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Desktop-File-Manager

Jo´s alternativer Desktop

01.12.2000
Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor. Nachdem sich hier nun verschiedene Window-Manager vorstellten, ist es an der Zeit, diese um ein für viele wichtiges Feature zu ergänzen: Desktop-Icons.

Sicher kann man – sofern sich KDE oder GNOME zusätzlich zum eingesetzten Window-Managerauf der Festplatte befinden – die Icon-Funktionen dieser Umgebungen auch ohne gestartetes Environment nutzen: Die KDE-Icons erscheinen nach dem erstmaligen Aufruf des Dateimanagers kfm. Doch damit alleine ist es nicht getan – KDE hat einen eigenen Manager, der diese Icons um die entsprechenden Konfigurationsmenüs ergänzt: krootwm. Die Wirkung dieses Managers wird nur leider bei den Meisten unbemerkt bleiben – denn er benötigt sowohl die mittlere als auch die rechte Maustaste, welche in aller Regel ein Window-Manager mindestens ebenso sinnvoll zu nutzen weiß.

Ein zweiter Versuch

Ebenso wie bei KDE zeichnet der Dateimanager auch bei GNOME hauptverantwortlich für die Funktion der Desktop-Icons – aufzurufen über gmc --nowindows. Doch auch hier spürt man (je nach eingesetztem Window-Manager) recht bald die Grenzen dieser Variante: Für das Verwalten der Icons auf dem Desktop werden die rechte Maustaste sowie ein GNOME-kompatibler Window-Manager benötigt. Und so können in beiden Fällen leider meist nur bereits konfigurierte Icons angeklickt, aber keine neuen mit vertretbarem Aufwand hinzugefügt werden. Dennoch können hier eigene Versuche von Erfolg gekrönt sein.

Aller guten Dinge sind drei

Der Tradition folgend gleich noch ein Dateimanager, der sich dieser Aufgabe widmet: DFM, der "Desktop File Manager". Meist ist er auf den CDs der Distributoren bereits enthalten. Wer es aber lieber aktueller mag, findet ihn unter http://dfm.online.de/dfm.html – oder aber auf der beiliegenden Heft-CD. DFM wurde nicht für eine bestimmte Umgebung wie KDE oder GNOME entwickelt, weshalb er das Problem der friedlichen Koexistenz zu einem Window-Manager ungleich eleganter zu lösen vermag: Statt eine Maustaste vollständig besitzen zu wollen, arbeitet dieser mit einem oder mehreren transparenten Fenster(n), in dessen definierten Bereich ein jeder Fensterherrscher Mausaktionen der Anwendung (und somit unserem DFM) statt sich selbst zuschreibt.

Die kleine Manpage

Ungeachtet der "großen" Manpage (man dfm) geht das Einmaleins des DFM leicht von der Hand: Er hört auf den Befehl dfm, bei dessen erstmaligem Aufruf eine Standard-Konfiguration vorgenommen wird. Von nun an wird ein Doppelklick auf ein Icon mit dem Start des jeweiligen Programmes belohnt; und wer stattdessen die rechte Maustaste nur einmal drückt, erhält das Kontextmenü (siehe auch Abbildung 1).

Abbildung 1: DFM und dessen Basiskonfiguration

Wer hingegen einen Ordner öffnet, findet sich unmittelbar im Dateimanager wieder. Erwartungsgemäß unterstüzt dieser Drag & Drop, also das Aufnehmen und Wieder-fallen-lassen von Icons. Und wem die gelben Ordner nicht gefallen, der kann sie einfach durch reizvollere ersetzen. Schön ist hierbei, dass DFM keine Icons einer bestimmten Größe benötigt – ob 16x16 Pixel oder 60x60 Pixel, es funktioniert sogar gemeinsam (wenngleich bei solchen Unterschieden kein optischer Gewinn zu erwarten ist). Weniger schön hingegen ist, dass alle im DFM eingesetzten Grafiken im "xpm"-Format vorliegen müssen. Allerdings sollte das Konvertieren anderer Grafiken in dieses Format keine allzu hohe Hürde darstellen – das unlängst vorgestellte Paket "ImageMagick" z. B. erledigt dies mit einem einfachen convert grafik.jpg grafik.xpm. (LinuxUser 10/2000, S. 92)

Man spricht Deutsch

Erscheint DFM auf dem heimischen Rechner in Englisch, so ist vermutlich die Umgebungsvariable "LC_ALL" nicht entsprechend gesetzt. In der Bash kann man diese einfach mittels des Befehls LC_ALL="de_DE"; export LC_ALL auf den richtigen Wert de_DE umstellen. Der nächste Start des DFM sollte dann mit deutschen Menüs erfolgen.

Auf immer und ewig

Nachdem sich nun das Programm als alltagstauglich entpuppt hat, soll es fortan selbstverständlich immer unseren Desktop zieren. Und damit Sie nicht in jeder Ausgabe ein und die selbe Predigt meinerseits vorgesetzt bekommen, basteln wir uns dieses mal nach bestem KDE-Vorbild quasi einen neuen Window-Manager: Er besteht aus einem einfachen Bash-Script, in dem wir zuerst die Umgebungsvariable setzen, danach DFM starten, und erst anschließend einen Window-Manager ins Spiel kommen lassen:

#!/bin/sh
LC_ALL="de_DE"; export LC_ALL
dfm &
mein_Fenter-Manager

Abgespeichert unter dfmdesktop muss diese Datei noch als ausführbar gekennzeichnet werden – ein chmod 777 dfmdesktop erledigt das zufriedenstellend. Idealer Platz für selbstgebasteltes dieser Art ist das Verzeichnis /usr/local/bin, in das der "User" root die Datei noch verschieben sollte: mv dfmdesktop /usr/local/bin/. Dieses simple Script kann von nun an anstelle des Window-Managers aufgerufen werden, und unser Window-Manager wird künftig mit Icons auf dem Desktop erscheinen.

Abbildung 2: Dateimanager mit Desktop-Icons

Beim Angeln …

Der Haken? Sicher gibt es den: Drag & Drop ist ja ganz nett, aber das funktioniert natürlich hier z. B. nicht aus dem Netscape Navigator heraus – beide bleiben eigenständige Programme. Hingegen kann aus dem Dateimanager eine Datei auf den Desktop gezogen werden, oder eine Textdatei auf ein Editor-Icon (bzw. eine HTML-Datei auf ein Browser-Icon), um sofort in diesem geöffnet zu werden.

Mancher wird verwundert feststellen, dass sein Window-Manager nicht wie gewohnt auf Mausklicks im freien Desktop reagiert. Abhilfe schafft hier das Deaktivieren des Desktopkontextmenüs – zu finden nicht etwa in den Optionen, sondern unter dem Menüpunkt DFM für X11 unmittelbar über den Optionen. Um diese Einstellung zu behalten, muss sie explizit im selben Menü nochmals gespeichert werden.

Und wer aufgrund seiner hohen Bildschirmauflösung seinen X-Server auf 100dpi-Schriften umgestellt hat, findet die Konfigurationsoberfläche auch nicht so aufgeräumt wie in Abbildung 1 gezeigt – die Texte passen aufgrund der Schriftgröße nicht mehr hinein und sind gerade noch zu erahnen. Dieser Umstand sollte jedoch weder stören noch dem Einsatz des Programmes entgegen stehen.

DFM für Heimwerker

Wer den DFM nicht auf den CDs seiner Distribution als fertiges Paket vorfindet (oder lieber die aktuelle Version haben möchte), muss mit dem dieser Zeitschrift beiliegendem tar.gz-Archiv vorlieb nehmen. Doch auch dieses ist leicht installiert: Neben den üblichen beim "Übersetzen" (Kompilieren) benötigten Paketen (make, gcc, xdevel) werden die Devel-Pakete von GTK+ sowie libXpm vorausgesetzt – alle liegen den üblichen Distributionen bei. Sind diese installiert, wird das Archiv als "User" root entpackt, worauf ein ./configure das System überprüft und ein sogenanntes "Makefile" erstellt wird. Mit dessen Hilfe kompiliert dann das Tool make ein lauffähiges Programm. Fehlt nur noch das abschließende Kopieren (Installieren) der beim Kompilieren neu erstellten Dateien, sowie das Setzen der nötigen Dateirechte – was uns ein make install abnimmt:

jo@planet ~> su -
Password:
root@planet:~> tar -xvzf dfm-0.99.7.tar.gz
root@planet:~> cd dfm
root@planet:~/dfm> ./configure
root@planet:~/dfm> make
root@planet:~/dfm> make install
root@planet:~/dfm> logout
jo@planet ~>

Glossar

Window-Manager

Hauptaufgabe dieser ist es, Anwendungen mit Rahmen auszustatten und diese anschließend auf dem Desktop zu verwalten. Sie setzen auf einem aktiven X-Server auf, der die grafische Ausgabe zur Verfügung stellt. KDE und GNOME sind sogenannte Environments, die für allerhand mehr oder weniger austauschbare Zutaten zum Window-Manager sorgen.

Bash-Script

Die Bash ist die Standard-Textkonsole unter Linux. Für diese kann man sogenannte Scripts erstellen, deren Inhalt als Liste von Anweisungen aufgefasst und zeilenweise ausgeführt wird.

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