Die KDE Control Center Developers unter der Leitung von Matthias Hoelzer-Kluepfel und Matthias Elter haben ganze Arbeit geleistet. Ähnlich wie in der Systemsteuerung unter Windows findet der Linux-Anwender im KDE-Kontrollzentrum alle Informationen und Einstellungsoptionen, die das globale Desktop-Verhalten beeinflussen, an zentraler Stelle.
Nachdem Sie das KDE-Kontrollzentrum über das Programm-Icon in der Kontrollleiste (bunter Monitor, dessen linke Hälfte grün umrandet ist), über den entsprechenden Menüpunkt (KDE Kontrollzentrum) im KDE-Startmenü oder aber durch Eingabe von kcontrol in einem X-Terminal aufgerufen haben, begrüßt Sie normalerweise sofort Kandalf, der KDE-Zauberer. Dieser verrät Ihnen einige Basisinformationen Ihres Linux-Systems.
Das wichtigste Registerblatt ist sicherlich Index. Hier finden Sie alle Untergruppen, hinter denen sich die weiteren Informationen und Einstellungsoptionen verbergen, auf die wir im Nachfolgenden näher zu sprechen kommen werden. Wenn Ihnen die aktuelle Darstellung der Untergruppen (linkes Fenster) nicht gefällt, können Sie diese im Menüpunkt (obere Menüleiste) Ansicht/Modus ändern. Sollten Sie die Symbolansicht bevorzugen, dann können Sie ggf. unter Ansicht/Symbolgröße die Icons an Ihre Bildschirmauflösung anpassen. Sie finden alle Untergruppen des Index-Registerblatts auch als echte Menüpunkte unter Bereiche (obere Menüleiste). Sofern bei Ihrer KDE-Installation nicht bereits standardmäßig Ihre bevorzugte Landessprache eingestellt wurde, sollten Sie dies zunächst tun. Gehen Sie dazu ggf. in die Untergruppe Personalization und wählen dort Country & Language. Auf der rechten Fensterseite erscheint nun die dem gewählten Unterpunkt entsprechende Einstellungsmaske, über die Sie jeweils die gewünschten Veränderungen vornehmen können. Stellen Sie im ersten Registerblatt Locale bzw. Regionales Ihr Land und Ihre bevorzugte Sprache ein, damit in Zukunft Ihr KDE-Desktop (so gut wie möglich) Ihre regionalen Besonderheiten berücksichtigt, und drücken Sie anschließend auf den OK- bzw. Apply-Knopf (unten). Wenn Sie Ihre Sprache in der Auswahlliste vermissen, dann müssen Sie u. U. das entsprechende rpm-Paket (kde-i18n-[Sprache-KDEVersion]_i?86.rpm) noch nachinstallieren. Wundern Sie sich übrigens nicht, wenn Sie selbst nach einem Neustart von KDE noch hin und wieder auf englische Begriffe stoßen. KDE-Programme können nämlich nur dann in der eingestellten Sprache angezeigt werden, wenn für diese bereits eine entsprechende Übersetzung vorliegt. Das KDE-Projekt sucht übrigens ständig nach ambitionierten Übersetzern!
Alternativ zur manuellen Auswahl der Unterpunkte des Index-Registerblatts bietet das KDE-Kontrollzentrum auch die Möglichkeit, mit Hilfe einer Stichwortsuche (Registerblatt Suchen) direkt auf die gesuchten Unterpunkte zu gelangen. Wenn Sie also z. B. alle Einstellungsoptionen zum Thema "Sound" suchen, dann listet die integrierte Suchfunktion (Registerblatt Suchen) nach Eingabe des Begriffs unter Suchen: (links oben) unter Ergebnis (links unten) alle "Treffer" für den Suchbegriff auf. Die entsprechenden Unterpunkte können Sie dann jeweils direkt durch einen linken Mausklick auf der rechten Fensterseite anzeigen lassen. Im Registerblatt Hilfe bzw. durch Klick auf die zahlreichen Hilfe-Knöpfe finden Sie darüber hinaus zu dem jeweils aktuellen Unterpunkt auch noch eine Kurzhilfe, die in vielen Fällen bereits ausreichen dürfte, um herauszufinden, welche Einstellungsoption hier geboten werden. Wollen Sie dagegen eine kontextspezifische Hilfe zu einzelnen Einstellungsoptionen der jeweils offenen Eingabemaske, dann können Sie diese durch einen Mausklick auf das "?"-Symbol am oberen rechten Fensterrand, durch Auswahl des Menüpunkts Hilfe/Was ist das? oder durch die Tastenkombination [Shift]-[F1] aktivieren. Der Mauszeiger führt nun solange ein Fragezeichen mit sich herum, bis Sie mit einem Klick auf die linke Maustaste über der für Sie unklaren Einstellungsoption die entsprechende Kontexthilfe (gelb) anzeigen lassen oder aber den Vorgang z. B. mit der Esc-Taste abbrechen.
Die detaillierte Vorstellung aller Einstellungsoptionen des KDE-Kontrollzentrums würde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen. Wir können Ihnen daher die einzelnen Untergruppen des Index-Registerblatts nur in einem groben Überblick vorstellen. Viele der Einstellungsoptionen sind ohnehin weitgehend selbsterklärend. Spielen Sie ruhig etwas mit den Einstellungsoptionen herum. Im Gegensatz zu Microsoft's Windows können Sie unter KDE im Normalfall kein größeres Unheil anrichten, wenn Sie unwissentlich irgendwo einen Haken zuviel machen. Linux selbst läuft im Zweifelsfall auch dann noch, wenn KDE mal nicht mehr will. Das Schlimmste was Ihnen passieren kann, ist, dass Sie die KDE-Pakete von der Textkonsole aus noch einmal neu installieren müssen. Mit der Tastenkombination [Strg]-[Alt]-[F1] bis [F6] können Sie jederzeit auf eine Linux-Textkonsole umschalten.
Diese Untergruppe ist dafür gedacht, dass hier normale KDE-Anwendungen einen Teil ihrer Einstellungsoptionen auslagern. Bei der Standardinstallation von KDE 2.0 macht hiervon aber lediglich das noch etwas unausgereift wirkende Systemprogramm Dr. Konqi Gebrauch, das Sie über Abstürze von KDE-Anwendungen informiert.
Interessanter ist dagegen die Index-Untergruppe FileBrowsing. Hier werden nämlich die Dateimanager-Eigenschaften des neuen KDE-Dateimanagers Konqueror näher festgelegt. Sollten Sie Veränderungen an dessen Webbrowser-Eigenschaften vornehmen wollen, dann sind Sie bei der Index-Untergruppe WebBrowsing an der richtigen Adresse. Unter FileBrowsing finden Sie derzeit zwei Eingabemasken: FileAssociations und FileManager. Erstere ermöglicht das Hinzufügen, Ändern und Entfernen sogenannter MIME-Typen. Viele von Ihnen dürften bereits aus der Windows- oder MacOS-Welt wissen, weswegen Dateimanager MIME-Typen benötigen: zur Zuordnung, welcher Dateityp, erkennbar an der jeweiligen Dateinamenserweiterung (z. B. .txt, .doc), nach (Doppel-)Klick auf die linke Maustaste von welchem Anwendungsprogramm (z. B. Xemacs, KEdit) standardmäßig geöffnet werden soll. Die Eingabemaske FileManager bietet die Möglichkeit, einige grundlegende Einstellungen hinsichtlich Verhalten und Erscheinungsbild des Konquerors zu verändern. Diese Einstellungsoptionen lassen sich übrigens auch direkt von Konqueror aus (über Einstellungen/Einrichten/Dateimanager...) verändern.
Hier finden Sie einige Einstellungsoptionen zu Ihren Eingabegeräten. Normalerweise sollten mindestens die beiden Eingabemasken Keyboard und Mouse verfügbar sein, es können aber prinzipiell auch noch Einstellungsmasken für weitere Eingabegeräte auftauchen.
Wenn Sie die GPL-Volltextsuchmaschine http://ht://dig für Ihre lokale Dokumentation benutzen möchten, dann können Sie diese nach erfolgreicher Installation hier konfigurieren.
In dieser Index-Untergruppe finden Sie umfassende technische Angaben zum aktuellen Zustand Ihres Systems. Neben detaillierten Informationen zur Arbeitsspeicher- und Hardware-Interrupt-Belegungen finden Sie hier z. B. auch Näheres über die aktuelle Situation auf Ihren Speichermedien (Block Devices). Wenn Sie NFS oder Samba einsetzen, dann informiert Sie Samba Status, ein KDE-Frontend zu den Konsolentools showmount bzw. smbstatus, über den momentanen Zustand der Netzwerkverbindung.
Diese Untergruppe ist einer der Kernbestandteile des KDE-Kontrollzentrums, da sich hier das Aussehen und Verhalten des Windowmanagers, der Kontrollleiste und der virtuellen Arbeitsflächen verändern lassen:
In der Standardinstallation von KDE 2.0 befindet sich hier nur eine Konfigurationsmaske namens Windows Shares, mit der Sie im Falle eines bereits auf einem Windows-Rechner eingerichteten Samba-Servers auf relativ einfache Weise ein lokaler Samba-Linux-Client (kio_smb) einrichten lässt.
Die Untergruppe Other dient als Ort, an dem sich alle diejenigen Konfigurationsmasken befinden, die sich nirgendwo anders einordnen lassen. Die beiden bei mir vorhandenen Masken Change Password und Character Selector ließen sich allerdings in der Kcontrol-Version v2.0pre nicht öffnen.
Die Untergruppe Personalization ist immer dann erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, Veränderungen im Desktop-Verhalten vorzunehmen, die den KDE-Anwender als Person betreffen. In der Eingabemaske Accessibility lassen sich z. B. einige Einstellungen treffen, die körperlich behinderten Menschen die Computerarbeit erleichtern. Unter Email können Sie dagegen an globaler Stelle Ihre persönlichen E-Mail-Zugangsdaten eingeben und festlegen, mit welchem Mail-Programm Sie standardmäßig Ihre Mails lesen möchten. Hinter Keyboard Layout verbirgt sich eine Ergänzung zu den länderspezifischen Einstellungen (Country&Language). Hier können Sie die Tastaturbelegung an Ihre nationalen Besonderheiten anpassen. In der Eingabemaske Passwords legen Sie schließlich individuell fest, ob und wenn ja, für wie lange Zeit die von Ihnen eingegebenen Passwörter gespeichert werden sollen.
Diese Untergruppe dürfte insbesondere für Besitzer von Laptops interessant sein, da hier detaillierte Einstellungen zum Batteriezustand des Gerätes festgelegt werden können. Voraussetzung hierfür ist, dass zuvor das sogenannte Advanced Powermanagement (apm) im laufenden Kernel aktiviert wurde.
KDE 2.0 bringt standardmäßig den Sound-Server aRts analog Realtime sythesizer mit, den Sie in dieser Untergruppe an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können. Damit die hier gemachten Änderungen wirksam werden, müssen Sie sich aus- und wieder einloggen.
In dieser Untergruppe befinden sich einige Eingabemasken, mit deren Hilfe Sie Einstellungen systemnaher Art vornehmen können (Admin-Rechte erforderlich!). Bei Date & Time können Sie etwa die Systemzeit und das Systemdatum verändern. In der Eingabemaske Login Manager können Sie das Verhalten und das Aussehen Ihres KDM-Login-Screens an Ihren persönlichen Geschmack anpassen. Besonders interessant ist das Registerblatt Benutzer. Hier können Sie nämlich festlegen, welche Benutzer in dem KDM-Login-Fenster durch welchen Benutzer-Icons dargestellt werden sollen. Das Register Benutzer ermöglicht es Ihnen, nur diejenigen Benutzer und deren Icons anzeigen zu lassen, über die Sie sich tatsächlich im Alltag einloggen. Manche Distributionen haben übrigens in der System-Untergruppe noch einige weitere Konfigurationsmasken integriert, so z. B. Linux-Mandrake, die einen eigenen Menüeditor mitbringt.
Im Gegensatz zum bereits weiter oben erwähnten FileBrowsing können Sie unter WebBrowsing die Web-Browser-Eigenschaften von Konqueror verändern. Hier finden sich z. B. Konfigurationsmasken, in denen Sie genau definieren können, wie Konqueror mit Cookies, Javascript, Java und dergleichen umgehen soll. Diese Einstellungen lassen sich übrigens auch direkt über Konqueror selbst verändern (Einstellungen/Einrichten).
Manchen Eingabemasken merkt man derzeit noch an, dass Sie ursprünglich von verschiedenen Entwicklern als (vorläufige) Teillösungen für ein umfassenderes Konfigurationsproblem entwickelt wurden. Hier und da wäre eine sinnvolle Zusammenfassung themenverwandter Konfigurationsmasken durchaus noch angebracht, damit man intuitiv auf einen Blick alles zur Konfiguration der virtuellen Desktops findet. Immerhin steht dafür eine brauchbare Stichwortsuchfunktion zur Verfügung. Unverständlich ist weiterhin, warum die Übersetzer ausgerechnet die Bezeichnungen der Index-Menüpunkte durchgehend in englisch belassen haben, während die Eingabemasken selbst bereits perfekt "eingedeutscht" wurden. Lobenswert ist dagegen die praktisch durchweg integrierte Kontexthilfe, die bei Unklarheiten bezüglich einzelner Einstellungsoptionen meist wichtige Zusatzinformationen liefert. Insgesamt kann man durchaus sagen, dass das Kontrollzentrum von KDE 2.0 bereits heute die Benutzerfreundlichkeit anderer Betriebssysteme bei gleichzeitig wesentlich größerer Flexibilität für individuelle Benutzervorlieben erreicht hat.