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M@il 4 U

Dr. Linux

Hey Mr. Postman, come and see…

Bisher holt Netscape meine Mails vom Provider ab, jetzt plane ich einen eigenen Mailserver. Kann ich Netscape weiterhin verwenden?

Dr. Linux: Wenn Sie Ihre E-Mails über einen fertig konfigurierten Mailserver (z. B. Postfix, wie vom Answer-Girl in Heft 10/2000 besprochen) verschicken und mit fetchmail vom Provider holen, können Sie Netscape als Clienten für den MTA konfigurieren.

In diesem Fall werden lokale Mails (z. B. von root) und "globale" E-Mails vom Provider aus /var/spool/mail/username gelöscht und nach /home/username/nsmail/Inbox verschoben.

Netscape benutzt dazu das eigene Programm MoveMail oder arbeitet, wenn Sie möchten, mit einem externen Movemail-Programm zusammen, um Ihre Mails aus /var/spool/mail/username in sein Mail-Verzeichnis zu kopieren.

Dass die grundsätzlichen Einstellungen wie Identität und E-Mail-Adresse etc. vorhanden sind, wird in der folgenden Beispielkonfiguration voraus gesetzt. Zur Konfiguration müssen Sie sich folgende Punkte unter Bearbeiten-->Einstellungen-->E-Mail und Newsgruppen-->Mail-Server vornehmen:

  • Im Fenster mit der Bezeichnung Server für ankommende Mail klicken Sie den Server an, der dort eingetragen ist; damit wird die Schaltfläche Bearbeiten sicht- und benutzbar (Abbildung 4).

Wählen Sie diese an, so gelangen Sie in das Konfigurationsfenster, das Sie in Abbildung 4a betrachten können.

  • Hier finden Sie zwei Reiter; einen namens Generell und einen mit der Bezeichnung des Servers, den Sie z. Z. benutzen.

Gehen Sie zunächst in den zweiten Reiter. Finden Sie hier aktivierte Einstellungen, dann deaktivieren Sie diese. Sonst erhalten Sie eventuell Fehlermeldungen, weil Netscape sich die aktivierten Einstellungen "gemerkt" hat, obwohl sie nicht mehr benötigt werden.

Danach wählen Sie den Reiter Generell. Neben der Bezeichnung Server-Typ: finden Sie eine Schaltfläche, mit der Sie nun den Server-Typ MoveMail einstellen (Abbildung 4a). Der zweite Reiter wird nun auch zur Bezeichnung MoveMail wechseln, und Sie können hier die Voreinstellung Benutze eingebautes MoveMail aktivieren (Abbildung 4b).

Abbildung 4: Einstellungen im Unterpunkt Mail-Server

Abbildung 4a: MoveMail wird als Server gewählt

  • Im Reiter Generell geben Sie als Nutzernamen den usernamen an, unter dem Ihre Mails in /var/spool/mail/username/ gespeichert werden.
  • Der letzte Punkt auf dieser Seite wählt das Zeitintervall, nach dessen Ablauf auf neue Mails geprüft wird: Schaue nach Mail alle ... Minuten. Sie können die Zeitspanne stark verkürzen, da Sie dazu keine direkte Online-Verbindung mehr aufbauen. Durch die Sicherung Ihrer Eingaben kehren Sie auf die Seite Bearbeiten-->Einstellungen-->E-Mail und Newsgruppen-->Mail-Server zurück.

Abbildung 4b: Netscapes eigener Helfer oder ein anderes Programm?

  • Hier wird nun noch im Feld Ausgehender Mailserver (SMTP) localhost eingetragen (ebenfalls Abbildung 4); das Feld Ausgehender Mailserver Benutzername: bleibt leer.

Abbildung 5: Netscape als Mail-Client – fertig konfiguriert

Netscape ist nun wie in Abbildung 5 als Mail-Client konfiguriert.

Möglicherweise arbeitet Ihre (ältere) Netscape-MoveMail-Version nicht auf Anhieb als Client, weil der Schreibzugriff auf /var/spool/mail verweigert wird.

Abbildung 6: MoveMail kann der Zugriff verweigert werden

Netscape bietet Ihnen dann zwei Möglichkeiten: Entweder ändern Sie die Dateirechte für /var/spool/mail auf 1777 oder Sie verwenden ein externes Movemail-Programm mit den entsprechenden setgid/setuid-Rechten.

Rechte an Dateien und Verzeichnissen können Sie aber auch durch die Eingabe entsprechender Zahlencodes ändern. Ein chmod 1777 Verzeichnisname gibt dem Eigentümer, der Gruppe und allen anderen Lese- (4) plus Schreib- (2) plus Verzeichniswechselrechte (1) (in der Summe 7). Der Bitwert 1000 setzt das Sticky-Bit (symbolische Darstellung t oder T). Dieses Recht ("sticky"=klebrig) bewirkt bei Verzeichnissen, dass nur der Besitzer einer Datei selbige auch aus dem Verzeichnis löschen darf, obwohl alle anderen ebenfalls Schreibrechte darin besitzen. Bei einem ls -l sieht ein Verzeichnis mit den Rechten 1777 so aus: drwxrwxrwt.

Bevor Sie die Rechte für ein Verzeichnis in diese Form umändern, sollten Sie sicher sein, dass Sie eine solche Änderung auch vom Sicherheitsstandpunkt verantworten können: Informieren Sie sich ggf. vorher ausführlicher über Datei- und Verzeichnisrechte.

Analog lässt sich das Set-Group-ID- (kurz SGID-)Bit (Bitwert 2000, symbolische Darstellung s oder S) vergeben. Dieses Bit bewirkt die Übernahme der Verzeichnis-Gruppen-ID durch Dateien, die in diesem Verzeichnis angelegt werden, und zwar unabhängig von der GID des Prozesses, durch den sie entstehen.

Bevor Sie Zugriffsrechte erweitern und damit eventuell Sicherheitslücken öffnen, sollten Sie sich über Dateirechte und deren Anwendung informieren. man setuid und man setgid können Ihnen beim Einstieg in dieses Thema helfen. Hilfreiche Seiten zum Thema Dateirechte finden Sie auch im WWW auf den Seiten http://www.fh-lueneburg.de/rz/buch/chap5/node15.html und http://www1.lunetix.de/LHB/node29.html#SECTION00470000000000000000.

Wenn der Postmann zweimal klingelt

Ich möchte meine E-Mails an einen anderen Account weiter leiten, wie kann ich da vorgehen?

Dr. Linux: Das Weiterleiten ("Forwarding") von E-Mails ist den meisten Menschen, die mit elektronischer Post umgehen, sicher ein Begriff. Dabei wird u. a. jedes Mal der Absender geändert, zudem muss man in der Regel jede Mail einzeln weiter senden.

Möchten Sie alle E-Mails unverändert an eine andere Adresse umleiten, können Sie in Ihrem Homeverzeichnis eine .forward-Datei mit einem Editor Ihrer Wahl anlegen. Tragen Sie z. B. folgendes ein, wenn Sie als Beispieluser elek Ihre Post an den Beispieluser Ihres Vertrauens, golo, weiter leiten wollen.

\elek,golo

Der Eintrag \elek bewirkt wie in der /etc/aliases, dass alle Mails zusätzlich ins Postfach /var/spool/mail/elek kopiert werden. Fehlt dieser Eintrag, gehen alle E-Mails für elek an den User golo, und eleks Postfach bleibt leer.

Arbeiten Sie mit einem System, das ständigen Internetzugang hat und regelmässig E-Mails sendet und empfängt, können Sie in die /forward auch E-Mailadressen eintragen, die außerhalb der lokalen E-Mailzustellung liegen. Auf so einem System (z. B. im Uni-Rechenzentrum) könnte Beispieluser golo seine E-Mails z. B. an golo@provider.de weiter leiten, um sie – statt sich auf dem Uni-Account einzuloggen – in Ruhe zu Hause auf dem eigenen Rechner zu lesen. Der Eintrag in der ~/.forward würde dann wie folgt aussehen:

\golo,golo@provider.de

Für so wenig Text lohnt es sich kaum, einen Editor zu öffnen. Wenn Sie nach dem Login auf der Kommandozeile

user$ echo "\IhrUsername,name@wohin.de" > ~/.forward

eingeben, ist das Anlegen Ihrer ~/.forward schon erledigt. Weitere Informationen finden Sie bei manchen Distributionen auch mit man forward.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Zu einer überraschenden E-Mailschwemme kann es kommen, wenn Sie an eine Adresse forwarden und diese wiederum an Sie (zurück) sendet. Der Slash ("\") vor der Angabe Ihres Names soll Sie zwar davor schützen, ist aber nicht als Garantie zu betrachten. Achten Sie beim Anlegen von .forward-Dateien darauf, dass keine Endlosschleifen entstehen.

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LinuxUser 06/2012

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