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M@il 4 U

Dr. Linux

01.11.2000 Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.

Sie haben Post!

Ich versuche, so wenig wie möglich als root an meinem System zu arbeiten. Wenn ich mich gelegentlich doch als root anmelde, bekomme ich die Meldung You have new mail in /var/spool/mail/root. Das sind dann immer sehr viele Nachrichten. Kann ich diese an mich als User um- bzw. weiter leiten?

Dr. Linux: Schauen Sie mal in Ihre Datei /etc/aliases. Hier legen Sie fest, wer die E-Mails bekommen soll, die an Pseudo-User wie news, ftp u. a. oder auch an root selbst adressiert sind. Diese Datei kann nur vom Superuser root editiert werden.

Für die Weiterleitung der an root gerichteten E-Mails an einen anderen User finden Sie hier bei fast allen Distributionen einen vorkonfigurierten Eintrag, den Sie bearbeiten können.

Entfernen Sie ggf. das Kommentarzeichen # am Anfang der mit dem Stichwort root beginnenden Zeile, und ersetzen Sie bei SuSE oder Red Hat den Beispiel-Benutzer durch den User Ihrer Wahl. Bei anderen Distributionen füllen Sie die Leere nach dem Doppelpunkt mit Ihrem oder einem passenden Benutzernamen oder bei entsprechender Konfiguration Ihres Rechners sogar einer beliebigen E-Mailadresse.

Haben Sie keine Vorkonfiguration, tragen Sie am Ende der /etc/aliases folgendes ein:

root:           Empfängername_oder_-adresse

Wünschen Sie zusätzlich eine Kopie der E-Mails im Postfach des Superusers, dann fügen Sie den Eintrag \root mit Komma getrennt an:

root:           Empfänger
,\root

Die Listings 1 und 2 zeigen die relevante Zeile vor der Änderung zum Vergleich.

Listing 1

Auszug aus der originalen <I>/etc/aliases<I> von SuSE 6.4

# The "\root" will make sure that email is also delivered to the
# root-account, but also forwarded to the user "joe".
# Der Eintrag "\root" stellt sicher, dass E-Mails dem root-Account zugestellt
# werden und zusätzlich an den User "joe" weiter geleitet werden.
#root:          joe, \root

Listing 2

Auszug aus der unbearbeiteten <I>/etc/aliases<I> von Red Hat

# Person who should get root's mail
# Person, die die an root gerichtete Mail bekommen soll
#root:          marc

Wie Sie diese Alias-Datenbank aktualisieren bzw. Ihren neuen Eintrag aktivieren, hängt davon ab, welchen Mailserver Sie installiert haben. Bei Sendmail u. a. geben Sie nach dem Speichern der Datei auf einer Kommandozeile den Befehl

[root@localhost]# newaliases

ein, bei Postfix, wo Sie auch mehrere Alias-Dateien haben können (und Ihre allgemeine Alias-Datei oft unter /etc/postfix/aliases zu finden ist), werden Sie vermutlich den Mailserver-eigenen Befehl

[root@localhost]# postalias /etc/aliases

vorziehen.

Agenten im System?

Ich bekomme eine Meldung über neue Post in /var/spool/mail/username angezeigt, aber wenn ich Netscape öffne, wird mir nichts Neues angezeigt. Wie kommt das?

Dr. Linux: Auf typischen Unix-Systemen werden nicht alle E-Mail-Aufgaben von einem Programm erledigt, sondern von mehreren. Der MTA ("Mail Transfer Agent") kümmert sich um folgende Aufgaben:

  • Übertragung der E-Mails zu Empfängern innerhalb und außerhalb des Systems,
  • Zwischenspeichern der E-Mails bis zur nächsten Online-Verbindung und
  • eventuell auch das Ändern der Absenderadresse auf die Mailadresse beim Provider (Maskierung). Die bekanntesten MTAs sind
  • Sendmail,
  • Exim,
  • Postfix,
  • Smail und
  • Qmail. Werden Sie nach dem Login gelegentlich mit der Meldung You have new mail in /var/spool/mail/username begrüßt, dann können Sie davon ausgehen, dass ein MTA auf Ihrem System installiert ist. Das ist bei fast jeder Standard-Installation der Fall. Dieses Programm arbeitet in ständiger Bereitschaft im Hintergrund.

Ein "Mail User Agent" (MUA, oft auch Mail-Client genannt) liefert eine Benutzeroberfläche für die Anwender. Mit dieser Sorte Programm werden E-Mails gelesen, geschrieben (oft mit Hilfe eines externen Editors) und an den zuständigen MTA zum Versenden übergeben.

Die meisten Clients gehen davon aus, dass eingehende Mails in /var/spool/mail/username zu finden sind. Einige MUAs produzieren vor dem ersten Einsatz eigene Mappen, in denen die Mails abgelegt werden.

Bekannte Mail-Clienten sind pine, elm und mutt. Haben Sie nach dem Login auf dem System eine Meldung über neue Post, können Sie zum Lesen z. B. direkt pine (sofern installiert) aufrufen.

Mail-Programme wie Netscape und KMail lassen eine Stand-Alone-Konfiguration zu; das heißt, sie arbeiten unabhängig vom MTA des Systems und speichern Ihre Mails extra. Netscape verwendet den Pfad /home/username/nsmail.

Für Einsteiger sind diese Konfigurationen recht einfach zu bewältigen, da sie eventuell schon von anderen Betriebssystemen her bekannt sind. Provider liefern in der Regel auch Gebrauchsanweisungen für die Benutzung von Netscape.

Derartige Konfiguration haben in der Regel den Nachteil, dass lokale Mails, die z. B. Systemprogramme wie verschicken, nicht angezeigt werden. Dazu müssen Sie dann wiederum einen Clienten wie pine oder mutt aufrufen, der direkt auf /var/spool/mail/username zugreift.

Abbildung 1: Die Menüauswahl von pine

Abbildung 2: Neue E-Mails in der pine-inbox

Abbildung 3: Mails lesen mit mutt

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LinuxUser 03/2012

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