Installation

In fast allen Linux-Distributionen sind heute Wine-Pakete enthalten, die über das Paketverwaltungsprogramm der Distribution installiert werden können. Aufgrund der schnellen Entwicklung von Wine sind diese Pakete jedoch meist schon mit dem Erscheinen der Distribution veraltet. Es lohnt sich also, ein aktuelles Wine-Paket aus dem Internet herunterzuladen und dieses zu installieren. Hier besteht entweder die Möglichkeit, ein Binärpaket im RPM- oder Debian-Format zu installieren oder gleich den Wine-Quellcode zu verwenden und diesen auf dem eigenen System zu kompilieren. Das hört sich zunächst komplizierter an als es ist. Die Kompilation auf dem eigenen Rechner bietet den Vorteil, dass das dabei entstehende Wine-Programm genau auf die Software des eigenen Rechners abgestimmt ist. Dabei wird nämlich zuerst genau geprüft, welche Komponenten auf dem System vorhanden sind. Wine kann dann Eigenschaften enthalten, welche diese Komponenten benutzen. So funktioniert die OpenGL-Komponente von Wine nur dann, wenn auf dem System eine OpenGL-Bibliothek mit bestimmten Eigenschaften vorhanden ist. Falls Sie nun ein Binärpaket verwenden, das eine Version von Wine enthält, die für die Unterstützung einer bestimmten OpenGL-Version kompiliert worden ist, die erforderliche OpenGL-Bibliothek aber gar nicht auf Ihrem System installiert ist, dann kann das dazu führen, dass Wine nicht funktionsfähig ist. Anders herum können Sie die OpenGL-Funktionalität nicht nutzen, falls Ihre Wine-Version nicht für die Verwendung von OpenGL übersetzt wurde, sich aber eigentlich eine OpenGL-Bibliothek in Ihrem System befindet. Um eine aktuelle und funktionsfähige Version von Wine zu benutzen, wird deswegen ausdrücklich empfohlen, ein Quellcode-Paket zu verwenden und dieses selbst zu kompilieren.

Softwarevoraussetzungen

Um Wine kompilieren und hinterher einsetzen zu können, ist es erforderlich, dass bestimmte Programme und Dateien auf dem System installiert sind, die zwar alle Bestandteil moderner Distributionen sind, aber deswegen nicht unbedingt auch installiert sein müssen. Damit es während der Kompilation zu keinen Problemen kommt, sollten Sie prüfen, ob die folgenden Komponenten auf Ihrem System vorhanden sind:

  • Linux-Kernel der Versionsfamilie 2.2.x. Wine funktioniert auch mit älteren Kernels der Versionsfamilie 2.0.x. Allerdings kommt es bei diesen Kernels zu Problemen, wenn 32Bit-Programme mit mehreren Threads ausgeführt werden.
  • Die GNU C-Laufzeitbibliothek. Empfohlen wird hier die Version 2.1. Sie können Wine jedoch auch mit der älteren Version 2.0 verwenden. Nicht empfohlen wird die Verwendung der mittlerweile veralteten C-Bibliothek libc5. Neben der eigentlichen Bibliothek, die auf jedem Linux-System installiert ist, benötigen Sie die Entwicklerdateien dazu. Diese Dateien sind unter Debian 2.2 im Paket libc6-dev und unter Suse 7.0 im Paket libc (Serie d) enthalten. Unter Suse müssen zusätzlich noch die Header-Dateien des Kernels installiert werden, sie befinden sich im Paket linclude, Serie d.
  • Wine verwendet normalerweise das X Window System zur Darstellung von Fenstern auf dem Bildschirm. X muss deswegen installiert sein. Desweiteren benötigen Sie die X-Entwicklerdateien (Debian: Paket xlib6g-dev, Suse: Paket xdevel, Serie x)
  • Desweiteren wird die X Pixmap-Bibliothek (libxpm) benötigt. Unter Debian müssen Sie deswegen die Pakete xpm4g und xpm4g-dev installieren. Unter Suse sind die entsprechenden Dateien in den Paketen shlibs und xdevel enthalten.
  • Damit Wine kompiliert werden kann, wird natürlich ein Compiler benötigt. Mindestanforderung ist hier der GNU C-Compiler, Version 2.7.2, empfohlen wird die aktuelle Version 2.95. Diesen Compiler finden Sie sowohl unter Debian als auch unter Suse im Paket gcc.
  • Darüberhinaus benötigen Sie einige Hilfswerkzeuge wie make, bison und flex, die unter Debian und Suse in Paketen mit den entsprechenden Namen enthalten sind.
  • Wine kann optional einige weitere Bibliotheken verwenden. Dazu gehören vor allem die ncurses-Bibliothek (Debian: Pakete libncurses5 und libncurses5-dev. Suse: ncurses, Serie a) und OpenGL-Bibliotheken. Entwicklerdateien für OpenGL finden Sie unter Debian im Paket mesag-dev und unter Suse im Paket mesadev (Serie x3d). Beachten Sie bitte, dass Sie außerdem entweder eine OpenGL-Grafikkarte und einen X-Server mit OpenGL-Unterstützung für Ihre Karte oder die (langsame) Software-OpenGL-Implementierung Mesa (Debian: mesag3. Suse: mesa und mesasoft, Serie x3d) benötigen.

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