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Und ich werd' Euch das große LINUX lehren!

Volkers alternatives Editorial

01.12.2000

Und kaum fielen draußen die Blätter, war da auch schon wieder das Erntedankfest, und Horden kleiner Quälgeister stürmten die Billigecken in den Supermärkten, um ihrer MS-Lieblingsspielkonsole die drei ganz besonderen Software-Cerealien zuzuführen. Dabei schon mal auf das Haltbarkeitsdatum geschaut? Wenn so ein Müsli abgelaufen ist, kann sich der eine oder andere Haufen Käfer – oder Bugs – darin verborgen haben. Dann wird unser gern benutzter Spielecomputer zum Michael Meyers, und aus Erntedank wird Halloween, der pure Horrortrip. Doch egal, ob Halloween 1 oder Folge 12405789, Micheal Meyers, also unser Windows, wird am Ende sterben; irgendein Bug ist es dann doch wieder. Oder besser nur fast sterben. Schließlich können wir uns für viel Geld eine neue Kinokarte kaufen – oder einen Diskdoktor – und uns dann am Spektakel Halloween n+1 laben – oder halt neu booten… Doch war da nicht noch was anderes an Halloween? Klar, der Kürbis! Und den hat uns schon Charlie Brown immer empfohlen: "Und ich werd' Euch das große Windows lehren!" oder so ähnlich. Bei soviel Bosheit fragt man sich schon das eine oder andere Mal: Läuft Windows mit einem Kürbiskernel?

Und, wie war Euer Halloween? Da kamen sie wieder, die Schwadronen kleiner Quälgeister und waren als Geist, Vampir, Skelett oder Pirat mit einem Gummimesser am Schädel verkleidet und verlangten nach Süßigkeiten. Irgendwo im Hintergrund auf der anderen Straßenseite warteten die Eltern der Kleinen und beobachten das Treiben. Wenn ich mal Kinder habe, werde ich mich auch verkleiden, passend zur Stimmung als Windows. Und wenn bei Euch in Zukunft geklingelt wird, schmeißt ihnen was anständiges in die Tüte! Eure alte Linux-Version.

Doch zurück zur Walpurgnisnacht, in der alle Hexen auf dem Blocksberg tanzen und sich dem Antichristen hingeben. Dazu befragen wir noch einmal die Bibel – nein, nicht die JAVA API Superbible, sondern die echte. Und dort steht in der Offenbarung; "Hier ist die Weisheit. Lehre ihn die Kennzahl des Satans; das ist die Zahl eines Menschen, sie beträgt sechshundert plus drei mal zwanzig plus sechs." Aha, die 666, die Kennzahl des Satans. Geben wir uns der mittelalterlichen Tradition der Numerologie hin und suchen die Nummer im Namen unseres Feindes. Und damit ist auch die Frage geklärt, warum es kein Windows96, sondern nur Windows95b gab. Habt Ihr schon mal die ASCII-Werte von WINDOWS96 addiert? BÖSE! Nun, wem das von Hand zu mühsam ist, der möge in die Datei win die Zeile

WINDOWS96

schreiben, und das ganze durch den LINUX-Einzeiler

od -An -N9 -td1 -w1 -v win | awk <C> BEGIN { SUM=0 } { SUM+=$0 } END { print SUM } <C>

schicken. Danach bitte nicht

rm win

vergessen! ;-) Ach ja, wenn Ihr in die Datei stattdessen

LINUXUSER

reinschreibt, dann kommt 719 raus, was nicht 666 ist, sondern so etwas wie sechs Richtige, denn 719 ist 6! - 1 und prim!

Was macht der Einzeiler?

od (= octal dump) ist ein Linux-Kommando zur Erstellung von Oktal-, Dezimal-, Hexadezimal- oder ASCII-Speicherauszügen einer Datei.

  • Die Option -A setzt das Ausgabeformat fest. Das folgende n sorgt dafür, dass alle zusätzlichen Ausgaben unterdrückt werden, sondern nur die Daten selbst ausgegeben werden.
  • Die Option -N bedeutet, dass nur die ersten -Bytes verarbeitet werden sollen.
  • Die Option -t setzt die Codierung der Datenausgabe. Das folgende d sorgt hier für eine dezimale Ausgabe (Alternativen sind a - Ascii, c - Character, wobei hier nichtdruckbare Zeichen mit Namen angezeigt werden, d - dezimal, f - float, o - oktal) wobei eine folgende Nummer die Anzahl der Bytes bezeichnet, die bei der Umwandlung benutzt werden, daher ist für dezimal standardmäßig 4 Bytes eingestellt, wir wollen aber nicht 4-Byte-Pakete lesen, sondern den Ascii-Wert der einzelnen Buchstaben lesen, daher ist hier 1 gesetzt.
  • Die Option -w gibt die Anzahl der umgewandelten Bytes an, die in einer Zeile ausgeben werden. Wir wollen pro Zeile nur eine Zeile, also setzen wir die Eins.

Beispiel:

echo <C>LINUXUSER<C> | od -An -N9 -td1 -w1 -v

gibt folgendes auf die Standardausgabe aus:

76
   73
   78
   85
   88
   85
   83
   69
   82

Tipp: Spielt mit den Parametern, dann erklärt sich vieles von selbst.

awk (der Name stammt aus den drei Anfangsbuchstaben seiner Entwickler): Das Programm awk bearbeitet die Eingabedatei/Standradeingabe in Form des mitgegebenen Skripts und gibt auf der Standardausgabe wieder aus.

Das Skript hat einen vollständigen Aufbau:

BEGIN         { <Startaktion> }
<Kriterium_1> { <Aktion_1 }
<Kriterium_2> { <Aktion_2 }
...
END           { <Endaktion> }

Außerdem kann man numerische und Textkonstanten und Variablen definieren, wie z. B. SUM in unserem Beispiel. Zur Berechnung der Summe wird diese zuerst auf 0 gesetzt. Dann wird auf Summe der Wert aus jeder Zeile addiert. Die Zeile selbst ist in $0 enthalten. Am Ende wird noch der Wert ausgegeben mit Hilfe der print-Aktion. Eine vollständige Beschreibung des awk würde hier jeden Rahmen sprenden, aber ich glaube das Beispiel spricht für sich.

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