren, werden Ihre beiden Filme auf der Zeitleiste ebenfalls relativ klein dargestellt.

Die Auflösung der Zeitleiste können Sie verändern, indem Sie aus der rechten Liste in der untersten Symbolleiste, eine entsprechende, andere Zeitauflösung wählen.

Tipps und Tricks 

Um schnell alle Filme auf einer Spur zu markieren (um z. B. allen gleichzeitig einen Effekt zuzuweisen), klicken Sie einfach auf die Beschriftung der entsprechenden Spur am linken Rand des Timeline-Fensters. Aus der nun erscheinenden Liste können Sie sich bequem die zu markierenden Videosaussuchen.

Unter MainActor ist es möglich, nur einen bestimmten Ausschnitt aus dem gesamten Projekt zu exportieren. Direkt unter den Ziffern der Zeitangaben im Timeline-Fenster befindet sich ein kleiner Spalt. Wenn Sie über diese Lücke mit dem Mauszeiger fahren, verändert sich Letzterer in einen Doppelpfeil. Zeigen diese Pfeile nach Links, genügt ein Klick mit der linken Maustaste um genau den Punkt festzulegen, bei dem der zu erzeugende Ausschnitt enden soll. Zeigen die Pfeile hingegen nach Rechts, können Sie auf dieselbe Weise den Startpunkt festlegen. Eine blaue Linie zeigt Ihnen anschließend an, welches Teilstück Ihres Projektes beim Aufrufen der Export-Funktion ausgegeben würde.

Überblendungen

Im nächsten Schritt sollen die beiden Videoschnippsel ineinander überblendet werden. Am Schluss des ersten Videos soll der Anfang des zweiten Videos langsam eingeblendet werden, bis nur noch das zweite Video vollständig zu sehen ist. Dazu klicken Sie in der Symbolleiste des Browsers das erste Symbol von links an. In der linken Liste erscheinen einige Obergruppen, von denen Sie Wipe markieren. Im rechten Fenster werden nun alle Überblendungen angezeigt, die sich in dieser Gruppe befinden. Wir wählen für unser Beispiel sofort die Erste rechts Oben. Klicken Sie mit der linken Maustaste auf das Symbol der Überblendung und halten Sie die Taste gedrückt. Fahren Sie mit der Maus auf die mit Fx betitelte Video-Spur. Lassen Sie jetzt die Taste los und bewegen Sie anschließend etwas die Maus. Erneut erscheint ein grauer Kasten, dessen Länge die Dauer des Überblendungsvorganges anzeigt. Legen Sie ihn so auf die Fx-Spur, dass sein Ende bündig mit dem Ende des ersten Filmes abschneidet. Sie werden merken, dass die Überblendung automatisch an der entsprechenden Position "einrastet". Dieses Verhalten zeigen übrigens alle Objekte, die Sie in die Timeline einfügen können: An allen markanten Punkten existiert ein solcher "Einrastmechanismus". Wie Sie sicher schon bemerkt haben, handelt es sich bei der Spur Fx um eine spezielle Spur, die exklusiv für Überblendungen reserviert ist. Eine Überblendung kann übrigens nur zwischen den Videos auf Spur Va und den Videos auf Spur Vb erfolgen.

Plazieren Sie nun den Mauszeiger auf dem Video in Spur Vb. Sobald sich der Mauszeiger verändert, klicken Sie auf den Film und "ziehen" Sie ihn auf der Spur nach links, bis sein Anfang bündig mit dem Anfang der Überblendung abschneidet. Falls Sie noch Einstellungen an der Überblendung vornehmen möchten, genügt ein Doppelklick auf den entsprechenden Kandidaten.

Abbildung 1: Die fertige Überblendung.

Springen Sie mit dem Timeline-Spieler wieder zum Anfang zurück und starten Sie die Vorschau. An der Stelle der Überblendung wird die Wiedergabe etwas ins Stocken geraten. Dies ist normal, da der Computer jedes Bild bei der Wiedergabe einzeln berechnen muss. Später bei der Ausgabe des fertigen Films, wird Ihr System deshalb einige Zeit benötigen, bis es alle Bilder für diese Stelle fertiggestellt hat. Um diese Zeit zu minimieren, können Sie MainActor veranlassen, solche Stellen schon jetzt, während des Bearbeitungsvorganges im Hintergrund erstellen zu lassen. Dazu aktivieren Sie einfach die Schaltfläche mit dem Zahnrad in der oberen Symbolleiste. Falls Sie übrigens die Demoversion verwenden, wird die gesamte Wiedergabe etwas ruckartig ablaufen, da MainActor in jedes Bild seinen eigenen Schriftzug einblendet.

Vor- und Nachspiel

Unser kleiner Film soll selbstverständlich auch einen Vorspann erhalten. Dazu wählen Sie entweder aus dem Menü der rechten Maustaste 2D-Textobjekt einfügen oder Sie klicken auf das dritte Symbol von links auf der untersten Symbolleiste. Geben Sie nun in das entsprechende Textfeld "TUX – ein Portrait" ein, wobei Sie nach jedem Wort die Eingabetaste drücken. Ändern Sie nun noch unter Font auswählen die Schriftgröße auf 20 Punkte. Im unteren Teil des Fensters können Sie übrigens noch festlegen, wie der Text im fertigen Film erscheinen soll. Für unsere Zwecke belassen Sie einfach die Voreinstellungen und klicken auf Text übernehmenV1 am äußersten linken Rand. Die Spuren V1 bis V3 sind sog. "Overlay"-Spuren. Dies bedeutet, dass sich das darin befindliche Videomaterial, über das der anderen Spuren legen lässt.

In unserem Beispiel wird die Schrift "TUX – ein Portrait" in das Video auf der Spur Va eingeblendet. Um diesen Effekt zu kontrollieren, starten Sie die Wiedergabe. Sollte Ihnen die Schrift dabei zu kurz erscheinen, können Sie sie zeitlich noch "langziehen". Dazu klicken Sie mit der linken Maustaste auf den rechten Rand der Filmszene und "ziehen" diesen einfach an die gewünschte Position. Analog hierzu können Sie den Text, wie übrigens auch alle anderen Objekte, zeitlich verkürzen.

Abbildung 2: Die Eingabe eines dreidimensionalen Titels.

Auf dem selben Weg erfolgt nun die Erstellung unseres Abspanns. Erzeugen Sie aber dieses Mal einen 3D-Text, dessen Einstellungsmöglichkeiten schon etwas vielfältiger ausfallen. Klicken Sie als erstes auf der Registerkarte Animation auf den Eintrag statischer Text und wählen Sie Durch den Raum fliegen. Dadurch bekommt unser Abspann einen Hauch von StarWars. Um den Text zu ändern, wählen Sie Text/Neu aus dem Menü und geben in das entsprechende Feld "Das war TUX – mal von hinten und mal von vorn" ein. Akzeptieren Sie Ihre Eingabe mit Übernehmen.

Sollten im Hauptfenster die Schaltflächen zum Akzeptieren fehlen, müssen Sie einfach das Fenster in seiner Größe etwas nach unten hin aufziehen. Legen Sie den fertigen Abspann auf die Spur VaVb. Ziehen Sie auch diesen Videoschnippsel in die gewünschte Länge.

Abbildung 3: Der Schnitt des Videos ist beendet.

Hier spielt die Musik

Nun fehlt uns für unseren fertigen Film nur noch eine Hintergrundmusik. Dazu können Sie entweder eine selbst entworfene Musik, oder die beiliegende Demo-Melodie verwenden. Klicken Sie auf den Audiospuren mit der rechten Maustaste und wählen Sie Multimedia einfügen. Wechseln Sie in das Unterverzeichnis library/audio des MainActor-Verzeichnisses und wählen Sie die im MP3-Format vorliegende Datei smallstp.mp3. Fügen Sie sie anschließend in die erste Audiospur Aa äußerst links ein. Sollte die Musik zu lang sein, so lässt auch sie sich auf die gleiche Weise wie die Videofilme verkürzen.

Für die Audiospuren gelten übrigens andere Regeln, als bei den Videospuren. Hier werden immer alle Spuren miteinander vermischt bzw. überlagert. Beachten Sie aber: Falls Sie ein Video einfügen, in dem schon Ton enthalten ist, wird dieser immer in die Audiospur eingefügt, die die analoge Bezeichnung wie die zugehörige Videospur trägt. Der Ton des Videofilms in Spur Va würde also in die Spur Aa gelegt.

Die letzten Meter

Nun ist unser Beispielfilm fast fertig. Bevor Sie den fertigen Film berechnen lassen, sollten Sie das Projekt über Datei/Speichern als abspeichern. Dabei werden nur die Anordnungen der einzelnen Objekte auf den Spuren, sowie alle anderen zum Projekt gehörenden Einstellungen abgespeichert. Die einzelnen Video- und Audiodateien, die sich in Ihrem Projekt befinden, müssen somit an den entsprechenden Positionen auf Ihrer Festplatte verbleiben.

Installation und Bezugsquelle

Im Gegensatz zum Konkurrenten Broadcast 2000 ist MainActor nicht gratis erhältlich. Sie können aber eine kostenlose Demoversion von der Homepage des Herstellers MainConcept [1] herunter laden. Diese Demoversion ist voll funktionsfähig und unterliegt nur der Limitierung, dass im fertigen Film ständig der Schriftzug "MainActor" eingeblendet wird. Die Vollversion kann übrigens unter derselben Internetadresse für 150DM käuflich erworben werden.

Die Demoversion liegt im RPM-Format vor und kann mit einem entsprechenden Paketmanager, wie z. B. Kpackage oder dem Installationsprogramm Ihrer Distribution installiert werden. Sollte in Ihrer Distribution keine grafische Installation dieses Paketformates möglich sein, so öffnen Sie ein Terminal-Fenster, wechseln in das Verzeichnis, in dem die herunter geladene Datei liegt und geben dann rpm -i Paketname ein, wobei Paketname für den Dateinamen des Archives steht.

Erzeugen Sie jetzt den fertigen Film über Datei/Export. Damit erstellen Sie nun den kompletten Film. Im angezeigten Fenster wählen Sie Export/Modul konfigurieren und dort unter Modules den Wert MPEG-I/IICodecs wählen Sie Millions of Colors: MPEG-I (PAL) aus. Klicken Sie auf Accept und anschließend auf Speichern.

Mit diesen Einstellungen erzeugen Sie einen Film im MPEG-1 Format und den PAL-Werten. Die Berechnung des fertigen Films kann, je nach der Leistungsfähigkeit Ihres Systems, einige Zeit in Anspruch nehmen. Betrachten können Sie den fertigen Film dann mit einem entsprechenden Abspielprogramm, wie z. B. aKtion.

Sie haben in diesem Workshop gesehen, wie man mit der Videoschnittsoftware MainActor 3.5 schnell einen kleinen Film schneiden und betiteln kann. Dabei konnten nur einige der umfangreichen Funktionen angesprochen werden. Falls Sie schon den Artikel über Videoschnitt im Linux-Magazin 06/2000 verfolgt haben, wird Ihnen sicherlich aufgefallen sein, dass unter MainActor einiges erheblich einfacher geht, als unter Broadcast 2000. Dafür ist MainActor leider nicht kostenlos erhältlich. Wie Sie aber deutlich erkennen, kommt der Videoschnitt unter Linux in Fahrt. Es gibt Hoffnung, dass in diesem Gebiet auf den Linux-Filmer einiges zukommen wird.

Glossar

Capture

Zu deutsch "einfangen". Bei einem Capture-Programm handelt es sich um ein Aufzeichnungsprogramm für Videofilme. Diese werden über die eingebaute Fernsehkarte digitalisiert und auf der Festplatte in einer Datei abgelegt.

Codecs

Abkürzung für Codierung/Dekodierung. Beschreibt im wesentlichen ein Treiberprogramm, das für die Kompression von Video- und/oder Audiodaten zuständig ist. Möchte man ein Video abspielen, muss der Codec installiert sein, in dem das Video aufgezeichnet wurde.

Video for Linux

Hierbei handelt es sich um ein Paket von Treibern, die es Linux-Programmen ermöglichen sollen, Fernsehkarten einfacher anzusprechen. Die noch in der Entwicklung befindliche Nachfolgeversion wird als Video for Linux2 bezeichnet.

Infos

[1] MainActor Homepage: http://www.mainconcept.de 

[2] Homepage des Video4Linux-Projektes: http://roadrunner.swansea.uk.linux.org/v4l.shtml 

[3] Hollywood in Heimarbeit – Linux-Magazin 06/2000

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