Die Bash, das unbekannte Wesen

Hardcore Linux

01.11.2000
Dieser Teil der Serie über die Bash stellt die Grundlagen für die Arbeit mit mehreren und verketteten Befehlen auf der Bash zusammen.

Ein Überblick

Kleine Programme, die auf einer Shell ausgeführt werden, heißen "Befehle" ("Commands"). So unterschiedlich ihre Funktionen auch sind, weisen sie doch gewolltermaßen und prinzipiell viele Ähnlichkeiten auf. So verfügt jeder Befehl über drei Ein- und Ausgänge, die für bestimmte festgelegte Aufgaben eingesetzt werden, die Standardkanäle. Befehle können in den Befehlszeilen einzeln, zu mehreren oder in verketteter Form eingegeben werden. Alle Formen haben bestimmte Vorteile und Eigenheiten.

Befehle und Standardkanäle

Abbildung 1: Datenfluss und Standardkanäle

Einer der Befehlskanäle stellt dem Befehl ein Tor für Eingaben zur Verfügung. Über ihn liest ein Programm Daten aus einer Datei oder einer Pipe (siehe unten) ein. Dieser Kanal wird daher als "Standardeingabe" (standard input) bezeichnet. Analog gibt es einen Ausgabekanal, die "Standardausgabe" (standard output). Der dritte Kanal ("Standardfehlerausgabe" – standard error) hat eine besondere Funktion: über ihn werden Fehlermeldungen, die der Befehl generiert, ausgegeben. Diese Fehlermeldungen haben unter Linux eine wichtige Funktion, da sie oft Hinweise enthalten, wie ein Problem zu lösen ist. Ein Beispiel: Mit den Befehl grep werden Texte nach bestimmten Zeichenketten durchsucht. Der Befehl muss dazu die Textdaten aus den Dateien erhalten (via Standardeingabekanal). Zeilen, die den entsprechenden Text enthalten, werden ausgegeben (via Standardausgabekanal) und in Fällen, wo ein Problem auftritt – weil etwa eine nicht lesbare Datei angegeben wurde – muss der Befehl dies über die Standardfehlerausgabe melden. Abbildung 1 verdeutlicht die Zusammenhänge. Die Zahlen "0", "1" und "2" dienen zur Kennzeichnung dieser Kanäle und werden als Datei-Descriptoren bezeichnet. In der Befehlszeile sieht der Anwender nur wenig von diesen Zusammenhängen:

$> grep muster textdatei*
grep: textdatei: Ist ein Verzeichnis
textdatei1.tex: ein Beispiel "muster"
...

Dieses Beispiel zeigt verschiedene Aspekte auf: Zum einen verwenden viele Befehle (wie auch grep) einige Argumente in der Befehlszeile für Eingaben. Derartige Befehle verwenden meistens das Terminal zur Eingabe, wenn keine entsprechende Eingabedatei beim Befehlsaufruf angegeben wurde.

$> grep geh
Das Lesen vom Terminal[RETURN]
geht so!
geht so!
[Strg-d]

("geht" wird als Suchmuster interpretiert. Mit [Strg][d] wird das Dateiende gekennzeichnet und so die Eingabe beendet.)

Zum anderen wird in dem Beispiel oben das letzte Argument in der Befehlszeile (textdatei*) als Name der Eingabedatei interpretiert. Da der Dateiname ein Sternchen enthält, ersetzt die Shell ihn durch alle passenden Dateinamen (beispielsweise textdatei1.tex, textdatei2.tex, …). Da es auch ein Verzeichnis mit dem Namen "textdatei" gibt, versucht grep zunächst auf dieses zuzugreifen, ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist und die in der ersten Ausgabezeile dargestellte Fehlermeldung verursacht. Im folgenden sieht man, dass die Textausgaben (also die Zeilen, auf die das angegebene Muster zutraf) auch auf dem Terminal erscheinen. Grund für dieses Verhalten ist die Tatsache, dass normalerweise sowohl Standardausgabe- als auch Standardfehlerkanal auf das Terminal geleitet werden. Das muss aber nicht so sein. Über die Datei-Descriptoren sind beide Kanäle getrennt zugänglich.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Die Bash, das unbekannte Wesen
    Es gibt neben den Pipes noch verschiedene andere Verfahren, um mehrere Shell-Befehle miteinander zu verbinden bzw. sie parallel auszuführen. Die wichtigsten Methoden werden in dieser Folge der Bash-Serie vorgestellt.
  • Datenbaustelle
    Die Linux-Kommandozeile zeigt ihre Stärken gerade beim Kombinieren vieler kleiner Tools – hier gilt der klassische Satz: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Umleitungen und Pipes sind oft mit am Werk, wenn Kommandos zusammenwirken.
  • Zu Befehl: Kanäle, Pipes und Tee
    Mit wenigen Handgriffen leiten Sie auf der Kommandozeile Ein- und Ausgaben von Befehlen um und kombinieren Kommandos. Wir stellen die benötigten Bash-Operatoren vor und zeigen, wie Sie mit dem Programm tee noch einen Zwischenschritt einlegen.
  • The Answer Girl
    Solange man online ist, halten sich die Sprachprobleme in Grenzen: Web-Wörterbücher wie dict.leo.org helfen in meistens akzeptabler Geschwindigkeit über die Hürden des fehlenden (Englisch-) Wortschatzes hinweg. Doch wehe, man ist weder mit Standleitung noch Flatrate gesegnet: Schon ärgert man sich, das Regal mit den papiernen Wörterbüchern am anderen Ende des Raums aufgestellt zu haben.
  • Zu Befehl
    Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE oder GNOME regeln lassen – wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, wo es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_10

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 4 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...