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X11-Konfigurationstools

01.11.2000 Es gibt Fälle, in denen man nachträgliche Änderungen an der Konfiguration des X-Servers vornehmen muss. LinuxUser zeigt Ihnen, was es bei einer Neukonfiguration des X-Servers zu beachten gibt und stellt Ihnen einige X11-Konfigurationstools vor, die Ihnen dabei u. U. behilflich sein könnten.

In der Linux/Intel-Welt hat sich die freie X11-Implementation der XFree86-Organisation [1] durchgesetzt, obwohl es durchaus auch kommerzielle Anbieter von X-Server gibt. Das Kind von XFree86 hat den etwas kryptisch anmutenden Namen X11R6 und befindet sich derzeit in einer spannenden Umbruchphase, die sich auch an einem Versionssprung (siehe auch Artikel "NeXt Generation" in diesem Heft) festmachen lässt. Die neue Version 4.0.1 bringt einige technische Verbesserungen mit, von denen in besonderem Maße auch der normale Linux-Anwender profitieren dürfte. Da die derzeit erhältlichen Minor-Releases von XFree86 4 noch nicht alle auf älteren X-Servern lauffähigen Grafikkarten unterstützen, z. T. darunter aber schon neuere Grafikkarten laufen, die in der 3er X-Server-Familie noch nicht funktionieren, bringen viele der neu auf den Markt kommenden Linux-Distributionen Pakete für beide Versionen mit.

Entsprechend des noch recht jungen Alters von XFree86 4 stecken derzeit natürlich auch die dafür geeigneten Konfigurationstools noch in der Planungs- bzw. Entwicklungsphase. Wir konnten daher für die Konfiguration des neuen X-Servers auch nur das XFree86-eigene Konfigurationstool xf86cfg und Sax2, der Nachfolger des SuSE-spezifischen X11-Konfigurationstools Sax, mit in unsere Übersicht aufnehmen.

Welcher X-Server soll's denn sein?

Bis vor nicht allzu langer Zeit haben die XFree86-Entwickler für jede auf dem Markt befindliche Grafikkartenchip-Familie einen eigener X-Server programmiert. Inzwischen läuft ein Großteil der noch auf dem Markt befindlichen Grafikkarten auf dem kompakten Super-Server XF86_SVGA (3.3.x). Die "Grafikkarten-Treiber" von Linux sind übrigens in der Vergangenheit häufig vor allem deshalb hinsichtlich Performance und Unterstützung von Zusatz-Features hinter ihren Windows-Kollegen zurückgeblieben, weil die Hersteller von Grafikchips z. T. aus Kostengründen, z. T. aber auch aus Angst vor ihren Konkurrenten nicht bereit waren, selbst freie X-Server für ihre Produkte zu entwickeln oder zumindest der freien Entwicklergemeinde die genauen Hardware-Spezifikationen ihrer Grafikchips kostenlos zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe die Entwicklung Chip-optimierter X-Server möglich gewesen wäre. Den freien Entwicklern gebührt an dieser Stelle also außerordentlicher Respekt, dass sie es bisher trotz dieser enormen Hindernisse fertiggebracht haben, nahezu jede gängige Grafikkarte früher oder später auch unter Linux zum Laufen zu bringen. Abhilfe für diese z. T. erhebliche Benachteiligung der Linux-Welt in der Vergangenheit verspricht die neue Version 4 von XFree86. Aufgrund einer Umstrukturierung auf Software-Ebene gibt es nun nur noch einen einzigen X-Server namens XFree86, der in der Lage ist, auch Chip-optimierte "Grafikkartentreiber" von Herstellern zu nutzen, die den Code für ihre Treiber nicht offenlegen möchten. In Kombination mit der ebenfalls in XFree86 4 enthaltenen DRI [2], mit der unter Linux nun auch direktes, hardwarebeschleunigtes 3D-Rendering möglich ist, dürften also über kurz oder lang auch grafikintensive Anwendungen (Spiele, CAE, usw.) unter Linux das letzte aus der jeweiligen Grafik-Hardware herausholen.

Abbildung 1: Vorbildlich: SuSE hat mit SaX2 ein Konfigurationstool geschaffen, das die Konfiguration der neuen X-Server-Generation erheblich vereinfacht.

Tool-basiert oder manuell?

Nachdem Sie sich informiert haben, welcher X-Server in Ihrem speziellen Fall momentan am sinnvollsten ist und das entsprechende XFree86-Paket ggf. noch nachinstalliert haben (die neue Version 4.0 erhalten Sie z. B. auch unter [1]), kann die eigentliche Konfigurationsarbeit losgehen. Die zentrale Konfigurationsdatei heißt normalerweise XF86Config. Sie finden diese, in Abhängigkeit von der verwendeten Distribution, z. B. in einem der Verzeichnisse /etc,/etc/X11 oder /usr/X11R6/etc/X11.

Grundsätzlich stellt sich bei der Konfiguration des X-Servers die Frage, ob es besser ist, die Datei XF86Config von einem der X11-Konfigurationstools erzeugen zu lassen oder ob es nicht u. U. besser ist, diese mit Hilfe eines Texteditors von Hand zu editieren? Wenn Ihre existierende XF86Config aus bestimmten Gründen nicht mehr brauchbar ist (etwa weil sie gelöscht oder nicht rekonstruierbar verändert wurde), empfiehlt es sich in der Regel, mit Hilfe eines X11-Konfigurationstools eine neue Basis-Konfigurationsdatei zu erzeugen, die man dann in einem zweiten Schritt bei Bedarf noch weiter optimieren kann. Ist die bestehende X11-Konfigurationsdatei dagegen intakt, und Sie wollen lediglich kleinere Verbesserungen vornehmen, dann stellt sich die Frage, ob das Konfigurationstool, das Sie hierfür verwenden wollen, überhaupt einen entsprechenden Konfigurationsabschnitt bietet.

Wie Sie in der Übersicht sehen können, eignen sich die gängigen Konfigurationstools in der Regel nur begrenzt für die Einbindung von besonders neuer bzw. unter Linux bislang noch eher selten eingesetzter Hardware (z. B. Radmaus, Touchpads, Joysticks o. ä.). Auch in Sachen Optimierung des X11-Betriebs (optimale Refresh-Rate, Tastaturverhalten, DPMS-Einstellungen usw.) wird man von diesen Tools in der Regel alleingelassen. In vielen Fällen führt also leider noch kaum ein Weg an einer gewissen Recherche bzw. an gezieltem Ausprobieren verschiedener Einstellungsoptionen vorbei. Falls die Manpages und Dokumentationen auf Ihrem System keine weiteren Hinweise für Ihr Problem geben (und Sie auch keinen entsprechenden LinuxUser-Artikel zur Hand haben ;-) ), dann helfen in der Regel nur noch die schier unerschöpflichen Linux-Quellen im Internet weiter (einige Einstiegsseiten finden Sie unter den URLs im Anhang).

Tabelle 1: Änderungen des Aufbaus der neuen XF86Config-4 (4.0.1) gegenüber XF86Config (3.3.x)

Section-Name in Änderungen/Neuerungen in
XF86Config 3.3.x: XF86Config 4.0.x:
Files (Pfadnamen für verwendete Dateien)
Module (Laden von sog. dynamischen Modulen) Server-Erweiterungen und Fontmodule, keine XInput-Treiber mehr
  ".so"-Erweiterungen entfallen, "Option"-Flags werden nun häufig eingesetz
ServerFlags (grundlegende Server-Optionen) Übergabe der Flags als "Option"
  DPMS und Bildschirm-Timeout-Werte werden nun hier gesetzt
Keyboard (Tastaturkonfiguration) ersetzt durch allgemeinere Section "InputDevice"
Pointer (Mauskonfiguration) – " – "
  Schlüsselworte werden nun generell als "Option" gesetz
Monitor (Monitorkonfiguration) VESA-Modes und Schlüsselwort "UseModes" hinzugefüg
Device (Grafikkartenkonfiguration) Schlüsselworte "Driver" und "BusID" kommen hinzu
Screen (Konfiguration von Auflösung/Farbtiefe) "Driver" entfällt, "Identifier" neu, "DefaultDepth" statt "DefaultColorDepth"
XInput (Konfiguration von Spezial-Hardware) ersetzt durch allgemeinere Section "InputDevice"
  neue Section "ServerLayout"
  "XFree86 -configure" erzeugt Basiskonfig-File
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LinuxUser 06/2012

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