Mit Riesenschritten marschieren alle Jahre wieder Knecht Rupprecht, der Nikolaus, das Christkind, der Weihnachtsmann und – um diese Aufzählung zumindest mit ein wenig grammatikalischer Weiblichkeit zu schmücken – die vier Adventssonntage heran. Spätestens jetzt haben die Lebkuchenberge in jedem Supermarkt (und fast jeder Tankstelle) die Überhand gewonnen und das große Kind in Frau und Mann heraus gekitzelt.
Wer es bislang versäumte, seine Plüschpinguinin mit einer jener unsäglichen rot-weißen Mützen auszustaffieren, braucht wenigstens eines, um dem Rest der Menschheit zu beweisen, dass man – selbst wenn man ständig am Rechner hockt – durchaus auch ein wenig Sinn für vorweihnachtlich-heimelnde Atmosphäre hat: Ein Adventskalender muss her.
Treue LinuxUser-Leser/innen wollen jetzt sicher nicht schon wieder eine CGI-Variante an dieser Stelle sehen – die lässt sich schließlich aus dem Linux-Magazin 12/1999 ("Es WWWeihnachtet sehr" S. 70ff. und Answer-Girl "Spicken nicht erlaubt" S. 80ff.) recyclen. Deshalb sind wir heute etwas kreativ und lassen uns was Anderes einfallen…
Leise rieselt die Mail
Wie wär's z.B., wenn wir unseren Lieben jeden Tag eine kleine Überraschungsmail in den E-Post-Kasten steckten? Da mittlerweile nur noch wirklich hartgesottene Mitmenschen einen Mailreader ohne MIME-Funktionalität benutzen, bietet es sich an, jeden Tag ein anderes Attachment dranzuhängen.
Beginnen wir also damit, 24 Bildchen, Gedichte u.a. Text enthaltende Dateien, vielleicht ein paar hübsche ASCII-Art-Schnipsel, einige animierte Gifs, eine nette URL-Sammlung und vielleicht sogar den einen oder anderen MP3-Fetzen zu erstellen und/oder zusammen zu suchen und sie in einem passenden, z.B. mit mkdir -p ~/adventskalender/inhalt erstellten Verzeichnis abzulegen. Das -p wie "parent" – "Eltern(verzeichnis)" – sorgt dabei dafür, dass inhalt auch dann erzeugt wird, wenn das übergeordnete adventskalender noch gar nicht existiert. Letzteres wird einfach mit angelegt.
Ein ls -sSk1 ~/adventskalender/inhalt verrät uns im Laufe der Sammelaktion, welches der zusammen gesuchten Nicht-ASCII-Files wir schweren Herzens wieder rauswerfen müssen, da es stark gegen ein halbes oder gar mehr Megabytes tendiert und damit die immer noch zahlreichen Vertreter/innen der Modemfraktion nicht gerade glücklich macht.
Das kleine -s bedeutet ls, neben dem Dateinamen auch noch die Größe ("size") anzugeben, und das Ganze in – -k – Kilobyte-Blöcken. (Da Blöcke und nicht Bytes gezählt werden, ist das Ergebnis größer als erwartet. Aber zur Abschätzung reicht's…) -S sortiert die Dateien nach ihrer Größe, die großen voran. -1 sorgt dann noch dafür, dass alle Dateien in einer Spalte untereinander (also eine Datei pro Zeile) aufgelistet werden.
Jetzt geht es noch darum, die Reihenfolge festzulegen, in der diese Dateien verschickt werden sollen – das "Morgen, Kinder, wird's was geben"-MP3 soll schließlich genau am 23. Dezember aus ~/adventskalender/inhalt geholt werden. Am einfachsten geht das, indem wir jeder Datei ein Präfix 01_ bis 24_ im Namen verpassen, beispielsweise mit mv nikolaus.gif 06_nikolaus.gif.
So viel Heimlichkeit
Wenn die Dateinamen lang werden und sich zu sehr ähneln, sodass mehrere Anläufe mit Zeichenergänzungen nötig werden, um mit der Tabulatortastedie nötigen Dateinamenserweiterungen auf den Weg zu bringen, bietet die Basheine interessante Erleichterung.
Wer an ungemütlichen Winterabenden in der Bash-Manpage stöbert, stößt auf drei interessante Abschnitte namens Event Designators, Word Designators und Modifiers. Das, was dort – leider ohne Beispiele – beschrieben wird, sind Möglichkeiten, frühere Kommandos zu recyclen.
Unter Event Designators finden wir das für unsere Zwecke interessant erscheinende Kürzel !#, mit dem man in einer noch nicht fertig getippten Kommandozeile einen Stellvertreter für alles bisher schon eingetippte einfügen kann.
Unter Modifiers finden wir den Hinweis, dass uns ein :p (für "print" – "nur ausdrucken), angefügt an alle vorherigen Designatoren, das fertig ersetzte Kommando zu Gesicht bringt, es jedoch nicht ausführt. Sicher eine Option, die wir jetzt zum Testen gut gebrauchen können. Ein mv nikolaus.gif !#, getestet mit
[trish@lillegroenn trish]$ mv nikolaus.gif !#:p mv nikolaus.gif mv nikolaus.gif
erzeugt also genau das, was wir erwarten: mv nikolaus.gif doppelt.
Das ist nun noch nicht besonders sinnvoll, aber wozu gibt es die Wort-Designatoren? Ein Doppelpunkt nach dem Event-Modifikator, dahinter eine 1 holt das erste Wort aus !# heraus. Da die Shell bei Null zu zählen anfängt, handelt es sich hierbei genau um das Wort nikolaus.gif:
[trish@lillegroenn trish]$ mv nikolaus.gif !#:1:p mv nikolaus.gif nikolaus.gif
Damit kommen wir jetzt ganz leicht zum gewünschten Kommando mv nikolaus.gif 06_nikolaus.gif: mv nikolaus.gif 06_ eintippen und mit !#:1 das Wort Nr. 1 namens nikolaus.gif wiederholen lassen (mv ist Nr. 0, 06_ Nr. 2). Et voilà:
[trish@lillegroenn trish]$ mv nikolaus.gif 06_!#:1 mv nikolaus.gif 06_nikolaus.gif
– nun ohne :p der Ernstfall – führt genau das Kommando aus, das wir wollten.



